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JV 193.

Donnerstag, den 26 August

Fuldaer H

1886

l„ — mit der

ie Fuldaer Zeitung" erscheint tSglich. Sonn» und Feiertag« ausgenommen. Merteljährlicher Abonnementspreis o belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserat«: Di« einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

3KF* Für den Monat September wer­den Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ von allen Postanstalten, Land­briefträgern und für Fulda rzon der Expe­dition zum Preise von 50 Pfg. (ohne Be­stellgeld) angenommen.

Die bis jetzt erschienenen Fort­setzungen des Feuilletons „Der D o m- baumeister von Fulda" werden auf Verlangen nachgeliefert.

** Aus Bulgarien.

In Bulgarien ist eine Gegenrevolution ausgebrochen, die fast ebenso rasche Erfolge auf» zuweisen hat, als der Putsch, welcher in der Ab» setzung des Fürsten Alexander gipfelte. Wir haben von vornherein nicht angenommen, daß die bul­garische Bevölkerung als solche in dem Maße aller Loyalität baar wäre, daß sie den Fürsten, den sie jüngst noch zweifellose Kundgebungen von Anhäng­lichkeit und Liebe dargebracht, nun plötzlich fallen lassen sollte. Die bulgarische Bevölkerung hat ihren Fürsten nicht fallen laffen, wie sie es im Augenblicke beweist, daß sie sich zu Gunsten des­selben aller Orten erhebt. Der ganze Putsch war ein fein angelegtes Jntriguenspiel. Die Bevölke­rung wurde absichtlich betrogen, indem man einmal vorgab, die Verhaftung des Fürsten Alexander sei bei einer Truppenrevue in Widdin erfolgt und zum Andern mit dem Namen des Ministers Kara- weloff Fälschung trieb. Karaweloff hat seinen An- theil an der Vergewaltigung des Fürsten und die Widdiner Garnison ist ihrem Fürsten in besonderer Treue zugethan, denn sie gehörte ja zu den ersten, von denen bekannt wurde, daß sie sich zu Gunsten des Fürsten erklärt hatte. Auch insofern waren die ersten Berichte über die Absetzung des Fürsten falsch als darnach alles friedlich abgegangen sein soll. Das ist nicht der Fall. Es hat Kämpfe ge­geben, man kann nicht einmal annehmen, daß sich in Bulgarien zwei etwa gleichstarke Parteien gegen­überstehen, wovon die eine dem Fürsten günstig ist, die andere seine Absetzung für nöthig hält. Die

letztere Partei schrumpft auf ein kleines Häuflein zu­sammen, aber sie besitzt freilich Machtmittel, wie sie die andere nicht aufzuweisen hat: russisches Geld und eventuell eine russische Armee zur Rückendeckung. Aber die Mehrheit hat über diese Machtmittel gesiegt. Das provisorische Ministerium ist gestürzt, der Metropolit Clement, der Major Gruew und Zan- kow sind in Gewahrsam gebracht, das frühere Ministerium Karawelow ist wieder eingesetzt. Das Militär, welches durch die Meldung von der frei­willigen Abdankung des Fürsten und durch die von der provisorischen Regierung erlassene Pro­klamation zu dem Eide für die provisorische Re­gierung veranlaßt worden war, ist ebenso wie die Bevölkerung im höchsten Maße erbittert und weist jede neue Regierung zurück. Es sollen Deputa­tionen nach Bukarest, Wien, Berlin und Darm­stadt abgehen, um da, wo sie den Fürsten Alexan­der treffen, denselben der Treue und Anhänglich­keit der Bevölkerung und des Militärs zu ver- sichern und zur Rückkehr zu bewegen. In der russischen Preffe wird bereits eine russische Inter­vention in Bulgarien in Aussicht gestellt und zwar mit der Begründung, daß dortselbst die Anarchie ausgebrochen sei. Rur eine russische Intervention könne einer weiteren Verbreitung der Bewegung über die ganze Balkanhalbinsel vorbeugen. Auch in England macht man sich bereits mit der Even­tualität einer Intervention Rußlands vertraut. Die Londoner .Times' meint, Rußland scheine in einer Weise zu Werke gegangen zu sein, die den Bürgerkrieg in Bulgarien unvermeidlich und frucht­los mache, damit ein Vorwand für eine Inter­vention Rußlands in Bulgarien geliefert werde. Uebrigens werden die ausgesandten bulgarischen Deputationen zur Zurückführung des Fürsten schwer­lich zum Ziele gelangen, denn wie aus Bukarest gemeldet wird, ist Fürst Alexander gestern Nach­mittag in Reni staatsgefangen an Rußland aus­geliefert worden.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. August.

* Das Programm für die Anwesenheit des Königs Dom Luiz von Portugal, welcher

Der Dombaumcister van Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(21. Fortsetzung.)

Wie gefesselt blieb er hier stehen, vor seinen Blicken entrollte sich ein überraschend schönes Ge­mälde. In manigfaltigem Formenwechsel und überhaucht vom schmelzenden Farbenzauber der abendlichen Beleuchtung drängte sich Bergeskuppe an Bergeskuppe harmonisch zu einem wunderbaren Ganzen zusammen — einer großartigen Gebirgs­landschaft, der gegenüber die im Grunde ruhence Stadt fast ohne B-achtung blieb. In blaue Dämme­rung gehüllt lag die letztere da und hob ihre Thürme still gen Himmel; nur die Hügel, welche sie rings in malerischem Kranze umzogen, bannten noch den Abendsonnenschein an ihre Gipfel und ließen die bekrönenden Kirchen und Probsteige­gebäude weithin leuchtend schimmern.

Johannes Dienzenhofer aber zog den Hut, als wolle er der friedlichen Stadt da unten einen stummen Gruß zuwinken, dann setzte er die Füße wieder in Bewegung. Er war jedoch noch nicht . weit geschritten, als er plötzlich näher kommende Schritte hinter sich vernahm; sich umwendend, er­blickte er einen Mann, welcher Sandalen an den Füßen und das braune Ordenskleid der Franzis­kaner trug.

„Mit Verlaub, ehrwürdiger Pater," sagte Dienzenhofer, ehrerbietig grüßend, als der Mönch an ihn herangekommen, „ich wollte nach Fulda und bin ganz fremd hier, vielleicht geht Ihr den­selben Weg."

„Gewiß, gewiß," nickte der freundliche kleine Mönch, der schon über die mittleren Lebensjahre hinaus war, „da können wir zusammengehen, in Gesellschaft verkürzt sich der Weg. Aber habt Ihr Euch denn auch ein bischen die Aussicht hier be­trachtet ?"

„Ich habe sie mit Entzücken genoffen," versetzte Dienzenhofer lebhaft; „sie ist wunderschön. Ich bin zwar weit herumgekommen und habe Gegenden gesehen, denen man den höchsten landschaftlichen Reiz nachrühmt, aber wahrhaftig, hier ist ein Bild, das nicht zurückzutreten braucht."

„Gelt, das kann sich sehen laffen?" schmunzelte der Mönch. „Ja, die Ausspann, wie wir die Höhe nennen, weil hier die vorgespannten Pferde an den Frachtwagen abgeschirrt werden, ist auch einer unserer schönsten Aussichtspunkte. Ich komme ziemlich oft herauf, aber jedesmal, wenn ich von hier aus unsere prächtigen Rhönberge da drüben sehe, schwillt mir das Herz und ich bin stolz ein Kind dieses Landes zu sein, das unser Herrgott so herrlich geschaffen hat." Sein auf« leuchtender Blick umspannte dabei das vom Abend­sonnenstrahl rosig angeglühte Gebirgsbild.

morgen aus Stockholm hier eintrifft, ist wie folg* aufgestellt: Der König wird von dem Kaiser und sämmtlichen königlichen Prinzen bei der Ankunft auf dem Bahnhofe begrüßt und in's königliche Schloß geleitet, woselbst er beim Eintritt in die für ihn bereit gehaltenen Gemächer von der Kai­serin bewillkommnet wird. Später findet bei den Majestäten im königlichen Palais engere Familien­tafel und für das Gefolge im Schlosse Marschalls­tafel statt. Für Freitag ist ein größeres Diner auf Schloß Babelsberg in Aussicht genommen, worauf dann eine Umfahrt durch die königlichen Gärten folgen soll. Am Sonnabend findet dem hohen Gaste zu Ehren eine Hosjagd im Wildpark bei Potsdam und nach Beendigung derselben ein Diner bei dem Kronprinzen im neuen Palais statt.

* Die preußische Regierung hat folgen» den Privatbahn-Gesellschaften für die Ab­tretung ihrer Unternehmungen an den Staat An­gebote gemacht: 1) der Berlin-Dresdener, 2) der Nordhausen-Erfurter, 3) der Oberlausitzer, 4) der Dortmund-Gronau-Enscheder, 5) der Aachen-Jü- licher, 6) der Angermünde-Schwedter, 7) der Ost­preußischen Südbahn und 8) der Marienburg- Mlawkaer Eisenbahngesellschaft.

* Der in Neuß a. Nh. domilicirte Priester­verein zur Unterstützung schwer erkrank­ter Priester für Rheinland und Westfalen, Naffau und Hannover dehnt sich immer mehr aus. Die meisten Mitglieder zählt derselbe in der Diöcese Köln; Trier steht fast nicht nach, ebenso nimmt Paderborn regen Antheil und besonders haben sich die Priester der Diaspora angeschlossen, auch Lim­burg betheiligt sich recht fleißig und Münster in einzelnen Bezirken. Der Verein zählt jetzt über 500 Mitglieder. Er zahlt seine Unterstützung nicht als Almosen, sondern als Ansprüche. Für kleinere Erkrankungen bis zu 14 Tagen zahlt er nichts. Für schwerere Krankheiten erfolgen die Auszah­lungen vom ersten Tage an; er will helfen, wo die Hilfe am nöthigsten ist und zahlt dann pro Tag der Erkrankung 3 Mark. Seit dem 1. Juli zahlen die Neueintretenden zehn Mark Eintritts­geld — neugeweihte Priester brauchen daffelbe nicht zu zahlen — und zehn Mark Jahresbeitrag. Dieser Jahresbeitrag wäre viel zu gering, wenn

„Und was sind das für Höhen, ehrwürdiger Pater, die mit ihren Kirchenkronen so symmetrisch wie ausgestellte Wachen um die im Flußthale ruhende Stadt sich gruppiren? Sie bringen eine wunderbare Harmonie im landschaftlichen Aufbau hervor."

„Das sind alles Niederlaffungen der Söhne des heil. Benedikt, und nicht allein im Aeußeren Har­moniken sie so schön; — das hat noch einen sinnvollen innern Zusammenhang. Sehet, im Norden der Berg, der so friedlich und schön her­niedergrüßt, ist der hl. Jungfrau geweiht, südwärts davon, was wie ein Schmuckkästlein gerade vor uns liegt, ist der des jungfräulichen Lieblings­jüngers; im Osten jener stattliche Kegel gehört dem Apostelfürsten Petrus; er blickt über die Stadt hin gen Westen, wo jenseits des Flußufers Kirche und Kloster zum Apostel Andreas sich erheben. Das Hauptkloster zum Welterlöser aber liegt in­mitten dieser Umgebung, deren bedeutungsvollen Sinn uns der Abt Richard *) erschlossen hat: „Salvator in medio; Virgo respicit Virginem, Frater Fratrem!“

„Das ist eine schöne und sinnige Deutung," sagte Johannes Dienzenhofer, der aufmerksam zu- gehört hatte. „Und Ihr könnt mit Recht stolz auf

*) Abt Richard erbaute im Jahre 1021—1023 das Kloster Andreasberg (Neuenberg) bei Fulda.