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Mittwoch, den 20. October

1886

Jfiiliidfr

Jalung

in Frage stehen. Jndeß, wenn es jenseits de» Kanals einen Trost gewähren kann, daß man, soweit die eigenen Jnteresien in Betracht kommen, mit der Gestaltung der Dinge nicht unzufrieden zu sein brauche, so haben wir keine Ursache, unseren Vettern diesen Trost zu rauben. Man kann nur sagen, daß sie danach besser gethan hätten, sich in die bulgarischen Angelegenheiten überhaupt nicht zu mischen, dann würde Fürst Alexander voraussichtlich den bulgarischen Thron einnehmen und dem bulgarischen Volke wäre eine Reihe schwerer Prüfungen erspart geblieben. Was die angebliche Unabhängigkeit Bulgariens anlangt, so hat diese vor dem Philippopeler Staatsstreiche nicht bestanden. Bulgarien befand sich thatsäch- lich unter der Suprematie Rußlands, die Wieder­herstellung des Standes der Dinge vor dem

Unmöglichkeit, in der sich England befinde, mit Rußland in Bulgarien Krieg zu führen, da doch

in dem früheren Rahmen begnügen wird. Der russische offiziöse ,Nord' verspottet die Touren Churchill's wie folgt: „Lord Raudolph Churchill hat seine Reise um die politische Welt in weniger als 80 Tagen beendet. Es ist zu vermuthen, daß der edle Lord über den Erfolg seiner politischen Reise sehr rasch benachrichtigt worden ist, da ihm nichts daran gelegen war, dieselbe weiter auszu­dehnen und die Finanzangelegenheiten seines Landes, die seine Spezialität bilden, noch weiter im Stich zu lassen. Er hatte übrigens alle Vorkehrungen getroffen, damit seine große Reise unter dem größten Ge« heimniß erfolgte und ohne die Indiskretionen der telegraphischen Agenturen würde vielleicht ein so bedeutendes Ereigniß unbemerkt vor sich gegangen sein. Vielleicht hat er nur das Inkognito gewählt, um den fast königlichen Ehrenerweisungen, die ihn er«

was man in Petersburg als Beleidigung dez Czaren betrachten würde.

warteten, zu entgehen; vielleicht geschah es auch nur, um desto leichter durch die halboffenen diploma-

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Deutsches Reich.

Berlin, 19. October.

* Die Enträthselung eines offiziösen Artikels der .Nordd. Allg. Ztg.', welcher dem ehemaligen Fürsten von Bulgarien alle Schuld für die jetzige Krisis aufbürdet, erscheint den hies. Blättern I als eine sehr undankbare Aufgabe, auf deren Lösung sie verzichten. Die Situation wird heute wieder einmal ganz überwiegend günstig beurtheilt und es gilt für ausgemacht, daß Rußland, nach­dem es sich überzeugt hat, daß an eine Wied er­wähl des Fürsten Alexander nicht zu denken ist, auf eine Okkupation Bulgariens verzichtet. Die Hoffnung für eine friedliche Lösung beruht aber hauptsächlich auf der Thatsache, daß jetzt ein leb­hafter diplomatischer Verkehr zwischen den Mächten infolge des englischen Rundschreibens, der bulga­rischen Note und des russischen Protestes gegen die Giltigkeit der Wahlen stattfindet.

* Die in Berlin erscheinende Wochenschrift .Deutsches Adelsblatt' ist der .Rigaischen Zeitung' zufolge für Rußland verboten worden.

* Man schreibt der .Germ.' aus Rom, daß Prälat Prof. Hetlinger, der berühmte Ver­fasser der „Apologie des Christenthums" in Würz­burg, in dem nächsten Consistorium den Car­din als Hut vermuthlich erhalten werde.

* Trier, 19. Okt. Dechant Graach zu Re- | magen ist zum Regens des hiesigen Priester- Seminars ernannt rooiben. sJakob Graach, Pfor­rer und Dechant, wurde im Jahre 1831 in Wadern geboren, zum Priester geweiht am 20. August 1855. Nachdem er zuerst in Prüm als Kaplan gewirkt hatte, wurde er 1860 zum Pfarrer in Castellaun berufen, wo er bis zu seiner im Jahre 1868 erfolgten Anstellung in Remagen verblieb.'!

* Paderborn, 17. Okt. Das hiesige Prie­sterseminar, seit dem 27. November 1875 ge­schlossen, ist gestern mit 26 Alumnen wieder eröff­net worden. Bereits am 30. Juni 1875 hatte das Seminar den alten Seminarflügel, einen Theil des Universitätshauses, auf Grund des Sperrge­setzes vom 22. April 1875 räumen müssen. Es blieb dem Seminar noch der im Jahre 1853 auf« Entsetzliche Qual, mit dem Geliebten seines Her« zens so intim verkehren zu müssen und zu wissen, daß er uns verachtet!

Als das Dessert aufgetragen war und die Diener sich anschickten, den Saal zu verlassen, hörte ich den trippelnden Schritt und die Helle Stimme unseres Söhnchens. Aengstlich blickte ich meinen Gatten an, dessen Augenbraunen sich fin­ster zusammenzogen.

„Das ist nicht in unserer Verabredung einbe­griffen," sagte er in abgestoßen hartem Tone.

„Habe Mitleid mit dem Kinde," flehte ich „und behandle es freundlich. Oder willst Du das un­schuldige Würmchen leiden lassen für das, was Du der Mutter vorwufst?"

Hugo antwortete nichts. Er bedeckte die Au­gen mit seiner Hand. Ich sah, wie krampfhaft die Muskeln seines Mundes arbeiteten, ich sah, daß meine Worte ihn tief ergriffen hatten.

Der kleine Hugo eilte athemlos, Laute jubeln­den Entzückens ausstoßend, in das Zimmer.

„Ei, mein Stuhl ist ja noch nicht gesetzt," rief er lebhaft. „Nicht wahr, die Diener wußten nicht, daß ich noch zu Euch kommen würde. O, Mama, ich bin so glücklich."

Er ergriff einen Stuhl und schob ihn an den Tisch. Sein Vater lüftete die Hand, wie wenn er das Thun des von Gesundheit strotzenden und

pationsgerüchte, auch soweit sie eine türkische Occu« pation Ostrumeliens betreffen, als unbegründet erklären. Der Pariser .Temps' erfährt offenbar aus den Kreisen der russischen Botschaft in Paris, daß Rußland in Bulgarien nicht interveniren werde, so lange die Sobranje keine Manifestation zu Gunsten des Fürsten Alexander unternehme, sicher, oberflächlicher Einfall. Ach, damals war ich noch fo jung und ich klammerte mich an jeden Strohhalm, der sich mir zur Rettung zu bieten schien. Gern wäre ich im Speisesaale die erste gewesen, um der Nothwendigkeit, ihn zuerst zu begrüßen, überhoben zu sein, aber als ich eintrat, sah ich meinen Gatten bereits am offenen Fenster stehen. Er nahm von meinem Eintritt nicht im Mindesten Notiz, antwortete nicht einmal auf meinen Gruß, sondern blickte unverwandt auf das Buch, welches er in seiner Hand hielt.

Das Diner wurde gemeldet und nun kam ein Augenblick, der mir das Herz zu brechen drohte. Hugo kam festen Schritts auf mich zu, bot mir feinen Arm, um mich zu Tisch zu führen, wie er stets zu thun pflegte in vergangenen glücklichen Tagen, wenn wir allein waren. Während der ganzen Dauer des Mahles und in Gegenwart der Dienerschaft war fein Benehmen in jeder Be­ziehung ganz das alte, fo daß Fernerstehende eine Veränderung nicht hätten entdecken können, ich aber, die feinen Charakter und die Art und Weife, wie er sich zu geben pflegte, seit Jahren mit dem Scharfsinn der Liebe und des Weibes studirt hatte, erkannte die ungeheure Kluft, welche sich zwischen uns aufgethan hatte. Seine wider Willen oft auf mich gerichteten Augen, feine gezwungen freundlichen Worte trafen mich wie Dolchstiche. I

4, ‘ Philippopeler Staatsstreich, das ist der eine

c^hurrhtlls Reise. . Punkt, um den sich heute die Ereignisse drehen! ns.- o t -r. s Was die Zukunft noch eben immer nicht rosig er#

nnnfeine? e s»^Otb OhurM, rst . scheinen läßt, sind nicht sowohl die eigenthümlichen

und mit unseren abendländischen Moralbegriffen Saft ! E zu vereinbarenden Mittel, deren Rußland sich

rt'pBnht nf1 Mitten, Erfolg j zur Wiederherstellung des status quo bedient, als

Äe9in ein?m S A^Nlß derselben . vielmehr die Frage, ob sich Rußland auch mit der 1U fei«, ft wi.b L--^u-g d-- ! ?ie?e*ÄraS fnn-- Suprematie in Bulgarien

russischen Suprematie in Bulgarien ohne Krieg und ohne Occupation des Landes für wahrschein­lich erklärt. England besitze, heißt es weiter, nicht die Macht, einen Feldzug gegen Rußland in Bulgarien zu unternehmen; es würde, wenn es Rußland bekriegen müßte, eil anderes Schlacht­feld wählen und dann den Krieg unter anderen Bedingungen, als sie jetzt daheim und auswärts beständen, beginnen. Eine Störung des Friedens Bulgariens wegen fei deshalb unwahrscheinlich. Die Unabhängigkeit Bulgariens habe als Frie­denspreis geopfert werden müssen, und England habe, soweit seine Interessen dabei in Betracht kommen, keine Ursache, damit unzufrieden zu fein. Diese Auslassung ist nicht frei von Widersprüchen. Sie spricht offenbar mit einem Bedauern von der

M Ä“ JT * » äü rannen. Sie L7nch : ~rflI?npF1'J0 XXf, roo$ englische Interessen sei die Tour ist beendet, und er kann jetzt seinem f Kollegen, dem Lord Jddeslergh, die Eindrücke mit- l theilen, die er aus dieser maskirten Reise ge« I wonnen hat. Es wird versichert, daß sich die Ladung hoher Kastanien, die von anderen ge­röstet werden sollten, und die Lord Raudolph für jeden Fall mitgenommen hatte, sich auf der Reise kaum vermindert hat. Wir glauben es gern." In Uebereinstimmung mit der obenerwähnten Aus­lassung des ,Observer' stehen in einem Punkte auch russisch-offiziöse Stimmen, welche alle Occu-

Wieder vereinigt.

Frei nach dem Englischen bearbeitet.

7. Fortsetzung.

Mein Herz krampfte sich zusammen bei den Klagen des Kindes, ich faßte mich jedoch und ent­gegnete ruhig:

„Papa hat Vieles zu bedenken und zu besor­gen, mein Kind, und nicht Alles ist angenehm, was ihm begegnet. Sei Du nur immer hübsch artig und belästige ihn nicht so oft."

Dann plauderte ich mit dem Kinde in seliger Vergessenheit alles dessen, was geschehen und noch kommen mußte — ich blickte dem herzigen Jun­gen in die Hellen muthwilligen Augen und fand meinen Himmel in ihnen. Aber nach einer Stunde kam die Wärterin, den Kleinen zu holen, weil die Zeit des Mittagsessens herannahte, und kaum war ich wieder allein, als der ganze Jammer meines unseligen Geschicks sich wieder auf mich stürzte.

Indessen bemühte ich mich, sorgfältige Toilette zu machen, und legte ein Kleid an, von welchem ich wußte, daß seine Farbe Hugo gefiel. Jetzt lachte ich über diesen Einfall, wie konnte ich nur glauben, daß die Schönheit meiner Toilette auf einen Mann wie Sir Hugo in dieser Situation Eindruck machen würde! Es war ein echt weib-