Einzelbild herunterladen
 

fünft des Fürsten in Sofia wird hoffentlich die etwas unklare Situation aufhellen.

* Pest, 1. Sept. Die Mitglieder der deut« fchen Militärdeputation, welchen man allerseits mit großer Aufmerksamkeit begegnet, waren als Gäste des Kaisers gestern zur Hoftafel gezogen. Sie begaben sich heute Morgen, der Suite d,S Kaisers attachirt, mittelst eines HofzugeS auf das Manöver- Feld.

* Franzensbad, 1. Sept. Heute Mittag fand in der russischen Kapelle die Trauung der Tochter Giers mit dem rumänischen Legations- sekretär Grafen Rosetti - Solesco statt. Giers gedenkt morgen abzureifen

* Tirnowo, 1. Sept. Fürst Alexander ist mit feinen Begleitern gestern Nachmittag um 2 Uhr von hier abgereist und kam in Eieno um 8 Uhr an. An allen Orten, durch welche der Fürst fuhr, fand derselbe begeisterten Empfang wie in den vorhergehenden Tagen. Die Bevölkerung unter Führung der Popen strömte herbei und brachte dem Fürsten enthusiastische Ovationen dar.

* Bukarest, 1. Sept. Den gegenwärtig in Bukarest brfindlichen bulgarischen politischen Flücht­lingen wurde bedeutet, ihr provisorisches Domizil wo immer zu wählen, nur nicht in den Donau­distrikten. Man motivirte diese Maßregel mit der vollständigen neutralen Haltung Rumäniens gegen­über Bulgarien bezüglich der vorgekommenen Er- eigniffe. Der bulgarische Minister des Aeußern Natschewitsch ist gestern Abend eingetroffen.

* Bukarest, 1. Sept. Aus Sofia einge­troffene Nachrichten melden, Oberst Mutkurow, welcher mit sechs Regimentern eingetroffen, habe Karawelow, Zankow, Clement, Nikiforow und an­dere bei dem Staatsstreich Betheiligte verhaftet. Der Fürst hätte befohlen, Karawelow und Zankow sreizulasien. Die Uebrigen feien in Haft zu be­halten. Beide Regimenter, welche am Staats­streich betheiligt, feien nach Küstendil zurückgeschickt, die dortige Bevölkerung habe auf die Nachricht von deren Rückkehr alle Munitionsvorräthe zer­stört.

* Scheveningen, 1. Sept. Durch den früh im Kurhaufe ausgebiochenen Brand ist dasselbe vollständig zerstört. Das Biandunglück entstand aus Unvorsichtigkeit eines Dienstmädchens der Fa­milie Heinecken, welches auf einer Spiritusmaschine kochte. Das Feuer ergriff mit rasender Schnellig­keit den Kursaal. In einer Viertelstunde war das ganze Gebäude verloren. Glücklicher Weise herrschte Windstille, daher blieb daffelbe aus seinem Ent­stehungs-Herd beschränkt. Kein Menschenleben ging verloren, aber fast alles Passagiergut, viele Hun- derttausende werth, Alles unversichert, ist verloren. $jii Mannstädt's philharmonischem Orchester sind die Noten und' Instrumente meist verbrannt. Die Haager Wirthe zeigen sich gegen das Publikum höchst entgegenkommend. Nun alles ausgebrannt, ist die Gefahr vorüber.

ließ, ein strenges Maßhalten als Hauptbedingung des Schönen zu betonen.

Als aber keiner der Entwürfe den fürstlichen Beifall fand, da wurde Johannes Dienzenhofer gedrückt und nierergeschlagen; eine tiefe Verstim­mung kam über ihn, die selbst lähmend auf feine Schaffenslust wirkte. Und wenn auch Leonora wie sein guter Genius immer wieder die frische Zu­versicht aus seine Kraft zu wecken suchte, die dü­steren Falten aus feiner Stirn vermochte ihre Hand dennoch nicht hinweg zu glätten, so lange des Fürsten Mißtrauen in seine Fachtüchtigkeit, das sich leise bemerkbar machte, fort und fort fein reiz­bares Gemüth quälte.

So verdüstert war er an einem schönen Sommer­abend den nahen Frauenberg hinaufgestiegen. Pater Bardo wurde noch von Baugeschäften in der Propstei Thulba festgehalten, sonst hätte er diesen besucht.

Seufzend blick.e er hinab auf die Stadt, wo die Stiftskirche noch immer in unveränderter Ge­stalt aus dem Häusergewirr aufcagte.

Mit welch' anderen begeisterungsfrohen Blicken hatte er zum ersten Mal dieses Bild betrachtet! Nun befand er sich schon seit 8 bis 9 Monaten in Fulda und noch immer war ihm kein Entwurf nach dem Sinn und Geschmack des Fürsten ge­lungen! Und mußte nicht, ohne die Anerkennung und Zufriedenheit des Letzteren, feine Stellung von Tag zu Tag wankender werden? Im Lande selbst gab es ja Architekten, die mit miß­günstigen Blicken den Fremden an dem bevor«

* Parrs, 1. Sept. Der Papst hat in der Annahme des Freycinet'schen Vorschlags, den Msgr. Agliardi zum außerordentlichen Delegaten für China bestimmt. — .Paris' beschuldigt den Kriegsminister Boulanger, durch ungenügende Maß­nahme die Häufigkeit der Sonnenstiche bei den Manövern veranlaßt zu haben. ,ßiberte' meint, Boulanger sei unschuldig, aber die Manöver seien abzuschaffen.

* Paris, 1. September. Die Hinweisung der । ,Nordd. Allg. Ztg.' aus Rüstungen in Frankreich wird hier meist als Vorwand angesehen, um die Rüstungen Deutschlands gegen Rußland zu mas- kiren. — Nach der .Auto.its' wird Boulanger von den Kammern einen Kredit von 7 Millionen zur versuchsweisen Mobilisirung eines Armeekorps des Centrums verlangen. — Goblet, Lockroy, i Develle, Boulanger und Floquet wohnten dem i Bankette zu Ehren Chevreul's bei. Der Toast ■ Boulanger's, welcher auf die patriotische Haltung Chevreul's im Jahre 1871 anspielte, wurde be« j sonders applaudirt.

' * Rom, 1. Sept. Den gestrigen Ministerrath

beschäftigte die Freilaffung Coceapieller's. Die Bc- ■ gnadigung desselben ist bevorstehend.

* Athen, 1. Sept. Nach amtlicher Ermittlung beträgt die Zahl der bei dem Erdbeben Umge­kommenen 166, die der Verwundeten 500. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen.

j * London, 1. Sept. In der Fortsetzung der i Adreßdebatte wurde das Amendement Eßlemonts, betreffend die Lage der schottischen Kleinbauern

: mit 203 gegen 121 Stimmen abgelehnt. Der Sekretär Schottlands, Balfour, erklärte, die Re-

: gierung beabsichtige keine bezügliche Vorlage zu machen, die schottischen Kleinbauern litten nicht । sowohl unter schlechten Bodengesetzen, als weil - sie dem Rathe von Leuten folgten, die thatsächiich ■ ihre Feinde seien.

* London, 1. Sept. Reuters Bureau mel­det aus Dokohama 31. August: „Nachrichten aus i Korea zufolge verlangte der chinesische Gesandte ! in Folge des Gerüchts, daß man versuchen würde, die Schutzherrschaft Rußlands über Korea herzu- stellen, telegraphisch Truppen. In Folge dessen trafen neun chinesische Kriegsschiffe mit größeren Truppenabtheilungen ein. Zahlreiche als Kaufleute verkleidete chinesische Soldaten sind in Seul ein­gerückt, wo große Erregung herrscht."

* Malta, 1. Sept. Der Kapitän eines heute ; eingetroffenen englischen Dampfers zeigte den Hafen« > behöiden an, er habe am 30. August bei klarem Himmel und ruhiger See, 14 Meilen von der Nordspitze der Insel Galita (Algier) entfernt, im Osten dieser Insel einen feuerspeienden Berg thä- tig gesehen, auch mehrere Fumarolen bemerkt, den­jenigen beim Aetna ähnlich.

; * Newyork, 1. Sept. Gestern Abend gegen

i 10 Uhr wurden im ganzen Küstengebiete von i Alabama bis Newyork heftige Erderfchütterungen

zugten Platz sahen, diese aber boten Alles auf, ihn zu i verdrängen und Manche halten großen Anhang, ! so daß ihr Einfluß bis zum Hose reichte.

I Der bekümmerte Meister wandte sich und trat i in die Klosterkirche ein; die letzten Klänge der Vesper waren gerade verhallt, nur leichte Weih-

| rauckwölkchen spielten noch um die Altäre.

Es ließ sich gut beten in der stillen Kirche, in , der schon so manche gedrückte Menschenseele all’ ihre Sorgen auf den Herrn geworfen hatte. Als ' er wieder hinaus trat ins Freie, wo eben der letzte Tagesschein verglühte und aus den uralten Lindenbäumen ein süßer Duft quoll, da athmete er auf. als ob fein Gemüth von einer schweren Last befreit worden fei. —

Er lehnte sich an die Klostermauer, und während er in das verglimmende Abendroth starrte, nahmen seine Gedanken den Weg fort nach Rom. — Wie ein Schleier wob es sich um die Stadt im Grunde; ihm war, als sähe er jetzt Kuppeln und Thürme der ewigen Stadt vor sich auftauchen; — immer klarer, immer bestimmter gestaltete sich ein er­habenes Kirchenbild voll Würde und Majestät.

Lange verharrte er so wie in Verzauberung versunken, endlich zerfloß das Lustgebilde, und er fuhr aus feinen Träumereien auf. —

Rasch eitle er nach Haus, und nachdem er die ganze Nacht hindurch gezeichnet, unterbreitete er am andern Tage dem Fürstabte einen neuen, nach dem Vorbilde der St. Peterskirche entworfenen Bauplan.

I (Fortsetzung folgt.)

wahrgenommen. Am stärksten waren dieselben in Washington, Savannah, Richmond, Augusta und Ralei h; in Augusta wurden zehn verschiedene Erdstöße gezählt. In mehreren Städten verließ die Bevölkerung die Häuser und brachte die Nacht im Freien zu. Von Verlust an Menschenleben wurde bisher nichs gemeldet. — Eine Depesche aus Char­leston meldet, daß die Straßen durch eingestürzte Häuser versperrt sind in Folge eines Erdbebens. Zwischen den Ruinen sind mehrere Feuersbrünste ent­standen. Sechszig Personen sollen getödtet fein. Unter den Einwohner.« herrscht große Panik.

Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, . September2.

* Bei dem heute Morgen im Real-Progymnasium stattgehabten Schulaetus zur Feier des Sedantages hielt Hr. Dr. Sergmanu die Festrede.

• Das Reichsgericht hat sich durch Erkenntniß dahin ausgesprochen, daß Betrug oorliegt, wenn ein Mann eine Frauensperson durch Täuschung über feine Vermögenlage veranlaßt, mit ihm die Ehe einzugehen, lediglich in der Absicht, durch die Eheschließung das Vermögen der Ehesrau in die Hände zu bekommen', um dasselbe nicht für die Zwecke der Ehe, sondern für sich allein zu verwenden.

* Ein Schuldner, welcher nach eingetretener , Zahlungseinstellung durch übermäßigen Aufwand ■ Summen verschwendet hat, ist nach einem Urtheil ; des Reichsgerichts (1. Strafsenats) vom 21. Juni : d. I., ebenso wegen Bankerotts zu bestrafen, wie i bei einem vor der Zahlungseinstellung geschehenen übermäßigen Aufwand; auch genügt ein einmaliger Verbrauch übermäßiger Summen zur Feststellung des strafbaren übermäßigen Aufwandes.

* Sucht Jemand einen Beamten durch Geschenke zu einer Handlung zu bestimmen, welche nicht un­bedingt, sondern nur möglicher Weise die Verletzung einer Amts- ober Dienstpflicht enthält, und legt der Thäter fein Einverständniß mit der eventuellen Verletzung der Amtspflicht an den Tag, so macht er sich nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 4. Strafsenats, vom 14. Mai d. I.,, dadurch der Bestechung aus § 333 des Strafgesetzbuchs schuldig.

* Hünfeld, 30. Ang. Die am letzten Sonn­abend dahier abgehaltene General-Versammlung der Aktionäre der Zuckerfabrik Hünfeld war, wohl in Folge der dringenden Erntearbciten, nicht so zahlreich besucht wie die früheren, jedoch wurde die Tagesordnung: „Vorlegung des Rechenschafts­berichts und Ertheilung der Decharge" vorschrifts­mäßig erledigt. Ferner wurde die Erstrebung eines möglichst großm Rübenquantums für die Kam­pagne 1887/88 eingehend besprochen und zur Er­zielung eines solchen beschlossen, jedem Aktionär für jede Mehrlieferung von mehr als 120 Ctr. pro Aktie einen fisten Preis von 90 Psg. pro Gentner in sichere Aussicht zu stellen. Es würde also ein Aktionär, der z. B. 3 Aktien besitzt und statt 3 etwa 5 Acker Rüben ausstellen würde und von diesen 5 Ackern bei einigermaßen guter Be­arbeitung 900 Centner reine Rüben erntete, 540 Gentner mehr gelieferte Rüben mit 90 Psg. pro Gentner bezahlt erhalten also Mk. 486, rechnet man hierzu den Preis der Aktienrüben mit 80 Pf. pro Gentner, also Mark 286, fo ergibt sich ein Gesammtbetrag von 774 Mk. von 5 Ackern.

* Schlüchtern, 27. August. Es sind in hiesiger Gegend schon verschiedene Oöstoerkäufe abgeschlossen worden, namentlich durch auswärtige Händler. Man bestimmte für Mostobst 4*/z bis 5 M. pro Gentner. Voraussichtlich wird sich dieser Preis sogar noch steigern, indem es heuer । nicht allenthalben Obst gibt und die Gonfumtion des Obstweines im Steigen begriffen ist.

* Hersfeld, 30. Slug. Die Wahl beS ordent­lichen Professors der Rechte, Dr. von Liszt in Marburg zum Rektor der dortigen Universität für das Amtsjahr 1886/87 ist bestätigt.

• Hersfeld, 1. Sept. Die Verwaltung der Oberheffischen Bahnen, der Main-Neckar-Bahn und der Hessischen Ludwigs-Bahn hat den Theilnehmern an der vom 5. bis 9. Septbr. in Darmstadt tagenden Versammlung Deutscher Forst­männer die Vergünstigung gewährt, daß die in der Zeit vom 2. bis 5. September gelösten Retourbillets auf den Strecken dieser Bahnen bis zum 13. September gültig sind.