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JV 211.

Donnerstag, den 16 September

1886

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Land und Leute in Bulgarien.

In mehreren deutschen Städten hat der Hochw. Herr Kapuziner-Pater Max aus Philip- popel interessante Vorträge über das jetzt so zeit­gemäße Thema „Land und Leute in Bulgarien" gehalten. Trotzdem einige Blätter bereits kurze Berichte über ben Vortrag gebracht haben, wird es nicht unangemeflen sein, denselben auch weiteren Kreisen in ausführlicherer Fassung zugänglich zu machen. Nachstehend geben wir deßhalb eine Skizze über den erwähnten Vortrag.

Bulgarien ist an Ausdehnung größer, als das Königreich Bayern, hat aber dennoch nur 3 Millionen Einwohner, darunter 150,000 Katho­liken. Durch den Balkan ist Bulgarien in ein nördliches und südliches geschieden, im Nord­bulgarien ist das Klima ein dem unseren ähn­liches gemäßigtes, in Südbulgarien ist das Klima warm, und darum auch die Vegetation eine mehr tropische. Das Land hat einen sehr fruchtbaren und ergiebigen Boden, aber der A ck e r b a u wird höchst primitiv und tbeilweise mit Gerüchen be­trieben, die einen Eingewanderten zum Lachen reizen, die Bulgaren sind jedoch in der Thal zu arm, sich zu einer anderen Produktionsweise empor­zuschwingen. Dahingegen ist die Viehzucht eine fortgeschrittene. Der Büffelochs und die Büffelkuh, deren Namen bei uns so verachtet werden, sind der Stolz und die Freude der Bulgaren. Die Mzüglichen bulgarischen Reitpferde stehen ja auch anberroatts tfn besten Muse. Auch bie Schafzucht wird in großem Maßstabe betrieben, Abends macht das harmonische Schellengeläute der von der Weide heimkehrenden Schafheerden einen anheimelnden Eindruck.

Der fruchtbare Boden befördert außerordentlich die Obstzucht, außer Aepfeln sind alle Sorten Früchte dort zu finden, namentlich die Pflaumen und Zwetschen gedeihen bestens. Südlich des Bal­kans dehnt sich meilenweit ein großer, prächtiger Rosengarten aus, der auch das berühmte und be­liebte Rosenöl für fast ganz Europa liefert. D^s Rosenöl ist deßhalb in Bulgarien sehr im Ge­brauch; die Rosen'lüthen kommen aber auch den Milliarden von Bienen zu gute, die aus ihnen den köstlichen Honig saugen. Auch recht guten Wein gibt's in Bulgarien, namentlich in der Gegend von Sofia wächst eine Sorte, die wohl

Der Dombanuttister non Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(39. Fortsetzung.)

Fröhlich hatte die kleine Gesellschaft sich auf dem Gipfel des Berges neben der alten Kirche niedergelassen und entzückt genoffen sie die weite Rundschau in der sich reizende Landschaftsbilder zusammen drängten.

„Ob Artari wohl Wort hält?" sagte der Bau­meister „Er hat mir versprochen, nach zu kommen."

Tllchen spähte aufmerksam nach dem Weg, und wirklich, es dauerte nicht lange, da sahen die scharfen jungen Augen den Bildhauer heraufstei­gen, der bald darauf freudig von der Gesellschaft begrüßt wurde.

„Potz Wetter und kein Ende! Ich meine gar, da wäre unser Tilchen," rief mit einem Male eine Baßstimme im Rücken der Versammelten, und wie stch dieselben umwandten, sahen sie den Wild­meister von Hofbieber mit seiner kurzen Pfeife im Mund und seinem Hunde Nimrod um die Ecke der Kirche kommen.

„Ach der Vetter! — Das ist ja prächtig, daß wir uns hier triff m," rief Tllchen erfreut aus.

„Ja, aber Dlädel, wie kommst Du eigentlich

aus Anhänglichkeit an den Fürsten „Alexander- wein" genannt wird. Indessen trinken die armen Bulgaren gar keinen Wein, sie trinken vielmehr in ihrer Genügsamkeit nur „Ochsenschnaps" wie sie unseren „Gänsewein", also das klare frische Quellwasser nennen. In Südbulgarien gibt's, wie schon erwähnt, Südfrüchte aller Art. Die haupt­sächlichste Nahrung der Bulgaren besteht in Kartoffeln und Zwiebeln, deren Genuß, wie der Pater meinte, namentlich den Beichtvätern nicht immer angenehm bemerkbar werde. Eigentliche Industrie gibt es in Bulgarien nich!, weßhalb Niemand zu rathen ist, nach dort auszuwandern. Die Kleidung der Männer ist eine einfache, nur aus Jacke und Hose bestehend, die Hose sieht aus, als sei sie aus Birkenholz gedreht; die Frauen und Mädchen lieben bunte Kleider und schillern am liebsten in allen Farben des Regenbogens.

Der Bulgare ist überhaupt sehr genügsam und lebt einfach. Der Körperbau der Bulgaren ist kräftig und stämmig. Zu rühmen ist sodann an den Bulgaren ihre Ausdauer, ihr Muth, ihre Tapferkeit, ihr hohes Sittlichkeitsgefühl und ihre Frömmigkeit, leider haben sie aber auch von ihren Nachbarn, den Griechen, eine gewisse Verschlagen­heit und Hinterlist erlernt. Die Sittlichkeit steht in Bulgarien auf einer sehr hohen Stufe. Wie es in dieser Hinsicht bestellt ist, illustrirt Pater Max an einem Beispiel aus eigener Erfahrung. Zur Zeit des Krieges 1878 kamen 150 katholische Mädchen in „das. Haus der Kapuziner und baten die Patres, sie als Ordensschwestern aufzunehmen und einzukleiden, damit sie im OrdenSgewande den Verwundeten auf den Schlachtfeldern beistehen könnten. Leider fehlten den ehrwürdigen Vätern die Mittel, um diesen schönen Wunsch der from­men Bulgarinnen zu erfüllen.

Was bis konfessionellen Verhältnisse an­belangt, so gehört der größte Theil der bulgarischen Bevölkerung der schismatischen Religion an (der griechischen nicht-unirten Kirche) an, außerdem gibt es in Bulgarien gnechisch-unirte Katholiken, armenische und chaldäische Katholiken, Muhame- dener, Juden, Protestanten und Katholiken, von letzteren 150,000. Aber alle diese gemischten Kon­fessionen leben mit einander in der größten Ein­tracht Niemand wird in Bulgarien seiner Reli­gion wegen behelligt. Die Schismatiker haben eine

hierher? Millionenschockschwernoth, daß ist ja ein Meerwunder, daß die Base Annjoseph Dich nicht am Schürzenbändel hält."

„Herr Dienzenhofer hat uns mitgenommen," entgegnete Tilchen munter. „Er mußte wegen Bauangelegenheiten hierher."

„Potz Wet'er! Soll's auch hier oben mit Bauen losgehen?" fiel ergrimmt der alte Grünrock ein, indem er den Baumeister nicht eben freundlich ansah, und dichte Rauchwolken zwischen den Zäh­nen hervorstieß.

„Nein, beruhigt Euch," versetzte dieser ruhig, „hier oben soll es keine Neubauten geben, nur einige nothwendige Reparaturen an der alten Propstei —"

„Ja nothwendig, nothwendig, Ihr sagt immer nothwendig bei Eurem verfluchten Baukram, mit dem Ihr eine neue Welt zu schaffen meint. In Fuld' geht's ja lustig her. Wo man hinsteht, nichts als Maurer, Zimmerleute, Künstler — und das lauter fremdes Volk! Vor dem Nikolai- thore hat sich ja eine wahre Colonie angesiedelt, von Leuten, die vom Eichsselde stammen; sie legen einen ganz neuen Stadttheil an, der jitzt nur „das EichSfeld" heißt.

„Das sind alles Arbeiter, die beim Stiftskirchen-

; vollständige Episcopal-Versaffung mit Metropoliten i u. s. w. Von den sämmtlichen bulgarischen Geist­

lichen stehen Die schismatischen Popen aus der niedrigsten Bildungs- und Charakterstufe. Was den Kapuzinerorden anbelangt, dem der hoch­würdige Pater Peter Max selbst entstammt, so hat derselbe weder in Sofia noch in Philippopel ein eigen.liches Kloster in unserem Sinne, dazu fehlten bisher die Mittel, die Kapuziner haben dort nur Häuser. Die große Toleranz der Bul­garen erhellt zum Beispiel daraus, daß der Redner

' selbst, Kapuzinermönch, in einer Mädchenschule j von 150 Schülerinnen 80 Jüdinnen unterrichtete \ und zahlreiche andere Religionsangehörige. Die ; bulgarischen Katholiken find sehr fromm, um 5 Uhr ! Morgens ist täglich in Philippopel die katholische ; Kirche ganz angefüllt, und nur drei bis v ermal ; im Jahre zu den hl. Sakramenten zu gehen, gilt i schon als Lauheit.

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 15. September.

* Die Meldung der .Times' aus Wien, daß das Einverständniß der Dreikaisermächte in j der bulgarischen Frage gesichert sei, stößt hier auf i Zweifel. Personen, die über die Lage allenfalls i informirt sein könnten, fassen dieselbe wesentlich ; doch ernster auf und glauben nicht, daß die diplo- i malischen Verhandlungen bereits zu einem gün- ! fügen Resultat gediehen seien. Es fehlt auch noch ; an jeder Bestätigung der Nachricht ans Wien.

* Der Reichstag, welcher morgen zusammen- : tritt, wird wahrscheinlich schon am Freitag seine i Arbeiten erledigt haben. Der deutsch - spanische Handelsvertrag ist in derselben Form, wie er dem Bundesrathe Vorgelegen, dem Reichstage zugegangen; weitere Arbeiten sind dem Reichstage nicht zugewiesen.

* Der verstorbene Abgeordnete Ludwig Loewe wurde auf seinem Krankenbette von zwei Barm­herzigen Schwestern gepflegt.

* In den Räumen der Berliner Waarenbörse wurde heute die vom Centralverein für Handels- geographieins Leben gerufene südame rikanische Ausstellung unter zahlreicher Theilnahme der Mitglieder des Kolonialkongresses eröffnet. Die Ausstellung ist namentlich aus Brasilien reich be­bau beschäftigt sind," antwortete Johannes Dien-

^Ja, aber was für kolossale Summen werden jetzt verschwendet", fuhr der Wildmeister polternd fort, „der Fürst meint freilich, er hall' ja die Mille! dazu, weil ihm sein hochseliger Vorfahre einen so vollen Säckel hinterlassen hat, aber, — potz Welter I — auch der vollste Säckel schöpft stch leer, und wenn ihm nur nicht hinterher, wenn'S zu spät ist, der alte Spruch einfällt:

Das Bauen ist eine große Lust, Daß 'S so viel kost, hab' ich nit g'wußt. Behüt' uns Herr in alle Zeit

Vor Maurern, Schmied' und Zimmerleut. — Millionenschockschwernoth!" schloß er dann wie zur Bekräftigung seiner Rede, grimmig den Rauch in die blaue Luft paffend!

„Ei, Onkel, warum werdet Ihr denn nur so hitzig?" fragte Tilchen. „Euch kostet ja das Bauen keinen Deut und —"

„Tilchen, das verstehst Du nicht, wie die Base Annjoseph sagt," unterbrach der Wildmeister das Mädchen rasch. „Frag einmal deinen Vater, ob das ein Segen für ein Land ist, wenn eine un­sinnige Bauwuth so viel verschlingt. Und wie murren die Bauern, die ewig jetzt mit Frohn- fuhren geplagt und geschindet werden. So was setzt