JV 188
Freitag, den 20. August
1886
Fuldaer
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Zeit wird dem religiösen Frieden angehören, une die preußischen Bischöfe werden die letzten sein, di im Stande wären, sich dieser frohen Einsicht zu verschließen. Wahrlich, die sonstigen Aufgaben des öffentlichen Lebens sind zahlreich und schwer genug, um jede Kraftvergeudung zu verbieten auf einem Arbeitsfelde, von welchem nur die Früchte der Eintracht, der Menschenliebe und der Gottesfurcht geerntet werden sollten. Daß in diesem Geist die preußischen Bischöfe sprechen und Hande In werden, hoffen wir mit der sichersten Bestimint- heit; daß ihnen in gleichem Geiste auch von den Zeitgenossen entgegengekommen werde, das wird, wir dürfen es nach allem Erlebten mit Zuversicht erwarten, mehr als ein „frommer Wunsch" sein."
Die ,Köln. Vztg/ bemerkt zu diesem verschwommenen Geschreibsel sehr treffend: Dm Wunsch theilen wir, die Zuversicht aber muß uns erst kommen, und den aus obigen Zeilen ath- menden Optimismus werden wir stets bekämpfen, damit nicht einmal auf den F r i e d e n s d u s e l wieder ein so jähes Erwachen folge wie vor fünfzehn Jahren. Was versteht der Correspordent unter dem Bösen der letzten dreizehn Jahre, das der preußische Episkopat vergessen haben soll? Eigene Fehler? Dann möge er sie nennen! Oaer die Fehler der officiellen und freiwilligen Culturkämpfer? Es wäre unverantwortlich, sie zu vergeffen, und es ist wahrlich dafür gesorgt worden, daß Episkopat, Priester und Volk sie sobald nicht vergeffen können. Daß Niemand mehr daran denke, in die, wesentlichen Lebensbedingungen der Kirche ein« müthiqkeit (wenn nrcyr -
unzählbare Armee eingefleischter Culturkämpfer ist jeden Tag bereit, den Vernichtungskampf gegen die Kirche wieder zu eröffnen, mrt dem einzigen Unterschied, daß sie Willens sind, die allergröbsten Dummheiten der sieben- ziaer Jahre zu vermeiden, und den geordneten dauernden RechtSzustand, den die Revision „verspricht," wollen wir erst abwarten. Es wird keinesfalls an ernsten Schwierigkeiten fehlen, bevor derselbe zu Stande kommt, und auch wenn er zu Stande kommen sollte, wrrd Ueberfluß an Elementen bleiben, die ihn wieder zu stören beflg- sen sind. __
Der Dombimrueister von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(16. Fortsetzung.)
Das ist wahr," stimmte sein Nachbar bei, ein langer dürrer Mann, intern er sich bedächtig eine Prise nahm, „der Fürst Placidus hielt das Geld - zu fest. Immer hat er mir noch Abzüge an wer- nem sauer verdienten Lohn gemacht, und dabei ließ er Einen doch so selten was verdienen. Es war wirklich schimpflich, wie die Pagen und La- taten die Livreeröcke und Camisöler bis auf den letzten Faden auftragen mußten, wahrhaftig schwer war es da Hofschneidermeister fein."
„Na, na Meister Schrakofski, Ihr werdet die Rechnung auch immer ein Bischen hoch gesetzt haben, wie das Eure Art ist," foppte ein lustig aussehender Metzermeister vom Steinweg von der andern Seite der Tafel herüber. „Und darüber will ich auch nichts jagen, daß die Pagen ein bischen lang in ihrer Montirung stecken muß- ten — da that der Fürst ganz recht daran — die adeligen Bürschchen find eitel und hoffättig ^„Nein, da hat der Fürst nicht recht gethan," eiferte heftig ein Anderer dazwischen. „Es ziem sich nicht, daß die Diener eines Hofes so zerlumpt
* Ueber die Fuldaer Bischofs- Conferenz
fabeln gewiffe Blätter, wie vorauszusehen war, wiederum allerlei Dinge zusammen. Ganz besonders ergiebig und leicht ist der Fischfang in diesem Jahre, denn das Wäfferlein ist trübe. Verschwommenheit und Schmarotzertum machen zur Zeit die besten Geschäfte. Die gegenwärtige kirchenpolitische Witterung zeigt keinen bestimmten Charakter und ist darum eben so unheimlich als nichtssagend, fad und langweilig. Blätter, die es mit tatsächlichen bestimmten Nachrichten über die Verhandlungsgegenstände und den Gang der Bischofsconferenz versucht hatten, machten kläglich Fiasko, so daß die »Franks. Ztg.' sogar meinte, Fuldaer Mittheilungen dieses Inhalts ständen auf gleicher Linie mit den aus dem Krimkriege berüchtigten Tartarennach- richten. Wir können diesem schätzbaren Vergleiche unfern Beifall nicht versagen. Wo es nicht einmal denen, die sich an der Quelle selbst befinden, ermöglicht ist, zu schöpfen, müffen andere, deren Position weit ungünstiger ist, erst recht mit leeren Händen ausgehen oder aber ihren Bedarf mit erfinderischem Geiste aus eigener Hand fabriziren. Was indessen zu wissen noth thut, muß früher oder später doch an die O.ffentlichkeit kommen, und vielleicht dauert das Abwarten nicht einmal fehr lange.
Zu Denjenigen, die auf thatsächliche Mittheilungen von vornherein Verzicht leistend bloß allgemeine Vatr»chtva-N »her die Kuldaer Bischofsconferenz anstellen d. h. rm Trüben mcye», teW. auch der Freiburger Correspondent der ,Straßb. Post^, indem er schreibt:
„Die Zusammenkunft der preußischen Bischöfe ist durch die sie begleitenden Umstände ein hochwichtiges Wahrzeichen unserer gegenwärtigen Zeit und Sage. Man muß sich ernster und tiefer, als unsere leichtlebige Zeitgenossenschaft zu thun pflegt, an das Jahr 1873 erinnern und an btejemgen Umstände, unter welchen damals am gleichen Orte die für ein verhängnißv olles Jahrzehnt entscheidende Versammlung des damaligen preußischen Episkopats stattgefunden hat. Das Ecgebniß jener bischöflichen Beratungen bestand in der Gesammterklärung vom 26. Mai 1873, durch welche die Bischöfe der Welt verkündeten, daß sie an der neuen kirchen-
politischen Gesetzgebung Preußens nicht mitwirken werden. Es war damit die Fahne des preußischen (passiven? ) Widerstandes entrollt, und die Antwort aus dem entgegengesetzten Lager lautete dahin, daß man den katholischen Kirchen „die Lebensadern unterbinden" müsse. Das war der Geist, welcher vor dreizehn Jahren selbst bei den Ruhigsten und Besonnensten die Befürchtung aufkommen ließ, das neue deutsche Reich werde, wie das das alte, am unseligen religiösen Hader zu Grunde gehen. Dieser böse Traum ist, Gott fei Dank, vorüber. Die Weisheit eines friedliebenden Papstes, die Gerechtigkeit eines ruhmgekrönten Kaisers, und die Geisteskraft eines Staatsmannes, der groß genug ist, um verfehlte Schritte rückwärts zu thun, haben den schweren Alp von den Gemüthern genommen. Heute sehen mir einen neuen Episkopat, der aus den inhaltschweren letzten dreizehn Jahren alles Gute gelernt und alles Böse vergeffen hat, zu dem Zwecke versammelt, die Art und Weise harmonischen Zusammenwirkens zwischen der kirchlichen und staatlichen Gewalt zu berathen und zu regeln. Heute stehen wir auf dem Boden einer wesentlich zu Gunsten der Kirche abgeänderten Gesetzgebung, ohne daß, wie früher befürchtet wurde, irgend einem wesentlichen Hoheitsrecht des Staates das Geringste wäre vergeben worden. Heute denkt Niemand mehr daran, in die weser tlichen Lebensbedingungen der katholischen Kirche hemmend oder zerstörend einzugreifen, und die bevorstehende endgültige Revision der kirchenpolitischsn Gesetzgebung Preußens ver- dauernden Rechtszustano?^Tr dffilti netat. weshalb und wozu er die Kirche bedarf, und die Kirche erkennt lebhaft, wie sehr das für Europa allein geschichtlich berechtigte System des Zusammenwirkens trotz aller Schwierigkeiten, die in einzelnen Fällen immer wiederkehren werden, lenem »er Trennung zwischen Staat und Kirche vorzuziehen ist. Unter diesen Verhältnissen darf die Zu- ammenkunft in Fulda als eines der ersten Merkzeichen einer bessern Zeit auf dem hier fraglichen Gebiete betrachtet und deshalb begrüßt werden. So viel ist gewiß: der religiöse Hader und der kirchenpolitische Kampf find in der öffentlichen Meinung der Nation wie in den maßgebenden Regre- rungskreisen gerichtet und vernichtet. Die nächste umherlaufen, wie es bei uns bräuchiich geworden. Und der Fürst selber, wie ging er daher! Immer nur im Benedictinerhabit, und wenn er nicht we- nigstens das große Abbatialkreuz auf der Brust getragen, so hätte ihn wahrhaftig Keiner von einem gewöhnlichen Pater unterscheiden können! Aber so was ist eines FürstabteS von Fulda nicht würdig, das bringt das Ansehen des Hochstiftes herunter!" . .. , x
„Ja, da habt Ihr Recht," wiederholte nach- drucksvoll und bedächtig nickend, Meister Schra- kofsky, „so etwas bringt das Ansehen des gan- zen Hochstiftes herunter. Ich bin auf meuter Wanderschaft weit umher gekommen tm Reich und habe in mancher geistlichen Residenz gearbeitet, in Köln und Trier und Mainz und Würzburg: da hättet Ihr sehen sollen, welche Pracht dort an den Höfen herrscht, da sind wir auch gar nichts dagegen. Ader so muß es auch sein, für einen Fürsten gehört sich Pracht, denn Pracht sagt das Sprüchwort, verkündet Macht. Sapperlot, wenn ich Fürstabt von Fulda wäre, wie sollte das anders sein, wie wollte i ch unferm Hof zu neuem Glanz verhelfen."
Nun, Alles weiß man nicht; vielleicht wählt Euch das Kapitel," meinte trocken der Metzger, „dann bekommen wir in's Wappen einen Ziegenbock.
Alle lachten, nur der Zimmermeister Krisch, der
bisher schweigend seinen Bierkrug an die Lippen geführt hatte, schüttelte mißbilligend den grauen
^Mit Eurem müßigen Geschwätz!" sagte er unwillig. „Ihr versteht so viel davon wie daheim mein gelber Spitz. Meint Ihr denn, es sei ein Segen für ein Land, wenn die Fürsten einen io kostspieligen Hofstaat hallen und so mel an äußeres Gepränge verschwenden? O, Ihr Einfaltspinsel. Fragt doch einmal die Mainzer und die Wurzburger und die Kölner, ob die auch so wenig Steuern und Abgaben geben müssen, als Fürst Placidus von uns verlangt hat. Sapperlot, ich will mir einen Fürsten suchen, der so wmig von seinen Unterthanen fordert und so seine Einkünfte zusam menhält! Wenn Ihr aber sagt, das Ansehen de» Hochstiftes habe unter der Sparsamkeit des hoch seligen FürstabteS gelitten, so ist da» «ne Luge. W ßi Jyr nicht mehr, wie er vor zehn Jahren, da er in Augsburg war, um die Kaiserin Elenora zu krönen, mit allem Glanz ausgetreten ist, dem Fürstabt von Fulda zukommt? Und hat er nicht auch bei jener Ge.egenhett den stolzen, über- müthigen Kurfürsten von Trier und von Köln die sich das Kcönungsrecht anmaßen wollten, den Standpunkt gehörig klar gemacht, so daß ihm detz- halb Kaiser Leopold ein Diplom «^gefertigt, “ dem es ausdrücklich hecht. nurdemAdtevon