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Montag, den 4. October.

Jfidharr

Di- ,Fuldaer Setting, «scheint täglich, Sann« und Feiertage aulgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringsrlohn und Bestellgelds 6*6«rif!ttf4m »achenbeilage .Sterne ANS Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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1886

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* Ein Radetzky-Denkmal

soll in Wien errichtet werden. Die Anregung hierzu ist vom Erzherzog Feldmarschall Albrecht ausgegangen, dem Schüler Radetzky's, der, nach­dem er in 3 Schlachten unter seinem Kommando gekämpft — bei Santa Lucia, bei Mortara und schließlich bei Novara — 17 Jahre später bei Cu- stozza den Beweis lieferte, daß er in einer guten Schule gewesen (die aber Oesterreich in der Stunde der Entscheidung, bei Königgrätz, verließ). Radetzky, der frühere Generalstabschef Schwarzen- berg's in der Schlacht von Leipzig, ist von dem Volke als populärer Held vielfach gefeiert worden. Auch Wien hat allen Grund, das Werk zu för­dern, das Erzherzog Albrecht unternommen. Schon zieren den äußeren Burgplatz die Monumente Eugens von Savoyen und Erzherzog Karls, am Schwar­zenbergplatz erhebt sich das Denkmal Schwarzen- berg's, am Praterstern ist jenes Tegetthoff's, des Siegers von Lissa, enthüllt worden, ein Monument für Radetzky, der nicht weniger als alle jene für der Monarchie Ruhm und Ehre siegreich einge­standen, darf also nicht fehlen.

In Radetzky wird der Mann verherrlicht, der sich als Vertreter des alten österreichischen einheitlichen Staatswesens gab — und in die­sem Sinne nannte ter die Armee Oesterreichs den Mikrokosmos des großen vielgegliederten und doch einheitlichen Staates — der zwischen Deutsch und Oesterreichisch keinen Unterschied kannte, der, ob­zwar einer alten böhmischen Adelsfamilie, Radetzky de Hradec, entstammend, sich stets nur als Oester­reicher betrachtete. Sein Denkmal ist somit ein Protest gegen die nationale Zersetzung der öster­reichischen Monarchie. Von Gebiet zu Gebiet fort» schreitend, von der Schule zur Verwaltung, der Justiz, den Verkehrsanstalten, istjdieselbe auch schon der Armee so nahe als möglich gerückt. Wenn die nationale Idee überallhin eingedrungen, warum sollte sie vor der Armee zurückweichen? Bloß eine Schutzwehr besitzt noch das Heer, und diese

Der Dom-aumrister so« Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(53. Fortsetzung.) /z Jy.

, »Ja, Ihr bringt freilich Alles fertig. Blast nur nicht die Stiftskuppel um mit Eurer Hoftrompete, die so gewaltig ist, wie weiland die Posaune von Jericho, MuSjö Blasenhans." Und der Wildmeister wandte sich kurz um, und ließ den unleidlichen Schwätzer stehen.

Rasch begab er sich in des Baumeisters Wohn­haus, wo er nur die Kleinen antraf, die ihm weinend erzählten, daß die Mutter zum Fürsten befohlen worden und der Vater fort sei, und Niemand wisie wohin; die Kinder in der Schule aber hätten gesagt, er dürfe nie mehr nach Fulda kommen, denn die Stiftskirche falle ja wieder ein.

»Ins Schloß ist Eure Mutter beordert worden?" nagte der Wildmeister. „Millionenschockschwernoth, da muß ich selber auch einmal hingehen. Heult nicht so, Ihr Kinder, Euer Vater ist in Hofbieber und die verfluchten Lügenmäuler hier soll alle ein Donnerwetter holen."

Er eilte nun selber nach dem Schlöffe, und be­gegnete in einem Korridore Leonoren, die eben vom Fürsten entlasten worden war. Wie ließ ihr die Freude die Wangen erglühen, al» sie nun

ist sein Deutschthum, die deutsche Armee- und Kom­munalsprache. Einzelne Vorkommniste der letzten Zeit haben aber den Beweis geliefert, daß auch dieser Damm bereits unterwühlt zu werden beginnt. Die exclusive Pflege des jeweiligen nationalen Elements in den Schulen entfremdet die Heran­wachsende Generation der deutschen Sprache; es wird, wenn es so weiter geht, immer schwerer werden, der Armee jenes deutsche Wesen zu erhal­ten, welches sie bisher an sich getragen, und wo­durch sie eigentlich zur Vermittlerin zwischen den Nationalitäten geworden ist. Die Slaven reden von einer nationalen Gliederung der Armee, von nationalen Armeekorps, die Ungarn sehen die ge­meinsame Armee, weil sie nicht national-ungarisch ist, wie die Honvedarmee, als fremd an. Graf Radetzky ist der Vertreter der alten österreichischen Armee, und in diesem Sinne gewinnt sein Denk­mal auch eine politische Bedeutung. In dem Denk­mal soll die Zusammengehörigkeit der Völker, welche die österreichisch - ungarische Monarchie be­wohnen, zum Ausdruck gelangen. Das, was man gefammtösterreichisches Bewußtsein nennen könnte, droht abhanden zu kommen, und da Ra­detzky sicher der vorzüglichste Vertreter des Gedan­kens der Einheit der Monarchie gewesen, so wird mit dem Akt der Pietät, den man durch Aufstel- lung eines Monuments für Radetzky begeht, jenem Gedanken die gebührende Huldigung dargebracht. Keine der Nationalitäten sollte und dürfte sich der Theilnahme an jenem Akt der Pietät entziehen, denn die Idee der Einheit der österr. Monarchie und der Zusammengehörigkeit ihrer Völkerschaften ist, weit entfernt für die nationale Entwicklung einer derselben gefährlich zu fein, umgekehrt für jede derselben eine Schutzwehr. Verständen sie ihre Jntereffen recht und wären sie nicht von na­tionalem Werth geblendet, so müßten sie die Ar­mee in ihrer gegenwärtigen Organisation hochhal­ten und Alles aufbieten, um sie als die alte öster­reichische deutschbefehligte Armee zu erhalten. Die Armee ist noch eines der wenigen Bänder, welche das Conglomerat von Provinzen und Völ­kerschaften, das man heute Oesterreich-Ungarn nennt, zusammenhalten. Europa, das Oesterreich nicht misten will und auf die Armee destelben für die Tage der Gefahr rechnet, nimmt lebhaften An­

plötzlich Nachricht von ihrem Manne hörte, aber jäh auch erbleichte sie wieder, als sie vernahm, m welchem Zustande sich derselbe befinde!

„Ich will selber drin Bericht erstatten, dann komm' ich wieder zu Euch und will Euch mit­nehmen," schloß der Wildmeister seine Mittheilung.

„Mit Verlaub, hochfürstliche Gnaden," sagte er, alä er einige Minuten später mit strammer Hal­tung vor dem Fürsten stand, „ich wollte nur allerunterthänigst vermelden, daß der Hofbaumeister Dienzenhofer sich dermalen zu Hofbieber in meinem Hause befindet und kein Glied fast zu rühren ver­mag, da ihn gestern ein paar niederträchtige Hallunken überfallen und halb tobt geschlagen haben."

»Der Baumeister ist bei Euch?" tief der Fürst mit höchster Ueberraschung aus und tiefaufathmend fügte er bei: „Gatt fei Dank! Dann hat also das Gerücht doch gelogen!"

„Infame Lügen, Millionenschock —" wollte der Wildmeister nach gewohnter Weise bekräftigen, aber rasch und erschrocken unterbrach er sich selber: „Potz Wetter, hält' ich doch beinahe in Ew. hoch­fürstlichen Gnaden Gegenwart geflucht I"

„Und überfallen haben sie den Baumeister? Wer waren die Verruchten?" fragte der Fürst drohend.

„Ein paar nichtsnutzige Bauernlümmel, Dieb».

theil au Allem, was in und mit dem Heere Oester­reichs vorgeht. Deutschland verehrt in Radetzky den Mitstreiter für Deutschlands Freiheit, der als Generalstabschef Schwarzenbergs die Dispositionen für die Schlacht von Leipzig getroffen, den Feld­zug 1814 mitgemacht und an der Seite Frievrich Wilhelms III. in Paris eingezogeu ist. Es ist bekannt, wie 1848 nach dem Siege von Custozza und der Einnahme Mailands die preußische Garde und ihr Chef, der damalige Prinz Wilhelm, dem greifen Marschall in einer Adresse huldigten, und wie Radetzky in seiner Antwort sich seines Antheils am „Kampfe für Deutschlands Freiheit" rühmte und denselben höher stellte, als seinen Sieg über die Armee Karl Alberts.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. October.

* Der Reichstag soll nach einer zuverlässi­gen Meldung am 18. November zusammentreten. Die zu erwartenden Militärvorlagen sollen dem­selben aber, wie von informirten Berichterstattern jetzt geschrieben wird, erst in einem späteren Sta­dium der Session zugehen, weil angeblich selbst grundsätzliche Fragen, die diese Vorlage betreffen, noch nicht entschieden sind. Daß die Regierung nicht ein Septennat, sondern eine unbegränzte Prä­senzstärke verlangen wird, gilt für feststehend.

* Für die besondere Leitung und Ausführung der Bauarbeiten für den Nordostsee-Kanal werden vier Bauämter errichtet, an deren Spitze Wafferbauinspektoren stehen, und zwar in Bruns­büttel, Burg, Rendsburg und Kiel. Das Bauamt in Brunsbüttel umfaßt die Mündungsanlagen und großen Schleusenbauten an der Elbe und ist nicht weiter in Unterbehörden getheilt. Die drei übrigen Bauämter sind in je drei, zusammen neun Abheilungen zerlegt, denen Regierungs-Baumeister vorstehen. Im Bezirke des Bauamts in Burg sind besonders die umfangreichen Erdarbeiten zur Durchschueidung der Wafferschneide zwischen der Elbe und Eider von Wichtigkeit, da» Bauamt in Rendsburg umfaßt das Gebiet der Eider bis zum Beginn des jetzigen Eiderkanals bei Steinrade, während dem Bauamt in Kiel die Durchstechung der östlichen Hauptwafferscheide zwischen Nord- und Ostsee und die Anlage der Schleusenwerke und der

Hallunken, die ich schon lange scharf auf dem Korn habe, denn sie haben Ew. hochfürstlichen Gnaden schon manchen Rehbock gestohlen. Auf den Bau­meister haben sie's alle gepackt wegen den Bau- ftohnden; das Schuttfahren am Bieberstein gefällt den Burfchen nicht und dafür wollen sie sich rä­chen an dem, dem das Volk alle Bauhändel in die Schuhe schiebt."

Adalbert runzelte finster die Stirn bei den letz­ten Worten, die der Wildmeister sehr unbefangen ausgesprochen hatte.

„Die Uebelthäter sollen ihrer Strafe nicht ent­gehen," kam es nach einer Weile streng über des Fürsten Lippen, während er mit den Fingern rasch auf der Tischplatte trommelte. „Aber sagt, der Baumeister hat doch keinen Schaden genom­men von dem Attentate?"

„Seine Glieder scheinen alle noch ganz zu sein, doch fürchte ich, daß es ihm hier im Capitol" — und der Wildmeister deutete mit einer bezeichnen­den Geberde nach der Stirn — „ein Bischen ge­schadet hat."

„Wie meint Ihr das? Sprecht deutlich, Kaufholz."

„Nun, ich meine nur, daß die Schläge auf den Kopf ihm vielleicht etwas das Concept verwirrt haben, weil er so viel confufes Zeug geschwatzt