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Erneuerung der Loose hierzu hat bei Verlust des Anrechts bis zum 5. k. Mts., Abends 6 Uhr, gegen Vorzeigung des Looses der Vorclaffe zu ge­schehen.

* Die Zeit, wo der schmackhafte Gansbraten eine Rolle sprelt, ist da. Da viele Frauen die Gänse nicht selbst mästen, sondern lebend oder ent­fiedert auf dem Markte kaufen, so mögen Unerfahrene sich folgende Kennzeichen junger Gänse zur Unter­scheidung von alten, zähen, merken: Weißer Ring um die Pupille des Auges (während er bei den alten blau oder gelb aussieht), blaßgelber Schna­bel, spitze Nägel, leicht zerquetschbare Flügel und Gurgel (während diese bei den alten sehr hart sind); die dicken Federn sind bei jungen Gänsen viel weicher wie bei den alten, die Zehen leicht zerreißbar. Da nicht selten 5 bis 10 Jahre alte Brutgänse zu Markte gebracht werden, so mögen namentlich junge Hausfrauen sich an der Hand dieser Kennzeichen vorsehen.

* Die preußische Unterrichtsverwaltung beschäf­tigt sich infolge mehrfacher Anregungen lebhaft mit mehreren Fragen von allgemeinem Jntereffe. Dahin gehört eine anderweit zu regelnde Ferien­ordnung und die Angelegenheit des Nachmittags­unterrichts, namentlich im Sommer an besonders heißen Tagen; auch die Schülerausflüge an höheren Lehranstalten haben Anlaß zu Erörterungen ge­geben. Danach sollen Ausflüge, welche sich auf mehrere Tage ausdehnen, nur mit Schülern der höheren Klassen und nur mit vorgehender Ge­nehmigung der Provinzial-Schulkollegien erfolgen dürfen.

* Die diesjährige Rekruten-Einstellung wird bei sämmtlichen Truppentheilen des preußischen Garde­korps und 15 Armeekorps vom 2.-6. November, und bei den übrigen Armeekorps vom 4.-6. Novem­ber erfolgen. Nur die für das Pommer'sche Fuß« Artillerie-Regiment Nr. 2, das Schleswig'sche Fuß- Artillerie-Bataillon Nr. 9, die Unteroffizierschulen, sowie die als Oekonomiehandwerker ausgehobenen Rekruten sind bereits am 1. Oktober eingestellt.

* Hersfeld, 12. Okt. In früheren Jahren schon haben wir hin und wieder auf das Lullus- fest und seine Entstehung hingewiesen, in diesem Jahre kommt uns ein Artikel des ,Cass. Tgbl. u. Anz.^ zustatten, in welchem ein ehemaliger Hers­felder Gymnasiast (?), Herr Professor Dr. Adolf Müller in Chemnitz, seinen Erinnerungen an dar Lullusfest Worte leiht. Wir entnehmen dem Artikel, der uns die Feier des Lullusfestes in früheren Jahren schildert, nur das noch jetzt Bestehende, auch schon weil uns für das Ganze genügender Raum nicht zu Gebote steht: Unser hastiges, vor« wärtsstürmendes Geschlecht ist leider alten Volks­trachten, Sitten und Festen wenig günstig; mit tiefem Bedauern müßte es jeden Freund echten, gesunden Volkslebens erfüllen, wenn er von dem, was noch unseren Vätern lieb und werth war, ein Stück nach dem anderen den Alles gleich« machenden Bestrebungen des jetzigen Zeitgeistes zum Opfer fallen sieht. Umsomehr muß man sich freuen, wenn doch noch hier und da mit lobens- werther Zähigkeit althergebrachte Gebräuche und Feste aufrecht erhalten werden, wie dies unter anderen die gute Stadt Hersfeld mit ihrem uralten Lullus fest thut, welches zugleich für sie die Kirmes bildet. Dieses Fest wird seit 1100 Jahren zu Ehren des eigentlichen Gründers von Hersfeld, des heiligen Lullus, des größten Schülers und Nachfolgers des heiligen Bonifacius, gefeiert, welcher 769 dort ein Benediktinerkloster gründete und bestimmte, daß er nach seinem Tode in der Kirche desselben beigesetzt werde. Als er am 16. Oktober 787 als Erzbischof von Mainz gestorben war, wurde sein Leichnam in feierlichem Zug von Mainz nach Hersfeld gebracht und in der dortigen Stiftskirche beigesetzt. Dort haben seine Gebeine friedlich geruht, bis im siebenjährigen Krieg die Franzosen die ehrwürdige Stiftskirche zu Hersfeld, eine der ältesten Basiliken Deutschlands, welche sie zum Heu- und Fruchtmagazin herabgewürdigt hatten, bei ihrem Rückzüge nichtswürdiger Weise m Brand steckten'(Febr. 1761), wobei die in der Kirche befindlichen Grüfte und so auch die des heiligen Lullus leider zerstört wurden. Der Todes­tag des Heiligen wurde in katholischen Zeiten all- lährlich unter dem Zuströmen vieler Tausende von auswärtigen Wallfahrern, welche das Grab des h. Lullus besuchten, in Hersfeld gefeiert und wenn auch »durch Einführung der Reformation dieses Lullusfest seinen kirchlichen Charakter verlor, so hat

sich doch die weltliche Feier bis auf den heutigen Tag in voller Frische erhalten. Die Woche des Oktober, in welcher der Todestag des hl. Lullus fällt (16. Oktober), wird noch heute in Hersfeld die Lulluswoche genannt. Montags mit dem ersten Glockenschlag 12 Uhr Mittags wird unter dem Geläute der Stiftsglocken auf dem Marktplatz in einer dazu hergerichteten Vertiefung ein großes Feuer angezündet, während aus den Kehlen des zahlreich versammelten Volkes und besonders der lieben Jugend der alte Hers­felder Freudenruf erschallt: „Bruder Solls! Bru derLolls!" An dem Freudenrufe: „Bruder Lolls!" erkennen sich die Hersfelder als Kinder ihrer Stadt auf dem ganzen Erdenrund, wovon verschiedene rührende Beispiele zu erzählen wären. Das Feuer wird durch die bestellten Wächter auf das Sorgfältigste unterhalten. Zu ihrem Aufent­halt ist neben dem Feuerloch eine Bretterhütte aufgeschlagen, in welcher sie ihr Hauptquartier haben; neben derselben liegen die Stöße Holz aufgeschichtet, die zur Nahrung des Feuers dienen. Vier Tage und Nächte brennt das Feuer zur Ergötzlichkeit von Jung und Alt, bis es Donners­tag nachts mit dem letzten Glockenschlage 12 Uhr ausgelöscht und die Feuergrube mit Erde wieder ausgefüllt wird. Mittwoch ist großer Markt, welcher von den Bewohnern der Stadt und den nahegelegenen Dörfer stark besucht wird. An Er- götzlichkeiten aller Art, an Seiltänzern, Karouffels, Schießständen, Glücksspielen, Puppentheater, sowie an Musikbanden und Orgelspielern fehlt es nicht. Nach dem Schluß des Marktes beginnen die Tanzbelustigungen Donnerstags und so geht es in Heiterkeit und Frohsinn fort bis zum Montag Morgen, an welchem der Emst des Lebens wie­der in seine Rechte tritt und wieder Hand an die Arbeit gelegt werden muß. Wie auf dem Lande Jung und Alt das ganze Jahr hindurch sich auf die Dorf-Kirmes freut, so freut sich ganz Hers­feld auf das alljährlich wiederkehrende Lullusfest. So lange dieses besteht, bleibt das Andenken an den Gründer und Wohlthäter der Stadt Hersfeld, den heiligen Lullus, unvergänglich. Und so möge denn bis zu den fernsten Geschlechtem immer wieder der alte Hersfelder Jubelruf ertönen: „Bruder Solls! Bruder Solls!« (H. Z.)

* Hersfeld. 13. Okt. Dem heutigen Vieh- markt waren 647 Stück Rindvieh zugetrieben. Der Handel ging lebhaft, obwohl die heute Abend beginnenden jüdischen Festtage entfernt wohnende Händler abgehalten hatten, zu kommen, daher auch die Preise etwas niedriger, als am letzten Vieh­markt. Schweine waren 298 Stück zugeführt. Preise hoch, Handel lebhaft. (H. Z.)

* Hanau, 12. Okt. Vor etwa 14 Tagen stach sich ein Arbeiter aus Sangenselbold beim Mittagessen in die linke Hand, so daß Blut floß. Der Mann ließ die Wunde ausbluten und be­achtete sie nicht weiter. Durch Schmutz und Staub bildete sich aus der anfangs kleinen Stich­wunde ein schmerzhaftes Uebel. Die Umgebung der Wunde schwoll und der Arzt nahm eine Operation vor, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg hatte. Gestern Mittag mußte dem armen Familienvater die Hand amputirt werden.

* Cassel, 13. Okt. Der Herr Oberpräsident, Staatsminister Graf zu Eulenburg, ist heute von seiner Reise nach Ostpreußen zurückgekehrt und hat die Oberpräsidalgeschäfte wieder übernommen. — Gestern fand in Zwesten die Vermählung des Grafen Nsenburg-Büdigen mit der Prinzessin Elisabeth von Hanau-Ardeck, der Enkelin des Kur­fürsten von Hessen, statt. — Das,Cass. Journal' schreibt: Eine angenehme Ueberraschung wurde uns gestern zu Theil. Von einem Freunde unseres Blattes aus Wächtersbach erhielten wir eine Schachtel zugesandt, welche in ihrem Innern, in frisches Waldmoos eingelegt, ein ganzes Sträußchen aromatisch duftender fast überreifer Walderdbeeren barg. Die zu dieser Zeit gewiß äußerst seltenen Waldeskinder, welche vortrefflich entwickelt waren, sind am 10. ds. Mts. bei Wächtersbach dem Walde entnommen worden und ließen uns nur ihre Minderzahl bedauern, da sich sonst eine wohl­schmeckende Redaktionsbowle aus ihnen hätte be­reiten lassen.«

* Frankfurst a. M., 14. Oktober. Eine auswärtige Firma frug bei einer hiesigen in Be­treff der Zahlungsfähigkeit eines hiesigen Geschäfts­mannes an ,und erhielt eine so gute Auskunft, daß sie diesem einen Credit bis zu 6000 Mark

gewährte. Nachträglich stellte sich aber heraus, daß der betr. Geschäftsmann wiederholt Wech­sel in Protest hatte gehen lassen. Da er auch die Firma, welche sich nach ihm erkundigt hatte, unbefriedigt ließ, hat diese gegen die seiner Zeit Auskunft gebende Firma Klage auf Schaden­ersatz erhoben.

— 12. Okt. Bei der Hafeneinweihung wird die Einweihungsrede unter der bis dahin gedeck­ten Werfthalle abgehalten werden. Diese hat be­reits ihr festliches Gewand angelegt. Alsdann begeben sich die illustren Gäste unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters zu dem Schlußstein und es werden unter entsprechenden Worten die üblichen Hammerschläge vollzogen. Die Fahrt der Gäste durch die Stadt erfolgt in der Weise, daß in jeder Equipage drei auswärtige Gäste und einer der Herren Stadtverordneten oder ein durch seine gesellschaftliche Stellung hervorragen­der Bürger Platz nehmen. Bei dem Festbankett im Palmengarten, dessen Ziel die Fahrt durch die Stadt ist, werden an jedem einzelnen Tische die Magistratsmitglieder und Mitglieder der Stadt­verordneten die Direktion und Aufsicht führen. Bei dem Bankett werden die Herren Oberbürgermei­ster Dr. Miquel, Stadtverordneten-Präsident Hr. Dr. Humser und Herr Baurath Kuno sprechen.

* Höchst, 13. Okt. Die Einweihungsfeier der Mainkanalisirungs-Anlage scheint sich zu einem ungewöhnlich glänzenden und großartigen Feste gestalten zu wollen: am 16. d. M. wird an unseren Bahnhösen und am Landungsplätze am Main ein Zusammenströmen von Persönlichkeiten stattfinden, wie es sich nur selten ereignen mag. Ihr Erscheinen bei der Feier haben zugesagt die Herren Staatsminister v. Puttkamer und Bötticher, der Kgl. bayerische Minister der auswärtigen Angelegenheiten von Crailsheim, die hessischen Minister Finger und Weber, der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau Herr Graf zu Eulen­burg, die Präsidenten zahlreicher Handelskammern aus den Rheinlanden und aus Städten am Main, sowie aus Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, hervorragende Wassertechniker u. a.

* Würzburg, 13. Okt. Die Verhandlung gegen die wegen der Eisenbahn-Katastrophe am Faulenberg in Untersuchung gezogenen Eisenbahn­bediensteten wird zu Ende dieses ober zu Anfang des nächsten Monats vor dem königl. Landgerichte dahier flattfinden._____________________________________

Auszug

aus den Registern des Standesamts Fulda, vom 8. bis 14. Oktober 1886.

Aufgebote: 11. Okt.: Zimmergeselle Franz Louis Fickler von Erdmannsdorf und Angela Liebig von hier. 11.: Weber Valentin Fröhlich und Karoline Katharina Roß gen. Fritz von hier. 12.: Schlosser a. B. Johann Georg Döttcher von Weiterolte und Monika Metzung von Mieswarz. 14.: Lohndiener Heinrich Friedrich Sturm von hier und Theresia Lorey von Giesel.

Eheschließungen: 11. Okt.: Premier-Lieutenant im Hessischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 11 Clemens Gustav Anton Coudray zu Fritzlar und Margaretha Sophie Charlotte Wagner von hier. 12.: Wwr. Maschinenwär­ter Wilhelm Trapp von Rönshausen und Wilhelmine Höh­mann von Künzell.

Geburten: 5. Okt.: Emil, S. des Schuhmachers Rudolf Gaul. 6.: Karl Ignaz, S. des Hüttners Adam Joseph Kreß zu Riesig. 7.: Luzia, T. des Schlossers Johann Zimmer. 8.: Anna Maria Barbara, T. des Webers Wilhelm Joseph Brons. 9.: Johannes Franz Nikolas und Johannes Heinrich Joseph, Zwillingssöhne des Schreiners Johann Heinrich Joseph gen. Jean Hoh­mann. 11.: Barbara Margretha Friederike, T. des Fri­seurs Nikolaus Ferdinand Heupel. 11.: Anna Maria, T. des Eisenb. - Lademeisters a. D. Wilhelm Ueberholz. 12.: Hermann Joseph, S. des Taglöhners Stephan Mahr. 12.: Barbara Josepha Maria, T. des Schlossers a. B. Philipp Dippel. 12.: Franz Joseph, S. des Spenglers Julius Wilke. 13.: Maria Albertina, T. des Taglöhners Sebastian Keller zu Neuenberg.

Sterbefälle: 6. Okt.: Faustus Weismüller, Tag­löhner, Wittwer von Schletzenhausen, 77 I. 7 M: 22 T. 8.: Elisabetha Katharina, T. des Bahnarbeiters Valentin Becker, 4 M. 11 T. 8.: Anna Walburga Kaltschnee, led. St., 22 I. 6 M. 20 T. 10.: Heinrich Schneider, Musi­kus, Wwr., 49 I. 2 M. 21 T. 10.: Max Ferdinand, S. des Bäckermeisters Johann Ignaz Veldung, 2 M. 21 T. 11.: Therese geb. Weismüller, Ehefrau des Buchdruckerei­besitzers Franz Olckers, 61 I. 4 M. 25 T. 11.: Aegidius, S. des Braumeisters Heinrich Schulte zu Bachrain, 3 I. 2 M. 8 T.

Briefkasten.

An Abonnent der ,Fuld. Zeitung" in Würzburg: Un­sere Antwort auf Ihre Zuschrift erhielten wir von der Post als unbestellbar retour. Wir vermuthen, daß die An­gelegenheit nunmehr zu Ihrer Zufriedenheit geordnet. Andernfalls erbitten nochmalige Mittheilung unter genauer Angabe Ihrer Adresse.

Die Expedition der .Fuldaer Zeitung'.