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Mündung bei Holtenau an der Kieler Bucht zu­fällt. Es sind die Verhandlungen zur Heranziehung der technischen Beamten bereits eingeleitet und sol­len Techniker aus den verschiedenen deutschen Bun­desstaaten bei dem Werke betheiligt werden.

* Nach den nunmehr vollständig vorliegenden Meldungen betrug die Gesammtzahl der während der diesjährigen Herbstübungen bei den 14 der preußischen Contingentsverwaltung angehörigen Armeekorps an Hitzschlag Erkrankten 196. Ein großer Theil der Erkrankungen gehörte der leich­testen Form des Hitzschlages an; von den Schwer- kranken sind 9 gestorben. Außerdem weisen die Monate Mai, Juni und Juli 76 Erkrankungen mit 5 Todesfällen auf. Hiernach kommt im Durch­schnitt auf jedes Armeekorps ein Todesfall.

• Leipzig, 2. Oct. Der Termin am Reichs­gericht für den Freiberger Socialisten- Proceß ist auf den 11. October angesetzt.

* Karlsru he, 2. Oct. Das Schwurgericht verurtheirte den früheren evangelischen Pfarrer Greiner, Redakteur des ,Bad. Boten', wegen Be­leidigung des evangelischen Oberkirchenraths zu einer Gefängnißstrafe von 5 Monaten.

Ausland.

* Wien, 2. Oct. Der König von Serbien empfing heute Vormittag im Hotel den Besuch des Kaisers und erwiederte denselben später.

* Budapest, 2. Okt. Es war vorauszusehen, daß Ministerpräsident Tisza auf die in Sachen der bulgarischen Vorgänge, unserer Orientpolitik und des deutsch-österreichischen Bündnisses im un­garischen Abgeordnetenhause gestellten Interpella­tionen nur eine sehr umschriebene und vorsichtige Antwort geben werde. In einem solchen Falle ist das Fragen viel leichter als das Antworten. Kundgebungen über die äußere Politik in einem Parlamente müsien vom Ministertische aus sehr sorgfältig behandelt werden und das ist auch dies­mal geschehen. Herr v. Tisza hat sich mit seinen gemeinsamen College« sehr genau benommen, ehe er die Interpellation beantwortete. Was er nun gestern im Abgeordnetenhause vorbrachte, bot ab­solut nichts Neues; denn es ist doch geradezu als selbstverständlich zu erachten, daß unsere Re­gierung vorher von der Verschwörung gegen Alexander keine Kenntniß hatte, und ebenso selbst­verständlich ist es, daß sie dieselbe nicht gebilligt hat. Auch das, was Tisza über die Ziele unse­rer Orientpolitik sagte, nämlich die individuelle Selbstständigkeit der Balkanstaaten zu schützen, ist bekannt. Erfreulich war an der Rede vor allem die entschiedene Betonung des Bündnifies mit Deutschland und wird dieser Theil der Tisza'- schen Erkürungen überall sicher mit Genugthuung begrüßt werden.

* Der König der Belgier ist von Baden- Baden nach Brüssel zurückgekehrt und hat sich so­fort nach Ostende begeben. Die Reise des Königs

hat, von Schmach und Schande, die^auf^ihn warten und dergleichen Unsinn."

„Davon hatDienzenhofer gesprochen?" fragte der Fürst erbleichend. „Und sagte er nicht den Grund, weshalb solches Urtheil auf ihn warte?" Mit äußerster Spannung hafteten Adalberts Au­gen auf seinem Berichterstatter.

„Damit hochfürstliche Gnaden, wird es wohl nicht viel auf sich haben," versetzte der Wildmei­ster gelassen. „Der arme Kerl bildet sich seine Angst ein, weil ihm die Nerven so aufgeregt sind. Seit gestern Abend hat er aber fast gar nichts gesprochen, sondern er liegt wie eine matte Fliege da; es sieht aus, als ob ein hitziges Fieber im Anzug wäre."

Aufmerksam hörte der Fürst auf des Wild­meisters Worte, dann entließ er ihn gnädig, doch nicht ohne vorher Dienzenhofer seiner sorgsamsten Obhut anzuempfehlen.

Als Kaufholz gegangen war, schritt Adalbert aufgeregt in seinem Cabinete auf und nieder, denn was er vernommen hatte, konnte nicht seinen düstern Verdacht zerstreuen.

„O Gott, wenn er wieder der Vernichtung an­heim fiele, der herrliche Bau, der so ganz mein Stolz gewesen!" seufzte er. „Aber es wäre vielleicht eine gerechte Strafe des Herrn, weil ich vergessen hatte, daß ich nur ein demüthiges Werkzeug zur Verkündigung Seiner Ehre und Seines Ruhmes sein darf, denn ich dachte so viel an das Gedächt- niß meines Namens." —

Leopold nach Baden-Baden batte die französische Presse in Alarm versetzt. Sie schloß aus dem Besuche, den der König dem Kasser von Deutsch­land abstattete, daß er sich in eine Art Vasallen- verhältniß zu Deutschland begeben habe. Die bel­gische Presse weist dies uno ähnliche Insinua­tionen, die von französischer Süte laut wurden, zurück.

* Sofia, 2 Okt. Die Antwort der Regierung acceptirt die von Baron Kaulbars gestellten For- derungen in Betreff der Aufhebung des Belagerungs­zustandes und der wegen des Staatsstreichs Ver­hafteten, erklärt aber, daß die Hinausschiebung der Wahlen zur groben Sobranje unthunlich sei.

* Madrid, 2. Oct. Das Kriegsgericht ver- urtheilte den General Campa, den Lieutenant Serrano und 5 Unteroffiziere zum Tode.

* In Ostindien und zwar in dem Distrikt Godaverp haben verheerende Ueberschwemmungen stattgefunden. Eine große Anzahl von Bewohnern der von der Ueberschwemmung heimgesuchten Dörfer wollte den Damm durchschneiden, um dem Wasser nach der entgegengesetzten Seite einen Ab­fluß zu schaffen. Die Bewohner der jenseits des Dammes liegenden Ortschaften leisteten indessen Widerstand, es kam zu einem heftigen Zusammen­stoß, wobei gegen 100 Personen gelobtet wurden.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 4. October.

i? Gestern wurden die Einlagen der mit der Vincenz-Konferenz zum heil. Sturmius ver­bundenen Sparkasse ausgezahlt. Es hatten 93 Einleger vom 1. Oktober 1885 bis 1. Oktober 1886 5411 Mark gespart. Mit dem heutigen Tage beginnt das Kaffenjahr 1886/87. Die Ein­lagen werden jeden Montag Abend von 1/29 Uhr an im Vereinslokal (Gasthaus zur Hinterburg) in Empfang genommen. Durch diese Kaffe ist Gele­genheit geboten, auf leichte Weise durch wöchent­liche kleine Einlagen sich im Laufe des Jahres eine schöne Summe zu sparen.

* Gestern Nachmittag wurde der neue Präses des kath. Gesellen-und Meistervereins, Herr Stadtkaplan Söding, in entsprechender Weise in beide Vereine eingeführt. Möge derselbe recht lange diesen Vereinen vorstehen, denn der häufige Präses-Wechsel ist, wie die Erfahrung lehrt, nicht sehr gedeihlich für die schönen Ziele, welche die beiden Vereine erstreben sollen.

* Der Convictsinspektor Freiherr v. Schor- lemer Hierselbst beabsichtigt, wie man uns zu­verlässig mittheilt, in seine Heimathdiözese Pader­born zurückzukehren und hat deßhalb um seine Entlassung aus der hiesigen Diözese nachgesucht.

—* Dre gestern Abend in der „Harmonie" ab- gehaltene Abendunterhaltung des Gesangvereins

32. Kapitel.

Die Entlassung.

„Das Münster baut ich Gott dem Herrn, Dem bleibet die Zerstörung fern."

K. Simrock.

Der Wildmeister hatte die Diagnose richtig ge­stellt, denn als er am Abend mit Leonoren nach Hofbieber kam, da fanden sie den Kranken in wilden Fiebelphantasien liegen, ein Nervenfieber — die Folge der heftigen Aufregungen — war bereits zum Ausbruche gekommen.

. „Schlagt mich nicht tobt," stöhnte er angstvoll, „ich muß erst die Rechnungen herbeischaffen, sonst setzen sie Leonora und die Kinder in den Kerker. — Die Rechnung stimmt nicht — Siebentausend dreihundert, neun Gulden und zwei und zwanzig Kreuzer fehlen. — Und das Geld gehört doch dem Aron, er muß es wieder haben, — fein Fluch klebt daran, — wir finden sonst nirgends Ruhe und Frieden."

Abgebrochen und hastig hatte er diese Sätze her- vorgestoßen, dann aber schienen freundlichere Bil­der seiner Phantasie vorzuschweben, Bilder von Rom und dessen Bauwerken, die feine geänfiigte Seele beruhigten.

„Siehst Du, Leonora," rief er plötzlich trium- phirend aus, „daß ich ein Meisterwerk schaffen konnte! Jetzt ist es fertig, zur Ehre Gottes hab' ich es ja gebaut. Die Kuppel aber ist die Krone,

„Winfrioia" war sehr zahlreich besucht, was um so erfreulicher ist, als dieselbe einem wohl- thätigen Zwecke galt. Das unter Leitung des Herrn Dirigenten Bursche! mit Musikbegleitung exakt vorgetragene Sieb: „Golt in der Natur," hinterließ einen erhebenden Eindruck. Das fünf- aktige Volksschauspiel: „Die hl. Elisabeth" wurde von den Mitwirkenden recht brav gespielt und erntete stürmischen Beifall. Mit einem lebenden Bilde, wobei sämmtliche Mitspielenden betheiligt waren, schloß die in allen Theilen sehr befrie- digend verlaufene Abendunterhaltung, durch die der Gesangverein Winfridia sich den Dank und die Anerkennung aller derjenigen verdient hat, die die Bestrebungen des St. Elisabethenvereins zu würdigen wissen, zu dessen Gunsten die kleine Festlichkeit arrangirt worden war.

• Wie jetzt bekannt wird, wurde bei dem im Jnli Hierselbst abgehaltenen Kreisturnfest ein Ueberschuß von 119 M. 34 Pfg. erzielt, welche zur Hälfte an die Kreisturnkasse abgesührt wird. Za Ehren der F-stausschußmitglieder und zum Dank für ihre damalige Mühewaltung, veranstal­tet der Turnverein auf nächsten Samstag Abend einen Commers in den Sälen der Harmonie. Herr F. C. Bellinger, welcher als Vorsitzender des Festausschusses seines Amtes mit anerkennens» weither Umsicht waltete, soll, wie man hört, zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt werden.

* Gestern Abend V27 Uhr, als die Züge aus der Richtung von Frankfurt und Cassel Hierselbst einliefen und auf dem Perron unseres Stations­gebäudes ein förmliches Gedränge herrschte, entstiegen dem letzgenannten Zage mehrere als rauflustig bekannte Burschen von hier, welche in etwas angeheitertem Zustande von Hünfeld zurück­kehrten und nicht nur die Anwesenden sehr be­lästigten, sondern auch zuletzt in Streit unter sich selbst gerieten und vom Perron gewaltsam ent­fernt werden mußten. Ein derartiger das Pub­likum belästigender Unfug wird wohl polizeilicher­seits nicht ungeahndet bleiben.

• Zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten sei daran erinnert, daß von diesem Monat ab die Klassen- und klassifizirte Einkommen­steuer wieder zu zahlen ist. Der Erlaß der Steuer galt für die Monate Juli, August und September.

* Vor dem Schwurgericht in Hanau wird laut dem ,H. Anz.' heute gegen den Dienstknecht I. Schulz aus Mosbach wegen Meineids ver­handelt.

,+ Den Lesern der ,Fulb. Ztg.' ist wohl noch erinnerlich, daß vor mehreren Jahren öfters von der wirthschaftlichen und sittlichen Nothlage des H utsten'schen Grundes, d. h. der Bewohner Rosenthal's undEckardroths und der nächsten Orte die Rede war. Wir wollen hier nicht er­örtern, ob und wie weit die damaligen Behaup­tungen auf Wahrheit beruhen; aber es herrschte

Pater Bardo hat es gesagt, und ganz oben in der Kuppel finden sich auch die Rechnungen. Sei ruhig, Leonora, ich steige hinauf, ich hole sie. Laß nur die Kirche erst geweiht sein, dann ziehen wir auch wieder fort von hier, wo sie Alle uns feind sind. — Nach Italien, nach Rom, Leonora, und diesmal gehst auch Du mit!"

Mit angstvoller Spannung lauschte Leonora diesen wirren Reden ihres Mannes, die vielleicht dm Schlüssel zu seinem Geheimnisse geben konnten. Und, Gott sei Dank! — so viel er auch mit der Kirche zu thun hatte, der Gedanke an ihren Einsturz schien ihn keine Minute zu schrecken; die entsetzliche Befürchtung war also vielleicht doch grundlos! — Aber was sprach er nur immer wieder von dem fehlenden Gelbe unb den Rech­nungen ? Waren dies nur Fiebereinbildungen ober verrieth sich hierin der Grund seines Kummers?

Bange Stunden verlebte Leonora am Kranken­lager ihres Mannes, Stunden voller Angst und Seelenpein, wo einzig im vertrauenden Gebet Kraft und Trost zu finden war. Aber endlich, endlich ging die Krisis glücklich vorüber, und die Genesung nahte sich dem Todtkranken. Und als er nun wieder zu klarem Bewußtsein kam und sein Weib wie einen tröstenden Engel an seinem Lager sitzen sah, da theilte er ihr offen den Gram mit, der so schmerzlich an ihm nagte.

(Fortsetzung folgt.)