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V 231.

Sonnabend, den 9. October.

1886

Jcilidig

Die Kulda« Zeitunq, erscheint t8glich, ©»«tu und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — mit der 9 Eetristischm Wochenbeilag« ,Sterne R«d Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate; Di, einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Unterricht deutscher Kinder und die Führung des : Haushalts des deutschen Hospizes zu übernehmen ' und, soweit nöthig, auch in der Krankenpflege j thätig zu sein. Hoffentlich wird derselbe Orden ! auch die Pflege der Kranken in dem zwischen Jerusalem und Bethlehem prachtvoll gelegenen Malteser-Hospital Tautur zu übernehmen in die Lage kommen. Zunächst wird hierzu die Geneh­migung des Meisterthums des Malteserordens nachgesucht werden.

Mit besonderem Eifer nahmen sich der Aus­breitung des Vereines diejenigen Mitglieder des hochw. Klerus an, welche in den letzten, Jahr«« das hl. Land besucht nnd sich vc"1 ber dringenden Nothwendigkeit ber Errichtung eines deutschen Werkes daselbst durch Augenschein und persönliche Wahrnehmung überzeugt haben. Auch das überaus große Wohlwollen, welches von Seiten des hohen Episkopates gegenüber dem Vereine an den Tag gelegt wird, hat äußerst günstig auf dessen Ver­breitung eingewirkt. In dieser Beziehung ist aus der Zeit seit der letzten General-Versammlung vornehmlich zu erwähnen, daß der Höchwürdigste Herr Bischof von Paderborn dem Vereine die Hälfte des Ertrages der diesjährigen Charfreitags-Collekte zugewandt hat, sowie auch daß die Hochwürdigsten Herren Bischöfe von Paderborn, Fulda, Augsburg und Regensburg durch namhafte Zuwendungen, wie durch warme Empfehlungen die Vereinssache wesentlich gefördert haben. Gottes reWflen Segen flehen wir auf unsere hochverehrten Protektoren herab.

Was bis jetzt im hl. Lande geschaffen worden, besteht im Wesentlichen in dem Bau des Hospiz- qebäudes auf dem dem Verein eigenthümlich ge­hörenden Grundstücke vor dem Jaffathore in Jeru- salem. Dieser Hospizbau bildete den nach den gegebenen Verhältnissen nothwendigen Anfang aller Unternehmungen des Vereins in Palästina. Es mußte dem Gebäude daher auch eine entsprechende Ausstattung gegeben werden, um so mehr als es mit ähnlichen Werken anderer Nationen in eine wenn auch immerhin bescheidene Konkurrenz zu treten hat. Das Projekt zu diesem Bau war durch den deutschen Architekten Sandel in Jerusalem sehr zweckmäßig angelegt und die bis auf die innere Ausstattung nahezu vollendete Ausführung wird als eine sehr gut gelungene bezeichnet. An das Hospiz wird sich alles Andere naturgemäß anlehnen. In ihm besitzen wir jetzt die örtliche Unterlage für die weiteren in beni Rahmen der Vereinsbestrebungen liegenden Schöpfungen, als da sind: Kirchen- und Schulbauten, Erwerbung von Sanktuarien, Einrichtung von Niederlassungen. Was die letzteren betrifft, so ist auch dazu bereits ein Anfang in dem ländlichen Besitz des Vereins zu Emaus vorhanden. Andere sehr gut gelegene Terrains auf dem Wege von Jerusalem nach Bethlehem und am See Genesareth sind uns an- geboten. Es fehlt nur an Geld, um diesen Offer­ten näher zu treten, indeß werden die erforder­lichen Mittel nach Vollendung des Hospizbaues wohl verfügbar werden. In allen diesen Unter­nehmungen sind für den Verein die Wünsche des Herrn Patriarchen von Jerusalem maßgebend, wie denn überhaupt die Unterstützung des Patriarcha­tes in seiner segensvollen Wirksamkeit einen der Hauptzielpunkte für die Arbeiten des Palästina- Vereins bilden wird.

Die Einnahmen betrugen in der Zeit vom 1. August 1885 bis dahin 1886 im Ganzen 18,394 M. 27 Pfg. Hieraus wurden die Aus­gaben für das Palästinablatt, für andere Druck­sachen, Inserate, Portis bestritten mit 1406 M. 96 Pfg. — 550 M. Unterstützung erhielt die unserem Verein affiliirte Schule des Fräulein Saxe

Zweites Blatt.

Der Palästina-Berei» der Katholiken Deutschlands ans der General-Bersamm- lung zu Breslau.

Der General - Versammlung der Katholiken Deutschlands, welche in diesem Jahre bekannter­maßen in Breslau tagte, war von Seiten des Vorstandes des Palästina-Vereins der Antrag unterbreitet worden, die allgemeine Betheiligung an diesem Vereine den deutschen Katholiken zu em­pfehlen. Die darüber geführte Verhandlung in dem Miflionsausschusse führte zu dem Resultate, daß dieser Antrag mit einem Petitum des Vereins vom h. Grabe verschmolzen wurde. Demgemäß gelangte die folgende Resolution, welche in der geschloffenen General-Versammlnng am 31. August durch den Herrn Subregens Dr. Pingsmann in geistvoller und beredter Art motivirt ward, zur einstimmigen Annahme:

Die General-Versammlung empfiehlt den Katholiken Deutschlands den Palästina-Verein, welcher zur thätigen und eifrigen Mitarbeit des katholischen Deutschland an der Wiederaufrich­tung Palästina's anregen und die kirchlichen und sozialen Interessen der deutschen Katholiken im hl. Lande fördern will, sowie den Verein vom hl. Grabe, welcher seit 30 Jahren für die Sanktuarien und Missionen des hl. Landes thätig ist, zur allgemeinen Betheiligung.

Nachdem am Abend desselben Tages in der öffentlichen General-Versammlung der Präsident des Palästina-Vereins in einer Rede über die Nothwendigkeit einer regeren Betheiligung der deutschen Katholiken an der Regenerirung Palä­stina'- gesprochen hatte, fand folgenden Tages die statutgemäße Versammlung des Palästina- Vereines statt. t m

Dort trug zunächst der Vorsitzende den Ver­waltungsbericht über das letzte Vereinsjahr vor, aus welchem hervorging, daß seit der am l.Sept. v. I. zu Münster abgehaltenen Versammlung ber Verein sowohl in Ansehung ber Ausbreitung und Organisation, wie in Betreff des im hl. Lande Geleisteten nicht unerhebliche Fortschritte zu ver- zeichnen hat. Die Organisation und in Verbindung damit der Beitritt neuer Mitglieder ist wesentlich dadurch gefördert worden, daß mit Genehmigung der betreffenden Herren Bischöfe in mehreren Diö- zesen Diözesan-Comitö's errichtet worden sind, welche sich der Ausbreitung des Vereins annehmen, die Einziehung der Mitgliederbeiträge und sonstige aeschäftliche Angelegenheiten vermitteln und in anderer zweckdienlicher Art im Jnteresse der Ver­einssache sich thätig erweisen. Um die Mitglieder über den Stand der Vereinssache in Kenntmß zu erhalten und ihnen Gelegenheit zu geben, sich mit den Zuständen des hl. Landes vertraut zu machen, ist in Ausführung eines zu Münster gefaßten Be- schlusses des Vorstandes das viertchahrlich er* cheinende „Palästinablatt« ins Leben gerufen worden, welches feit dem Beginn dieses Jahres in nunmehr drei Nummern erschienen ist.

Die Ueberzeugung, daß nichts so geeignet sei, den im hl. Lande bereits in der Aussührung be* (iriffenen Veranstaltungen des Vereines die Burg- schast einer gedeihlichen Entwickelung zu geben, als die Zuziehung klösterlicher Genossenschaften, ließ den Vorstand in dieser Richtung Unterhand­lungen zunächst mit den barmherzigen Schwestern vom hl. Carl Borromäus, deren Mutterhaus in Teschen, anknüpfen. Diese Unterhandlungen haben zu dem erfreulichen Resultate geführt, daß bereits am 9. Oktober drei barmherzige Schwestern nebst einer Dienerin nach Jerusalem abreisen, um den

in Jerusalem, 1600 M. die deutsche Schule in Alexandria und 14,837 M. 31 Pfg. wurden zur Deckung der Kosten des Hospizbaues in Jerusalem verwandt. Was über die letztere Summe hinaus für die Ausführung dieses Baues nöthig war, wurde durch ein Mitglied des Vereins theilweise zur Verfügung gestellt.

Als Ehrenmitglieder auf Grund des Art. 3 des Statuts unter Gewährung eines Beitrages von 500 M. sind feit ber vorigen General-Verlag. - lung bem Vereine beiaet^-» Wt e£rren'i r' ->anatms ©eneftrei), Bischof von Regensburg, Pfarrer Eutenbach zu Irsch bei Trier und Pfarrer Balthasar Emunbs zu Eschweiler.

Große Betrübniß rief in den Reihen unserer Vereinsgenoffen ber Tod des Vorstandsmitgliedes Freiherrn von Schorlemer-Ooerhagen hervor, der >ei den ersten Anfängen unseres Werkes thätig war und dessen Begeisterung für die Palästina- ache in hohem Maße anregend und fördernd nach vielen Seiten hin wirkte.

Eine weitere Lücke im Vorstande ist durch den aus Krankheitsrücksichten veranlaßten Austritt des eiterigen Kassirers Joseph Degraa zu Aachen entstanden.

Nachdem die Versammlung diesen Bericht ent­gegengenommen, trat dieselbe in die Wahlen zur Ergänzung des Vorstandes ein und wählte an Stelle des Herrn Degraa den Herrn Fabrikbesitzer Peter Bock zu Aachen, welchem zugleich die Füh- rung ber Kassengeschäfts iuuive. Al»

Nachfolger bes Freiherrn von Schorlemer-Ooer- Hagen ward Herr Rechtsanwalt Dr. Porsch zu Breslau gewählt. , .

Hierauf erkannte die General-Versammlung aus Grund bes Schlußpassus bes Art. 3 bes Vereins* statuts folgenden Herren bie Ehrenmitgliedschaft zu:

1) dem Hochwürdigsten Herrn Bischof Franz Caspar Drobe zu Paderborn,

2) dem Herrn Domkapitular Dr. Schulte zu Paderborn, „ m

3) dem Herrn Stadtpfarrer Merkle zu Wurzach und , _ r , *

4) dem Herrn Pfarrer Gehlen zu Helenabrun; wegen ihrer hervorragenden Verdienste ur-' die Ausbreitung des Vereins; ferner

5) dem deutschen Priester Joseph Stein zu Jeru- salem und _ „

6) dem Direktor des Hospizes C. F. Lmgenhoff daselbst, wegen ihrer eifrigen Thätigkeit in Wahrnehmung der Interessen des Vereins im heiligen Lande selbst, und endlich

7) dem ausscheidenden Schatzmeister Degraa wegen ber treuen Erfüllung ber Obliegen heiten seines Amtes im Vereine.

Herr Dr. Lingens aus Aachen gab sodann den Wunsche Ausdruck, daß thunlichst bald etm? Herren des Vorstandes eine Pilgerfahrt nach den heiligen Lande antreten möchten, um an Ort uni Stelle weitere Anregung für die Föroerung de' Vereinszwecke zu empfangen.

Herr Religionslehrer Dr. Sprotte aus Oppeli berichtete über die Eindrücke, welche er auf eine; in diesem Frühjahr unternommenen Reise nad bem Orient in sich ausgenommen unb wie er be Anfang der deutschen Unternehrnunger in Jer- salem gefunden habe. Er sprach sich sehr befriedig über die Situation bes Hospizes unb über bi bauliche Ausführung desselben ans unb bezeichnet es als einen befonberen Gewinn für den Bereu daß es demselben gelungen sei, sich die Mitarbeit des Ordens der barmherzigen Schwestern zu sichern. Zum Terrainerwerb für Niederlassungen empfahl er die Umgegend von Bethsaida, welches an bei großen Karawanenstraße gelegen und mit hin reichenden Wasserzuflüssen versehen sei, woraus