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Dienstag, den 21, September
1886
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* Revolution in Spanien.
Wie Staatssekretär von Bötticher nach Schluß der Reichstagssitzung Reichstagsabgeordneten aller Parteien mittheilte, ist in der Nacht von Sonntag auf Montag in Madrid eine Revolution ausgebrochen. Dieselbe bezweckt den Sturz der Monarchie und die Einführung der Republik. Ueber den Erfolg der Aufständischen lagen bestimmte Nachrichten dem Minister noch nicht vor.
Das Wolff'sche Telegraphenbureau bringt folgende jedenfalls abgeschwächte Madrider Meldung: „Heute Nacht kam es hier zu tumultarischen Auf- tritten, bei denen der Ruf „es lebe die Republik" ausgestoßen wurde."
Die weiteren Meldungen .tauten ernster. Ein zweites Telegramm des ,W. T. B.' berichtet:
„Die aufständische Bewegung greift um sich, sie geht von Truppentheilen der Garnison aus und trägt einen militärischen Charakter."
Ferner wird aus Barcelona gemeldet:
„Die Gendarmerie hat in Sindarellas eine Anzahl Waffen und Munition, welche karlistischen Ursprungs sein sollen, mit Beschlag belegt Md mehre Ver- Haftungen vorgenommen."
Die zuletzt eingelaufenen Meldungen aus M a d r i d vom gestrigen Tage lauten:
„Die Aufständischen von beiden Eskadrons und die Jnfan- terie-Abtheilung, die sich ihnen angeschlossen hatte, sind ««" den gegen sie geschickten Truppen zersprengt und aus
der Stadt getrieben worden, eine Anzahl ist gefangen, andere sind geflüchtet, der Rest, befindet sich auf dem Wege nach Valencia. Kriegsgerichte sind eingesetzt."
„Der .Jmparzial' schreibt: Die jüngsten Ereignisse überträfen durch die unerwartete, absurde, unbegreifliche Art, wie sie sich vollzogen, alles, was in diesem an Veränderungen so fruchtbaren Lande bisher vorgekommen.
„Amtlich wird mitgetheilt: Die zersprengten Reste der aufftändischen Truppen, welche sich in die Umgegend der der Stadt geflüchtet hatten, sind von Gendarmen gefangen und befinden sich in Händen der Behörden der umliegenden Ortschaften, so daß die aufständische Bewegung völlig als beendet anzufehen ist."
Die letztgenannte amtliche Mittheilung verliert jedoch in so fern an Glaubwürdigkeit, als man annimmt, daß sie nur zur Beschwichtigung des Aufstandes dienen soll. Die nächsten Tagen werden darüber Gewißheit bringen.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. September.
* Der Aufenthalt der Kaiserlichen Majestäten in Baden-Baden wird sich wie alljährlich bis Mitte Oktober erstrecken. Der Kronprinz ist in Vertretung des Kaisers in Metz eingetroffen und mit allen dem Kaiser gebührenden Ehren empfangen worden.
* Der preußische Gesandte beim Vatican, Herr v. Schlözer, ist gestern wieder in Rom eingetroffen.
* Der Präsident der Seehandlung Rötger ist in der Nacht zum Sonntag im alter von 57 Jahrm am Herzschlag gestorben.
* Die heutige 3. Plenarsitzung des Reichstags, in welcher die dritte Berathung des spanischen Handelsvertrags auf der Tagesordnung stand, dauerte nur einige Minuten. Der Handelsvertrag wurde einstimmig ohne Debatte genehmigt. Abg. Windthorst sprach dem Präsidium den Dank des Hauses aus für die umsichtige Leitung der Geschäfte. Staatssekretär v. Bötticher verkündete den Schluß der Session. Darauf brachte Präsident v. Wedell-Piesdorff das Hoch auf den Kaiser aus, in das das Haus dreimal begeistert einstimmte.
* Die Arbeiten für den Nordsee-Kanal sollen im Wege der Verdingung ausgegeben werden und in Theile von drei bis fünf Millionen Mark zerfallen.
* Heidelberg, 20. Sept. Die AnkunftSr. Excellenz des Herrn Erzbischofs Roos erfolgte
Punkt 10 Uhr 15 Min. Der Empfang Seitens der Deputationen des Domkapitels, der Landkapitel, der Pfarrgemeinde Heidelberg und der Stadt Freiburg war dem ,Bad. Beob.' zufolge herzlich, erhebend, erbauend. Für das Domkapitel sprach Dr. Knecht, für die Stadt Freiburg Bürgermeister Dr. Thoma, für die Geistlichkeit des Unterlandes Dekan Benz von Dils« berg, für die katholische Gemeinde Heidelberg Stadtpfarrer Wilms. Seine Excellenz hielt eine längere Anrede, an deren Schluß er den Erzbischöflichen Segen ertheilte. Darauf folgte die Borstellung. Der Bahnhof war auf's Beste geziert. Weißgekleidete Kinder bildeten Spalier, der katholische Kirchenchor und das städtische Orchester trugen entsprechende Stücke vor. Die Abfahrt mittels Extrazug erfolgt soeben Punkt 11 Uhr. Unter Böllersalven und Hurrahrufen der großen Menschenmenge verläßt der Zug soeben die Bahnhofshalle.
* Karlsruhe, 20. September. Die von den Karlsruher Katholiken veranstaltete feierliche Begrüßung des auf der Einzugsfahrt nach Freiburg unsere Residenz paffirenden Hoch«. Herrn Erz- bifchofs Dr. Johannes Christian Roos ist in jeder Hinsicht glänzend verlaufen. Der Eingang zum fürstlichen Wartesalon war prächtig dekorirt. An der Stelle der Treppe war eine kleine Empore errichtet, in deren Mitte sich ein kanzelähnliches Katheder mit reicher Sammtverhüllung erhob, von dem aus Se. Excellenz sich dem vorbeimarschiren- den Festzuge ansah. Am Bahnhof hatten sich zur Begrüßung u. A. eingefunden: Geh. Regierungsrath Becherer, Stadtdirektor v. Prien, Präsident v. Regenauer, General und Stadtkommandant v. Vogel, Platzmajor Chrismar und mehrere andere höhere Offiziere. Nachdem der Extrazug mit dem Hochw. Herrn Erzbischofs um 12 Uhr 10 Min. eingetroffen und Se. Excellenz nebst Begleitung auf der Tribüne erschienen war, erwiderte der Hochwürdigste Herr auf die Ansprache des Herrn Dekan Benz u. A.: Daß es ihn freue, in der Residenz Karlsruhe, von der er schon so viel Schönes und Gutes gehört, in so überaus glänzender Weise empfangen worden zu sein, ermahnte in herzlichen Worten zur Eintracht, zum treuen Festhalten an die heilige katholische Kirche und deren Glauben. Zum Schluffe ertheilte Se. Excellenz den bischöflichen Segen. Dann defilirten
Der Dombaumeister von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(43. Fortsetzung.)
Am anderen Morgen erschien der Hausherr nicht wie sonst am Frühstückstisch, voll Angst eilte Tilchen in sein Zimmer.
„Die Nacht war schlimm," sagte er mit schwacher stimme. „Ich habe kein Auge zugethan und stechende Schmerzen auf der Brust gehabt. Laffe den Hofrath Thomas bitten, einmal nach mir zu sehen."
„Was machen wir denn für Sachen, alter Freund?" rief der Hofrath Thomas, der sogleich ^schien, indem er mit dem forschenden Blick des Arztes den Kranken ansah und die nöthigen Fragen
,„Die Lunge ist etwas stark afficirt, da müssen ?xt zu ein paar Schröpfköpfen greifen, die werden 0,6 Entzündung schon verjagen," entschied er dann.
»Nein, Thomas, ich glaube, daß es zu Ende Mt mir geht," lächelte wehmüthig der mit größter Athemnoth kämpfende Greis. „Sorgt nur'dafür, «aß der Pater Isidor, mein Beichtvater, bald er- lchernt. Ich fühle es, irdische Arznei wird mir diesmal nicht helfen."
Und in der That, der alte Arzt erkannte selbst, daß seine Kunst hier nicht mehr ausreichte und er erfüllte die schwere Pflicht, Tilchen und die Base so schonend als möglich auf den schlimmen Ausgang vorzubereiten.
Bald auch trat der Pater Isidor ein, und der Kammerrath, der immer als frommer, gläubiger Christ gelebt, empfing mit tiefer Andacht die heil. Sakramente, während mehr und mehr seine Kräfte dahinschwanden.
Mit schluchzender Stimme sprachen die um sein Bett Knieenden die Sterbegebete, da richtete er sich mit großer Anstrengung noch einmal ein wenig vom Lager auf. Die Sprache versagte ihm bereits den Dienst, aber die Augen winkten sein Kind herbei und seine hagere Hand hob sich mühsam, um segnend auf den blonden Scheitel sich zu legen. Dann noch ein letzter tiefer Athemzug und er sank zurück in die Kiffen, auf dem erbleichenden Antlitze den Frieden der Verklärung.
„Väterchen, Väterchen, verlaß mich nichts" schluchzte Tilchen und küßte das atte^ abgHehrt: Gesicht, doch die alten Ohren höttcu mag megr, und die guten, blauen äugen sahen nicht mehr den unendlichen Jammer des so sehr geliebten Kindes.
Leonora und der Hofrath gaben sich Mühe, das
fassungslose Mädchen auszurichten, aber wie vernichtet von dem wuchtenden Leid ließ es alle Trostworte unverstanden an seinem Ohr vorüberhallen.
Ach wie gering, wie armselig war doch alles Liebesweh gegenüber diesem großen heiligen Schmerz!
Ein langer Leichenzug folgte dem allgemein geachteten Manne zur letzten Ruhestätte. Auch der Wildmeister Kaufholz von Hofbieber war gekommen und gab trauernd seinem Vetter das letzte Geleit. Für ihn, der vor Kurzem selbst am Grabe der Gattin stand, war es eine schwere Aufgabe, nach tröstenden Worten zu suchen, deshalb reichte er den Trauernden nur die Hand, mit stummem Drucke seine tiefgefühlte Theilnahme kundzugeben.
„Ach, Herr Vetter, wer hätte das gedacht, daß er so bald schon Eurer Frau nachfolgen werde," weinte die Base. „Er, der immer so gesund war und vor acht Tagen noch frisch und rüstig hier in seinem Lehnstuhl saß."
Der Wildmeister streifte mit seinen Blicken den Ledersessel, es war ihm, als müsse er den Verblichenen dort sitzen sehen, aber der Platz war leer.
„Gott schenke ihm die ewige Ruhe," murmelte er mit ziemlich unklarer Stimme. „Er war der bravste Mann, den ich gekannt habe. Wetter, es muß mir da was in's Äug' geflogen sein." Und