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219 Sonnabend, den 25. September 1886

Fuldser W Mmg.

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G Frankreich und Deutschland.

Ein Pariser der französischen Regierung nahe­stehendes Blatt behauptet, es sei nicht richtig, daß Frankreich unaufhörlich seine Militärmacht ver­größere und damit Deutschland zwinge, das Gleiche zu thun, just das Gegentheil wäre der Fall. Es begründete seine Behauptung damit, daß unter Einrechnung der Kolonien die Bevölkerung Frank­reichs größer sei als die Deutschlands und daß die militärischen Bedürfniffe Frankreichs die Deutsch­lands weit überschritten. Deutschland habe keine 3000 Mann außerhalb Europa'«, während Frank­reich in seinen überseeischen Besitzungen 80,000 Mann stehen habe. Wenn man eine loyale Ueber- ficht der kontinentalen Streitkräfte beider Staaten entwerfen wollte, würde man vielleicht finden, daß die Streitmacht Deutschlands der Frankreichs überlegen sei. Deutschland habe übrigens von Frankreich keinen Angriff ni befürchten, es wisse sehr wohl, daß die französische Demokratie im eminenten Sinne friedlich sei und daß das allge­meine Stimmrecht keine Eroberungspolitik gestatte. Es verlohnt sich, diese Behauptungen etwas näher zu betrachten. Die Thatsache, daß Frankreich mit seinen Kolonien eine größere Vevölkerungszahl aufzuweisen hat als Deutschland, kann doch keinen Grund dafür abgeben, daß Deutschland, welches vor Frankreich beständig auf der Hut sein muß, seine Vertheidigungsmittel in einem Maße ab­schwächt, daß die Ueberlegenheit Frankreichs über Deutschland von vornherein feststeht, und daß wir von vornherein sicher sein müssen, in einem Re­vanchekrieg, den Frankreich zu gelegener Zeit unter- nimmt, zu unterliegen. Was soll dann die Be­hauptung, daß die militärischen Bedürfnisse Frank-

Dkl DomLaumtistkl von Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda'« Vergangenheit.

(47. Fortsetzung.)

„Ich glaube es," versetzte Tilchen, den Blick innig und dankbar zu ihm erhebend, denn es wußte, daß die Worte, trotz ihrer steifen Form aus der Tiefe des Gemüths kamen, „ach, so treu wie Ihr, hat ja Keiner zu meinem lieben Vater gehalten."

„Ja, und der Herr Vetter, Gott hab' ihn selig, hielt auch auf Keinen so große Stücke, wie auf Euch, Herr Amtsvogt", fiel lebhaft die Base ein. „So gern wie einen Sohn hat er Euch gehabt, und den Abend, wo er den Fliederthee getrunken hat, hat er es noch gesagt, daß —"

Erschrocken stieß Tllchen die redselige Alte an, im bangen Gefühle, was ihre Zunge jetzt anstif­ten werde.

Diese aber nickte dem jungen Mädchen verständ« nißvoll und beruhigend zu, laut aber fuhr sie in ihrer unterbrochenen Rede fort: „Ja, an jenem Abend, wo er den Fliederthee trank, da hat er gesagt, daß er unsere Zukunft dem himmlischen Vater anheimstelle, und daß das Kind auch sicher noch einen braven Mann bekomme, denn für da« Kloster, wohinL e« ja gehen wollte, tauge es doch nicht."

reichs diejenigen Deutschlands weit überschreiten? Nicht Deutschland ist es, von dem eine Provo­kation eines Krieges zu erwarten ist, sondern ; Frankreich, und wir sehen, wie es unausgesetzt bemüht ist, Alliirte gegen Deutschland zu werben, wie es beständig mit Rußland kokettirt, wie es in das j Feuer der panslavistischen Leidenschaften bläst und * 1 * * * wie es kein Mittel unversucht läßt, Deutschland ■ mit anderen Mächten, namentlich mit Rußland, ! zu brouilliren. Es ist das bisher zum Glück nicht ■ gelungen. Aber wenn die Dinge so wie angedeutet : liegen, kann man doch wirklich nicht mit Recht . behaupten, Deutschlands „militärische Bedürfnisse" i seien geringer äls die Frankreichs. Was die fran- - zöstschen Streitkräfte in den Kolonien anlangt, so kommt der Hauptbestandtheil davon auf Nord­afrika, von wo sie jederzeit, wie wir 1870 gesehen haben, gegen eine europäische Macht ins Feld ge­führt werden können. Wenn Frankreich nebenbei ■ eine Eroberungspolitik treibt, sich mit Arabern, ; Chinesen und Anamiten herumschlägt, so kann uns ! dies nicht veranlassen, seinen fortgesetzten Rüstun- * gen, die durch seine überseeischen Konflikte jedoch nicht bedingt sind, ruhig und unthätig zuzusehen. Die Kriege in Tonkin haben Frankreich doch wahr­lich nicht gezwungen, über eine halbe Million auf dem Friedensfuße zu erhalten. Die beständigen Kriege und Konflikte, die Frankreich seit dem deutsch-französischen Kriege in anderen Welt- theilen gehabt hat, beweisen nur, daß die Fran­zosen sehr unruhige Leute sind. Deutschland hat in kurzer Zeit ausgedehnte Kolonialgebiete ge­wonnen, wobei rs zu kaum nennenswerthen ^Kon­flikten gekommen ist. Deutschland hat es eben ver-' standen, auf friedlichem Wege Erfolge zu erzielen, während unsere Nachbarn jenseits der Vogesen nur mit brutaler Waffengewalt operirten. Was heißt loyale Uebersicht der beiderseitigen Steitkräfte? Das deutsche Reich erhält 448000, Frankreich 514000 Mann auf dem Friedensfuße. Auf dem Kriegsfuße stellt das deutsche Reich rund l1/«, Frankreich ls/4 Millionen. Die Behauptung von der eminent friedlichen Demokratie Frankreichs ist angesichts d r zu Alltäglichkeiten gewordenen chauvinistischen deutschfeindlichen Demonstrationen der Franzosen einfach zum Lachen. Die Berufung auf das allgemeine Stimmrecht ist unverständlich. Das allgemeine Stimmrecht hat die Franzosen

Noch ehe der Satz, welcher eine so überra­schende Wendung genommen, vollendet war, hatte Tilchen das Zimmer verlassen.

„Ins Kloster?" fragte Weiß aufhorchend, und seine Lippen verzogen sich wehmüthig.

„Larifari! Fällt dem Mädel gar nicht ein," knurrte der Wildmeister, „ist nur der Base ihr Einfall."

„Ach Du grundgüttger Himmel, nun soll ich gar Schuld daran sein," rief die Alte wehklagend aus und die schlimme Kränkung trieb ihr die Thränen in die Augen.

Wenn der Reconvalescent davon sprach, daß es Zeit sei, das gastliche Jägerhaus zu verlassen, dann protestirte der alte Hofrath, der seine ärzt­lichen Besuche immer noch nicht eingestellt, ener­gisch dagegen, und der Wildmeister polterte, wenn e« ihm auch unter seinem Dache nicht gefalle, so möge er wenigsten« so lange sich gedulden, bi« er die nöthige Kraft zur Heimreise habe.

Und der junge Mann mußte aushalten und die bitter-süße Qual weiterkosten, mtt Der täglich zusammen zu sein, der noch immer sein ganze« Herz gehörte und die ihm doch verloren war. Er vermied zwar so viel al« möglich die Nähe de« Mädchen», aber er empfand eine schlimmere Pein, al« ihm seine äußere Wunde bereitet hatte

nicht gehindert, Tunesien und Tonkin zu erobern und ihre Macht auf Madagaskar auszudehnen. ! Der gegen die Chinesen geführte Krieg ist allerdings als ein nicht offizieller bezeichnet worden, aber die französischen Kugeln haben die Chinesen ge- i nau ebenso getödtet, al« wenn die französischen ! Kammern eine Kriegserklärung an China gutge- • heißen hätten. Es ist allerdings schlimm, einen so ! ungemüthlichen Nachbar zu besitzen, wie Frankreich • und durch dessen offizielle oder nicht offizielle Krieg«- ! gelüste gezwungen zu sein, beständig eine schwere ■ Kriegsrüstung tragen zu müssen. Aber was Hilst«, ■ man muß den gegebenen Thatsachen Rechnung i tragen.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. September.

* Der rumänische Minister Stourdza, der sich vorige Woche in Berlin aufhielt, ist, rote heute ! offiziös erklärt wird, vom Fürsten Bismarck em- ■ pfangen worden. Dadurch dürfte sich wohl die ! Vermuthung bestätigen, daß seine Anwesenheit mit den Vorgängen auf der Balkanhalbinsel in Ver- bindurg gestanden und den Zweck gehabt hat, die rumänische Politik mit der des Fürsten Bismarck in engere Fühlung zu bringen.

* Die 59te Versammlung deutscher Natur­forscher und Aerzte, ist heute Mittag 2 Uhr mit einem dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser geschloffen worden. Die nächstjährige Ver­sammlung findet in Wiesbaden statt.

* Ueber die Neubesetzung des Limburger Bischofsstuhls schreibt der ,Nass. Bote': Nach­dem der bischöfliche Stuhl unfern Diözese nun­mehr rechtlich erledigt ist, erwacht natürlich aller­orts da« regste Interesse für die Neubesetzung unseres Bischofssitzes. In welcher Stufe der Ent­wickelung diese Angelegenheit gegenwärtig steht, entzieht sich selbstverständlich unserer Berechnung; eins dürfte jedoch als sicher angenommen werden, daß die Besetzung de« bischöflichen Stuhle« näm­lich nicht durch die Besetzung des Domkapitels, sondern direkt durch den apostolischen Stuhl nach Verständigung mit der königlichen Regierung er­folgen wird.

* Marpingen, 21. Sept. Heute trafen, laut der Tr. Lztg.', von der ganzen Gemeinde freudig begrüßt, drei Franziska nerinnen aus

— jene Wunde, die ja sicher zu heilen begann, während die innere Herzenswunde, neu aufgeriffsn in heißem Schmerze brannte.

„So — mich habt ihr nun nicht mehr uöthig," sagte eines Tages der Hofrath, indem er befriedigt eine Prise aus der Dose nahm, und es ist auch gut, denn ich habe in Fulda int Augenblick eine

I Legion von Patienten."

„Sind dort so viele Leute krank?" fragte die Bafe aufhorchend, „sagt doch einmal, Herr Hof­rath, was habt Ihr jetzt für Patienten?"

„Nun, da ist vor Allem die Frau de« ita­lienischen Bildhauers Artari."

Tilchen zuckte bei dem Namen, der ihm wie ein Todtenglöcklein in’ö Ohr tönte, zusammen und neigte sich tiefer über die Näharbeit.

„Ja", fuhr der Hofrath fort, „da« ist so eine zarte südländische Pflanze, die in unferm rauhen Fuldaer Klima nicht fortkommen roiff. Das habe ich dem Bildhauer auch gesagt. Der aufgeregte Patron tobt aber und thut, al« ob er au« dem Häuschen wäre, daß er durch seinen Contract bi« zur Fertigstellung der Statuen an Fulda ge­bunden ist. So lange wird e« die junge Frau, die kein deutsche« Wort reden kann, freilich nicht bei uns aushalten. Ja, ja, für uns wäre es auch besser gewesen, wenn da« viele fremde Künstler-