J\S 186.
Mittwoch, den 18 August
1886
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welcher auf seinen Atlasschleifen die goldgestickte Inschrift trug: „Seinem großen König in dankbarer Treue gewidmet vom Kriegerverband Berlin". Die Statue des Königs, welche gegenwärtig in der Kunstwerkstätte von Gladenbeck gegoßen wird, ist soweit vollendet, daß ihre Aufstellung in ca. 4 Wochen in der Ruhmeshalle erfolgen kann.
» Der König von Portug al, der heute in Kopenhagen angekommen und von den Königen von Dänemark und Griechenland dortselbst begrüßt worden ist, wird am 24. d. M. in Berlin erwartet.
* Die Jesuitenfurcht, welche gegenwärtig in der Debatte über die Rückberufung d:r Je- suiten ihre Blüthen treibt, ruft die Erinnerung an ein treffendes Wort wach, welches Dr. Wind t- horst bei den Verhandlungen über das Jesuiten- geietz am 14. Juni 1872 den Jesuitenfreffern entgegenhielt: „Es ist in der That eine auffällige Erscheinung, daß alle großen wirklich begabten Geister, bis auf Heinrich Heine und Humboldt herab, niemals eine Sorge gehabt haben in Bezug auf die Jesuiten, daß aber der ganze Troß der mittelmäßigen Geister in der Regel sie anficht. Woher kommt das? Ich glaube, es erklärt sich das aus der gewöhnlichen Erscheinung, daß man gescheidtern Menschen nicht traut, weil man nicht fähig ist, sie zu begreifen.
• Der Cultusminister hat in Betrest der Berechtigung zum einjährig-sr eiwilligen Militairdienst Folgendes angeordnet: „Wenn an --wer Schule von siebenjährigem Curfus (Progymnasium, Realschule) für den Schluß eines Schul- jahres das Abhalten einer staatlich controlirten Abganqsprüfung nicht in Aussicht steht, so ist den Sckülern nach erfolgreich absolvirten sechsten Jahres- cursus das Zeugniß der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militairdienst nicht anf bloßen Conferenzbeschluß hin zu ertheilen, sondern nur auf Grund einer unter der Leitung und Verantwortlichkeit des Rektors (Direktors) von dem Lehrer der betreffenden Klaffe abgehaltenen schriftlichen und mündlichen Versetzungsprüfung. Sofern auf Grund der Ergebnisse dieser schriftlichen und mündlichen Prüfung und der bisherigen Klaffen- leistungen einem Schüler die Versetzung in den letzten Jahrescursus bzw. Obersecunda von der rief Herr Friedrich von Buttlar, der junge Propst von Thulba, aus. „Der selige Fürst hat Euch ja immer für feinen treuesten Diener ge- halten," bat er mild und eindringlich. — Um des Vertrauens Willen, das er Euch geschenkt, gebet uns Ausweis über den Verbleib der Gelder, bat er mild und eindringlich."
Ja," nickte leise der Kammerrath, und sem blasses' Gesicht war plötzlich wie mit Licht über- goßen, „mein hochseliger Fürst hat mir vertraut; er ist nie irre an mir geworden, er hat mich mit Huld und Gnaden überhäuft. Er wußte, das sein alter Kammerzahlmeister das Gewißen und die Hände immer rein erhalten hat. Aber ich will auch des Vertrauens meines hochseligen Herrn und Fürsten werth bleiben," fuhr er mit gehobener Stimme und dem Ausdruck einer inneren Genug- thuung fort. „Und wenn Ihr, Hochwürdige und Edelgeborene Herren, auch schlimm von nur denken wollt, so kann ich doch nichts über die Gelder angeben." . L. r
Verschieden war der Eindruck dieser schlichten Worte auf das hochwürdige Stistskapitel. Mancye, wie der Propst von Thulba, waren fest überzeugt, daß der alte Mann unmöglich ein Betrüger sein könne, der die Erbschaft unterschlagen habe. Der Slistsdechant aber sagte in kurzem, scharfem Tone:
tadelnde Stimmen in den katholischen Reihen auf- sucht, desto mehr muß der Tadel auch in den Fällen zurückgehalten werden, in welchen er berechtigt zu sein glaubt — wir sagen mit Betonung „glaubt".
Es hat schwere Opfer und Sorgen gekostet, dre Centrumrpreße in's Leben zu rufen und zu erhalten; ein ganz wesentlicher Antheil an der glücklichen Abwehr der großen Gefahren des Kulturkampfes kommt ihr zu.
Auch in Zukunft wird man sie brauchen, selbst wenn es keinen Kaw.ps mehr geben sollte wie den, den wir eben zum großen Theil ausgekäwpst und ausgelitten haben. Wir dürfen nie vergeßen, daß die Tage schweren Kampfes wieder kommen können und dann wird man die Centrumspreße erst recht nöthig haben. Sie ist aber nicht eine Waffe aus Eisen und Stahl, die man gleichgiltig in eine beliebige Ecke stellen kann, um sie wieder aus der Verborgenheit hervorzuholen, wenn Kamp) und Roth kömmt. Sie hat ein Anrecht darauf,, daß man ihre Leistungen und Verdienste zur Zeit der Roth nicht ganz vergißt; sie hat ein Anrecht darauf, daß man auch ihr wenigstens einigermaßen jette Nachsicht zu Theil werden läßt, welche die Art der Arbeit der Presse überhaupt wie jener der Centrumspreße insbesondere nahe legen muß; sie hat ein Anrecht darauf, daß ihre ohnehin schwere Aufgabe nicht von den eigenen Freunden unnöthlger Weise erschwert wird; sie hat endlich ein Anrecht darauf, daß nicht aus lauter Entgegenkommen gegen den bisherigen Feind ihr selber Unrecht zu- gesugt'wird7' ‘ '
Deutsches Reich.
Berlin, 16. August.
* Anläßlich des hundertjährigen Todestages Friedrichs des Großen sand heute in der Garnisonkirche zu Potsdam feierlicher Gottes- dienst statt. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten dem Gottesdienste bei. Rach demselben nahm ©e. Majestät über die im Lustgarten ausgestellten Truppen der hiesigen Garnison Kirchenparade ab. _ Am Denkmal Friedrich des Großen, welcher am 17. August 1786 in Sanssouci verstarb, wurde gestern vom Kriegerverband Berlin und Umgegend ein Riesen-Lorbeerkranz niedergelegt, der doch dem nun in Gott ruhenden Fürsten stets die Ueberschüße der Kammercaße selbst eingehändigt hat, und bedeutende Ueberschüße, - wir Alle wißen es. Run aber findet sich kein Heller in der Cabinetscaße und Eure Pflicht ist es, daß Ihr uns den Aufenthaltsort des Geldes angebt. Ihr müßt ihn ja wissen.
Der alte Mann richtete sich in seiner ganzen hageren Gestalt aus.
c,a " sagte er, „ich habe stets dem hochseligen Fürsten die jährlichen Ueberschüße baar abgeliefert, allein wenn die Gelder nicht in der Caße sich finden, so kann ich nicht sagen, wo sie sind.
„Herzing, Herzing, Ihr spielt eine gefährliche Rolle" grollte der Dechant und ferne Augen blickten drohend und durchbohrend den Kammerrath an. „Bedenkt, daß Ihr mit Eurem behar^ lieben Leugnen einen schweren Verdacht auf Euch ladet Wir können Euren Worten nicht glauben, und strenge Strafe wird Euch treffen, wenn Ihr die Wahrheit nicht bekennt."
.Und wollt Ihr, der sein Leben lang den Ruf eines ehrlichen Mannes genoßen hat, jetzt im Alter noch Eure Ehre beflecken?" fragte schneidend der Propst vom Michaetsberge.
Herzing'» festgeschloßene Lippen zitterten, doch kam kem Ton über dieselben. „
„Nein, Herzing, Ihr werdet un» Nicht täuschen,
Zur Aufgabe und Stellung der Centrumspresse.
(Schluß.)
Die Centrumspreße ist es nicht, welche die ■ Wiederkehr des Vertrauens zur Staatsregierung ; in den Kreisen des katholischen Volkes hindert ; oder erschwert, sondern die liberale Preße. Und j die Centrumspreße ist es nicht, die im Jntereffe : eines „ehrlichen Friedens" zwischen Staat und ■ Kirche der Mahnung und Rüge von autoritativer | Seite bedarf, sondern abermals die liberale Preße. ; Und je mehr diese Preße die kirchlichen Autori- । täten gegen die Centrumspreße in Bewegung zu , setzen und als Trumpf auszuspielen sucht, desto : dringender wird das Bedürfniß, daß die Staats- i regierung, der ihrem Einfluß unterstehenden Presse ; entsprechende Winke gibt. |
Sodann hat die Centrumspreße nicht allein mit s der „Staatsregierung" und deren Plänen zu i rechnen, sondern auch mit den gegnerischen Parteien , und bereit Preße. Mit diesem Faktor mutz auch l die Staatsregierung rechnen. In dieser Preße macht sich nun aber in der allereklatantesten Weise das Streben breit, welches die „sehr angesehene Seite" des ,Wests. Volksbl.' bei der preußischen Regierung gar nicht voraussetzt. Wie die Erfahrung lehrt, ist das katholische Volk in Bezug auf das, was gegen seine Kirche geplant und unternommen wird, immer mehr geneigt, zu wemg als zu viel Mißtrauen zu haben.
Darum ist nach dieser Richtuug hm em Kulturkampf in Form von Fußtritten weniger gefährlich, als ein solcher in Form von heuchlerischem Ent- gegenkommen.
Wo der letztere geführt oder versucht wird, da tritt in erhöhtem Maße an die Centrumspreße die Aufgabe und Pflicht heran, abwehrend, aufklärend und warnend zu wirken. Und je mehr der Gegner bestrebt ist, in unseren Reihen Mißtrauen zu wecken und Uneinigkeit zu stiften, um die einen gegen die andern aufmarschiren zu lassen, desto schwieriger ist die Stellung der Centrumspresse und desto dringender ist es geboten, Seitens der eigenen Partei Alles zu vermeiden, was ihr die ohnehin schwere Aufgabe noch mehr erschweren könnte. Je lüsterner also die gegnerische Preße
Der Dombaumeistkr von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(14. Fortsetzung.)
Stattliche, aristokratische Gestalten waren es, mit mächtigen Allongeperrücken, mehr behäbig als hager aussehend, aus den stolzen Gesichtern da» Be- wußsein der unverfälscht edlen Abkunft, mit dem feierlichen Ausdrucke persönlicher Würde verschmolzen Denn sie alle hatten bei ihrer Aufnahme in das hochadelige Capitel die Ahnenprobe echt bewährt und richtig ihre sechszehn Ahnen von Helm und Schild nachgewieseu — ohne die ein Geistlicher wohl Papst, doch nimmermehr Prälat von Fulda werden konnte.
Mit ehrfurchtsvoller Haltung stand Herzing jetzt vor den hohen Herren, die erwartungsvoll die »licke auf ihn richteten. Er schaute Allen frei In's Angesicht, und als der Stiftsdechant in ern- stem Tone fragte, wo die Gelder hingekommen seien, da veränderte sich auch kein Zug seiner ehrlichen, kummervollen Miene; nur ruhig lehnte tr es ab, darüber Ausschluß geben zu können.
Ringsum herrschte tiefe Stille; die gestrengen Herren blickten sich bedeutungsvoll an, der Stifts« dechant aber fuhr mit rothrm Kopfe auf:
„Wie? — Ihr wollt e« nicht wißen, Ihr,
Fuldaer