Einzelbild herunterladen
 

lenstag, den o. Octooer. 1886

Jfulbacr ßA Moifl.

Die .Fuldaer Zeitung, rrsch*int täglich, Sinn« und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld 1 Mk. 50 Pfg., — mit der delletristischen Wochenbeilage »Sterne «nd Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di» einspaltige Zeil« od«r deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

ME* Bestellungen auf unser Blatt pro 4. Quartal werden noch fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgcrn sowie in unserer Expedl,ion en*gegc»gelu>mmcn. Bereits erschienene Nummern werden nachgeliesert.

Deutsches Reich

Berlin, 4. October.

* Die neuesten Nachrichten aus der Hauptstadt Bulgariens, denen zufolge es Dank der Thätig- feit des Barons Kaulbars bereits zu stürmischen Auftritten gekommen ist, sind allein geeignet, die friedliche Austastung der Situation, die in den letzten Tagen Platz gegriffen hatte, zu stören. Seitdem so z-emlich feststeht, daß das deutsch­österreichische Bündniß vor jeder kriegerischen Eoentualität bewahrt werden muß, müssen die Rusten, wie die .Franks. Ztg.' treffmd bemerkt, sehr ungeschickt operiren, wenn sie nicht alles, was sie wollen, auch auf friedlichem Wege erreichen.

* Die Vermehrung der Lotterieloose hat einen schlechten Erfolg gehabt, trotz der amtlichen Agitation für den Loofekauf, trotzdem, wie ein Lotteriekollekteur bekannt macht, die Verlängerung des Termins für den Bezug von Loosen bis zum 5. Oktober deshalb erfolgt ist, weil vielen Personen die Beschaffung von Lotterieloosen vor dem Quar­talsersten unbequem sei. Die Staatsregierung kann, wie der .Reichsbote' anführt, ihre vielen Loose jetzt nicht los werden und muß es sogar den ausdrücklichen Versicherungen des Ministers entgegen geschehen lasten, daß von den Kollekteuren in den Zeitungen Reklame dafür gemacht wird. Durch liberale Blätter geht folgende Mittheilung:

Berlin, 30. Sept. Der Lotterieverwaltung wird es sehr schwer, die neuen Loose vor der ersten Ziehung unter­zubringen. Nach dem von ihr aufgestellten Plane sollten die bis zum 29. d. M. nicht verkauften Loose von den Einnehmern an die Lotteriedirektion zurückgesandt werden; es stellte sich aber heraus, daß ein großer Theil der neu­ernannten Einnehmer nicht in der Lage war, die ihnen zugetheilten Loose unterzubringen, manche derselben hatten einen so geringen Absatz, daß sie wenige Tage vor dem genannten Termine noch weit über die Hälste der Loose zur Verfügung hatten. Seit Wochen fand man in Lokal­blättern, namentlich in solchen der westlichen und der neuen Provinzen, Anzeigen von Einnehmern, die ihre Loose anboten. Es blieb schließlich der Lotteriedirektion, da die Zahl der zurück zu erwartenden Loose zu groß erschien, nm sie alle auf Rechnung des Staates spielen zu können, nichts anderes übrig, als den Schlußtermin des Verkaufs um einige Tage, bis zum 5. Oktober, zu

Der Dombaumister von Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(55. Fortsetzung.)

„O Johannes," sagte Leonora flehend, „warum willst Du so muthlos sein, da deine Ehre doch fleckenlos ist? Du warst ja immer Dir und Dei­ner Pflicht getreu, warum sollte der Fürst nicht diesen Verstoß in den Rechnungen nachsehen? Ich will ihn fußfällig darum anflehen, und er wird in Ansehung Deiner Verdienste Großmuth üben. Denn hast Du nicht Deine Ausgabe glänzend ge­löst, steht nicht die Stiftskirche, in herrlichster Vollendung da?" fuhr sie zagend fort, indem sie den Blick wie in angstvoller Frage zu seinem Angesichte erhob.

Auf diesem Gesichte aber stand der Ausdruck einer hohen, inneren Genugthuung. „Ja mein Werk es ist vollendet, es ist gelungen, dem Herrn sei Dank!" Aber, fuhr er aufgeregt fort und seine Stirn furchte sich wieder düster, „wenn auch der Fürst mir großmüthig die Schuld erlaffen würde, bei der Rentkammer müssen sie es dock erfahren und der Makel wird ewig an meinem Namen haften bleiben. Mag meine Ehre vor Gott und meinem Gewissen noch so rein sein, in Fulda werden sie

verschieben, und zugleich einen Theil derjenigen Loose, welche dem Anscheine nach unverkäuflich blieben, den Ein­nehmern der großen Städte zu überweisen. Heute zeigt in den hiesigen Blättern ein Theil der Berliner Lotterie­einnehmer an, daß wieder Loose zum Verkaufe bereit seien. S löst die hiesigen Einnehmer haben nicht alle bis zum 29. mit ihrem Vorrath an Loosen geräumt, doch waren nur wenige übrig geblieben, und man kann kaum annehmen, daß auch die ihnen neu überwiesenen noch Käufer finden. In den großen Städten finden sich mehr Spieler als in den kleineren und auf dem Lande, zudem stellen die Fremden ein großes (Kontingent, und nach Andeutungen, die stets gemacht worden sind, gehen von hier aus sogar viele Loose in das Ausland. Es ist ja bekannt, daß auch an der Börse Geschäfte mit Lotterieloosen gemacht werden. Sodann gibt es hier viele Looshändler, denen es trotz aller Vorsichtsmaßregeln, welche die Lotterie-Direktion an­geordnet hat, immer gelingt, Loose zu kaufen, und die sich diesmal besonders reichlich versehen konnten. Sie werden trotz der Schwierigkeiten, welchen der Absatz b.t Loose auf offiziellem Wege begegnet, doch noch ihr Geschäft machen, da sie es hauptsächlich auf die vierte Klasse, zu welcher die Nachfrage sehr zu wachsen pflegt, abgesehen haben.

* Paderborn, 1. Oc't. Nach den Statuten des Bonifatius-Vereins muß alle drei Jahre eine General-Versammlung der Deputirten der Diöcesan-Komitees und der Mitglieder des Ge­neral-Vorstandes stattfinden zur Entgegennahme des von letzteren gegebenen Rechenschaftsberichtes, zur Besprechung und Beschlußfassung über Ver­einsangelegenheiten und zur Neuwahl des Ge­neral-Vorstandes. Die in diesem Jahre abzu­haltende General-Versammlung findet hier am Mittwoch, 6. Oktober statt. Wie nach dem ,Wests. Volksblatt' verlautet, haben der Bischof von Os­nabrück und der Weihbischof von Münster als Deputirte resp. M tglieder der betreffenden Komitees ihr Erscheinen zugesagt. In diesem Jahre wird in Verbindung mit der General-Versammlung des Bonifatius Vereins eine Versammlung der D.le­gi cten desBonifatius-Sammelvereinsfür Waisenhäuser und Kommunikanten-Anstalten ab­gehalten, die erste seit dem Bestehen des jungen Vereins. Zu dem Ende ist Dienstag-Nachmittag 5 Uhr im hiesigen Bürger-Verein Versammlung der Delegirten der Hauptstellen und der hiesigen Freunde und Beförderer dieses in so kurzer Zeit zu großer Blüthe gebrachten Vereins. Abends 8 Uhr ist gesellige Zusammenkunft im Bürger-Verein und am andern Morgen eben daselbst Fortsetzung der Berathungen. Die hiesige marianische Congregation junger Kaufleute, welche in Ver­wich doch einen Betrüger nennen, und das, Leonora, ertrag' ich nicht."

„Dann laß uns wieder fortziehen aus dieser Stadt, Johannes, laß uns ein anderes Domicil suchen, wo Deiner Thätigkeit ein neues Feld ge­boten wird."

„Ja," nickte er seufzend, „wenn der Fürst mich in Gnaden entlassen wollte, und wenn ich neue Aufträge fände, die uns sicher stellten vor bitteren Nahrungssorgen? Wo aber werden die meiner warten?"

In der Residenz war es unterdessen bekannt geworden, daß der Baumeister krank in Hofbieber liege und man war ziemlich enttäuscht, weil das abenteuerliche Gerücht von seiner Flucht sich nicht bewahrheitete. Doch erzählte man sich jetzt statt dessen unter dem Siegel der Verschwiegenheit, daß es mit seiner Krankheit doch eine eigene Bc- wandtniß habe; er habe nämlich um aller Verant­wortlichkeit und Strafe zu entgehen, — daß die Kuppel einstürzen werde, war ja unbestreitbar, — ein anderes Mittel als die Flucht erwählt: einen Selbstmordversuch, der mißglückt sei. Nur eine schlimme Verwundung habe er sich beigebracht und so sei er von dem Wildmeister Kaufholz im Walde aufgefunden und in dessen Wohnung ge­tragen worden.

bindung mit den übrigen Kongregationen junger Kaufl eute und den kaufmännischen Vereinen Deutsch­lands vieles zur raschen Verbreitung der Sammel­vereine beigetragen hat, wird sich an dieser Ver­sammlung in hervorragender Weise betheiligen. Dieselbe hat sich auch Mühe gegeben, für einen großen Theil der angemeldeten Deputirten, welche in den hiesigen Gasthöfen nicht alle untergebracht werden können, Quartiere bei den hiesigen Bürgern zu besorgen, welche letztere ihnen mit dankens- w-rther Bereitwilligkeit dabei entgegengekommen sind. Mögen bi: beiden General-Versammlungen recht vieles zum ferneren Gedeihen und Blühen dieser für die katholische Kirche in Deutschland so überaus wichtigen Vereine beitragen!

* München, 4. Okt. Das Oktoberfest war von prächtigem Wetter begünstigt. Der Fremden­zufluß war ungeheuer und wird auf 100,000 Per­sonen geschätzt. Das Publikum auf der Festwiese betrug gewiß über 200,000. Gegen 1/22 Uhr er­schienen die Minister Lutz (in geschlossenem Wagen), Crailsheim, Feilitzsch, Heinleth, dann Herzog Lud­wig, Prinz Ludwig Ferdinand mit Gemahlin, Prinz Alfons und Prinzessin Elvira, Prinzessin Arnulf, Prinzessin Gisela mit Kindern, Prinz Rupprecht, Prinz Ludwig mit Familie. Der Pcinzregent er­schien Punkt 2 Uhr zur Besichtigung des Viehes und der Preisvertheilung. Der Pcinzregent theilte die Preise selbst aus und sprach fast mit jedem Bauern. Während des ganzen Aktes herrschte die größte Ruhe und Ordnung; Unfälle kamen nicht vor.

* Für die Diözese Rottenburg ist Dom­kapitular Dc. Wilhelm v. Reiser zum Weih- bischof und Coadjutor mit dem Recht der Nach­folge ernannt word.n. Das .Deutsche Volksblatt' in Stuttgart theilt authentisch mit, daß das päpst­liche Eraennungsbreve bereits in der Staatssekretarie zur Expedition vorliegt. Darnach wird die Con­sekration des Erkorenen noch in diesem Monat oder längstens in der ersten Hälfte des nächsten Monats stattfiuden. Dc. v. Reiser steht Mitte der Fünf­ziger, war früher Conviktsdirektor und arbeitet schon lange als Domkapitular an der Leitung der Diözese Rottenburg hervorragend mit.

* Leipzig, 4. Oct. Hier haben neuerdings mehrere Verhaftungen von Social-Demokra- ten stattgefunden, In der Wohnung eines ver­hafteten TffchlerS fand man 500 Exemplare des

Und als Johannes Dienzerhofer nun nach glück­lich überstandenen Krankheit in des Wildmeisters Jagd Wägelchen wieder in die Stadt einfuhr, da trafen ihn Blicke und Bemerkungen, die wie Dolch­stiche in seine empfindliche Seele glitten.

Auf dem Buttermarkte schritten die beiden Räthe von der Rentkammer an ihm vorüber, sie hatten sich sonfi immer mit der größten Zuvor­kommenheit an den in der Gnadensonne fürstlicher Huld Stehenden herangedrängt, heute aber thaten sie einen scheuen Blick nach ihm, um dann ohne Gruß die Köpfe zur Seite zu wenden.

„O Gott, mein Passivceceß ist schon bekannt und sie denken wirklich, ich hätte das Geld veruntreut unterschlagen," ächzte der unglückliche Mann.

„Ist Der auch wieder btt?' hörte er dann im Vorüberfahcen an ben Fleischbänken einen Metzger ausrufen. „Hätt'auch gescheidter gethan, wenn er sich über alle Berge gemacht hätte, so läuft er geradenwegs ins Gefängniß hinein. Allewei. hat's aber ein End' mit der Bauwuth."

Johannes Dienzenhofer wagte kaum noch auf­zusehen, bis er sein Haus erreicht hatte. Stöh­nend sank er dort in einen Stuhl, und so saß er stundenlang stumm und verletzt im tiefsten Innern, da rief plötzlich Heinrich, der durch ein kleines