197.
Dienstag, den 31, August
1886
Fuldaer
— mit der
Die ,Fuldaer gtihutg' erscheint täglich, Sonn» und Feiertage aulgenommen. Bierteljährlicher Abonnsrnentspreis ohne aringeriogn uno «enew beüetristtschen Bochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
MM" Für den Monat September werden Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ von allen Postanstalten, Landbriefträgern und für Fulda von der Expedition zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld) angenommen.
UHM Die bis jetzt erschienenen Fortsetzungen des Feuilletons „Der D o m- b a u m e i st e r von F u l d a " werden auf Verlangen nachgeliefert.
Deutsches Aeich.
Berlin, 30. August.
* Der Kaiser und die Kaiserin übersiedeln morgen Vormittag von Schloß Babelsberg nach Berlin und nehmen bis zur Abreise des Kaisers nach Straßburg und Metz zur Beiwohnung der großen Manöver des fünfzehnten Armeccorps im Königlichen Palais Wohnung.
* Der König von Portugal hat sich gestern Abend von den Majestäten verabschiedet und ist heute Nachmittag von Berlin nach Dresden abgereist. Der Kronprinz gab dem Könige bis zum Bahnhofe das Geleit.
* Der Kronprinz stattete am Sonnabend dem Reichskanzler einen Besuch ab. Gestern erstattete Fürst Bismarck dem Kaiser Vortrag auf Babelsberg.
* Prinz Ludwig von Bayern wird den Kaiser ebenfalls zu den Manövern des fünfzehnten Armeecorps nach Straßburg und Metz begleiten.
* Der Regierungspräsident von Königsberg hat auf Grund des Sozialistengesetzes die dortselbst bestehende Kommisiion der Tischler, sowie die durch dieselbe geleitete Verbindung der in den dortigen Werkstätten beschäftigten Tischlergesellen verboten.
* Der Kaiser hat bestimmt, daß zu denFest- lichkeiten in Ofen, welche am 1. und 2. September stattfinden sollen, sich eine militärische Deputation bestehend aus: dem Generallieutenant von Schlichting, Kommandeur der 1. Garde-Infanteriedivision, dem Oberst von Etzdorff, Kommandeur des Grenadicrregiments Kronprinz (1.
Der Aombaumristkr von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(26. Fortsetzung.) Siebzehntes Kapitel.
Die Heimkehr.
„Ein Wandersmann mit dem Stab in der Hand
Kommt wieder heim aus dem fremden Land."
I. N. Vogl.
Mehrere Tage waren Johannes Dienzenhofer in Hoffnung und Erwartung dahin gegangen, da wurde er eines Morgens wieder in das Schloß beschieden, um die Entscheidung seines Schicksales zu vernehmen.
Und diese sollte seinen heißen Wunsch krönen. Mit gnädigst-r Huld überreichte ihm der Fürstabt das Decret, laut welchem er zum fürstlich fuldaischen Hofbaumcister bestallt war mit einem Jahresgehalt von dreihundert Gulden an Geld, sieben Malter Korn, vier Malter Weizen, ein und einem halben Fuder Bier, neun Eimern Wein, acht Klaftern Ho'z und freier Wohnung.
Run aber duldete cs den glücklichen Mann keinen Tag länger in Fulda. Mit stürmischer Unruhe drängte es ihn fort, um Weib und Kind zu holen und endlich, endlich mit düsen für immer vereint zu bleiben. Es bäuchte ihm jetzt fast unbegreiflich, \
Ostpreußischen) Nr. 1, dem Oberst Freiherrn von Schleinitz, Kommandeur des Leib-Kürassierregiments (Schlesischen) Nr. 1, dem Hauptmann v. Kalckstein vom Kaiser Alcxander-Garde-Grenadier- Regiment Nr. 1. und dem Rittmeister Grafen zu Dohna I. vom 1. Garde-Dragoner-Regiment nach Ofen begebe. Die genannten zwei Obersten sind die Kommandeure der beiden noch in derselben Formation bestehenden Regimenter, welche im Jahre 1686 mit den Verbündeten gefochten haben; die beiden anderen Offiziere tragen Namen die sich vor Ofen jener Zeit besonders guten Klang erworben haben.
* Breslau, 30. August. Die General-Versammlung derKatholiken Deutschlands wurde gestern Abend durch eine Begrüßungsfeier im Vincenzhause eingeleitet. Vorher fand ein Garten-Concert statt. Der Präsident des Lokal-Komitss, Graf Ballestrem, hielt die Begrüßungsrede. Außer ihm sprachen Propst Nacke (Soest) als Vertreter Westfalens, Kofler für Baürn, Gerber für Baden, Lingens für das Rheinland, Stoeber für Oesterreich.
— Bis jetzt sind 1100 Vollkarten für Mitglieder und zahlreiche Theilnehmerkarten ausgegeben worden. Fortwährend strömen noch neue Theilnehmer zu. Die Stimmung ist vorzüglich, der Saal am gestrigen Begrüßungsabend war erdrückend voll, die Begeisterung wuchs bis zur stürmischen Ovation, als Lingens die Rückberufung der. Jesuiten forderte. Heute wurde das Pont'fi- calamt im hohen Dome vom Herrn Weihbischof celebrirt. Die Versammlung begab sich in geschloffenem Zuge nach dem Vincenzhause, woselbst die erste geschloffene Versammlung stattfand. Es gelangte zur Verlesung das innig gehaltene päpstliche Breve und verschiedene Schreiben von Bischöfen, unter denen sich das vom Erzbischof von Köln durch energische und entschiedene Sprache auszeichnet. Zum Präsidenten wurde Freiherr v. Heeremann gewählt, zu Vicepräsidenten Landrath Janffen und Abgeordneter Schmidt-Amberg, zu Schriftführern Abg. Porsch, Professor Schindler-Leitmeritz, Rechtsanwalt Foesser-Frankfult und Landrichter Krebs- Liebstadt, Ostpreußen. Heute Abend werden sprechen : Weihbischos Gleich, Pater Goethe, Miffionar in China und Pater Stoehar-Wien.
* Breslau, 29. Ang. Bei schönstem Wetter
daß er die Seinen so lange hatte entbehren können, und jede Stunde länger ohne sie, erschien ihm wie ein Raub an seinem Lebensglück.
Und so zog er denn, getrieben von der feurigsten Sehnsucht, ohne Rast und Ruhe Bamberg zu, bis er endlich reine geliebte Vaterstadt, bekrönt vom Kloster St. Michael, auf ihrem wohlbekannten Hügel im Abendlichte aufragen sah.
Die Aveglocken läuteten gerade feierlich, als er durch das Stadtthor einzog; sein Herz schien ihm zu schwellen, da er die vertrauten Klänge hörte, es war ihm, als ob er niederknieen und den Boden küffen muffe.
Doch ohne Zaudern ging es mit doppelt verstärkten Schritten übir die Regnitzbrücke und dann weiter die alten holperigen Gaffen und Wege entlang, welche immer steiler werdend, die Höhe hinanführten.
Jetzt aber stand er minutenlang still, er mußte sein übermächtig klopfendes Herz erst be- ruhigen — vor ihm lag ein schmuckes, kleines Winzerhäuschen, anmuthig und freundlich aus grünem Rebenkranze blickend, und in treuer Hut von vier breitblätterigen Wallnußbäumen.
Leise öffnete er das Gaitenpförtchen und m;t fast ängstlicher Scheu betrat er nun die S'ätte seines einstigen Glückes.
ist der Andrang zur General-Versammlung schon fitzt ein ungeheuerer, und wenn es so sortgcht, werden die prächtig geschmückten Räume des neuen Saalbaues des Vincenzhauses und des Schießwerder trotz ihrer sehr behäbigen Dimensionen nicht ausreichen. Die heute ausgegebene Nr. 1 des .Tageblatt', welche den Bericht des Kom- miffars Fürsten Löwenstein, Programm, Geschäfts-, ordnung, Anträge und Fremdenführer enthält, bringt eine erste Präsenzliste mit nicht weniger als 745 Mitgliedern. Bereits anwesend oder angekündigt sind die Herren Prinz Aremberg, Graf Ballestrem, Cahensly, Eonrad, Evers, Franz, v. Gliszcynski (Berlin), v. Gliszcynski (Bunzlau), Hartmann, Hauptmann, v. Heereman, Graf Lazy Henckel v. Donnersmarck, Heffe, Graf v. Hompesch, Horn, v. Huene, Janffen, v. Kehler, Krebs (Köln), Krebs (Liebstadt), Maiß, Graf Victor Matuschka, v. Monschaw, Münzer, Peters, Porsch, Graf Praschma, Rintelen, v. Schalscha (Frohnau), Schmidt (Amberg), Graf Strachwitz, Windthorst, Zaruba, also schon jetzt über dreißig. In Menge erscheint der schlesische und sonstige deutsche Mel, so das Herrenhausmitglied Fürst Gebhard Blücher von Wahlstadt, drei Grafen Blücher, die Grafen v. Hoverden-Plencken, Petrus Hoverden, Franz Matuschka, Matuschka (Bechau), Johannes Praschma, Leopold Saurma, Konrad Ballestrem, sechs Grafen Stolberg, zwei Grasen Bocholtz-Affeburg, Graf Paul Galem.
* Breslau, 30. Aug. Windthorst trifft heute Mittag hier ein. Die gestrige Begrüßungsfeier war nur von kurzer Dauer; daran schloß sich ein prächtiges Gartenfest. Auch Abgeordnete aus Rheinland und Westfalen find anwesend, welche lebhaft von ihr.n schlesischen Kollegen begrüßt wurden. (K. Vztg.)
Ausland.
* Wien, 30. Aug. Ein großer Eisenbahn« Unfall ereignete sich gestern Abend 8V4 Uhr nächst der Sünbahnstation Mödling. Mit dem Lokalzug, welcher 500 Meter vor der Station Mödling stehen blieb, weil der Bahnkörper in Mödling nicht frei war, stieß der 5 Minuten später von Vöslau abgelaffene Nachttrain zusammen. Der Lokomotivführer des zweiten Zuges hatte zu spät
Er blickte sich um: Alles war noch unverändert wie ehedem. —
Aber dort unter der Akazie, wo er so oft mit Leonoren gesessen, da kniete jetzt ein kleiner Knabe und setzte mit jenem ernsten Eifer, welchen sinnige Kinder beim Spiel entfalten, Holzklötzchen und Steine am Boden zusammen.
Der starke Mann zitterte vor Bewegung. Sollte das sein Kind, sein kleiner Heinrich fein? —
Langsam trat er näher, da wandte der Kleine, von den nahenden Schritten aufgeschrcckt, plötzlich sein Köpfchen herum, und ein Paar dunkle Augen blickten staunend ihm entgegen.
Aber diese Augen mußten ja jeden Zweifel Niederschlagen, — das waren ganz und gar die Augensterne Leonoren's.
„Heinrich!" rief er leise und seine Stimme bebte seltsam.
Der kleine Bursche aber stellte sich mit fast drohendem Ausdruck ihm entgegen. „Was willst Du hier, du fremder Mann? Ich kenne dich nicht, das ist unser Garten", sagte er, wie wenn er im vollen Bewußtsein seines Besitzrechtes keinen unberufenen Eindringling dulden werde.
„Ich will dir bei deiner Arbeit helfen, du laust wohl ein Haus?" fragte Dienzenhofcr mit schwankender Stimme.
/Jkin, eine Kirche," erwiderte der Kleine mit