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189.

Sonnabend, den 21 August

1886

Jfulbarr

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Deutsches Reich.

Berlin, 20. August.

♦ In einer politischen „Umschau vor dem Frie­densschluß" schreibt der ,N. B.' über die znkünftge Stellung des Centrums u. a. Folgendes: „Mit den alten, strengen Konservativen hat das Centrum von je die meisten Berührungspunkte gehabt, aber — wo sind dieselben im Reichs­und Landtag? Was dort heute einen konservativen Namen führt, verdient schon lange nicht mehr unter eigener Rubrik behandelt zu werden, und steht, mit verschwindenden Ansnahmen, unter dem Zeichen des jeweiligen Gouvernements; wir erinnern nur an die Polendebatten im Winter nnd nennen die Namen der aus der konservativen Fraktion aus- geschiedenen Abg. v. Gerl ach und v. Meyer. Als fester Punkt in dem politischen Getriebe bleibt also nur noch zu betrachten die Regierung und das Verhältniß des Centrums zu ihr. — Nun, auch hier wird wohl das bisherige Verhältniß ruhig fortbestehen. Das Centrum hat niemals prinzi­pielle Opposition gemacht, sondern ist stets ent­gegengekommen, wenn es das geistige und materielle Wohl des Vaterlandes galt; besonders auf dem Gebiete der Sozialpolitik, insoweit dieselbe auf einer gesunden christlichen Basis beruht und nicht von sozialistischen Ideen durchdrungen ist, wird das Centrum stets gern seine Hand zu gemein­samem Schaffen bieten. Dagegen Regierungs­partei kann die katholische Partei nie­mals seim, aus dem einsacheu @tuuUc, wi.it niemals eine katholische Regierung in Preußen herrschen wird. Zwar ist die Verfassung des preußischen Staates angeblich paritätisch, oder nach anderen Variationen, in Verfolgung der Prin­zipien Friedrichs II. konfessionslos; tatsächlich ist aber die preußische Regierung niemals, weder paritätisch noch konfessionslos gewesen, son­dern stets protestantisch. Eine protestantische Regierung macht aber als anderen Pol zum Schutze der katholischen Jntereffen eine konfessionelle katholische Partei in den Parlamenten noth- wendig. Daran ändert der jetzt mit dem Papste geschloffene Friede gar nichts; im Gegentheil: die Art und Weise des Friedens setzt, indem er der protestantischen Regierung durch die Gewäh-

Der Domballweister von Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(17. Fortsetzung.)

Enttäuscht fuhren die in Erwartung vorgestreckten Köpfe zurück, und der Metzgermeister knurrte ärgerlich:

„Ja, bei Hofe, da karten sie Alles ab, ohne daß wir was davon erfahren. Da befindet sich jetzt auch der kaiserliche Gesandte, den sie heute Morgen drüben aus dem schwarzen Bären, wo er abgestiegen, feierlich abgeholt und in'S Schloß geführt haben. Und der hat den meisten Einfluß auf dis Wahl — umsonst kommt der nicht von Wien ungefähren, der sagt zum Wahlkollegium: Diesen will der Kaiser zum Abt haben, — den habt Ihr zu wählen! Ja, und dann machen sie den neuen Abt fertig."

Die Bürger nickten verständnißvoll. Sie glaubten, daß dies wirklich so zugehe und bezweifelten auch nicht, daß der Hoftrompeter tief in alle Wahlan­gelegenheiten eingeweiht sei. Der war ja im Schlöffe in nächster Nähe der hohen Herren, und wenn ihm auch der kaiserliche Gesandte selbst keine Eröffnungen darüber gemacht, so hatte er doch von den Dienern desselben gewiß genau erfahren, wie die Sachen standen.

rung von diskretionären Vollmachten eine Einwirkung auf die kirchlichen Verhältniffe gewählt, eine katholische Partei in den Parlamenten als Gegengewicht voraus."

* Es liegt die Wahrscheinlichkeit vor, daß der Reichstag wieder um dieselbe Zeit, wie in den Vorjahren, in der zweiten Hälfte des November, zu neuer Thätigkeit berufen werden wird. Bei einer früheren Eröffnung würde diese Körperschaft voraussichtlich längere Zeit ohne genügendes Arbeits­material sein. Zunächst kann der Reichshaushalt nach bestehenden Bestimmungen nicht früher als in den Vorjahren fertiggestellt werden. Wäre die Absicht vorhanden gewesen, die Etats rascher ab­zuschließen, so hätten die Einzelrifforts, sowie die von ihnen abhängigen betheilizten Reichs- und Landesbehörden schon vor Monaten davon in Kenntniß gesetzt werden müffen, um ihre Auf­stellungen früher zu beenden. Das ist aber nicht geschehen. Weiter kann eine Steuervorlage irgend welcher Art auch kaum vor Weihnachten noch fertiggestellt werden, da weder die Bundesregierungen bisher von einer solchen Absicht unterrichtet noch sonstige Vorbereitungen getroffen worden sind. Auch dürfte der Bundesrath kaum vor Monat Oktober seine regelmäßige Thätigkeit wieder be­ginnen; denn die nothwendige Verlängerung des Belagerungszustandes über Berlin-Potsdam und Hamburg-Altona kann in den letzten Tagen des September in einer einzigen Sitzung abgemacht werden, ohne den gesammten Bundesrath sofort vertrüge als Arbeits material übrig, welche jeder Zeit vorgelegt werden könnten. Zunächst die Ver­längerung des deutsch-spanischen Handelsvertrages, welcher am 30. Juni 1887 abläuft, Vertrag mit Serbien über den gegenseitigen Schutz von Mustern und Modellen. Ferner sind wieder zu erwarten: Antrag auf Errichtung eines orientalischen Seminars und Entwurf, betreffend Abänderung des Servis­tarifs. Alle diese Gegenstände können den Reichs­tag aber nur auf wenige Tage beschäftigen.

• Die freisinnige Presse hat Klage erhoben, daß bei Vertheilung der neuen Lotteriein- nehmerstellen Bewerber fortschrittlicher Rich­tung übergangen um nur gesinnungstüchtige Leute berücksichtigt wurden. Nach dem Erfahrungssatze:

Nur der Zimmermeister Krisch schüttelte den Kopf, der Herr Hoftrompeter aber sah mit einem souveränen Autoritätsblick im Kreise herum und sagte herablaffend:

„Sowie die Wahl bekannt werden soll, will ich Euch sofort Alles referiren."

„Ja dann," entgegneten gedehnt die Bürger. „Wenn der neue Fürst von der Kanzel herab verkündet wird, brauchen wir Euch auch nicht mehr."

„Nun sagt einmal, Herr Hoftrompeter," Hub nach einer Weile der dicke Hofbäcker an, „das muß ja ein schönes Vermögen sein, das der Fürst bei Lebzeiten zusammengespart hat?"

„Ein schönes Vermögen meint Ihr?" lachte der Gefragte und spreizte die zehn Finger aus­einander." Ich sage Euch, das ist ein Reichthum, so enorm, wie noch keiner hier hinterlassen wor­den, so viel, daß man die ganze Löhersgaffe bis zum Kohlhäuserthore mit lauter Guldenstücke pfla­stern könnte, und würde doch nicht alle werden."

„Potztausend, eine solche Summe!" entfuhr es den Lippen der staunenden Zuhörer. Manche aber schüttelten die Köpfe und mein'en ungläubig: „So viel, das kann nicht möglich fein, Ihr über­treibt, Herr Hoftrompeter!"

„Wie, Ihr glaubt mir nicht?" rief dieser durch den Widerspruch gereizt. „Und ich sage Euch,

„solamen miseris, socios habuisse malorum,“ wollen wir ihr zum Tröste mittheilen, was uns aus Schlesien geschrieben wird: Ein Berliner Offiziosus, so schreibt unser Gewährsmann, fin- bet sich veranlaßt, die Grundsätze zu erörtern, welche bei Vergebung der Lotterieeinnehmerstellen maßgebend sind. Sämmtliche eingegangene Mel­dungen seien sowohl den Ortsbehörden als auch den Regierungspräsidenten zur Begutachtung zu- gegangen. Unter gleichen Bedingungen seien solche Kaufleute bevorzugt, die an den Feldzügen mit Auszeichnung sich betheiligt hätten. Mag sein. Indessen ist es ein recht merkwürdiger Zufall, daß hiev zu Lande ein katholischer Lotterie- Einnehmer, der nicht Freimaurer ist, sehr sel­ten vorkommt. In einem fast ganz katholischen Kreise Oberfchlestens sind die Einnehmer seit 4 Generationen Freimaurer und der neu ernannte ist es wieder.

• In Sachen der Gefängniß arbeit ist eine Verordnung des preußischen Ministers des Innern ergangen. Die Lage der Fabrikation von Schuh- obertheilen (Schäften) aus Webestoffen im Regie­rungsbezirk Düsseldorf läßt eine Einschränkung dieses Arbeitszweiges in den Strafanstalten gebo­ten erscheinen. Die Regierungen sind deshalb, sofern in ihrem Bezirk Verträge Seitens der Strafanstalts-Direktionen über Arbeiten der gedach­ten Art geschlossen, ersucht worden, dieselben möglichst bald zu kündigen und nicht wieder zu erneuern.

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viertägigen Verhandlungen zwischen den Prinzipalen und den Gehilfen der Tarif-Revisionskommission der deutschen Buchdrucker ergab für letztere eine Erhöhung der Grundpositionen um 62/$ pCt. bei zehnstündiger Arbeitszeit. (Fr. Z.)

Ausland.

* Aus Belgrad wird der neuen „N. Fr. Pr." gemeldet: Reifeberichte aus Bulgarien melden dortige militärische Vorbereitungen. Widdin wird unter Leitung de« bulgarischen Genieoffiziers Uzunow restaurirt, armirt und verproviantirt. Dasselbe findet in Sofia statt, auch Truppenkon- zentrirungen sollen stattfinden. (Fr. Z.)

• Aus Rom wird katholischen Blättern vom

man könnte die ganze Löhersgasse bis zum Kohl« häuserthor mit Gulden pflastern und wenn man, spezialster gesagt, gleich die Kanten der Gulden­stücken nach oben richten wollte — die Summa würde dennoch langen."

„Nun dann haben aber die hochwürdigen Her­ren eine schöne Erbschaft gethan," riefen die An­deren ans.

Jetzt war ein erhabener Augenblick für den fürstlich-fuldaischen Hostrompeter gekommen, ein Augenblick, in dem er seinen staunenden Zuhörem thatsächlich darthun konnte, wie tief sein Blick in die intemsten Verhältnisse des Hofes und der Re­gierung dringe. Er räusperte sich erst feierlich und tief dann mit gewaltigem Brusttöne:

„Das eben ist ja der casus criticus: ein re­gierende« Collegium und hochwürdiges Stiftscapitel hat keinen Pfennig von dem Gelde zu sehen bekommen!"

Die Bürger öffneten weit Mund und Augen vor Ueberraschung. „Herr Hoftrompeter, wie kann das sein? Eben sagtet Ihr ja doch, daß ein be­deutendes Vermögen da wäre."

„Wenn ich sage, ein enormes Vermögen ist da, so ist es da und war es da und müßte da sein," entgegnete der Gefragte nachdrucksvoll, „wo es aber hingekommen, das weiß Niemand — selbst ich nicht — sondem nur der, den ein hochwürdi-