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Dienstag, den 28. September

1886

Zeitung

Jfaliiarr

Die ,Fuldaer gtttWttg* erscheint täglich, Cosn» und Feiertag« ausgenommen. Merteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 Mk. 50 Pfg., — mit der helleiristischen »ochrnbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. September.

• Ein römischer Korrespondent der .Germania' sendet derselben ein Stimmungsbild, welches mit der letzten Meldung der ,Frkf. Ztg.' aus Rom über die kirchenpolitische Situation wesent­lich übereinstimmt. Es heißt darin: Herr von Schlözer wurde vom heil. Vater mit besonderer Herablassung empfangen und die Unterhaltung dauerte über eine Stunde. Der preußische Ge- sandte soll sehr große Hoffnungen auf die vollstän­dige Beilegung des Kulturkampfes haben, da Fürst Bismarck ihm gegenüber die absolute Nothwendig- keit eines vollständigen Einverständnisses mit dem hl. Vater betont habe. Er äußerte sich daher in vatikanischen Kreisen mit außerordentlicher Zufrie- denheit über das Vertrauen des Reichskanzlers und die Friedensliebe des Papstes und er läßt auch seifte persönli^ Bereitwilligkeit erkennen, den.Wün- schen ces Heu. Smhsses entgegenzukommen. Diese Auffassung über die Aussichten auf eine völlige Beilegung des Kulturkampfes findet hier um so mehr Anklang, weil man überzeugt ist, daß Fürst Bismarck mit Rücksicht auf die allgemeine politische Konstellation wünschen muß, die katholischen Unter- thanen Preußens zufriedenzustellen und den deut­schen Einfluß in Rom zu befestigen und zu erwei­tern. Man sagt, Herr v. Bismarck trachte dar­nach, Oesterreichs und Frankreichs Stellung beim Vatikan zu gewinnen, da ein hervorragender Ein­fluß beim Vatikan bei der großen Rolle, welche die religiöse Frage überall spielt, für die allge­meine auswärtige Politik nur fruchtbringend sein kann. In Betreff der engeren Kirchenpolitik in Preußen hat Herr v. Schlözer zwar dem Vatikan

den Wortlaut des neuen kirchenpolitischen Gesetz­entwurfs noch nicht unterbreiten können, aber es steht fest, daß die weitere Revision der Maigesetze in der Wintersession des Landtags stattfinden wird. Herr v. Schlözer soll den Vatikan bereits über die Grundlinien dieser Reform ver­ständigt haben. Was die Ordensfrage betrifft, so scheinen sich die Verhandlungen nach den neuesten Mittheilungen einstweilen noch nicht (d. h. im momentanen Stadium der Verhandlungen) auf diesen Gegenstand auszudehnen, doch wird ange­nommen, daß auf diesem Gebiet in nächster Zeit etwas Tatsächliches geschehen muß, um die öffent­liche Meinung auf einen späteren legislatorischen Akt vorzubereiten.

* Die ,M. Allg. Ztg.' bestätigt, daß Prinz­regent Luitpold von Bayern noch vor Ablauf dieses Jahres einen Gegenbesuch am B.rliner Hofe zu erstatten beabsichtigt. Nähere Disposi­tionen sind noch vorbehalten.

* Die Generalversammlung des inter­nationalen permanenten Straßenbahnvereins, die in den letzten Tagen hier stattfand, ist heute ge­schlossen worden. Die nächste Generalversamm­lung soll im September 1'887 in Wien statt­finden.

* Nach einer kürzlich ergangenen Verfügung des Ministers des Innern hat der Landrath, wenn er zu einer Dienstreise im Kreise, z, B. bei einer Kassenrevision, einen Gehülfen aus dem land- räthlichen Bureaupersonal mitnimmt, die dadurch verursachten Kosten aus seiner Dienstunkosten-Ent« schädigung zu vergüten, soweit nicht für besondere dienstliche Angelegenheiten, zu denen die außerordent­lichen Kaffenrevisionen nicht gehören, die Mitnahme eines solchen Gehülfen aus Staatskosten allgemein genehmigt worden ist.

* Die Königlich Bayerische Negierung hat auf Grund des Socialistengesetzes eine Nummer des in Frankenthal erscheinenden Frankenthaler .Tageblatts' (eine sog. „kopflose" Zeitung, die unter verschiedenen Titeln auch in verschiedenen anderen Orten erscheint), wegen eines Eingesandt des Verlags urd der Redaktion des socialdemo­kratischen Blattes .Deutschland'/verboten.

* München, 25. Sept. Der Prinz-Re­gent ist mit großem militärischem und Civil- Gefolge, dem Minister des Innern und den ober-

ptr Doulbaunrei-ler osu Fulda.

Eins Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(49. Fortsetzung.)

Eine besondere Freude war es für Dienzenho­fer, daß Niemand bei dem Kirchenbau verunglückt war; hatte er doch auch täglich für alle dabei beschäftigten Leute das hl. Meßopfer darbringen lassen.

Mit Esser ging es jetzt an die innere Aus­schmückung des Werkes, bei welcher einheimische und fremde Künstler thätig waxen. Dis ganze Stuckaturarbeit, mit Ausschluß der für die Ni­schen bestimmten Standbilder, hatte Johannes Dienzenhoser ebenfalls einem weiter abgeschlossenen Accorde zufolge für die Summe von siebentausend Gulden übernommen. Wenn aber der ungedul­dige Fürstabt geglaubt, in fünf Jahre könne die Kirche fix und fertig dastehen, so mußte er sich doch drein finden, daß auch die Decoration noch einige Jährlein in Anspruch nahm. Ein reges Kunstleben aber hatte sich in der kleinen geistli­chen Residenz entwickelt, wo Plastik und Malerei nun mit einander wetteiferten, ihrer erhabenen Schwesterkunst zu dienen.

Artari hatte am meisten dabei zu schaffen.

Aus seiner kunstthätigen Hand gingen viele aus Gyps gebildete Skulpturen hervor, wie die kolos­salen Statuen der zwölf Apostel, für das Lang­haus, Kreuzschiff und Presbyterium, die vier Kir­chenväter Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregorius für den Chor, vier Bildsäulen für die Nischen der Kuppel, sodann je vier Stand­bilder für die Andreas- und Johanneskapelle, verschiedene große Altäre aus Gypsmarmor und endlich das Bild der von himmlischen Geistern umgebenen allerheiligsten Dreifaltigkeit über dem Hauptaltare.

Doch es wirkten auch außer ihm noch andere Bildhauer an der Dekoration der Kirche mit, wie die beiden Fuldaer Weber und N e u d e ck e r, und besonders der Letztere, Meister Johann Neudecker zeichnete sich mit seinen plastischen Kunstwerken aus, die derselbe aus Albaster schuf: eine Darstellung der Himmelfahrt Ma­riä , welche in einer herrlichen Gruppe den Hauptaltar schmückte, sowie einem meisterhaften Altarbilde und Antipendium für die Bonifatius- Gruft und verschiedenen mit technischer Vollendung ausgeführten Statuen. Das Material dazu wurde aus Sachsen beigeführt, während Nassau und zum Theile auch Wetzlar den nöthigen Marmor lieferten.

sten Hofchargen heute Morgen 8 Uhr zu den Besuchen der Städte Augsburg, Nürnberg, Würz­burg und Ansbach abgereist. Von dem am Bahn­hofe versammelten zahlreichen Publikum wurde der Prinz-Regent mit lebhaften Hochrufen begrüßt.

* Nürnberg, 27. Sept. Soeben, gegen lO’/a Uhr erfolgte, von Augsburg her, mit Son­derzug die Ankunft des Prinz rezenten auf seiner Rundreise, die er mit allen königlichen Ehren durch die größeren Städte des Landes macht.

* Karlsruhe, 25. Sept. Es war ein herr­liches, ein wahres Friedensfest, welches eben in Freiburg und in der ganzen Erzdiözese gefeiert worden ist. Der hochwürdigste Herr Erzbischof Dr. Johannes Christian hat im Fluge alle Her­zen seiner Erzdiözesanen erobert, und zwar durch die Milde, Liebenswürdigkeit und gewinnende Herzlichkeit seines Auftretens, gepaart mit echter apostolischer Entschiedenheit in den katholischen Grundsätzen. Möge aus den Tagen des 20. und 21. September für die Erzdiözese und für das ganze badische Land reicher Segen erblühen, möge der von Freiburg ausgegangene Hauch der Versöhnung und Liebe überall eine nachhaltige wohlthätige Wirkung ausüben! Wir geben uns freilich nicht der Illusion hin, als ob der seitherige Kampf um die Wiedererlangung der vollen kirchlichen Rechte und Freiheiten nun vollends aufhören werde. Dies wird so lange nicht der Fall sein können, bis der Widerstand einer mächtigen Culturkämpfergruppe gegen die zweckdienliche verfassungsmäßige Revision der kir­chenpolitischen Gesetzgebung gebrochen sein wird. Möchte sich aber auch bei ihnen die gute Wirkung des schönen Festes bethätigen! Eine wohlthätige Wirkung erhoffen wir aber in erster Linie von den verflossenen schönen Tagen, die nämlich, daß in der eigenen Partei und Parteipresse fortan der Geist der Zwietracht ersterbe, daß alle, welche früher einig und vereint zur Fahne der katholischen Volkspartei gestanden haben, sich wieder zusammenfinden und ferner­hin mit vereinten Kräften, dem \ Beispiel der fest geeinten preußischen Centrurm partei fol­gend, die bewährten Programwgrundsätze hcch- halün werden, mit Hinantsetzung aller per­sönlichen Voreingenommenheiten, for- titer in re, suaviter in modo. Möchten Alle,

Mit den Wandmalereien hatte der Fürstabt den Italiener Columba betraut, den er als be­währten Freskomaler von Stuttgart berufen hatte.

Aber nicht allein die Kunst, auch das Hand­werk mußte der inneren Ausgestaltung der Kirche dienen und hier verdient besonders der Laienbru­der Jürgen aus dem Fransziskanerkloster auf dem Frauenberge genannt zu werden, der sich in Ver­fertigung von Kirchenstühlen, Thüren und anderen Arbeiten als tüchtiger Schreiner bewies. Alles erforderliche Material nebst der nöthigen Beihülfe wurde demselben gestellt, seinen Arbeitslohn aber wendete er seinem armen Kloster zu, da er selbst nach seines hl. Ordensstifters Franziskus Regel kein Geld annehmen durfte.

Alle diese Mitschaffenden ermunterte Johannes Dienzenhoser fortwährend zu rastlosem Eifer und Fleiße, da er mit ungeduldiger Sehnsucht der Vollendung seiner Schöpfung, die auch dem Fürsten so sehr am Herzen lag, entgegen sah.

So bestieg er auch heute wieder, an einem schö­nen klaren Winternachmittag, den nahen Frauen­berg, um sich persönlich von dem Fortschritte der Werkleistungen Bruder Jürgen's zu überzeugen.

Im Kreuzgang begegnete ihm Pater Bardo. Freundlich belebten sich die gutmüthigen Züge des biederen Mönches, als er des Baumeisters