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„ V 234.

Mittwoch, den 13. October.

1886

Fuldaer Itilimg.

Die,Fulda« Zeitung, erscheint täglich, Srrw- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 Mk. 50 Pfg., — mit der -elletrifttschen Wochenbeilage ,etente und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserate: Di« einspaltige Zeil« oder d«en Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

□ Zur Militärfrage,

ii.

Im Jahre 1880 brachte die Regierung eine neue Militärvorlage ein. der Satz von 1 pCt. der Bevölkerung sollte festgehalten, aber dabei die Volkszählung von 1875 zu Grunde gelegt werden, was einer Bewehrung der Armee um rund 26,000 Mann gleichkam, die Bewilligung sollte wieder in der Form eines Septennats erfolg-n, das mit der erhöhten Ziffer am 1. April 1881 (also noch vor Ablauf des bis zum 31. Dez. 1881 reichen­den bisherigen Septennats) in Kraft zu treten habe, demgemäß bis zum 31. März 1888 giltig fei. Damals gab es im Reichstage noch die Doppelmehrheit der Konservativen und Rational- liberalen und des Centrums mit den Konservati­ven, und wie im Jahre 1874, so zeigte sich auch 1880 nach einigem Sträuben die erstere Mehr­heit mit 186 gegen 128 Stimmen bereit, die volle Regierungsforderung anzunehmen. Dagegen stimmten außer dem Centrum, der Fortschritts­partei u. s. w. nur die damals noch nationallibe- ralen Abgeordneten Bamberger, Lasker, v. For- ckenbeck, v. Stauffenberg 3. A., nachdem sie ver- geblich eine Festsetzung Ar drei, statt sieben Jahre ■ beantragt hatten. Der jetzige deutsch-freisinnige, damals nationalliberaiß Avg. Ricker vertheidigte 1880 mit großem Eifer das Septennat.

Das Centrum.^at sowohl 1874 wie 1880 ge­mäß seinem Programm gegen das Militä'septen- und gegen die abermalige Vermehrung der "" Mmtärlasten gestimmt. Die ehemalige Fort­schrittspartei hat bei Vereinigung mit den vor­mals nationalliberalen Secessionisten in dem sog. Fufionsprogramm von 1884 auf das vordem stets scharf betonte jährliche Militär Etatrecht ver­zichtet und die Festsetzung der Friedenspräsenz­stärke innerhalb .jeder dreijährigen Legislatur­periode zum Grundsatz der deutschfreisinni.en Par­tei erhoben. Die heute so bedenklich zusammen­geschrumpfte nationalliberale Partei hält beit Preßstimmen nach zu urtheilen, unbedingt am Septennat fest, während die Konservativen sowohl für das Septennat wie für das Aeternat, also für Alles zu haben sind. Indessen genügt die Willfährigkeit dieser beiden Parteien bei den heu­tigen Mehrheitsverhältniffen des Reichstages nicht mehr, und ob die Regierung von den anderen

Wieder vereinigt.

Frei nach tem Englischen bearbeitet.

2. Fortsetzung.

„Laß meinen Rath Deine letzte Zuflucht sein," sagte sie endlich, „wenige sind weise genug, um in Zwistigkeiten zwischen Eheleuten den rechten Weg zur Versöhnung anzugeben. Suche den Himmel für Dich zu gewinnen, meine süße Helene. Die Wolke, die Dein eheliches Glück bedroht, kann doch nur eine vorübergehende sein."

Unwillkürlich zuckte ich bei diesen gutgemeinten Worten meiner Freundin zuscmmen. Ich glaubte nicht daran, mein Gatte war von eiserner Ünbeug- samkeit, wenn er glaubte, im Rechte zu sein.

„Erwartet er Dich heute?" fragte sie.

„Rein," entgegnete ich fast hastig; „aber ich bin fest entschloffen, zu gehen, versuchen Sie nicht, mich zurück zu halten."

„Und Du haft ihm nicht einmal geschrieben," antwortete meine Freundin vorwurfsvoll. „Dann telegraphire doch, ich bitte Dich darum, daß der Wagen Dich an der Bahn erwartet. Sir Hugo liebt es wahrhaftig nicht, so plötzlich überrascht zu werden. Uebeteile nichts, mein Kind, in diesem Anfall von Verzweiflung. Was kann es um des Himmelswillen für ein entsetzliches Ereigniß sein,

1 dem Septennat widerstrebenden Parteien den nö- l thigen Sukkurs erhoffen darf, möchten wir be- i zweifeln.

1 Heute nun beträgt die Heeresziffer 427,274 Mann, und es steht fest, daß die Regierung eine i erhebliche Erhöhung derselben, entweder auf Grund i der Volkszählung von 1880 oder derjengen von i 1885, also eine Vermehrung um 25,000 bezw. ! 41,000 Mann, fordern wird. Die Mehrausga- ' den würden sich auf 22 bezw. 36 Millionen i Mark belaufen. Bei der bekanntlich nicht sehr glänzenden Finanzlage wäre eine s >lche Vermeh- ! rung der Volkslasten gewiß von schwerwiegender : Bedeutung. Es will uns fast scheinen, als ob ,■ die leitenden Kreise im vollen Bewußtsein der i Schwierigkeiten, welche sich der Erfüllung dieser । Wünsche im Reichstage entgegenstellen würden, i den A ternats-Gedanken in die Oeffentlichkeit lan- cirt hätten, um die Parteien nach dem Fallen- laffen dieser allzuweit gehenden Idee wenigstens den Mehrforderungen für das Heer günstiger zu stimmen, sie in der Abneigung gegen das Schlimmste für das relativ weniger Schlimme ge­fügiger zu machen. Daß die heutige ernste Lage, die steigenden Verwickelungen und der drohende Con- flikt mit Frankreich und Rußland Deutschland geradezu zwingen, sein Heer auf der Höhe zu er­halten, ist klar, und kein wahrer Vaterlandsfreund wird daher die als nothwendig erwiesenen Forderungen des Militäretats zurückweisen wollen. Aber unsere heutige Armee scheint doch allen ge rechten Anforderungen w entsprech? n, sie ist der Stolz des deutschen Volkes und wird von allen anderen Völkern als eine Musterarmee gepriesen. Rach alledem scheint uns die Garantie für eine ausreichende Abwehr gegen feindliche Gelüste nicht so sehr in der abermaligen Verstärkung der Hee­resziffer, in dem Höherschrauben der ohnehin schon so drückenden Militärlasten (von den Gesammt- ausgaben des Reiches im Betrage von Mark 612,325,592 sollen im Etatsjahr 1885/86 M. 372,815,871 auf das Heer, M. 42,339,994 auf die Marine), sondern in der Fortdauer und dem festen Bestände des deutsch-österreichischen : Bündnisses zu liegen. Deutschland und Oester­reich werden zusammen auch einer franz ösisch- russischen Koalition erfolgreich Trotz bieten können. ;

das Deinen Augen einen solch' hoffnungslosen Ausdruck gibt?"

Sie sagte das in einem Tone tiefsten Schmerzes, i

Ich sprang auf aus meiner knieenden Stellung, denn das Gefühl meines Elends war so groß, daß i ich meiner Freundin gütige Zureden nicht mehr zu ertragen vermochte.

„Sie haben Recht," rief ich, „ich werde telegra- phiren und deshalb darf ich keine Minute zögern. Und ich werde schreiben, sobald ich es vermag und Ihnen Alles, Alles erzählen." Ich kniete von Neuem neben Ihrem Bette nieder und schlang meine Arme um ihren Hals. „Du bist mein lie­bes Mütterchen, Sidney, und ich habe keine andere. Bitte Du zum Himmel, daß dies Gottesurtheil an mir vorübergehe, Deine Bitten erhört er ja. Und was Du auch hören magst, denke stets, daß ich geglaubt habe, Recht zu thun und nur den rechten Weg verfehlt habe."

2.

Der Expreßzug hielt, der höfliche Bahnhofs- Inspektor riß mir selbst die Thür des CoupoS auf — mir, der reichen und doch so armen Lady Kynaston — und sagte:

„Euer Gnaden Wagen hält draußen, pünktlich wie der Expreßzug selbst."

Ich erheuchelte ein dankbarer Lächeln und mur-

Deutfches Aeich

Berlin, 12. October.

* Der englische Schatzkanzler Lord Churchill : hat am Sonntag Dresden verlassen und sich über Prag nach Wien begeben, wo er am Montag Abend eingetroffen ist. Die gestern Abend erfolgte Abreise des englischen Botschafters Malet und seiner Gemahlin nach Dresden ist mit der Reise Churchills in Zusammenhang gebracht worden; in

i Wirklichkeit kann von einem solchen Zusammen-

1 hange absolut keine Rede fein.

i * Zu den wichtigsten Vorlagen, welche dem i preußischen Landtage in der nächsten Session j zugehen werden, gehört ein Gesetzentwurf, welcher I darauf hinzielt, den Organen der Selbstverwalt­ung einen Theil d-r Befugnisse auf dem Gebiete des Volksschulwesens zu übertragen, welche gegenwärtig der Regierung allein zustehen. Es gilt dies insbesondere von der Rorrnirung der i Besoldungen der Volksschullehrer und ähnlichen, , auf die Höhe der Schullasten einwirkenden Be­stimmungen. Der Kultusminister von Goßler hat die Vorlage früher bereits angekündigt.

* Die Freie Vereinigung katholischer j Sozialpolitiker wird vom 18. Oktober an . in Regensburg tagen. Die Verhandlungen 1 werden wohl einige Tag in Anspruch nehmen. Bei der günstigen Sage Regensburgs erwartet man einen starken Besuch der Versammlung.

i * Zu Ehrenmitgliedern des deutschen Hand wer kerb und es sind die Centrumsmit-

; glieber Hitze und Letocha sowie die Deutsch- konservativen Dr. Hartmann und Dr. Kro^ patschek ernannt worden, wegen ihrer Verdienste um die Handwerkersache.

* Hannover, 10. Okt. Der naiional-liberale „Hann. Courr.' verbreitet die Nachricht, daß über den Gesundheitszustand des Herzogs von Cumberland in Kopenhagen beunruhigende Mittheilungen eingegangen seien. Eine starke Nervosität habe nach und nach so um sich ge­griffen, daß das geistige Befinden des Her­zogs zu ernsten Bedenken Veranlaffung gebe. Be­unruhigende Meldungen aus Gmunden sollen s. Z. nicht nur die plötzliche Reise des Kronprinzen von Dänemark mit der Herzogin von Cumberland, sondern auch die kürzliche Reise der Königin von

Hielte etwas in verbindlichem Tone, denn meine ganze Aufmerksamkeit war nur auf einen Punkt gerichtet und meine ganze Seele wartete mit Sehnsucht auf die Antwort auf meine Frage: »Ist er da?" Ich beschattete die Augen mit der Hand und blickte nach meinem Wagen. Da nahte der Kutscher.

„Ist der Herr hier?" fragte ich, ohne ein Zittern meiner Stimme verbergen zu können.

„Nein, Lady, Sir Hugo ist zu Hause," ant­wortete er gleichgültig — er konnte ja nicht wiffen, was mich bewegte. Eine Menge Fragen schwebten auf meinen Lippen, aber ich durfte sie, um mich nicht bloß zu stellen, nicht äußern. So sagte ich denn nur:

„Hoffentlich ist Alles wohl," und wandte mich dann an den Bahnhofs-Inspektor, um ihm für seine zarte Aufmerksamkeit noch einmal zu danken. Mallet zog noch einige Erkundigungen bezüglich Fortschaffung des Gepäckes von mir ein, und dann fuhr ich davon, mich tief in die Polster drückend. Was war mir heute die oft von mir bewunderte Herrlichkeit der Gegend, welche wir durchflogen, was dieser prächtige Sommertag? Nur ein Gedanke beherrschte mich: er wußte, daß ich kam, aber er hielt es nicht für nöthig, mich zu empfangen. Er war hart geblieben. Und dann