1886
Mittwoch, den 25» August
J\® 192.
Fulduer
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NEK" Die bis jetzt erschienenen Fortsetzungen des Feuilletons „Der Dombau m e i st e r von Fulda" werden aus Verlangen nachgeliesert.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. August.
* Der Kaiser verlieh dem französischen Botschafter Courcel die Insignien des Schwarzen Adlerordens.
* Der König von Portugal trifft am Donnerstag Mittag 1 Uhr in Berlin ein woselbst er auf dem Lehrter Bahnhofe von S. M. dem Kaiser empfangen wird.
* Die unter dem Einfluß der ersten offiziösen Auslastungen über die Ereigniste in Bulgarie'n hier entstandene ziemlich optimistische Auffassung fängt an» einer etwas bedenklicheren zu weichen. Der naheliegende Gedanke, daß die Nachgiebigkeit gegen die rustische Politik ernste Verwicklungen nur verzögern, nicht aber auf die Dauer beseitigen könne, kommt in den Blättern stärker zum Ausdruck. Zu der Aeußerung der ,Nordd. Allg. Ztg.', daß deutsche Interessen durch die Aenderung in Bulgarien nicht berührt werden, bemerkt die .Germania', es sei dies eine jener starken Behauptungen, an deren Wahrheit Fürst Bismarck wohl selbst nicht glaube, die aber von ihm in die Welt gesetzt würden, weil er sie für nöthig erachte. Daneben kommen in den hiesigen Blättern die Bedenken zum Ausdruck, welch' unberechenbare Verwicklungen bevorstehen, falls sich in Bulgarien ein Theil der Bevölkerung für den abgesetzten Fürsten erhebe. Diese Eventualität ist durch die letzten Depeschen schon so gut wie gewiß geworden. Beruhigend wirkt, daß jetzt von verschiedenen Seiten
Der vombaumerster von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(20. Fortsetzung.)
„Alle guten Geister!" schrie Base Annjoseph entsetzt, wie wenn eine Spuckgestalt vor ihren Blick getreten sei, aber als sie sich überzeugt hatte, daß dies wirklich und leibhaftig der Hausherr, der da triefend von Regen im Zimmer stand, da war es, als ob der sonst so redseligen Zunge die Worte ausgegangen, ihr freudiges Erstaunen auszudrücken. Mühsam und stammelnd nur brachte sie hervor: „Heiliger Sanct Bonifatius, was seid Ihr so naß geworden, Herr Vetter!"
Tilchen aber, deffen natürliche Lebhaftigkeit mit einem Male wieder hervorbrach, hatte ihm bereits den durchnäßten, regenschweren Mantel abgenommen, dann zog es den tiefgerührten alten Herrn zum bequemen Lehnseffel, wo cs neben ihm niederkniete seine welken, abgemagerten Hände immerfort mit Küssen bedeckte und dabei durch Thränen lächelnd rief: „Mein liebes, gutes Väterchen, haben wir Dich endlich, endlich wieder! Ach, was waren das für bange, schwere Tage! Aber nicht wahr, nun bleibst Du immer wieder bei uns, denn die bösen Menschen, die Dich in das Gefänqniß gesetzt, haben Dich doch wieder frei laffen müssen!"
als sicher gemeldet wird, Fürst Bismarck werde noch im Laufe dieser Woche in Franzensbad mit Giers Zusammentreffen. Daß die Türkei nichts ohne vorheriges Einvernehmen mit den Mächten unternehmen wird, entspricht so sehr der Lage, daß es der besonderen Versicherungen, die in dieser Beziehung aus Wien telegraphirt werden, nicht erst bedurfte.
* Die Commision zur Ausarbeitung des Entwurfs eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs hat heute ihre erste gemeinsame Sitzung nach den Ferien abgehalten.
* Einige Blätter drucken der Wiener ,N. Fr. Pr.' die Neuigkeit ab, der Bischof von Fulda habe dem Papst einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Bischofsconferenz erstattet und das päpstliche Placet für die Beschlüsse erbeten. Man scheint dabei za übersehen, daß der Erzbischof von Köln Vorsitzender der Con- ferenz gewesen ist und daß auch der Erzbischof von Köln cs war, der im vorigen Jahre den in Fulda beschlossenen Hirtenbrief zuerst der Ocffent- lichkeit übergab und zwar durch die »Köln. Vztg.'. — Mit bitterer Ironie spottet die .Franks. Ztg.' über den so schnell zu Ende gegangenen „Tages- ordnungs"-Lärm der kulturkämpferischen Preffe. Sie schreibt: „Von der Vermahnung der Bischöfe an die klerikale Presse ist es nach dem Laurentiusschwarm Fuldaer Drahtschnupper ganz stille geworden; Niemand spricht mehr davon, und nur das ungeprüfte Genie in Karlsruhe glaubt noch daran. Nun kommt aber auch noch das .Echo der Gegenwart', ein ultramontanes Organ schärfster Tonart und berichtet, der Erzbischof von Köln habe in jüngster Zeit Vertretern der katholischen Preffe die „Ermunterung" zukommen laffen: in Vertheidigung der Rechte der Kirche und des katholischen Volkes in dem seitherigen Geiste unbeirrt fortzufahren. — Die .Germania' erinnert mit Recht an den im vorigen Jahre von Fulda ausgegangenen herrlichen Hirtenbrief voll des Lobes für Geistliche und Laien, welche Wochen lang als „Revolutionäre" gegen die Bischöfe vcn den Kulturkämpfern beschimpft worden waren, und das Verbot, unter Versagung der Priesterweihe, die staatsgesetzlich vorgeschriebenen Zeugniffe u. s. w. einzuholen, wie sie der Paderborner Erlaß hatte
„Ja, nun bleibe ich wieder bei Euch," sagte der alte Herr mit Thränen in den Augen, indem er sein geliebtes Kind bewegt an sich zog. „Es hat sich Alles jetzt aufgeklärt, denn Alles war nur ein schwerer, verhängnißooller Jrrthum."
„Was — ein Jrrthum?" rief jetzt Base Annjoseph mit geröthetem Angesichte dazwischen, und sie stemmte die Arme in die Seiten. „Ein Jrrthum war das? Und da sperrt man einen Mann, der die Redlichkeit selber und noch dazu Kammmerrath ist, fünf Tage lang in die Harnischkammer! Und das verwünschte Geld, Gott verzeih' mir die Sünde, wollte sagen das unschuldige Geld hat sich jetzt vorgefunden?,,
„Es ist Alles in Ordnung — danken wir Gott für seine Barmherzigkeit," sagte er sanft und ruhig. „Später will ich Euch Alles erzählen."
„Ja, Väterchen ein andermal — jetzt ruhe Dich nur aus, Du wirst gewiß recht müde sein!"
Base Annjoseph aber erschrak den mit einem Male fiel ihr ein, daß sie ja ganz ihre Pflichten vergessen habe.
„Ach, Herr Vetter, Ihr müßt jetzt rasch etwas essen. Ja, Trlchen, das verstehst Du nicht," eiferte sie lebhaft, „wenn man fünf Tage von Hause weg war und in einer dumpfen Kerkerzelle gesessen hat, und noch dazu unschuldig darin gesessen hat, da
vorschreiben wollen. Sie erinnert an die gleich nachher unter den Augen dreier Bischöfe tagende gewaltige Katholikenversammlung in Münster, an die folgenden für das Centrum so ausgezeichneten Landtagswahlen und an das erste wirkliche Friedensgesetz, welches u. A. von staatlichen Forderungen, welche der Paderborner Erlaß habe erlauben wollen, vollständig Abstand nahm.
** Der Kongreß der deutschen Schneidermeister, welcher dieser Tage in Leipzig tagte, nahm eine Resolution an, wonach in die Jnnungsstatuten eine Bestimmung dahin gehend ausgenommen werden soll, daß nur gelernten Schneidern die Aufnahme in die einzelne Innung gestattet werde. Auch sollen die Schneider-Lehranstalten ersucht werden, nur gelernte Schneider als Schüler aufzunehmen. Endlich wurde eine Resolution zu Gunsten der Einführung des Befähigungsnachweises angenommen und die Einführung von einheitlichen Gesellen-Legitimationen, Meisterbriefen, Lehrbriefen und Lehrverträgen beschlossen.
Ausland.
* Rom, 23. Aug. Der hl. Vater hat gestern seinen Namenstag gefeiert. Freudig bewegt schlagen demselben die Herzen der Katholiken der ganzen Welt entgegen und verehren in ihm den zärtlichen Vater der Christenheit, den weisesten Hirten seiner Heerde, den erhabensten der Monarchen der Welt. Möge die weise Regierung des Papstes, welche besonders auf socialem Gebiet die Schäden der Gesellschaft zu heilen bemüht ist und die Grundlagen derselben durch Einpflanzung des christlichen Geistes in das Familienleben neu zu befestigen sucht, zum Heile der gesummten Christenheit noch lange Jahre ihre segensreiche Früchte tragen.
* Rom, 24. Aug. Der Papst empfing ein werthvolles Bild als Geschenk zum Namenstage vom Kaiser von China. (Fr. Z.)
* Die Nachrichten über die Gefangennahme und Abdankung des Fürsten Alexander sind in ihren Einzelheiten noch immer sehr dürftig. Nicht in Widdin scheint dieselbe erfolgt zu sein, sondern in Sofia selbst. Wir lassen einen eingehenden Bericht des ,N. W. T.' aus Turn-Severin vom 22. datirt folgen: „Die Absetzung des
soll ein ordentlicher Christenmensch wohl Hunger spüren."
Und mit ihrem Schlüsselbunde klirrend, eilte die geschäftige Alte hinaus und ließ sich nicht beirren, aufzutragen, was Küche und Speisekammer darboten, als hätte es gegolten, eine halbe Compagnie ausgehungerter Soldaten zu stärken.
Fünfzehntes Kapitel.
Auf dem Wege.
„Am fernen Horizonte
Erscheint wie ein Nebelbild
Die Stadt mit ihren Thürmen In Abenddämmerung gehüllt."
Heine.
Wie froh war der Fürstabt, als er jetzt imBesitze eines so überaus bedeutenden Vermögens war! Voll Dankbarkeit pries er die weise Absicht seines Vorgängers, der das Stiftskapitel nur deshalb von der Erbschaft ausgeschlossen, damit der zu einem würdigen Zweck bestimmte Fonds nicht zersplittert werde. Jetzt konnte Adalbert I. ausführen, was ihm so sehr am Herzen lag; jetzt hatten die Mittel, deren er bedurft er um Fulda zu heben und zu verschönern.
„Was meine Vorgänger versäumt, bleibt mir zu thun übrig," sagte er." Und ich bin es Fulda schuldig, daß es nicht länger so weit hinter den anderen geistlichen und weltlichen Residenzen zurückstehe.