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Mittwoch, den 1. September

1886

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Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint tSalich, Venn« und Feiertag« ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgelds 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletrtstischen Wochenbeilage ,Sterne an6 Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Di« «inspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. August.

* Der Kaiser trifft am 8. September in Baden-Baden ein und begibt sich von dort zu den Manöoern des 15. Armeecorps nach Straßburg. Nicht Prinz Ludwig, sondern Prinz Leopold von Bayern wird den Kaiser nach Straßburg begleiten.

* Der Kronprinz stattete gestern dem Reichs­kanzler Fürsten Bismarck einen dreiviertelstündigen Besuch ab.

• Aus sicherster Quelle erfährt die .Post', das die Nachricht der .Köln. Ztg.' von der Mobil­machung der türkischen Armee unrich­tig ist.

* Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' sagt, die.Morning Post' beurtheile die Lage Europas völlig falsch, wenn sie die Ungewißheit und Besorgniß, wovon sie in ihrem gestrigen Artikel rede, in den bulga­rischen Berhältniffen suche. „Wir haben an Bul­garien gar kein Interesse, die Berhältniffe dort lasten uns gänzlich unberührt und wir würden deshalb keinen einzigen Soldaten unter Waffen halten. Die Nöthigung für unsere Rüstungen geht von Frankreich aus; unaufhörlich steigern die Fran­zosen ihre Kriegsmacht, jede französische Zeitung liefert den Beweis, wie rapide die französ. Streit­kräfte vermehrt werden, welche Finanzopfer man bringt, um die Schlagfertigkeit der Armee zu er­höhen. In England weiß man doch sehr wohl, daß Deutschland den Blick beständig nach dem Westen gerichtet halten muß, sollte also dort auch darüber nicht in Zweifel sein, daß lediglich Frank­reich für die Situation Mitteleuropas verantwort­lich ist. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dieser Situation und den bulgarischen Verhältnissen konstruiren, heißt sich mit den Thatsachen in Wider­spruch setzen."

* Giers hatte in Karlsbad eine Unterredung mit einem Zeitungs-Korrespondenten, dem er dem ,Berl. Tagebl.' zufolge mittheilte, daß Bismarck ihm von Gastein aus den Besuch in Franzensbad anbot und daß beide sich wahrscheinlich demnächst in Berlin treffen werden, da Giers Donnerstag oder Freitag über Berlin nach Petersburg reist. In Franzensbad seien positive Beschlüsse betreffs

Der Dombamueisttt von Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(27. Fortsetzung.)

„So, so — Carlo Fontana konnte freilich weiter bauen, nachdem ich erst ein so festes und solides Fundament gelegt," rief rasch der Obermeister aus, der noch immer nicht gut Wider­spruch ertragen gelernt hatte. „Ja, ja, die Grund­elemente verdankst Dn do nur mir," suhr er mit Selbstgefühl fort, „und Du weißt ja, daß Du halt erst ein tüchtiger Werkgesell werden mußtest, — wie's der Handwerksbrauch verlangt Johannes, — dann konnte auch Carlo Fontana Dich zum Meister machen."

Johannes schwieg lächelnd und ließ den Bruder den er nicht reizen wollte, bei seiner Ansicht be harren, da dieser ihm ja, wie er wußte, sein Glück und seinen Erfolg von Herzen gönnte. Auch die beiden anderen Brüder gaben ihm die herzlichsten Segens­wünsche mit in die neue Heimath, nur da» Eine bedauernd, daß sie nicht alle Viere wieder ver­einigt schaffen könnten.

Leonora die zwar noch nie aus Bamberg hinaus gekommen war, hatte sich freudig zur Abreise gerüstet; ja, wäre sie ihrem Gatten gefolgt bis ans äußerste Meer.

Bulgariens nicht gefaßt, sondern nur allgemeine i Prinzipien vereinbart worden. Deutschland, Oester- i reich und Rußland einigten sich, bis zur äußersten : Grenze Alles zu vermeiden, was den Frieden stören könnte. Wenn auch Kalnoky nicht anwesend i war, so habe Bismarck Oesterreichs Interessen nicht minder warm wie die deutschen vertreten. In Bulgarien sei noch Alles unklar und hänge von dem Gange der Ereignisse ab. Er kenne die neuen Entschließungen des Kaisers noch nicht. Das Petersburger Kabinet habe von der Revolution im Voraus nichts gewußt. Werde die Ordnung in Bulgarien aufrecht erhalten, so denke Rußland an keine Okkupation; es sei aber außer Stande, sich gänzlich von Bulgarien loszufagen. Sehr kritisch wäre es, wenn der Fürst von Bulgarien die Urheber des Staatsstreichs, die aus Anhäng­lichkeit an Rußland gehandelt, hinrichten laffen wollte. Das könne Rußland nicht unthätig dulden. Größere Schuld als der Fürst trage England, das ihn als Werkzeug seiner asiatischen Politik benutzte.

* Halle a. S., 31. Aug. Einer Darmstädter Nachricht der .Halleschen Zeitung' entnehmen wir die Mittheilung, ein Wiener Bankhaus habe dem Fürsten Alexander für die Rückkehr einen persön­lichen Kredit von 5 Millionen Gulden angeboten, falls er deffelben bedürfe.

• Darmstadt, 31. Aug. Offiziell wird mit- getheilt, Prinz Ludwig von Battenberg hat den Prinzen von Wales zuletzt in London gesehen.

* Darmstadt, 30. Aug. In hiesigen höheren militärischen Kreisen, welche über die Ansichten des Prinzen Alexander bezüglich seines Sohnes, des Fürsten von Bulgarien, gut informirt sind, wird folgende authentische Aeußerung erzählt, welche dem ritterlichen Sinne des Vaters zur höchsten Ehre gereicht. Hiernach hätte Prinz Alexander sich nämlich auf das Bestimmteste dahin ausge­sprochen: „Die Gebote der Vernunft und der ruhigen Ueberlegung müßten es zwar meinem Sohne nahe legen, die Rückreise nach Bulgarien zu meiden, allein die Gesetze der Ehre und seine Pflicht als Fürst und Soldat gebieten ihm, keiner­lei Gefahr, die ihn in Bulgarien erwartet, zu scheuen und sein Leben in die Schanze zu schlagen. Ich halte meinen Sohn für einen verlorenen

Aber als sie nun zum letzten Mal von der Terrasse auf die Stadt hinabschaute und, ihr Blick mit schmerz­licher Innigkeit auf einem wunderlichen Giebel­dachs, das hoch über seine Nachbarschaft sich er­hob, haften blieb, da brach ein heftiger Thränen- strom aus ihren Augen.

Ja, wenn sie nur einmal noch unter jenes Dach hätte treten dürfen, Abschied zu nehmen von seinen Bewohnern, die ihrem Herzen ja doch un­löslich durch die heiligsten Bande der Natur ver­knüpft waren! — So aber mußte sie, ohne dies fort; denn in unversöhnlichem Hasse und Groll beharrten dort die alten Judenleute, die sie ihre Eltern nannte; sie hatten nichts mehr für sie, als ihren Fluch. —

18. Kapitel.

Architekturwandlungen.

„Das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten, Und neues Leben blüht aus den Ruinen."

Schiller.

Johannes Dienzenhofer war mit Weib und Kind in Fulda eingetroffen und begann nun alsbald mit rastlosem Eifer Riffe und Baupläne zu ent­werfen. Bevor wir ihn jedoch weiter begleiten auf seinem Schicksalswege, müffen wir einmal einen Blick auf die altehrwürdige Stiftskirche selbst und ihre Geschichte werfen.

Der Ursprung derselben datirt von dem Jahre

Mann, wenn er wieder zurückkehrt und doch rath6 ich ihm selbst, dahin zu gehen, wohin ihn fein6 Pflicht ruft." (C. Z.)

* Breslau, 31. August. In der gestrigen ersten öffentlichen Versammlung beklagte Weihbischof Dr. Gleich u. a. die Behinderung der Ordens- thätigkeit. Windthorst hielt eine kurze Ansprache, behielt sich aber für später eine deutliche Besprech­ung der kirchen-politischen Situation vor, was sehr nothwendig sei, „damit wir wiffen wo wir sind, und damit wir nicht glauben, wir wären weiter als wir sind." Nichts sei gefährlicher als Illu­sionen. — Bei der gestrigen ersten öffentlichen General-Versammlung war der Saal überfüllt. Präsident Frhr. v. Heeremann eröffnete die Be­grüßungsrede mit dem katholischen Gruße, welcher zugleich der Inbegriff des katholischen Lebens und Strebens fei: Gottes Ehre suchen als treue Kinder der Kirche. Die Kirche bedarf der Freiheit, ihre Lehre verkünden, die Sakramente spenden zu können; sie bedarf des Rechtes der Ausbildung und An­stellung der Geistlichen und der Ordensbildung. Alle Orden müffen zurück, auch die Jesuiten. (Beifall.) Wenn die Katholiken den Grundsätzen der Kirche folgen, dann ist das ein Segen für uns, für die Kirche und den Staat. Für den christ­lichen Staat eintreten, ist patriotischer als Phrasen machen. Weihbischof Dr. Gleich begrüßt die Ver­sammlung statt des erkrankten Fürstbischofs. Redner hebt die Einmüthigkeit und Friedfertigkeit der Ver­sammlung hervor und spendet ihr den bischöflichen Segen. Miffionar Götte spricht über die Mission in China, und bittet um Unterstützung und Verbreitung des Kindheit-Jesu-Vereins. Pater Franz spricht über die Trappisten-Miffion in Maryan- Hill (Zululand). (K. V.)

* Breslau, 31. Aug. Excellenz Windthorst ist allenthalben, wo er sich nur zeigt, Gegenstand des größten Jubels. Gestern Abend in öffent­licher Generalversammlung wurde er in demon­strativster Weise gefeiert, ebenso in der heutigen geschlossenen Versammlung. In der heute Abend stattfindenden zweiten öffentlichen Generalversamm­lung werden sprechen: Landrath Janssen, Graf Leopold Stolberg, Abgeordneter Hitze und Pater Stoeber aus Wien.

— Auf die Adresse des Localcomits's der Bres«

744 an, wo St. Sturmius in die tiefgrüne Wald­einsamkeit das Zeichen der Erlösung gepflanzt. Zwei Monate später langte der heilige Bonifatius an jener Stätte mit einer Anzahl Werkleuten an, welche nun an die Stelle des aus Holzstämmen zusammengefügten Kreuzes eine notdürftige Kirche und ein Kloster bauten, deren erster Altar dem göttlichen Heilande geweiht wurde. Es war der ausdrückliche Wunsch des heiligen Bonifatius, hier seine letzte Ruhestätte zu finden, wie er dies in einem Schreiben an seinen Schüler Lullus ausge­sprochen: „Vollende den Bau der an der Fulda bereits begonnenen Kirche und führe dorthin mei­nen durch vieler Jahre Lauf gealterten Körper."

Als dann der erhabene Glaubensapostel am 5. Juni 755 durch die heidnischen Friesen bei Dockum seinen glorreichen Martyrtod gefunden hatte, da wurde fein Leichnam mit vielen Schwierigkeiten nach Fulda gebracht und an der erwählten Stelle beigesetzt.

Der heil. Sturmius, der erste Abt des Fuldai- fchen Klosters, sorgte nun für eine würdige Aus­stattung der Grabstätte, indem er einen Altar darüber errichtete, der mit einem auf Säulen ruhenden, kunstvoll aus Gold und Silber gearbei­teten Ueberbau versehen war. Auch erweiterte er die Kirche und ersetzte die Wände durch Säulen, und als im Jahre 779 dieser Heilige fein thaten.