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Mittwoch, den 8 September
1886
Fuldaer
Zeitung
2) Einen ganz neuen Grund so tief und so weit, wie zu einem solchen Baue erfordert wird, in der Weite und Länge, wie jetzt steht, zu legen, das Fundament 10 Fuß breit, außer dem Fundamente die innern zwei Mauern 74 Schuh hoch, dem Kreuzbau gleich, und 7 Schuh dick auf dem Fundamente anzulegen, die Tiefe des Fundamentes aber, bis man einen tauglichen haltbaren Grund findet, so auf allen vier Seiten zu verstehen.
3) Sollen die zwei Seiten Mauern und die zwei Kapellen neben den Thürmen in einer Höhe von gehauenen Steinen mit allem zugehörigen Versätze nach der Ordnung dorica, dem Risse nach, von Grund auf neu aufgerichtet, wie auch die zu beiden Seiten de» Langhauses gehörigen Pilaren
Germanien und Gallien Primaten, sodann Jo- Hannes Dienzenhofer als Baumeister, über all- hiesigen hohen Stiftskirchenbau nachfolgender wohl- bedächtliche Kontrakt aufgerichtet und mit Verpfändung seiner Baumeisters Hab und Gut beliebet und geschloffen worden, nämlich:
1) Sind das Langhaus und deffen vier Mauern völlig abzulegen, auch der Grund auszuheben, bis an den Kreuzbau gegen das Convent, die Steine aus dem Schutte auszulesen, auf einem oder,___
mehrere Plätze der Schutt aus dem Baue zu etwas größer, schaffen, damit er durch herrschaftliche Fuhren abgeführt werden kann.
6) Sollte die ganze Kirche durchaus mit einem Gewölbe von gebackenen Steinen versehen werden, wie auch die St. Bonifatius-Gruft, die Sakristei und Bibliothek; die zwei Kapellen neben den zwei Thürmen sollen mit einer Kuppel, doch ohne dona in beständigen Stand gebracht werden; den Kreuzbau betreffend, weil die seitherigen Mauern und dar Dach stehen bleiben, so inwendig mit nöthigen Pilaren durchaus zu beiden Seiten versehen und die zwei Quermauern, so das Kapitelhaus und die Sakristei schließen, von Grund bis an das
5) Die Nebenseiten von außen des Langhauses, was das Dach nicht bedeckt, sollen von gehauenen Quadern, Gefimse und Fenster, die Fenster von sauberen Steinen in Form des Riffes versetzt werden, auch unten um und um ein Absatz von Quadern.
inwendig in rechte Architektur und Proportion gesetzt werden, nach der Ordnung jonica.
4) An die vorderen Quermauern oder Faciate, weil die Thüren und das Rondel stehen bleiben, muß aus dem Fundamente, an Theil Orten 2 bis 3 Schuh dick, eine neue Mauer angesetzt und das Rondel durchaus mit Quadern und gehörigen Zierrathen bis an das Dach, doch ohne Verklei- düng der Thürme, zwei saubere Portale gemacht werden, ingleichen zu beiden Seiten Thüren, so
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Der Domdaumeister von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(33. Fortsetzung.) Einundzwanzigstes Kapitel.
Die Grundsteinlegung.
„Alles verleiht beinahe dem Maler die schöne Natur schon,
Baukunst aber erheischt feineren geistigen Sinn: Pomp, Zierraten und dorische Säulen und gothische
Schnörkel, Spielzeug sind sie, wofern fehlt der geheime Begriff.
Platen."
Johannes Dienzenhofer hatte sich doch dazu verstehen müssen, dem Geschmacke des Fürstabtes Concessionen zu machen. Wenn es ihn zwar auch schmerzte, daß dadurch die ursprüngliche edle Einfachheit seines Planes gestört würde, so hatte er doch endlich die Freude, sein Ziel fest und erreich- bar vor sich zu sehen.
. Mit einem großen Bogen in der Hand trat er «nes Tages in sein Haus; es war der Bau- Accor d, den er freudig entfaltete und seiner Gattin vorlas:
„Zu wissen sei hiermit, daß zwischen dem hoch- würdigsten Fürsten und Herrn, Herrn Adalbert Aten des Stift» Fulda, de« heiligen römischen Reichs Fürsten, Römisch Kaiserin Erzkanzler, durch
es ist eine natürliche Pflicht, die eigene beffere Ueber- zeugung auch anderen beizubringen und denjenigen, die noch im Dunkel des Heidenthums sitzen, das Licht des Christenthums anzuzünden. Dabei sollen wir aber ganz gewiß nicht vergessen, was wir im Innern zu thun haben. Und da sind es neben den Missionen, welche für die Besserung der einzelnen gehalten werden, die man nicht genug empfehlen kann, und die, wenn unser Verlangen nach Rückberufung der Orden erfüllt ist, hoffentlich sich erneuern werden, die großen Missionen, wie wir sie namentlich in Schlesien seiner Zeit in so schöner Entwickelung vor uns gesehen haben. Es wird dann manches ae- beffert werden, was wir heute zu bessern nöthig und nützlich finden müssen. Daneben ist aber vor allem ins Auge zu fassen, die Mission, welche bestimmt ist, den Gemeinden, welche zerstreut liegen unter Andersgläubigen, Kirchen, Schulen und Priester zu vermitteln. Wir müssen sorgen, daß da die nötige Seelsorge hergestellt wird. Es mag scheinen, wenn ich Ihnen sage: ein Hauptpunkt für Missionsthätigkeit in diesem Sinne wäre unsere Haupt- und Residenzstadt Berlin. (Sehr wahr!) Wir meinen immer zu hören, Berlin wäre das non plus ultra non Bildung und von Comfort und von allen möglichen Dingen, es fehle dort gar nichts. Ich sage Ihnen, ich wohne nun seit mehreren Jahren — nicht ganz nach meinem Willen — viele Monate in dieser großen Stadt und habe gefunden, daß es mit den kirchlichen Einrichtungen dort sehr mangelhaft aussteht. Ich möchte glauben, daß es wichtig wäre für uns Katholiken, die Zahl der katholischen Kirchen in Berlin minvestens um sechs zu vermehren und die Zahl der Geistlichen zu verdoppeln. (Sehr wahr!) Aber nicht allein dort, sondern auch in anderen Gegenden der alten wie der neuen Provinzen, auch in anderen Staaten, in Mecklenburg, in Holstein I unb anderen zu Deutschland gehörigen Ländern ist ein I ähnliches Bedürfniß vorhanden und namentlich in den Gegenden, wo die Katholiken mit Protestanten gemischt wohnen. Solche Gegenden sind besonders ins Auge zu fassen. Dabei werden wir selbstverständlich nicht vergessen I dürfen auch der auswärtigen Missionen, wir haben ja die I Freude gehabt, hier in unserer Versammlung aus Afrika, aus Asien beredte Zeugen der dortigen Verhältnisse zu hören. Das Gleiche gilt von Amerika. Ich denke, die Schilderungen, welche uns diese Herren gegeben, werden I uns die Ueberzeugung eingeprägt haben, daß dort ein unendlich weites Feld ist für christliche Barmherzigkeit. Und wenn wir hören, wie befähigt die kleinen Neger I sind, daß sie schon anfangen, uns zu beschämen (Heiterkeit) ich freue mich schon darauf, daß der kleine Windt- horst, der dort getauft worden ist (Große Heiterkeit), einst unter Ihnen erscheint und seine Rede hält (Große Heiterkeit. Sehr gut!) — und wenn ich mir vergegen- I wärtige, wie groß die Zahl von Kindern ist, welche in China dem Tode verfallen oder doch im Heidenthum I bleiben, dann meine ich, es ist Zeit, daß wir uns ihrer I erinnern. Wir sollten darum nicht müde werden, alle I diese Missionen zu unterstützen nach dem Maße unserer Kräfte. Der Verein zur Verbreitung des Glaubens und
* Schlußrede Windthorst's gehalten in der 4. öffentlichen Katholiken-Versamm- lung zu Breslau.
_ . (Fortsetzung.)
Dann arbeiten wrr auf diesem Gebiete in unserem «ernnswesen. Herr v. Huene hat Ihnen bereits gesagt: da wo der einzelne nicht ausreicht, affocirt er sich mit anderen, und in gemeinsamer Kraft arbeiten sie dann7,u d?ss, oiele. Und so ist ti auch in den Vereinen der verschiedensten Art, di« erwähnt worden sind. Ich will hier nur besonders hervorheben und besonders empfehlen die Arbeiter- und Arbeiterinnenverein«. (Bravo!) Gegenüber den destruktiven Bemühungen und Tendenzen einer verheerenden Sozialdrmokratte ist es von äußerster Wichtigkeit, daß wir unsere Arbeiter schützen vor deren Einwirkungen. Und diesen Schutz können wir den Arbettern nicht besser gewähren, als wenn wir selbst christlich« Arbettervereine schaffen und m diesen Vereinen die Belehrung und Unterstützung ihnen gewähren, die sie verlangen können, die wir ihnen gewähren müssen, wenn sie eben nicht verführerischen Anleitungen unterliegen sollen. Alle Welt spricht über dre Lösung der sozialen Frage, raucht dabei eine Cigarre und trinkt ein Glas Wein -, aber will nicht arbeiten. (Sehr gut!) Und diese Arbeit ist für uns unumgänglich nothwendig, wenn wir die große Schlacht siegreich bestehen wollen, die ohne Zweifel geschlagen werden wird. Im Interesse der Arbeiter und im eigenen Interesse haben nur deßhalb diese Vereine zu fördern und zu unterstützen m jeder Weise. Und das können die Männer, und das können die Frauen, — wie ich denn überhaupt bemerken muß, daß, wie die Verhältnisse des Lebens sich mehr und mehr entwickelt haben, der Frau eine bedeutsamere Wirksamkeit auch in öffentlichen Interessen angewiesen wird, als dies bisher der Fall gewesen. Denn auf dem Gebiete der Charitas, der Unterstützung, der Anleitung ist ihnen «n unendlich weites Feld geöffnet. Und wenn ich gestern Abend in dem Arbeiterverein hier eine große Zahl von Arbeiterinnen jugendlichen Alters und älteren Alters gesehen, so habe ich mir gesagt: es ist eine würdige Aufgabe unserer besser gestellten Frauen, sich dieser Vereine anzunehmen, ihnen in jeder Beziehung Anleitung zu gewähren. (Bravo!) Die Männer sollen das selbstverständlich Bei den Arbeitern thun und auch dafür sorgen, daß neben der Belehrung diesen Vereinen dann und wann die Möglichkeit gegeben wird in freundlicher Fröhlichkeit zusammen zu (ein. Uebrigens gehe ich auf das, was zur Losung der sozialen Frage zu geschehen hat, nicht näher em, Sie werden aus den Resolutionen, die Ihnen demnächst verlesen werden, ersehen, was in Bezug hierauf besonders beschlossen worden ist, und wie wir insbesondere auch hier die Nothwendigkeit betonen, daß endlich das Verlangen nach einer geordneten Sonntagsruhe erfüllt wird. (Bravo !) k Dagegen war ein weiteres Gebiet unserer Erörterung das Missionswesen, und zwar sowohl das Missionswesen innerhalb Deutschlands, als außerhalb desselben. Wenn man von Missionen spricht, denkt man in der Regel an auswärtige Länder, vor allem an die Heidenländer, und es ist gewiß billig, daß man das thut. Denn
der Verein der Kindheit Jesu geben dazu, wie uns d ef Missionär aus China gesagt hat, eine reiche Gelegenheit' wir wollen diese darum nicht vergessen. Den Missionären aber, die hier waren, wollen wir unseren Dank abstatten, daß sie uns belehrt haben, über das, was sie thun und was sie erstreben, und unsere besten Wünsche im Gebete sollen sie in ihre Heimath zurückbegleiten. (Bravo.) Dann haben wir noch eine große Zahl von Vereinen, welche unsere Beachtung in jeder Richtung verdienen, deren Wirkungskreis zum Theil auf dem Gebiete des Misstonswesens, zum Theil auf dem socialen Gebiete Hegt D» wir eben in überseeischen Ländern mit unseren Gedanken uns bewegten, so ist es natürlich, daß ich zunächst an den Raphaelverein denke. Mein Nachbar auS Bremen hat Ihnen geschildert, wie es mit dem Raphaelverein aussieht und was er leistet. Ich meineStheilS wünsche mit ihm, daß die Deutschen im Vaterlande bleiben, und daß Regierungen und einzelne sich bemühen, es in Deutsch- lanb so einzurichten, daß möglichst wenige weggehen: aus einem Hause, in dem es ganz behaglich ist, zieht man ohne Noth nicht fort. (Sehr richtig!) Neben diesem Verein gibt es nun eine große Zahl auch noch anderer Vereine, welche sich mit dem Wohl der Nebenmenschen befassen, und alle diese Vereine, seien sie local, seien sie über ein größeres Gebiet verbreitet, sollen und müssen unsere Unterstützung in Handlungen und Geld haben. Endlich komme ich auf die Vereine, welche uns der Herr aus Wien so schön und beredt in ihrer Gestaltung und in ihren Zwecken geschildert hat. Diese Vereine, die der verehrte Herr empfahl, sind die Studentenvereine, sind die Vereine der jungen Kaufleute, sind die Arbeitervereine, sind die Gesellenvereine, kurz alle Vereine der verschiedenen Berufsklaffen, namentlich auch die, in denen die Jugend sich versammelt. Ich darf gewiß nicht den Gesellenverein vergessen, den bedeutendsten, den Deutschland geschaffen hat. M. H., fördern wir alle diese Vereine, bringen wir alle unsere Verwandten und Söhne • hinein, nehmen wir an ihren Freuden theil; denn dann werden sie gemäßigter sein, als die Jugend allein sein kann, und Sie werden sehen, welchen unendlichen Segen das bringen wird.
(Schluß folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. September.
* Der Reichstag wird voraussichtlich nur 3 Tage versammelt sein. Der Schluß der außerordentlichen Session ist für Sonnabend den 18. in Aussicht genommen. Außer dem spanischen Handelsvertrags werden dem Reichstage weitere Vorlagen nicht gemacht, obgleich der Bundesrath noch über die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes über Berlin-Potsdam und Hamburg- Altona Beschluß fassen wird. Der Belagerungszustand für die beiden Städte läuft mit dem 30.