1886
Mittwoch, den 15. September
JV 210.
Fuldaer
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# Die Antwort des hl. Vaters । auf die zudringlichen Umwerbun
gen der Kulturkämpfer *)
Die neueste Encyklika des 'hl. Vaters an die ungarischen Bischöfe ist ein Schriftstück, von wahrhaft apostolischem Geiste durchweht, das weit über Ungarn hinaus Bedeutung hat und beachtet werden muß von denen, welche der Kirche angehören, wie auch von denen, die ihr fremd gegenüber stehen. Der hl. Vater beklagt, „daß die Zeitver- hältnisie einem tugendhaften Leben direkt entgegen- wirken, daß die Kirche mit allen Künsten bekämpft wird," so daß allenthalben Gefahren für den Glauben sich zeigen. Die Hauptquelle des Uebels findet er in den „gefährlichen Grundsätzen des Rationalismus und des Naturalismus" nnd sagt dann weiter:
„Dazu kommen unzählige Lockmittel der Verführung, der Widerwille der öffentlichen Behörden gegen die Kirche oder gar^der offene Abfall derselben; die geschäftige Thä- tigkeit im Verborgenen arbeitender Sekten, die zum Theil eingeführte Methode der religionslosen Kindererziehung."
Daran reiht der hl. Vater einen Satz, den besonders diejenigen beachten sollten, denen Gewalt und Autorität auf Erden gegeben ist. Er sagt:
„Nun aber sollte man, wenn jemals, so wahrhaftig in der jetzigen Zeit, einsehen und die Ueberzeugung ge- «innen, das die katholische Religion zur Ruhe und zum Wohle der Gesellschaft nicht nur dienlich, sondern dringend nothwendig ist."
Nach einem Exkurs über den Socialismus, wobei dieser Satz näher erhärtet wird, sagt dann der hl. Vater:
„Deshalb haben diejenigen, welche an der Spitze der Staaten stehen, nichts Weiteres und Entsprechenderes zu thun, da dem nichts im Wege steht, als die Religion in die Gemüther des Volkes einflößen zu lassen, und den Vorschriften derselben bezüglich der Ehrenhaftigkeit und Lauterkeit der Sitten wieder Geltung zu verschaffen. Der Kirche Mißtrauen entgegenzubringen, oder dieselbe unehrlicher Absichten zu zeihen, ist offenbar ungerecht und bringt außer den Feinden der öffentlichen Ordnung und denjenigen, welche auf Umsturz aller bestehenden Einrichtungen sinnen, weiter Niemandem einen Vortheil."
Diese Worte des hl. Vaters sollte man in allen Berathungssälen der Minister und in allen Redaktionen liberaler Blätter anbringen und das Studium derselben den Herrn zur Pflicht inachen.
Der hl. Vater kommt dann auf Ungarn speziell zu sprechen und betont, daß die Kirche „voll
*) Nachdruck nicht gestattet.
Der Dombaimeistek m Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(38. Fortsetzung.)
„Und Ihr seid selber dort gewesen?" fragte Tilchen gespannt den Baumeister.
„Ja, "als ich von Rom zurückkam, habe ich Venedig besucht; es hat mir einen unvergeßlichen Eindruck gemacht." Und nun erzählte er von der merkwürdigen Lagunenstadt und ihrer eigenartigen Schönheit, aber auch von ihrer Nachtseite und ihren Schrecken: der furchtbaren geheimen Justiz, den Bleikammern und unterirdischen Gefängniffen wußte er zu berichten.
Tilchen hörte mit klopfendem Herzen zu, da ging plötzlich die Thüre auf und die hohe Gestalt des Bildhauers trat herein, freundlich bewillkommnet von dem Hausherrn und feiner Gattin.
Mit seltsamen Blicken sah ihn die Base an fie dachte schweigend darüber nach, ob, wenn es wirklich wahr sei mit der Wasierstadt, nicht am Ende die Leute dort mit Flossen wie die Fische zur Welt kämen.
Artari aber sprach heute sehr wenig; Leonora, der sein melancholisches Schweigen auffiel, fragte ihn, ob er sich noch nicht gewöhnt habe.'
and ganz frei" sein müsie, daran erinnernd, daß sie die Freiheit „ja nur zum gemeinsamen Wohle verwendet".
Ihm selbst liegt es sehr am Herzen, „daß dre Gesetze, welche mit den Anordnungen der Kirche nicht in Einklang stehen, die Aktionsfreiheit derselben behindern und dem katholischen Glauben entgegen stehen, beseitigt werden," er fordert darum die Bischöfe auf, „mit Anwendung aller gesetzlich zulässigen Mittel beharrlich weiter zu arbeiten, um dies zu erreichen". Wir empfehlen diesen Satz besonders den liberalen Redakteuren und Korrespondenten und möchten fragen, ob das, was hier eindringlich empfohlen wird, nicht vollständig mit dem übereinstimmt, was das Centrum sich zur Aufgabe gemacht hat und als Ziel festhält.
Auf „einige Hauptpunkte" eingehend betont der hl. Vater die Pflicht des passiven Widerstan- des gegen Gesetze, deren Befolgung uns mit sdem Gewissen in Kollision bringen müßte. So wird den Bischöfen vor Augen gehalten, daß es ihre Pflicht ist, „diejenigen in die Gemeinschaft der Kirche aufzunehmen, welche ein urteilsfähige» Alter erlangt und um die Aufnahme nachgesucht haben", wenn sie auch gesetzlich bestimmte Bedingungen nicht erfüllen. In solchen Fällen sei es „Pflicht, eher die Strenge des Gesetzes über sich ergehen zu lasien, als den Zorn des rächenden Gottes heraufzubeschwören." Ein zweiter „Hauptpunkt" ist dem hl. Vater die Beachtung der kirchlichen Lehre von der Heiligkeit, Einheit und Unauflöslichkeit der Ehe". Der hl. Vater sagt:
„Die Ehen selbst können nur dann zum Segen gereichen, wenn sie von Gott und der Kirche geregelt werden. Eine eheliche Vereinigung, welche dieser Grundlagen entbehrt, sinkt zu einer Sclaverei im Dienste mannigfacher Begierden herab, verstößt gegen den Willen Gottes, entbehrt der unbedingt nothwendigen himmlischen Heilmittel und muß deßhalb in ihren letzten Konsequenzen die bit- tersten FrüHte hervorbringen und das Unglück der Familien, das Verderben der Staaten herbeiführen."
Im Anschlüsse daran lobt der hl. Vater jene ungarischen Parlamentarier, welche die Gesetzesvorlage, die Zulässigkeit der Eheschließung zwischen Juden Christen betr., zu Fall brachten. Sie hätten sich „nicht nur um die Religion, sondern auch um das Vaterland große Verdienste erworben."
Mit freudiger Genugthuung erwähnt er der zahlreichen Zustimmungsadressen des Volkes, welche
„Nein," sagte er leise schauernd, „wie kann man sich gewöhnen an diesen nebelgrauen Himmel und an dieses kalte unfreundliche Land?"
„Das müßt Ihr aber doch thun," entgegnete Johannes Dienzenhofer lächelnd, „wenn Ihr hier bleiben wollt. Das Sprüchwort heißt ja:
Nacht, Nebel und Frost
Ist in Fuld' die beste Kost."
„Nein, der Spruch ist nicht wahr", widersprach Tilchen fast heftig. In Fulda ist es nicht immer so wie jetzt in diesem abscheulichen April. Nicht lange mehr wird es dauern, dann scheint auch hier die Sonne warm und hell."
Der Bildhauer blickte auf in das anmuthige Mädchenantlitz, welches mit warmer Theilnahme nach ihm gerichtet war und seine düsteren Augen erhellten sich-
„Ich will Euch glauben," sagte er dann weich, „ich muß es glauben, denn wie könnten sonst so liebliche Blumen hier erblühen!"
Tilchen senkte verwirrt den Blick, indem es bis an die Haarwurzeln erröthete. Solche schönen Worte waren ihm noch nie gesagt worden, selbst von dem Herrn Kammersekretär Weiß nicht, aber der Bildhauer war ja auch ganz anders wie alle übrigen Männer und was er mit seinem weichen Organ sagte, klang alles schön und ungewöhnlich.
bewiesen, daß es in der Sache ebenso dachte wie seine Abgeordneten und fügt die allgemeine Mahnung bei:
„Eine ähnliche Uebereinstimmung der Meinung und die gleiche Beharrlichlichkeit im Handeln sollte stets zum Ausdruck gelangen, so oft für katholische Interessen zu kämpfen ist. Der Sieg wird gewiß das Endresultat sein oder zum Mindesten das Leben ein lebendigeres und ftuchtbareres werden, wenn die Gleichgiltigkeit verbannt und die Trägheit überwunden worden ist, welche nach dem Wunsche der Feinde der Kirche die Thatkrast der Katholiken in süßem Schlaf wiegen sollen."
Das klingt wahrlich nicht centrumsfeindlich.
Ein dritter „Hauptpunkt" ist dem hl. Vater die „Sorge für die richtige Erziehung der Jugend von Anbeginn an." Er klagt über die Zeitströmung, welche die studirende Jugend mit aller Macht der Fürsorge der Kirche und dem heilsamen Einfluffe der Religion zu entziehen sucht und sagt:
„Nicht nur im Interesse der Kirche, sondern auch in dem des Staates liegt es, daß die Jugend eine christliche Erziehung und Lebensanschauung erhalte, heute mehr denn jemals. Alle verständigen Männer sind davon vollständig überzeugt".
Die Bischöfe werden gemahnt, ihr Hauptaugenmerk auf diesen Punkt zu richten.
„Inzwischen fahret fort — sagt der hl. Vater — bie Familienväter immer wieder daran zu erinnern, sie mochten ihren Kindern den Besuch solcher Unterrichtsstätten versagen, in welchen der christliche Glaube Schiffbruch leiden könnte; zugleich traget Sorge dafür, daß Schulen in genügender Zahl vorhanden sind, welche sich durch gesunden Unterricht und gläubige Lehrer empfehlen, euerer Leitung unterstellt sind und vom Klerus überwacht werden. Nicht nur auf Elementarschulen wünschen Wir diese Rathschläge angewendet zu sehen, sondern auch auf höhere Schulen und Unterrichtsanstalten."
Auch diese Stelle möchten wir besonders jenen liberalen Zeitungsschreibern zu aufmerksamer Lektüre empfehlen, die sich damit lcchrrlich machten, daß sie das Centrum in Gegensatz zi m hl. Vater setzen wollten.
Ein vierter Hauptpunkt ist dem hl. Vater dre Heranbildung und Erziehung des künftigen Klerus. Darauf sollen die Bischöfe „vor Allem ihr Augenmerk lenken und in dieser Hinsicht keine Opfer und Mühen scheuen." Mit besonderer Eindringlichkeit werden die Bischöfe ermahnt, Anstalten zu errichten und zu unterhalten, um „Knaben für den geistlichen Stand heranzuziehen" und um Zöglinge zu den hl. Weihen vorzubereiten." Diese Anstalten sollen zugleich Unterrichtsanstalten sein,
„Nun, wenn Ihr es hier so kalt und öde findet," fiel da plötzlich der Base schrille Stimme gereizt ein, „warum seid Ihr denn da nicht in Eurer naflen W-sserstadt geblieben?"
„Warum?" wiederholte Artari, und er sah sie mit einem seiner stolzen Blicke an. „Weil man zum Licht durch die Nacht dringen muß — zur Sonnenhöhe des Ruhmes durch Dunkelheit.
„Ja so," nickte die Base ohne sonderliches 93er« ständniß, dann aber erhob sie sich und brach mit Tilchen auf, draußen noch den Kopf schüttelnd über den ihr unheimlichen Gesellen.
24. Kapitel.
Junge Liebe.
„Und willst Du wiffen, warum So sinnend ist manche Zeit, Mitunter so thöricht und dumm, So unverzeihlich zerstreut? — Zwei Augen hab' ich gesehen. Wie der Strahl im Gewässer sich bricht. Und wo zwei Augen nur stehen, Da denke ich an ihr Licht."
Annette von Droste-Hülshoff.
Wochen waren vergangen; mit stiller Kraft hatten sie viel in der Natur geändert und als das Pfingstfest kam, stand die Welt in Blü- thenpracht.