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1886
6-s
XXXIII. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Breslau.
* Die in der vierten und letzten öffentlichen Generalversammlung gehaltene Schlußrede Windt- horst 's, welche wir bereits in kurzen Umriffen mitgetheilt haben, gewährt einen Ueberblick über Alles, was auf der Katholikenversammlung geschehen ist und verdient deßhalb möglichst vollständig hier wiedergegeben zu werden. Dr. Windt- horst begrüßte, von brausenden Zurufen empfangen, die Versammlung mit dem 'Gruße „Gelobt sei Jesus Christus", welcher mit „In Ewigkeit! Amen" erwidert wurde, und führte dann folgendes aus:
Dieser echt katholische Gruß wurde uns beim Beginn unserer Verhandlungen von dem verehrten Herrn Präsidenten in einer so schönen und trefflichen Weise dargelegt, daß ich darauf noch einmal zurückkommen, wenigstens daran erinnern muß. Daneben hat der hochwürdigste Herr Weihbischof in Worten echt apostolischen Freimuths, die ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde, uns den oberhirtlichen Segen ertheilt, und so können wir wohl behaupten, daß in der würdigsten Weise unter Gottes Beistand die Verhandlungen begonnen haben und daß der Segen auch unmittelbar erfolgt ist. Denn, wenn wir überblicken, was alles geschehen, so können wir sagen: Die 33. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands ist in einer Weise verlaufen, daß wir nur mit Befriedigung darauf zurücksehen können. Auf allen Gebieten menschlischen Wissens und miNschlicher Thätigkeit sind anregende Belehrungen, Aufmunterungen ertheilt, und ich habe die Ueberzeugung, daß aus diesem Saale und aus den übrigen Versammlungslokalen wir sämmtlich ein großes Maß von Belehrung und Aufmunterung mitnehmen und weiter in das Land tragen werden. Deshalb faae it§; Gelvvl sei Jesus Qyrlpus, bap uns oie eiuyc |u' ge- . Jungen ist. (Bravo!). Ehe aber wir uns trennen, ist es nach meinem Dafürhalten gut, einen kurzen Ueberblick zu nehmen über das, was geschehen ist, wenigstens in den Hauptgrundzügen. Daß die Versammlung so gut verlaufen, verdanken wir zunächst den weisen Einrichtungen des Lokalkomitees (Bravo!); wir haben alle Ursache, diese Anerkennung ausdrücklich auszusprechen (Bravo!). Wir verdanken das außerdem dem freundlichen Entgegenkommen der Einwohner Breslaus (Bravo!) und, wie ich mit besonderer Freude bemerke, aller, denn auch die, welche nicht zu uns gehören, sind freundlich und zuvorkommend gegen uns gewesen (Sehr wahr! Bravo!). Und ich eon- : statire gern, daß auch diejenige Presse, welche sonst nicht \ gerade für uns einsteht, in würdiger und anständiger ‘ Weise über unsere Verhandlungen berichtet, und auch, ' soweit mir bekannt ist, in diese Generalversammlung keinen • Mißton hat erklingen lassen (Bravo!). Ich hatte das ! nicht anders erwartet, aber wenn es geschehen, verdient es Anerkennung.
Der Dom-auweister m Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(32. Fortsetzung.)
„Das Kind?" stammelte erschrocken der Kammerrath, „Jesus, Maria, Joseph — das Kind nach Hofbieber," wiederholte laut schreiend die Base.
„Nun Millionenschockschwerenoth! Was ist denn dabei?" brauste der Wildmeister auf. „Tilchen, willst Du mit mir gehen?"
„Wenn die Tante mich nöthig hat — versteht sich," entschied Tilchen, das Köpfchen in den Nacken werfend.
„Brav gesprochen, Kind, Du weißt doch was Christenpflicht ist," rief der Wildmeister seinen langen Graubart streichend. „Nun Vetter, wollt Ihr da Eure Einwilligung noch vorenthalten, — potz Wetter!"
„Das Kind soll mit Euch gehen," nickte der Kammerrath in seiner sanften, ruhigen Weise.
„Nun Tilchen, dann mach' Dir allen Kleiderkram zusammen, den Du mit zu nehmen gedenkest. Viel brauchst Du von dem Trödel nicht, denn bei uns daheim sehen Dich nur die Hirsche und Füchse. Jetzt will ich noch mancherlei in der Stadt besorgen, in einer Stunde komme ich wie-
Meine Herren! Wir kommen alljährlich zusammen, um auf unserem eigenen Gebiete Umschau zu halten und uns so nach den verschiedenen Richtungen hin zu orien- tiren, zu ermutigen, neue Bündnisse zu schließen, und uns zu kräftigen. Wir haben dabei nicht im Sinne, gegen irgend Jemanden feindlich zu sein; wir, die wir auf katholischem Boden stehen, sind sehr gern bereit und geneigt, unsere Friedenshand auszustrecken. Freilich, wenn man von anderer Seite die Friedenshand uns reicht, müssen wir eine gewisse Reserve beachten, und wenn man uns angreift, müssen wir uns wacker vertheidizen. (Bravo!) Aber agreffio sind wir nicht und wollen wir nicht sein. Zunächst und vor allem versteht sich von selbst und bedarf keiner Erwähnung, daß jeder Katholik immer nur in treuer Unterthänigkeit gegenüber der weltlichen Obrigkeit handelt, und wenn eine Kritik über dieses oder jenes zu üben ist, so geschieht dies nicht in feindseliger Absicht, j sondern um das Recht zu vertheidigen, um Belehrung i denen zu geben, die uns regieren, wenn wir meinen, daß sie sich irren, und um dabei die Hoffnung auszusprechen, daß sie dann unseren Wünschen nachkommen. (Bravo!) Aber an Treue gegen König und Vaterland soll und wird uns Niemand übertreffen. (Stürmischer Beifall!) Meine Herren, wir sind auch gar nicht feindlich oder abfällig gestimmt gegen unsere Mitbürger anderen Glaubens, wie auch immer dieser Glaube sein möge. Ein echter, wahrer Katholik ist unter allen Umständen tolerant gegen Jedermann, der nicht seine bessere Ueberzeugung verleugnet. (Bravo!) Unsere andersgläubigen Mitbürger versammeln sich auch, verhandeln über ihre Interessen und wir stören sie in keiner Weise. Ich wollte, daß dieselben immer genau so, wie es hier geschehen, in freundlicher Weise sich über uns äußern, — es geschieht das leider nicht immer. Ich möchte überhaupt den Wunsch aussprechen, daß die verehrten Herren, wenn sie zusammenkommen, sich mit sich und nicht mit uns beschäftigen. (Bravo!) Aber manchmal kommt es mir vor, als ob sie int eigenen Hause nicht Stoff genug hätten. (Heiterkeit.) Sollte es ihnen tieferroberrjenefr,’6d!e ihre?"Häuse§"Ä>4 derlei"°beizu- bringen. (Heiterkeit, Beifall.) Unter allen Umständen aber wollen und .dürfen wir nicht vergessen, daß diese unsere Mitbürger ebenfalls Söhne unseres Vaterlandes sind, und daß wir ihnen brüderlich und herzlich jederzeit die Hand zu reichen haben, daß wir, wenn das Vaterland oder ein Theil unserer Mitbürger in irgend welcher Gefahr, wir mit ihnen nur wetteifern dürfen in Tapferkeit gegen den Feind und in Nächstenliebe denen gegenüber, die mit uns auf dieser Erde wandeln. (Bravo!)
Dieses vorausgeschickt komme ich nun auf die Verhandlungen, die wir hier geführt haben. In den öffentlichen Sitzungen wie in den vertraulichen, — die übrigens so vertraulich nicht waren, daß daraus gar nichts verlautete; denn ich lese jed.n Morgen, wenn ich aufstehe, schon ein ganz Theil von dem, was ich um Mitternacht gesagt habe. (Große Heiterkeit.) Ich bin darüber gar nicht betrübt, obwohl das was ich gesagt habe, nicht gerade für die Oeffent- lichkeit bestimmt war. (Heiterkeit.) Jndeß ich fange an
der und nehme Dich mit. Gottbefohlen, einstweilen !"
Mit diesen Worten stürmte der Wildmeister hastig wieder zur Thüre hinaus; Tilchen aber packte rasch seine Sachen zusammen und eilte dann in die Rittergaffe, um dort das Ereigniß mitzutheilen und zugleich Abschied zu nehmen.
Als es zurück kam, hielt das kleine, grüne Wägelchen des Wildmeisters bereits vor dem Hause, er selber aber spazierte ungeduldig wartend im Wohnzimmer auf und ab. Auch der Herr Kammersekretär Weiß, der jetzt oft kam, war da und trat Tilchen ganz verstört entgegen mit der Frage, ob es denn wirklich fort wolle.
„Ja, Herr Weiß," versetzte es fröhlich. „Und nicht wahr, Ihr besucht den Vater recht oft?"
„Ich werde nicht ermangeln," stotterte der junge Mann. „Aber wie wird es hier sein, ohne Euch — als wenn die Sonne fehlte," fügte er mit trauriger Miene leise hinzu, und dabei blickte er ihm so eigen in die Augen und hielt die kleine warme Hand, die es ihm gereicht, merkwürdig fest in der seinen.
„Ach Gott, Vetter, gebt nur auf das Kind Acht, daß ihm nichts passirt, denn es ist schrecklich unbesonnen," jammerte die Base dazwischen. „Tilchen, gülden Herzkind, daß Du mir nur nicht in den Wald gehst. Da giebt's so viel wildes
! zu glauben, daß, wenn ich überhaupt spreche, ich so sprechen muß, daß es gedruckt wird.
Ich glaube nun, daß wir uns zunächst vergegenwärtigen, was geschehen ist auf dem sozialen Gebiete. Das soziale G-biet ist augenblicklich dasjenige, welches die ganze Welt bewegt und auf welchem deshalb mit besonderer Kraft gearbeitet wird und gearbeitet werden muß, weil es zu lange vernachlässigt worden ist. Mein Vorredner, der i Freiherr v. Huene, hat Ihnen bereits die wesentlichen Grundzüge dessen dargelegt, was wir hier erörtert haben.
Aber ich möchte doch noch aufmerksam machen auf die andern Vorträge, die wir in dieser Hinsicht gehört und ferner auf dasjenige, was hier zur Sprache gekommen ist. Von den litterarischen Arbeiten ist weniger die Rede gewesen; aber die Männer, welche hier gesprochen, sind selbst eine Sprache der Sitteratur. Der Herr Domkapitular s Dr. Franz, der Herr Kollege Hitze sind auf diesem Gebiete I Autoritäten geworden, und ich habe die Meinung, daß es i nützlich ist, auf diese Bestrebungen hinzuweisen und ins- i besondere auch die Schriften zu erwähnen, welche unser Hitze publizirt hat, oder welche unter seiner Leitung publi- zirt worden sind. (Sehr gut! Bravo!) Das „Arbeiterwohl", das immer erscheint und die nützlichsten Aufsätze über die betreffenden Fragen enthält, und bann vor allem das vortreffliche Haushaltungsbüchlein, welches darlegt, wie eine Arbeiterfamilie ihren Haushalt einzurichten hat. Dieses Büchelchen habe ich, obwohl ich keinen Haushalt führe (Heiterkeit), mit großem Interesse gelesen und auch mit solchen, die den Haushalt näher kannten, besprochen, und ich kann sagen, daß nicht allein die Arbeiterfrauen, sondern alle Frauen aus diesem Büchlein recht viel Nützliches lernen können, wenn sie einen ordentlichen Haushalt haben, ein gesundes Essen bereiten und ein komfortables Leben führen wollen, wie es nette, einfache Verhältnisse gestatten. Und auch die höher Stehenden sollten dieses Büchlein anschaffen, um sich nachher ein bischen sparsam einzurichten und das Ersparte dem Arbeiterverein zu überlassen. (Sehr gut! Lebhafter Beifall.) Das in §#fJj6rfVif,.i>ie Litteratur. die übrioens damit kein-sfaüu ____________________(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 6. September.
* Obgleich jede Stunde die Nachricht einlaufen kann, daß Fürst Alexander thatsächlich ab gedankt und sein Land ver lafsen hat, will man an einen so einfachen Verlauf der Sache doch noch nicht recht glauben. Die meisten Blätter enthalten sich weiterer Kombinationen und beschränken sich auf die Wiedergabe der thatsächlichen Nachrichten. Fest steht, daß am 11. September in Sofia die Nationalversammlung zusammentritt.
* Der Reichskanzler Fürst Bickma rck ist leider wieder von seinem alten nervösen Schmerzen heim«
Gethier. Und faffe um Gotteswillen keines von des Vetters Mordgewehren an, die können alle losgehen und Dich tobt, mausetodt schießen. Ach, und was für böse Hunde giebt es in Hofbieber. —"
Potz Wetter! — Macht ein Ende mit Euren Ermahnungen," fuhr polternd der Wildmeister dazwischen.
„Heiliger Gott! Flucht doch nicht immer so, Vetter. Kennt ihr denn nicht das zweite Gebot, welches heißt: Du sollst den Namen Gottes Deines Herrn nicht vergeblich führen" ?
„Millionenschockschwerenoth, das thut Ihr jr immer," schrie der Wildmeister.
„Adieu mein liebes gutes Väterchen, Adieu Base, Adieu Herr Kammersekretär," rief Tilchen, herzlich von jedem Einzelnen sich verabschiedend."
„Lebt wohl, und denkt auch manchmal an mich," sagte Herr Weiß leise, die Base aber fing zu weinen an, und rief ein über das andere Mal: „Nein, ein so junges, unmündiges Kind in die Welt hinaus ziehen zu lassen, ach Gott, Herr Vetter, es ist unverantwortlich." Und dabei blickte sie dem fortrollenden Wägelchen nach, so weit sie ihm nur mit den Blicken folgen konnte.
Tilchen saß ganz vergnügt neben dem Wildmeister, der fest die Zügel in der gebräunten Hand yielt. Bald hatten sie das alte Petersthor mit seinem hohen Thurme passirt und