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regierte jetzt ein mächtig und schwer dröhnender "-Klang: — die gewaltige Osanna, Die Kö­nigin der Fuldaer Glocken,Awar es, hie beinahe \ hundert Centner schwer — im Jahre "1435 von 'unbekannter Meisterhand gegossen — im Thurme der zerstörten Stiftskirche hing.

Nun vernahm man auch Trompetenstöße, — eine gesteigerte Bewegung gab sich unter der har­renden Menge kund — der Festzug nahte.

Gefolgt von seinem ganzen Kapitel, und den Conventualen des Benediktinerstiftes durch­schritt Adalbert I. die Spaliere, welche bis zur Stiftskirche aufgestellt waren. Der Grundstein er­hielt in einem feierlichen Hochamte erst seine Weihe, und eine auf den Act bezügliche Predigt wurde gehalten, dann aber kam der große Moment, da er unter dem Klange der Trompeten und dem Donner der Geschütze von dem Abte und dem Baumeister nach katholischem Brauche eingesenkt wurde. Reliquien und Münzen wurden gleich­falls mit eingeschlossen, auch eine Pergamentur­kunde.

Nachdem diese feierliche Ceremonie, auf welche die launenhafte Sonne mit ihrem freundlichsten Lächeln geblickt, vorüber war, erbrauste aus tausend und abertausend Kehlen der ambrostanische Hymnus wie ein gewaltiger Strom.

Aber auch die weltliche Feier verlangte jetzt ihr Recht in frischer, fröhlicher Volksbelustigung, die hell und laut auf dem Festplatze in Fluß kam. Alles drängte sich um die aufgezimmerten Bu-

iSfonberung der ungeeigneten Jugendschriften Eltern ib Erziehern bei bet Ausgabe, die ihnen anvertraute Jugend vor Sitten- und glaubensgefährlicher Lektüre zu schützen, einen geeigneten Wegweiser an die Hand zu geben. Die General-Versammlung fordert zugleich die Katholiken auf, diese Bestrebungen wirksamst zu unterstützen.

Die General-Versammlung erwartet, daß in der kon­fessionell einzurichtenden Schule der Einfluß der Kirche insbesondere die Ertheilung und Leitung des Religions­unterrichtes gewährleistet werde.

Die General-Versammlung hält daran fest, daß ein jedes Volk ein natürliches und göttliches Recht hat auf seine Muttersprache namentlich bei Ertheilung des Reli­gions-Unterrichtes.

Die letzten beiden Anträge werden von der Versamm­lung bei der Verlesung mit lebhaftem Beifall begrüßt.

2. Die General-Versammlung erkennt es gleich den ftühern als ihre erste Pflicht, Klage zu führen über die fortdauernde Unterdrückung der unveräußerlichen Rechte des h. Stuhles.

Indem die General-Bersammlung mit innigem Danke auf die unermüdliche Fürsorge blickt, mit welcher der h. Vater der Kirche Deutschlands den Frieden wiederzugeben bestrebt ist, und indem sie das bisher Erreichte freudig anerkennt, spricht sie zugleich die Erwartung aus, daß bei der unumgänglich nothwendigen weitern Revision der Maigesetze die dem bischöflichen und priesterlichen Amte noch immer entgegenstehenden Hindernisse völlig beseitigt werden.

3. Aus dem Bericht des Herrn Kommissars hat die General-Versammlung mit Befriedigung ersehen, daß die Vorbereitungen zur Feier des am 31. Dezember 1887 stattsindenden fünfzigjährigen Priester-Jubiläums Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. in ihrer Organisation vollendet sind, und daß die für die verschiedenen Werke gebildeten Komitös ihre über ganz Deutschland sich erstreckende Thätig- keit bereits begonnen haben.

Nachdem nun der im vorigen Jahre von Münster aus gemachte Vorschlag zur Betheiligung an der Jubiläums- Festfeier einen allseitigen und freudigen Widerhall gefun­den hat, werden die Katholiken Deutschlands gewiß den an sie ergehenden Aufforderungen der einzelnen Komito's be­reitwillig entsprechen und, wie immer, so auch bei dieser Gelegenheit Zeugniß von ihrer opferwilligen Liebe und Verehrung für das erhabene Oberhaupt unserer hl. Kirche geben.

4) Die Katholiken Deutschlands müssen immer wieder erklären, daß die unbestreitbar schnell wachsende Entsitt­lichung und Verrohung weiter Kreise des deutschen Volkes, daß die entsetzlich um sich greifende Erschütterung aller göttlichen und staatlichen Autorität ihre Hauptnahrungs­quelle in dem unseligen, von allen Parteien verurtheilten Kulturkämpfe hat. Das katholische Volk hat deshalb das Recht und die Pflicht, nicht zu ruhen, bis alle Ueberbleib- sel und alle Folgen der Kulturkampfs-Gesetze beseitigt sind, sowie immer wieder zu fordern, daß man den von Gott gesetzten kirchlichen Oberhirten volle Unabhängigkeit und allen katholischen Ordensgenoffenschaften bei unbehindertem Aufenthalt im Deutschen Reiche gänzliche Freiheit auf dem

W* WrutÄÄg' ft^en wft'uns besonders auf eine niehr als 20jährige Erfahrung hinsicht­lich der außerordentlichen und unbestrittenen Erfolge, die auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung die Genossenschaften der Schwestern vom armen Kinde Jesu, der Ursulinen, der Schul- und Franziskaner-Brüder, sowie für Hebung des religiösens Lebens im Volke durch Aus­hülfe in der Seelsorge, Thätigkeit auf Missionen und in Kongregationen hie Franziskaner-, Redemptoristen- und Jesuiten-Väter in hochherziger Hingebung hier erzielt haben. Darum bleibt es unsere unerschütterliche Ueberzeugung, daß das katholische Volk mit seiner auf Entfernung der das freie Wirken seiner Bischöfe hindernden Fesseln und auf Rückkehr der Ordensgenoffenschaften gerichteten For­

derung die größte Wohlthat für das deutsche Vaterland beansprucht, welches so wie andere Länder angesichts des Umsturzes nichts» sehr abschreckender äußerer Machtmittel, als vielmehr einer nachhaltigen innern Erstarkung durch moralische Einwirkungen dringend bedarf._______________

Deutsches Reich.

Berlin, 8. September.

* Der Kaiser ist heute Abend 6Uhr40Min. vom Potsdamer Bahnhofe mittelst Extrazuges und mit großem Gefolge nach Baden-Baden ab- gereist.

• Auf der Tagesordnung der Plenarsitzung Bundesraths am Freitag stehen vier Vor- laqen, darunter das spanische Abkommen, die Re­vision der Prüsungsvorschriften der Seeschiffer und die Zulassung ausgedienter Marine-Maschi­nisten als Maschinisten der Handelsflotte. lieber das spanische Abkommen erstatten die Ausschüsse bereits den mündlichen Bericht.

* Der Staatssekretär des Innern, Staatsmi- nister von Bötticher, ist g-stern Abend nach Weimar abgereist, um dem Großherz, sächsichen Wirkt. Geheimen und dirigirenden Staatsminister Dr. Stichling zu seinem heute stattfindenden fünf­zigjährigen Dienstjubiläum im Namen S. M. des Kaisers und Königs eine hohe Ordensdekoration (wie verlautet den Rothen Adler-Orden erster Klasse) zu überreichen und zugleich die Glückwün­sche des Bundesraths zu übermitteln.

* In der Frage der Errichtung eines katho­lischen Seminars für die Provinz Posen meldet die „Post", daß, nachdem die städtischen Behörden zu Görlitz cs abgelehnt haben, das in Niederschlesien zu errichtende katholische Lehrer­seminar aufzunehmen, die Regierung Sagan als geeigneten Oct zur Ausführung qu. Projects ins Auge gefaßt habe. Ein Regierungs- und Schul­rath ist bereits dort anwesend gewesen, um die Unterhandlungen einzuleiten. Sagan besitzt be­kanntlich schon ein evangelisches Seminar.

* Posen, 6. Sept. Herr v. Gruszczynski, einer der Mitarbeiter in der Redaktion des ,Kuryer Pozn.", welcher längere Zeit als verantwortlicher Redakteur gezeichnet hat, und vor einiger Zeit mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand aus dem hiesigen Gefängniß entlassen worden war, be­gibt sich auf's Neue in dasselbe, um eine halb- jLh.ig« O.fÄ.ty.tlfrfU-aft; jjU vciDUßeil, s0 Vlltz it die bisherigen Jahre Gefängniß hinzugerechnet, 4 Jahre wegen Preßvergehens im Gefängniß zugebracht haben wird. Der,Goniec Wielk.' meint: „Der gewöhnliche Soldat dient nur 3 Jahre, die Dienstzeit der polnischen Redakteure ist schwieriger."

* In Danzig tagt gegenwärtig die General- Versammlung derGörres-Gesellschaft. Schon am Montag waren die beiden Bischöfe Dr. Thiel und Dr. Redner angekommen. Außerdem u. A. Reichstags-Abgeordneter Prof. v. Hertling, Prof. Schütz (Trier), Landtags-Abgeordneter Rechtsan­

den und Zelte, in denen Getränke und Eßwaaren aller Art feil gehalten wurden. Vorab wa­ren es die Werkleute, die sich heute sehr wichtig fühlten, und bald in einer himmelblauen Stim­mung befanden; halte doch auch ein Jeder von ihnen eine besondere Belohnung an Geld zur Feier des Tages erhalten, und diese brannte ge­waltig in der Tasche, bis sie verjubelt uud ver- than war.

Und es war ein ansehnliches Personal, welches bei dem Kirchenbau beschäftigt war: über hundert Handlanger, achtzig Maurer, vierzig Steinbrecher, zwei Werkmeister, ein Gerüstmeister, ein Wagen­meister und ein Bauinspector; über Alle aber führte Johannes Dienzenhofer die oberste Leitung.

Zwei große Fässer aus der fürstlichen Kellerei waren aufgelegt, aus welchen zur Freude des Volkes weißer und rother Wein sprang. Ueberall sah man fröhliche, lachende Mienen, überglänzt vom goldenen Sonnenschein, den der Himmel gnädig herabsandte, und den jetzt keine Wolke mehr zurückdrängte; —die bewußte Frühlingslust aber, die jeder empfand, erhöhte den Hellen Jubel.

Auch Leonora war mit ihrem kleinen Heinrich auf den Festplatz gekommen. Sie sah plötzlich ihren Gatten nicht weit von sich, aber er befand sich in hoher Begleitung, der Probst von Thulba und noch ein anderer Prälat unterhielten sich sehr lebhaft mit ihm.

„Potz Wetter und kein Endel das ist ein Ge- krimmel und Gekrabbel wie in einem Ameisen­haufen," hörte sie jetzt einen Mann im grünen

walt Jul. Bachem (Köln), die Professoren Grauert (München), Dietrich (Braunsberg), Dr. Hillen- brandt (Fulda), Hipler (Braunsberg), Domkapi­tular Münzenberger (Frankfurt.) Um halb 9 Uhr Abends begann die Begrüßungsfeier in dem prächtig dekorirten Saale des Friedrich-Wilhelm-Schützen- Hauses, welches unmittelbar am Fuße des Dan­ziger Höhenzugs liegt. Nach einem trefflichen Cantus, vorgetragen von einem eigens vom L.hcer Hoffmann eingeschulten Chor, begrüßte Landgerichts­rath Thun (Danzig) die Versammlung in einer herzlichen Ansprache. Abg. Bachem erwiderte im Auftrag des Vorsitzenden der General-Versamm­lung, Frhrn. v. Hertling. Die seither stattgehabten zehn General-Versammlungen fanden ausnahmslos im Westen und im Süden statt, dies Mal ging man nach dem Norden. Angesichts des so freundlichen Empfangs könne man sich dieses Entschlusses nur freuen. In humoristischen Wendungen dankte Red­ner für die Bemühungen, welche für den Empfang aufgewendet wurden, namentlich aber für die An­werbung so vieler neuer Mitglieder. Religions- lehrcr Dr. Lüdtke (Könitz) brachte auf die Gäste ein stürmisch aufgenommenes Hoch aus. Pfarrer Scharmer (Altschottland bei Danzig) gab bekannt, daß die ost- und westpreußischen Mitglieder der Studenten-Vereine gleichfalls hier zusammengekom- men sind, um ihren zwölften Ferien-Kommers ab­zuhalten. Redner begrüßte als „alter Herr" die Gäste und seine Kartellbrüder und eröffnete offi­ziell den Ferien-Kommers, ein Institut, das drei Tage lang dauern soll. Darauf Kommers, der in der gemüthlichsten Weise verlief.

* Darmstadt, 8. Septbr. Die „N. Hess. Volksbl." melden: „Prinz Ludwig von Batten- berg wird heute Nachmittag 4 Uhr dahier ein­treffen. Die Ankunft des Fürsten Alexander wird voraussichtlich in einigen Tagen erfolgen. Der herzlichste Empfang ist dem Fürsten in der alten hessischen H.imath unbedingt sicher."

Ausland.

* Sofia, 7. Sept. Es versammelten sich gegen 2 Uhr in dem Palais die Vertreter der europäischen Mächte, die höheren Offiziere, die Regentschaft, die Minister und viele Mitglie­der der Fremdenkolonie zum Abschied. Gegen •4 Uhr trat bet Fürst in die Vorhalle, wo die Dienerschaft und viele bulgarische Beamten ver­sammelt waren. Er dankte denselben für die moralische Unterstützung und für die Rathschläge, die sie ihm in einem schwierigen Zeitpunkte gege­ben hatten. Er bezeichnete das Konstantinopeler Protokoll als eine der Hauptursachen für seine Abdankung, weil dasselbe seinen Feinden gestattete zu sagen, daß er ein einfacher Beamter Rußlands sei. Er habe in das Land zurrückkrhren wollen, um dasselbe bei Hellem Tage und mit eigener, freier Zustimmung, nicht wie ein Uebelthäter ver-

Rocke neben sich sagen. „Ein solchen Spectakel hab' ich meiner Lebtag' noch nicht erlebt. Ihr Fulder seid ja rein wie toll, daß die Grundstein­legung nun endlich erfolgt ist, — hat lang genug auf sich warten lassen!"

„Ja, Herr Wildmeister, kennt Ihr den alten Spruch nicht:

„Wilt bawen, so baw wohl besonnen

Mit Vorbedacht sei Alles begonnen?" entgegnete der alte Zimmermeister Krisch, an den die Worte gerichtet gewesen. „Aber unser gnä­digster Herr kennt den Spruch wohl und sein Baumeister kennt ihn auch, drum hat es so lange gedauert, bis der Plan fertig gestellt war. Eine Kirche bauen ist keine Kleinigkeit, daß geht nicht so leicht als ob man eine Eiche fällt."

„Aber 2237 Eichstämme herbei schaffen war auch keine Kleinigkeit," brummte der Wildmeister Kaufholz. „Meit Ihr vielleicht, das Holzschlagen sei keine Arbeit? Unsere Waldungen spüren den Kirchenbau, der so viel Bau- und Gerüstholz ver­schlingt. Nun, an Eichen fehlt es uns ja nicht, die läßt unser Herrgott prächtig bei uns wachsen, wie auch die Buchen, — wenn nur das verfluchte Nadelholz nicht wär'!"

„Ihr wollt gerade sagen, wenn es dawäre," lachte Krisch. „Zwei und dreißig Tannenstämme müssen wir noch haben, mögen sie Herkommen, wo sie wollen."

(Frotzsetzung folgt.)