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Donnerstag, den 9. September
1886
Fuldm
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* Schlußrede Windthorst s gehalten in der 4. öffentlichen Katholiken-Versamm- lung zu Breslau.
(Schluß.)
Daneben, m. H., haben wir uns auch beschäftigt mit der allgemeinen Lage der kirchlichen Angelegenheiten in Preußen und in Deutschland überhaupt. Die kirchlichen Streitigkeiten, welche leider seit langer, langer Zeit in Deutschland herrschen, haben ja eigentlich wesentlich mit die Veranlassung gegeben, daß wir uns immer enger und enger aneinander schließen, und darum ist es sehr natürlich, daß wir uns in unserem Zusammenschluß hier darnach umsehen, wie es mit dem Kirchenstreite aussieht. Da habe ich denn als Resultat nach meiner Auffassung zu verzeichnen, daß es allerdings besser geworden ist. Dank der unverdrossenen Bemühungen Sr. Heiligkeit des Papstes, Dank dem landesväterlichen Herzen unseres Kaisers (Bravo!) haben wir in der letzten Session des Landtages einen bedeutennen Schritt zum Befferen gethan, und wir würden nicht unsere Pflicht gegen den Papst wie gegen dm Kaiser erfüllen, wenn wir dies nicht öffentlich und laut hier anerkennen wollten. (Bravo!) Damit ist aber nicht gesagt, daß wir nun schon am Ende wären. Es hat Leute gegeben, welche mir sagten, wir würden doch nun wohl stille sein (Heiterkeit), und namentlich mir sagten, ich sollte stille sein. (Große Heiterkeit.) M. H., diese Mahnung ist für uns alle und für mich vergeblich (Heiterkeit); denn ich werde nicht stille sein und Sie gewiß alle mit mir nicht, bis wir vollständig den Status quo ante wieder haben, d. h. bis unsere Verhältnisse wieder so gestellt sind, wie sie vor dem Kulturkampf waren. (Lebhafter Beifall.) M. H., das gilt auch voll anderen Ländern Deutschlands; auch in Baden, im Großherzogthum Hessen ist es besser geworden, aber noch nicht gut; und wenn neuerdings behauptet worden ist, daß die Zustände in Bayern so ganz befriedigend seien, so habe ich mich davon nicht überzeugen können. (Sehr wahr!) Wenn die dortige Regierung wirklich behauptet, daß es bester unv ganz befriedigend sei, so hat sie jetzt^Me ganz vortreffliche Gelegenheit, das zu dokumentirenergreife sie die Initiative im Bundesrathe und beantrage die Rücknahme der Orden! (Bravo! Lebhafter Beifall.) Ich denke, wir schicken dem Freiherrn v. Lutz die Rede seines Landsmannes, des Herrn Pfarrer Huhn. (Lebhafter Beifall.) Es wird eine angenehme Morgenlektüre für ihn sein. (Großer Heiterkeit; lebhafter Beifall.) M. H., wenn wir sagen, daß wir noch nicht still werden wollen, daß wir das Ganze haben wollen, was uns gebührt, so ist das durchaus kein Akt der Undankbarkeit gegenüber dem, was uns gewährt worden ist. Denn die Faktoren, welchen wir dies verdanken, haben ja selbst erklärt, daß erst die Generalrevision der Maigesetze stattzufinden habe. (Sehr wahr!) Wenn wir also das verlangen, was wir bisher verlangt haben, so thun wir nichts anderes, als daß wir sagen: Bei der Generalrevision möchte doch alles das beachtet werden. (Sehr richtig!) Ich bekenne, daß ich einigermaßen erstaunt bin, daß die Verhältnisse so tropfenweise geordnet werden, daß man nicht gleich ein Großes und ein Ganzes gemacht hat, und wenn der Staatsmann an der Spitze unserer Geschäfte,
Der Dombaumister von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(34. Fortsetzung.)
Endlich war der ersehnte Tag erschienen — für das ganze Stiftsländchen ein Tag von großartig, ster Bedeutung.
Schon am frühen Morgen fluthete ein ununter- brochener Menschenstrom durch die Gaffen Fulda's dem Festplatze zu. Die Landleute aus der Nachbarschaft waren sogar bei Nacht aus ihren Dörfern aufgebrochen, um ja die denkwürdige Feier nicht zu versäumen.
Der Bauplatz selbst innerhalb des mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirkes war durch fürstliches Militär abgeschloffen. Frischgrüne Birken- reifer, die diesmal der Lenz früher als sonst mit jungem Laub bekleidet, schmückten ihn; düster und ernst aber ragten die beiden festen Thürme und 'die Kreuzbaumauern der zerstörten Kirche über die Klostergebäude hervor, wie eine trauernde Ruine.
Der äußere Ring des Stiftsplatzes, sowie der Michelsber g und alle Zugänge waren Kopf an Kopf mit einem dichten Menschenknäuel angefüllt.
„Erst kommen wir," sagten die Bürger mit Bewußtsein, indem sie die Landleute zurückdrängend
der Fürst Bismarck, der so sehr zum Zustandekommen des letzten Gesetzes beigetragen hat, — wofür auch er die Anerkennung verdient, — (Bravo I) doch nun auch hier, wie er sonst gewohnt ist, volle Arbeit machen wollte, dann wäre es doch unendlich leicht, mit einem Schlage in ein paar Zügen das Ganze in Ordnung zu bringen, und ich glaube, er hat seine Natur verleugnen müssen, weil ihm die Geheimräthe zu viel Schwierigkeit gemacht haben. (Heiterkeit. Beifall.) Der Fürst Bismarck hat schon Aergeres überwunden; er wird auch die Geheimräthe unterkriegen. (Große Heiterkeit. Bravo!) Deßhalb habe ich guten Muth, Gott wird uns nicht verlaffen, wenn wir uns nicht verlassen (Bravo 1) und nicht in eine falsche Sicherheit uns wiegen; denn die Männer, welche entschlossen sind, der Sache ein Ende zu machen, und die ich genannt habe, könnten uns genommen werden; und wie es dann weiter aussehen wird, wiffen wir nicht. Deßhalb wollen wir uns beeilen; wir wollen beten und hoffen, daß Gott den Papst und unseren Kaiser noch lange, lange erhalten möge. (Bravo und Beifall.) Auf jeden Fall bitten wir, daß er sie so lange erhalte, bis sie das von ihnen begonnene Werk beendet haben. (Bravo!) Das Hauptresultat der letzten Verhandlungen und das Erfreulichste für mich ist, zu sehen, wie man nun auf allen Seiten bemüht ist, diesen unglückseligen Kampf zu Ende zu bringen trotz des Widerstrebens der sogenannten Wissenschaft und der sogenannten gelehrten Welt; denn die einzigen, die widerstrebten, waren die, welche mit dem Professorenthume zusammenhingen oder mit anderen Schichten ungläubiger Natur (Sehr wahr); das über den Kulturkamps und über deffen Lage. Aber ich beendige das nicht, ohne wiederholt zu sagen: die Hände in den Schooß legen, wäre verderblich. Wir müssen fortarbeiten, arbeiten und beten. (Bravo!) M. H„ dann habe ich noch aufmerksam zu machen auf die besondere Lage des hl. Stuhles. Sie wissen alle, unter welchen Verhältnissen dsr hl. Vater auf den Vatikan beschränkt wird. Sie wissen, daß ihm die ganze weltliche Herrschaft entzogen ist und er nur in diesem Palaste allein noch eine Bewegung yur, vu -c.» qnte-brcchen
werden kann. Ich will heute nicht näher erörtern, unter welch' bedenklichen und erschwerenden Verhältnissen dem hl. Vater der Rest der weltlichen Macht und insbesondere auch Rom entzogen worden ist. Nach meinem Dafürhalten war das Verfahren ein solches, daß es zum Himmel schreit. (Sehr wahr!) Es war unrecht nach jeder Bez,e- hung. Ich will keinen beschuldigen; möge Gott allen gnädig sein, die dabei mitgewirkt oder müßig zugesehen haben. (Sehr richtig!) Es ist der Kirchenstaat und Rom nicht Eigenthum des Papstes allein; es ist Eigenthum der ganzen katholischen Welt (Bravo!), und wir haben alle- sammt ein großes und ein lebendiges Jntereffe, daß der hl. Vater in einem Lande dasteht als Souverän, unabhängig von jeder Gewalt und geschützt durch seine eigene Kraft oder die, die man ihm gibt (Bravo!) er kann sonst seines Amtes nicht walten. Jahr für Jahr müssen wir unfern Ruf auf die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes, auf seine Sicherstellung und Unabhängigkeit erneuern. Es ist nöthig, daß wir, wo wir können — und ich thue es von dieser Stelle aus — an alle Nationen die Aufforderung richten, dasselbe Verlangen zu
sich den Vorrang zu sichern suchten, freilich nicht immer mit Erfolg.
Der patriotische Stolz leuchtete heute sichtbar den ehrsamen Fuldaern von den meist wohlgenähr- ten Gesichtern, als sie gravitätisch einherstolzierten in ihren Bratenröcken mit den langen Westen und seidenen Halsbinden und Kniehosen und wollenen Strümpfen, die in Schnallenschuhen verschwanden.
Dazwischen wogten ihre Frauen und Töchter in langen kattunenen Radmänteln, deren breite Umlegekragen mit farbigem Band verziert waren, auf den einfach gescheitelten Haaren die spitzen, schwarz- seidenen „K o m o d ch e n" oder die eleganteren weißen „S ch l e i e r k ä p p ch e n", welche anmuthig die hübschen, rothwangigen Gesichter umschloffen — und hübsch genannt zu werden, galt schon damals als unbestrittener Vorzug der Fuldaerinnen.
Kräftigere Farbentöne setzte die Landbevölkerung dem festlich bewegten Bilde auf mit den grellbunten Kopftüchern und Schürzen, wie sie unsere Bäu- rinnen heute noch haben, während die Männer rothbaspoilirte Kittel von Beidergewand über langen rothen Westen trugen; kurze, lederne Hosen, hellblaue wollene Strümpfe und hohe Schnallenschuhe vervollständigten den Anzug, zu dem noch um den Hals ein buntes Zipfeltuch kam,
stellen. Also in diesem gemeinsamen, höchst konservativ en Jntereffe verlangen wir, daß die Herrschaft des Papstes wieder hergestellt und eine persönliche Sicherheit und Unabhängigkeit nach allen Richtungen geschützt wird. (Bravo !) Das wird Ihnen in einer Resolution auch vorgelegt werden, und ich bin überzeugt, daß Sie voll und ganz derselben beizustimmen entschlossen sind. (Bravo!)
Bis dahin, daß dieses Ziel erreicht ist, das wir als das vornehmste der General-Versammlungen heute prokla- miren, müffen wir aber nicht vergessen, dem heil. Vater provisorisch in anderer Weise zu Hilfe zu kommen, und das kann geschehen durch reichlichen Beitrag zum Peters- pfennig, aus welchem die Bedürfnisse der Regierung der Kirche bestritten werden. Die Anforderungen an den hl. Vater steigern sich nach allen Seiten von Tag zu Tag, und leider steigert sich die Einnahme am Peterspfennig nicht in gleichem Maße. Darum ist es Zeit, daß wir erinnern, daß wir Söhne desselben Vaters sind, und daß es der Söhne Pflicht ist, dem Vater in der Bedrängniß das zu geben, was er selbst nicht mehr beschaffen kann. (Bravo!) Dafür haben wir sein Gebet und seinen Segen und das ist ein reicher Lohn für die Pfennige, die wir ihm geben. (Bravo!) Daneben wollen wir dem heiligen Vater zu aller Zeit Gehorsam und Ehrfurcht erweisen. (Bravo!) Wir haben dazu in nächster Zeit eine ganz he- sonders gute Gelegenheit. Der hl. Vater wird am 31. Dezember 1887 das 50jährige Jubiläum seines Priesterstandes feiern und die ganze Welt schickt sich an, dann die Gaben der Liebe an seinem Throne ni-derzulegen. Bleiben wir Deutschs nicht zurück und folgen wir dem Rufe unserer Mitbürger, wie sie Herr v. Rochow hier zur Sprache gebracht hat; stützen wir dieses Unternehmen, damit die deutsche Nation bei dem Wettkampf der Beweise der Liebe zum hl. Vater nicht zurücksteht gegen die anderen. Am Tage des 50jährigen Jubiläums des Papstes müssen wir wacker dastehen und muß es auch da heißen: hier ist die deutsche Phalanx! (Bravo!) Uebrigens wollen wir damit schließen. Wir haben uns klar gemacht, wie Vieles wir dem hl. Vater und Sr, Majestät dem Kaiser schulden, und liy --------- --- - ' , .
auffordere, zum Zeichen, daß Sie mir beistimmen, ein donnerndes Hoch zu bringen auf Se. Heiligkeit den Papst und den Deutschen Kaiser Wilhelm, König von Preußen: — sie leben hoch! — und abermals hoch! — und nochmals hoch! (Die Versammlung hat sich erhoben and stimmt in den dreimaligen Hochruf begeistert ein. Stürmischer, andauernder Beifall.) ________________________________
Beschlüsse der 33. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in
Breslau.
1. Die General-Versammlung, durchdrungen von dem Gefühl der Wichtigkeit einer sorgsamen, von sittlichen, religiösen und pädagogischen Grundsätzen geleiteten Auswahl der Jugend-Literatur, spricht, unter Anerkennung des auf diesem Gebiete bisher von einzelnen wie von Vereinigungen Geleisteten, die Erwartung aus, daß die zunächst betheiligten Kreise fortfahren werden, durch möglichst vollständige und rasche Zusammenstellung der geeigneten und auf welches die Haare unter dem dreieckig gekrämp- ten Hute hervor ziemlich lang herabfielen.
Selten sieht man noch solch ein Bäuerlein der guten alten Zeit, das der Tracht seiner Väter treu geblieben wäre, denn auch für das Fuldaer Ländchen trifft zu, was ein schalkhafter Schrift- steller von einem anderen Landstrich sagt: Die Bauern sind dort neumodisch geworden, und nur die Bäuerinnen haben die Costümtreue bewahrt, weil nämlich die Frauen überhaupt treuer sind, als die Männer.
Auf dieses farbenreiche, belebte Bild nun lächelte die milde Aprilsonne heiter herab, wenn nicht ab und zu eine neckische Wolke kam, um unerwartet die wogende Menschenmaffe mit einem naffen Guffe zu überschütten zum Verdruffe der Alten, aber zum Ergötzen des jungen Volkes.
Mit einem Male fingen die Glocken zu läuten an. Von allen Thürmen der Stadt klangen die metallenen Stimmen, tiefe und Helle, schwere und feine — vonderPfarrkirche.Jesuitenkirche, Nonnenkirche, von St. Severus und St. Leonard, vom Michaelskirchlein ja selbst vom Frauenberge hernieder tönte das feierliche Geläute, und von den Kapellen klingelten viele Silberstimmen hinein. Aber über all' diesem bunten Glockengetön, welches die Luft erfüllte,