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verwerflich, im Gegentheil, er fördert den wirth« schaftlichen Aufschwung und verschafft unzähligen Existenzen einen lohnenden Erwerb.

Die Luxusftage ist also, wie wir gesehen haben, eine sehr heikle, sie hat nicht nur zwei, sondern viele Seiten, die alle in Betracht zu ziehen sind. Die Hauptsache ist und bleibt aber, daß den Luxus und Reichthum eine luxiöse Freigebig­keit, ein splendider Wohlthätigkeitsinn, ein rechtes Herz für die Bedürfniffe und die Noth des Volkes begleiten müffen. Man muß sich freuen, reich zu fein und viel zu besitzen, well man da­durch in den Stand gesetzt ist, viele Nebenmsn- fchen glücklich zu machen, viele Thronen zu trock­nen und durch Opfersinn und Wohlthätigkeit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Lösung der sozialen Frage liefern zu können.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. October.

* Die Lage des hl. Stuhles hat sich durch die geradezu diabolische Agitation in so hohem Maße verschlimmert, daß der Papst, wie der ,Germ.' aus Rom auf privatem Wege mitgetheilt wird, die Nuntien auf diese Agitation gegen die Kirche und das Papstthum hinwies und ihnen aufgab, die Aufmerksamkeit der Regierungen auf die Gefährlichkeit der Lage des Papstthums hin­zulenken.

* Angesichts der neuen Vorgänge in Bulga­rien tritt wieder der entschiedene Gegensatz zwischen der Auffaffung aller unabhängigen Blätter und der offiziösen Presse hervor. Sämmtliche hiesigen Zei­tungen meffen dem Auftreten des Generals Kaul­bars eine ernste Bedeutung bei und mißbilligen daffelbe entschieden als einen unverkennbar provo­katorischen Akt; sie billigen und loben andererseits die Klugheit und Mäßigung, welche die bulgarische Regierung unter schwierigen Verhältnissen bis jetzt bewiesen hat. Selbst die ,Rat.-Ztg.' glaubt, daß das Auftreten des Generals Kaulbars nicht bloß geeignet ist, der russischen Regierung hinsichtlich ihrer Bestrebungen in Bulgarien bei der dortigen Bevölkerung selbst Schwierigkeiten zu bereiten, son­dern daß der russische Agent im Begriffe steht, Rußlands Stellung selbst zu anderen Mächten zu kompromittiren. Die,Germania' meint: ^Gene­ral Kaulbars ist ein unbezahlbarer Mann, unbe­zahlbar für alle Freunde der bulgarischen Selbst­ständigkeit. Noch einige solche Streiche, wie er einen am Sonntag fertig gebracht, und er wird Rußland um den Rest des Kredits gebracht haben, den es in Bulgarien noch besitzt. Nun, uns kann dies recht sein!" Aehnlich äußern sich .Berliner Tagebl.' und,Voss. Ztg.', welche meint, Kaulbars habe gerade so gehandelt, wie Katkow es von einem russischen Kommissar fordert. Eine Besserung der Situation sei nicht zu erwarten, so lange Europa zu dem widrigen Schauspiel schweigt. Auch die

Trennung von den ©einigen beschieden, ach, und eine Trennung unter viel herberen Verhältnissen, als damals, da er nach Italien, dem gelobten Lande seiner Kunst, gegangen war!

Nun aber zog er hinaus, ohne Aussicht, ohne Hoffnung, einer ungewissen Zukunft entgegen, die trüb und finster wie der traurige Novemberhimmel vor ihm lag.

Regen und Wind waren seine treuen Reise­begleiter durch das Frankenland, und Regen und Wind regierten noch, als er mit schwerem Herzen in die alte Bischofsstadt Bamberg einzog.

Die steilen holperigen Gassen waren nachtfinster, aber Johannes Dienzenhofer brauchte keinen Führer, sein Fuß fand noch sicher den Weg zu dem wohl­bekannten Haus am Grünemarkt.

„Wer ist draußen?" fragte die tiefe Baßstimme des fürstbischöflichen Oberbaumeisters' der gerade die goldbrocatene Weste anlegte, um im „Hirschen" zur gewohnten Stunde sein Schöppchen Rothen zu trinken, als er ein vlötzliches Klopfen vernahm.

„Leonard — ich bin es — Dein Bruder Johannes," klang es aus dem nächtlichen Dunkel zurück.

„Ei, ei, der Johannes, Grüß dich Gott," rief der Oberbaumeister mit höchster Überraschung, indem er jetzt rasch die Pforte öffnete und den Durchnäßten hereinzog.

„Ei, ei, Bruderherz, wo kommst denn Du hergeschneit? Na, fei herzlich willkommen und laß Dich einmal bei Licht betrachten, wie Du aus- schaust? Hm, hm, — zum Besten grab’ nicht.

,Kreuz-Ztg.' mißbilligt das Auftreten des russischen Kommissars, bas schwer begreiflich fei, wenn es nicht einen Vorwand zur Besetzung Bulgarien» liefern soll.

* Die überseeische Auswanderung Über deutsche Häfen und Antwerpen umfaßte nach dem neuesten Monatsheft zur Statistik des deutschen Reiches imAugust ca. 6474Personen gegen 7773 im August 1885, 10452 im August 1884, 13587 im August 1883, 15232 im August 1882 und 16311 im August 1881. Seit Beginn des lau­fenden Jahres bis Ende August sind im Ganzen 50912 Personen au« Deutschland auf den ange­gebenen Wegen ausgewandert gegen 79,933, 111,253, 119,201, 145436 und 155039 im ent- sprechenden Zeitraum der Vorjahre bis 1881 zurück.

♦ Köln, 4. Oktober. Am 15. d. wird das hiesige Priesterseminar wieder eröffnet werden, wie es heißt, mit vorläufig 20 Kandidaten.

* Mainz, 4>Okt. Vom hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Haffner hat der christlich-soziale Ar­beiterverein in Bensheim folgendes Schreiben erhalten:

Mit großer Freude habe ich die freundlichen Zeilen ge­lesen, durch welche Ihr Verein mich bei meiner Erhebung aif den bischöflichen Stuhl seiner Liebe versichert. Wenn ich erst heute dieselben erwidere, so hoffe ich dafür Nach­sicht zu erlangen in Anbetracht der mannigfaltigen Be­schäftigungen, welche in den verfloffenen Wochen mir ob­lagen. Ich habe mich allezeit der Bestrebungen christ­licher Männer gefreut, welche sich zum Bekenntnisse ihrer Grundsätze und zur Wahrung ihrer Interessen vereinigen. Die drückenden Mißverhältniffe, welche die Arbeiter be­klagen, können nur durch das Zusammenwirken aller Stände und durch Mitwirkung der Gesetzgebung gebessert werden. Gewaltsame Versuche nützen ebenso wenig, als ein sorgenloses Gehenlassen. Die Grundlage jeglicher Ord­nung der Arbeiterverhältnisse aber ist einzig und allein in der christlichen Religion zu finden. Eben deshalb wünsche ich Ihnen, meine Herren, von Herzen Glück zu der schönen Aufgabe, zu der Sie sich vereinigt haben. Auch erstatte ich Ihnen innigen Dank für die Kundgebung des Gehor­sams und der Liebe, die Sie mir entgegenbringen. In­dem ich Ihnen meinen bischöflichen Segen sende, verbleibe ich in aufrichtiger Liebe Ihr ergebener Paulus Leopold, Bischof von Mainz.

Ausland.

* Die Franzosen werden noch reichlich zu thun haben, bevor es ihnen gelingt, Tonkin von den Piraten zu säubern. Einer erst jetzt einge­laufenen Meldung aus Tonkin zufolge ist die französische Grenzabsteckungskommission oberhalb Lavkais von den Schwarzflaggen überfallen wor­den, wobei zwei Offiziere 6 Soldaten und 5 Tonkinesen getöbtet unb die Kommission zur Rück­kehr gezwungen würbe.

* Rom, 3. Okt. Dem ,Diritto' wird aus Cassino gemeldet, baß Minister Tajani soeben bas Kloster Monte Cassino besucht habe, aber nicht etwa, um dem staatsgefährlichen Treiben der dor­tigen Benediktiner nachzuspüren, sondern um denselben — seinen Sohn als Zögling zu über­geben. Der .Diritto' ist darüber natürlich inbig«

Bist ja höllisch alt geworben! Unb etwas behäbiger dürste der fürstlich fuldaische Hofbaumeister auch aussehen. Ja, ja."

So sagte Herr Johann Leonard Dienzenhofer, der freilich selbst an Embonpoint sehr zugenommen hatte.

Der Angekommene aber sank tobtmübe auf einen Stuhl nieder unb ächzte nur: „Ach Leonard, ful- daischer Hofbaumeister bin ich gewesen!"

„Hm, hm, — unb ging bie Herrlichkeit zu Ende? Aber kommst wohl jetzt mit Ruhm unb Reichthum in Deine Vaterstadt zurück?"

Johannes schüttelte traurig den Kops unb dann erzählte er dem aufmerksam lauschenden Bruder, was ihn von Fulda weggetrieben habe.

„Schau, schau, das ist ja eine miserable Geschichte, eine ganz miserable Geschichte," sagte dieser, indem er sich hinter den Ohren kraute. „Hm, hm — aber, Johannes, was hab' ich gesagt? — Es ist nicht Jeder zum Meister geboren, hab' ich halt immer gesagt, ja, ja. Wärst Du hier geblieben, dann wäre Dir bas nicht passirt."

„Unb boch bereue ich keine Minute, daß ich nach Fulda gegangen bin, benn was ich wollte, ist mir dort gelungen unb meine Lebensaufgabe habe ich gelöst," entgegnete Johannes mit idealer Ge- nugthuung, und als er nun von der geliebten Schöpfung erzählte, da färbten feine Wangen sich höher unb feine Augen strahlten leuchtend.

„Schau, schau, wer hätte das dem Johannes zugetraut," nickte der dicke Oberbaumeister schmun­zelnd. „Hm, hm, wenn Dir das gelungen, bann

nirt unb sagt, es sei unbegreiflich, baß ein Mini­ster des König« gerabe in der Erziehung seines Sohnes die Heiligkeit der liberalen Prinzipien ver­letze. Aber Tajani ist nur der allgemeinen Praxis der italienischen Revolutionäre gefolgt. Wir ken­nen, sagt der ,Osservatore', eine große Anzahl von Deputirten uns Senatoren, welche ihre Kinder in Klöstern erziehen lassen, und nicht selten ereignet . es sich, daß einer von diesen Gesetzgebern gerade eine Rede gegen den Papst unb die Kirche gehal­ten hat unb unmittelbar barauf läuft er zum Pater 3E ober zur Schwester 2) unb fragt, wie es feinen Söhnen unb Töchtern bei denselben geht und ob sie sich gut betragen. Da» beweist, daß diese Menschen als Familienväter, wenn es sich um das Wohl ihrer Kinder handelt, gerade das Gegen­theil von dem thun, was sie als Politiker vertre­ten, und daß sie darum nicht das Wohl und In­teresse des Staates im Auge haben, sondern ihren Rus als Liberale und Kirchenfeinde.

• In Neapel haben jetzt die letzten Nonnen ihr Kloster Sapienza verlassen, und Justizminister Tajani, der lieber fein Portefeuille aufgeben als fein Secret gegen bie Nonnen rückgängig machen wollte, wirb nun ruhiger schlafen können. Die Oberin hat beim Verlassen des Klosters im Na­men der 50 anderen Schwestern einen Protest an bie Regierung gerichtet, worin sie feierlich vor Gott und den Menschen gegen bie an ihnen geübte Gewaltthätigkeit protefiirt, benn man zwinge sie, die heiligen Räume zu verlassen, in denen sie am Tage der feierlichen ©elübbeablcgung am Fuße des Altars geschworen hätten, ihr ganzes Leben als gottgeweihte Jungfrauen zu leben unb auch zu sterben. Sie erklärt ferner, daß sie nur der Gewalt weichen, die man gedroht habe, an­zuwenden, falls sie das Kloster nicht verließen, und daß sie darum in Nichts an dem sacrilegischen Attentat, das man gegen göttliches und mensch­liches Recht begehe, Theil hätten. Schließlich sagt sie, daß die Schwestern ihren Feinden von Herzen verzeihen und daß sie hoffen, denselben durch ihre bitteren Thränen Thränen aufrichtiger Reue unb wahrer Bekehrung zu erwirken.

* Madrib, 4. Okt. lieber denMesundheits- zustanb ber Königin ist in letzter Zeit viel Uebertriebenes in Umlauf gesetzt worden. Die Königin leidet von jeher am Kops; besonders ist sie, wie der ,Allg. Ztg.' mitgetheilt wird, von Neuralgie heimgesucht, die sie oft auf Tage unfähig macht, sich mit ernsten Dingen zu beschäf­tigen. Hals unb Lungen finb nicht sehr kräftig, unb sie haben in den letzten Jahren nur noch mehr gelitten. Der Tob bes Königs, die Schwäch­lichkeit der Kinder, die furchtbar trüben Aussich­ten für die Zukunft haben im Verein mit dem Kopfleiden hypochondrische Erscheinungen ernsten Charakters hervorgerufen, die selbstverständlich nicht ohne Einfluß auf die Constitution des Kör­

beruhige Dich halt und fei zufrieden. Ja, ja, und mögen auch Neid und Mißgunst ihre Häupter er­heben, Dein Werk, Johannes, kämen sie doch nicht untergraben. Hat schon mancher christliche Bau­meister Schlimmes erfahren müssen. Ja, ja, schau nur einmal oben am Georgenthor unseres alten Domes die zwei großen steinernen Kröten, die halb wie Löwen ausschauen. Weißt denn Du, was die beiden Biester inmitten der schönen Heiligengestal­ten bedeuten? Ei, ei, ich will Dir's sagen, Jo- Hannes. Schau, als dem Baumeister das erhabene christliche Werk bald gelungen war, da ergrimmte der böse Feind vor Neid darüber unb er schickte die beiden Unholde, daß sie bei Nachtzeit den Bau untergraben unb roieber zum Einsturz bringen sollten. Ja, ja, kannst Dir benken, was das dem Baumeister für Sorgen gemacht hat! Aber der Herr ließ halt das Werk der Hölle doch nicht gelingen und wie er die Bestien zu Schanden machte, — die aber zum immerwährenden Gedächtnisse in Stein ausgehauen an dem Portale angebracht wurden; — so wird er auch alle Deine Verläum- ber zu Schanden machen. Ja. ja."

Der dicke Baumeister machte eine Pause und schöpfte tief Äthern, dann fuhr er gutmütig fort: „Hm, hm, Johannes und wegen der Arbeit, die Du suchst, gibt es auch Rath. Unser gnädigster Herr Fürstbischof Lothar Franz," hier lüftete der Oberbaumeister ehrfurchtsvoll fein Hauskäppchen, „wird halt das Bauen nimmer müb. Die Resi­denz auf dem Berge ist jetzt fertig; wirst Augen machen, was ich da für einen breiten, bequem