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Donnerstag, den Q, September

i886

Fuldner

In derselben wurden Anträge betr. Empfehlung des Josephs-Vereins, Raphael-Vereins, Palästina- Vereins, ferner ein solcher betr. Erhaltung der Friedhöfe angenommen. Alsdann gelangt ein An­trag auf Empfehlung des Bonifatius-Vereins und des Bonifatius-Sammelverems zur Annahme, nach­dem Windlhoest desien Wichtigkeit hervorgeh den hatte, um namentlich den Besitzstand an Diaspora-

vielmehr sahen sie in dieser Kunstform nur das Gebilde eines rohen, barbarischen Geschmackes, auf welches sie, im stolzen Gefühl ihrer auf­geklärten Culturperiode, mit Verachtung und vor­nehmer Geringschätzung herabblickten.

Auch der von der herrschenden Geschmacksrich­tung beeinflußte Dienzenhofer hatte, trotz seines fein entwickelten Formensinnes, kein Bewußtsein von der Schönheit dieses altehrwürdigen Baues. Mit vollster Ueberzeugung stimmte er dafür, daß der würdige Umbau der Kirche nur einzig im Renaissancestil dürfe vollzogen werden. Am lieb­sten hätte er einen totalen Neubau aufgeführt, allein der Fürstabt bestimmte, daß das Kreuzschiff und die Chöre und Thürme, welche noch von fester Dauer waren, beibehalten, dagegen aber das baufällige Langhaus niedergeiegt und neu erbaut werden sollte.

Johannes Dienzenhofer entwarf nun Grund-, Aus- und Durchriffe und legte sie dem Fürsten vor, aber dieser war nicht befriedigt von den Entwürfen, die zu viel von der ruhigen Regel­mäßigkeit des römischen Styles an sich trugen und ihm zu einfach und nüchtern klar erschienen. Er wollte ein Werk, vas ganz den üppigen Aus­druck des herrschenden Barockstyles trage, obgleich der lautere Ernst des Meisters sich gegen alle sinnlosen Ausschreitungen sträubte und nicht nach

Deutsches Reich.

Berlin, 1. September.

* Die P a ra de des Gardekorps unter dem kom- mandirenden General Pape auf dem Tempelhofer Felde verlief bei prachtvollem Wetter sehr glänzend. Der Kaiser, von der Kaiserin, der Prinzessin Wilhelm, der Erbprinzeffin von Meiningen, dem Kronprinzen, den fremden Militärattaches und einer glänzenden Suite gefolgt, fuhr zunächst der Front der in zwei Treffen aufgestellten Truppen entlang, und ließ dieselben dann einmal vorüberdesiliren. Das Kaiserpaar wurde auf der Fahrt durch die Stadt von den Kopf an Kopf gedrängten M-mschen- maffen mit unauSgtsetzten Jubelrufen unter Tücher- und Hüteschwenken begrüßt. Rach Beendigung der Parade versammelte Se. Majestät die Prinzen, die Generäle und Truppenführer zur K itik und sprach seine vollste Zufriedenheit über die Haltung der Truppen aus. Die Parade wurde vom glän­zendsten Wetter begünstigt. Nachmittags war Paradediner im hies. Schlöffe. Abends findet auf Befehl des Kaisers eine Militäroorstellung im Opernhause statt. Auf der Rückkehr von der Parade hatte leider der Kriegsminister Bronsart von Schellendorff das Unglück mit dem Pferde zu stürzen, wobei er eine Verletzung am Fuße erlitt, die aber nicht so bedenklich sein soll.

* Hier geht das Gerückt, Prinz Wilhelm werde am 11. September nach Petersburg reisen.

* Köln, 2. Sept. Aus Breslau erhält die ,Niederrh. Volksztg.' folgende Mitlheilung: „Es verlautet auf das Bestimmteste, daß die Bischöfe auf dec letzten Fulraer Conferenz einmüthig be- schloffen haben, dem Centrum und vor allem seinen Führern den wärmsten Dank auszudrücken für die treue und mannhafte Vertheidigung der kirchlichen Rechte und Freiheit." Für die Form dieser Mit­theilung möchten wir keine Gewähr übernehmen; im Wesentlichen können wir sie nur bestätigen.

♦ Bre Slau, 31. Aug. Heute Morgen 8 Uhr celebritte Domkapitular Dc. Sorin)er ein feierliches Requiem in der Sandkirche für die ver­storbenen Mitglieder der kacholischen General-Ver­sammlungen. Nach einer Sitzung des AusschuffeS für Miffionen, die den Bonifatius-Verein betraf, begann um 11 Uhr die zweite geschloffene General-

Di- ,Fuldaer Setten* «scheint t»,lich, Sonn- und Feiertag, mitgenommen. Vierteljährlicher AbonnernerüSpreiS ohne Brinzerlohn und Bestellgeld 1 Ml. 50 Pfg., - mit der b-ll^iststchen Wochenbeilage .Sterne u«6 Blumen* in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

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Der Nombaumeister m Fulda.

Eine Geschichte ans Fulda's Vergangenheit.

(28. Fortsetzung.)

Dis langsame Wieoerhsrstellnnz des Banes wurde erst 1157 vollendet, wonach eine neue Weihe durch die Bischöfe Eberhard von Bamberg und Hermann von Werden erfolgte, welcher Kai­ser Friedrich!. Barbarossa unv viele Großen des Reiches beiwohnten.

Aber ein neues Unglück sollte die Stiftskirche 1286 treffen, es war ein verheerender Brand, der durch die Unvorsichtigkeit des Kirchendieners entstanden fein muß, da der Chronist von ihm sagt: „Derselbig, als er schlafen gelegen was, hat ein brennet wachßlicht an's Beth gekleubt, und entschlafen, davon das Beth angegangen und das Fewr entstanden." Im Jahre 1397 schlug der Blitz in die Kirche ein und zündete — ein Eieigniß, welches in Verbindung gebracht wurde mit der Aufhebung des Verbotes, wonach dem Frauenvolke der Zutritt in die Kirche untersagt, so daß selbst bei den Gemahlinnen deutscher Kaiser und Könige keine Ausnahme gemacht worden war. Da nun Papst Bonifatius IX. auf das Nachsu­chen des Abtes Johannes von Merlau ge­stattet hatte, daß die Frauen am 5. Juni 1397

Gemeinden in Posen und Westpreußen zu erhalten. Ein Antrag Jlge auf Empfehlung der Südsee- Missionen roirö ebenfalls von Windthorst warm befürwortet. Dis Kolonisation müsse durch die Mission unterstützt werden. Nach Heranziehung der protestantischen Baseler Missions-Gesellschast sei es nöthig, doppelt eifrig der katholischen Süd- see-M-ffion zu Hülfe zu kommen, um dort nicht überflügelt oder ausgeschlossen zu werden. — Heute Abend werden Landrath Janssen (Aachen), Graf Stolberg, Abgeordnete Hitze und Kaplan Stoeber (Wien) sprechen.

* Breslau, 1. September. Der Ausschuß für Soziales beschloß Reiolutionen betreffend die Sonntagsruhe, den Maximal-Arbeitstag, die Ein­schränkung der Frauen- und Kinder-Arbeit und betreffend die Erweiterung der JnnungSrechte. Die gestrige Abend-Sitzung (zweite öffentliche Ver­sammlung) war äußerst zahlreich besucht. Janssen (Aachen) empfahl Den Palästina < Verein und schilderte die Verhältnisse in Palästina, J)te Be­strebungen der Protestanten, der Engländer, Fran­zosen und Russen daselbst. Beschämend sei es für die Katholiken Deutschlands, in diesem Wettstreit zurückzustehen, obwohl sie verdienten, im Kampfe um Jerusalem Bannerträger der Kirche zu sein. Graf Slollberg-Linsen schilderte die Lage der katholischen Kirche in Amerika, welche eine große Zukunft habe. Abg. Hitze betonte die dominirende Bedeutung der sozialen Frage, welche von katho­lischer Seite bereits vor 20 Jahren erkannt worden sei. Redner schildert die Bestrebungen der ka ho- lischen Kirche und ihrer Vereine für die Lösung der Frage und empfahl insbefonder-e die Gründung katholischer Arbeiter-Vereine. Ec wies nach, wie nothwendig dieselben seien, wenn die katholischen Arbeiter nicht der Sozial-Demokratie anheimfallen sollten, und gab praktische Winke für die Grün- zum ersten Male das Grab des hl. Bonifatius besuchen durften, zwei Tage später aber der Brand ausbrach, so sah man, nach der Anschau­ung jener Zeit, darin nur eine Strafe für die freventliche Abweichung der bisher streng beobach­teten Disciplin.

Langsam erhob sich die Stiftskirche aus ihrer Zerstörung, ohne jedoch zu ihrer früheren Schön­heit wieder zu gelangen. Von dem einstigen Prachtbau war nur noch das Säulenwerk des Hauptschiffes und der östliche Chor erhalten, die Seitenwände der Basilika aber schienen des Schmuckes beraubt, denn die früher freistehenden Säulen, wa­ren nun in die Wandbekleidung eingeschlossen und V rdeckc.

So war die Hadarnar'sche Kirche in ihren For­men zwar verarmt, aber sie war doch in ihrem architektonischen Hauptstyle, nach Eintheilung und Grundlage, sich gleich geblieben — ein het­liches Muster des altchristlichen Basili- kenstyls — als Adalbert von Schleifras ihre Umgestaltung beschloß und zu deren Ausführung unseren Baumeister Johannes Dienzenhofer nach Fulda berief.

Leider hatte der Fürst, wie auch feine perrücken­tragenden Zeitgenossen, nicht den geringsten Be­griff davon, welch' ein prächtiges Denkmal mittel­alterlicher Baukunst die alte Stiftskirche war,

Versammlung im Saalbau des St. Vincenz-Hanses, düng solcher Vereine. Was Kolping für den katho' ■ - - - - - j lischen Gesellenstand erreicht habe, sei auch für

den katholischen Arbeiterstand möglich. Redner schloß: „Gott segne die christliche Arbeit!" Hitze's vortreffliche Rede wirkte zündend, und rief wahre Beifallsstürme hervor. Von anderer Seite wird noch über Hitze's Rede telegraphisch gemeldet: Redner machte u. a. den Vorschlag, den Auf­nahme-ikt in die Kirche zu verlegen und mit der ganzen Kultuspracht zu umgeben. Der Vorschlag wurde sympathisch ausgenommen. Seine Rede war die bedeutendste unt-.r den bisher gehaltenen. Wahrhaft dröhnender Beifall belohnte ihn am Schluffe. (K. V.)

Ausland.

* Wien, 1. Sept. Die in Troppau abgehaltene Versammlung der deutschen und österreichisch- ungarischen Bienenzüchter beschloß die nächstjährige Wanverversammlung in Stuttgart abznhaiten und wählte den Kronprinzen von Württemberg zum ersten Ehren-Präsiaenten.

* Wien, 1. Sept. Der .Neuen Fr. Presse' wird aus Bukarest gemeldet: Oberst Mutkurow ist mit den rumelischen Truppen gestern in Sofia eingerückt und glänzend empfangen worden. Des Fürsten Alexanders Emzug erfolgt Margen. Die Gerüchte über eine fortgesetzte Verschwörung gegen den Fürsten sind unwahr.

* Wien, 1. Sept. König Milan und Gara- schanin gehen Sonntag nach Gleichenberg. — Prinz Ludwig von Battenberg wurde in Sinaia vom König von Rumänien empfangen.

* Wien, 1. Sept. Eine Nachricht der .Agence Havas', welche die Entsagung des Fürsten Alexan­der in Aussicht stellt, wird in Diplomatie und Presse allseitig bezweifelt. — Nach Softaner Nach­richten wurde die Proklamation des Fürsten dort in den Straßen angeschlagen. Gestern ist Mut- kurow unter Musik dort mit drei ostrumelifchen Regimentern eingezogen. Gerüchtweise verlautet, Major Guger fei mit einem Theile der aufstän­dischen Truppen zuvor abmarschirt, in der Absicht dem Fürsten sich zu widersetzen. Für Karawelow's Zweideutigkeit liegen vermehrte Anzeichen vor. Die Meldung von der Verhaftung desselben scheint unrichtig. Die am Samstag bevorstehende An«