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185.

Dienstag, den 17 August

1886

Fuldaer

,Fulda« 8<W «MM «' Jnjrrst«: Di- «nspakiige geil* oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Der Dombaumeister vo« Fulda.

Eins Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

Zur Aufgabe und Stellung der Centrumspresse.

Liberale Blätter drucken aus einem preußischen Centrumsblatte, aus dem in Paderborn erscheinen» den .Wests. Volksbl.', eine Zuschrift ab, die dem­selben „von sehr angesehener Seite" zugegangen war. In derselben wird betont, daß die Centrums- presse auch bei der jetzigen veränderten kirchen- politischen Lage das Recht und die Pflicht hat, die Jntercsien des katholischen Volkes gegenüber allen dieselben bedrohenden Angriffe zu vertreten; daneben wird aber auch ausgeführt, daß die Art dieser Vertretung insbesondere der Staatsregierung gegenüber wesentliche Aenderungen erfahren müßte. Im Anschluß daran und zur näheren Begründung heißt es:

„Inzwischen hat die Staatsregierung ihren Entschluß, friedliche Verhältnisse zurückzuführen, unzweifelhaft doku- mentirt. Sie hat die von der Kirche am schwersten em­pfundenen Bestimmungen der Maigesetze entweder beseitigt oder doch so eingeschränkt, daß sich damit leben läßt; weitere Revision zu Gunsten der kirchlichen Freiheit hat sie zugesagt."

Das ist in Bezug aus Preußen Thatsache, der die Centrumspreffe in ganz Deutschland entsprechend Rechnung trägt. Die „sehr angesehene Seite", welche dem .Wests. Volksbl.' die Mr. Zusendung übermittelte, schreibt dann:

„Für diese versöhnlichen Schritte darf die Regierung mit gutem Grunde von der katholischen Bevölkerung den Ausdruck des Dankes und des Vertrauens erwarten. Es ist darum Unrecht, wenn man für die veränderte Haltung der Regierung Motive aufsucht, die außerhalb der Sache liegen und schließlich als purer Egoismus sich erweisen würden. Es ist erst recht gegen das Gesetz der christlichen Liebe, anzunehmen und auszusprechen: die Regierung wolle die jetzt veränderte Lage nur benutzen und habe sie nur deßhalb herbeigeführt, um auf diesem Schleichwege die Ziele und Zwecke der Maigesetzgebung zu erreichen. Die Centrumspresse hat die Pflicht, diesen beiden Punkten Rechnung zu tragen und nach dieser Richtung ihre Haltung gegenüber vcr Staatsregierung zu ändern."

Die Geschichte des preußischen Staates im All­gemeinen wie die Geschichte des preußischen Kultur­kampfes insbesondere enthält eine lange Kette von Mahnungen für di» "Katholiken, der preußischen Staatsregierung gegenüber auf der Hut zu sein, wenn es stch unv kirchliche und kirchenpolitische Dinge handelt.

Angesichts dieser Lehren der Geschichte wäre ein unbedingtes Vertrauen nicht bloß ungerechtfertigt,

spricht und zu verwerthen sucht, so lange wird man in der Centrumspreffe den Ausdrucks vollen Vertrauens vermiffsn. Das ist so selbstverständlich als irgend Etwas in der Welt; es wäre ein sehr zweiselhastes Z-ugniß für die Centrumspreffe, wenn es nicht so wäre. Auch die „sehr angesehene Seite" wird das anerkennen müssen, die im,Wests. Vbl.' sich hat hören laffen. Wenn also Jemand Anlaß und Beruf zu haben glaubt, in dieser Beziehung öffentliche Mahnungen- ergehen zu laffen, dann darf er sich nicht an die Csntrumsblätter wenden, wenn er die richtige Adreffe finden will. Und da „sehr angesehene Seiten" aus dem katholischen Lager bei der liberalen Pceffe nur dann Beachtung finden, wenn ihr Reden und Thun sich gegen die Cen­trumspartei und deren Presie verwerthen läßt, so müßte eben die Mahnung von anderer „sehr an­gesehener Seite" ausgehen. Das würde wohl wir­ken und dann würde sich das Uebrige in, der Cen- trumspresie von selber geben. (Schluß folgt.)

„Und -warst Du noch einmal beim guten Für­sten Placidus?" fragte Ottilchen den bekümmerten Vater mitleidsvoll anblickend.

„Ja, ich war noch einmal bei meinem gnädig­sten Hßrrn — zum letzten Male, o Kind, zum letztens Male," kam es gepreßt von den Lippen des Mten Herrn, der fitzt wie kraftlos in den hob,isn, lederüberzogenen Lehnstuhl neben dem mäch­tigen e achelofen niedersank' und in schweigendem Schmerze das Glicht in beide Hände vergrub.

f Da öffnete sich die Thür des Nebenzimmers, unöz Base Annjoseph, des Hauswesens unum- schrchnkle Verwalterin, erschien auf der Schwelle; der »mächtige Schlüsselbund und die stattliche schwarze Le-dertasche, welche die wohlehrsam; Jungfrau als Attribute ihrer Würde trug, konnten keinen Znaeifel über ihre Stellung im Hause des verwitt- wtzten Kammerraths aufkommen lassen.

„Die Suppe ist angerichtet; — Herr Vetter, ^Tilchen — kommt zum Esten," tönte ihre dünne v Stimme laut in's Zimmer.

1 Aber der Kammerrath erhob sich nicht aus sei­ner Stellung. Er machte nur schweigend mit der

sondern es enthielte geradezu eine Außerachtlassung dessen, was wir Katholiken unserer Kirche schulden. Und mehr noch als der Kulturkampf selbst mahnen die verschiedenen Phasen der achtjährigen Verhand­lungen zwischen Rom und Berlin zu großer Vor­sicht und warnen vor zu großer Vertrauensseligkeit. Gerade solchen Dingen gegenüber darf man nicht außer Acht lasten, daß der Stifter der Kirche nicht bloß die Liebe gepredigt, sondern auch die Klugheit und andere Tugenden eingeschärft hat. Ein gewisses M ßtrauen ist darum nicht bloß be­rechtigt, sondern auch Pflicht Derjenigen, welche den Beruf haben, in der Kirche uno für die Kirche Wache zu halten. Es ist auch Pflicht für die ka- tholische Presse, wenn sie auf der Höhe ihrer Auf- gäbe stehen will. Eine andere Frage ist bi?, ob, wann und inwieweit dieses Mißtrauen auch öffentlichen Ausdruck finden foll. Wir sind nicht in der Lage, die preußischen C-ntrumSblätter alle sammt und sonders regelmäßig zu verfolgen, können also nicht beurtheilen, ob einzelne Blätter im Bekunden des Mißtrauens zu weit gegangen find und Tadel verdienen oder nicht. Soweit wir sie kennen, haben wir die Beobachtung gemacht, daß sie die Staatsregierung selbst aus der Schuß­linie gelassen haben, soweit es möglich schien. Sollte in dem einen oder andern Falle doch zu viel Miß­trauen oder zu wenig Vertrauen zum Ausdruck gekommen sein, so wäre Die Verantwortung dafür der gegnerischen Press; zuzuschieben und nicht zum kleinsten Theile jener gegnerischen Presse, die mit der Staatsregierung Fühlung hat oder ihrem Ein­fluss; untersteht. Gerade auf katholischer Seite wird vielfach übersehen, daß die Centrumspresse ständig im Kampfgewühle steht und gegen „Feinde ringsum" sich wehren muß. Ihr hervorstechend­ster Charakter ist der der Defensive. Dem Be- dürfniß der Vertheidigung verdankt fie ihren Ur­sprung und wie in Deutschland die Verhältnisse liegen, wird die D-fensive auch ständig ihre Haupt­aufgabe bleiben. Wer aber in der Defensive ist, der ist weder in der Wahl der Waffen, noch in seinen Operationen ganz frei; in beiden muß er nach dem sich richten, was der Gegner unternimmt und wie er operirt. So lange nun die gegnerische Presse die Bestrebungen und Handlungen der Staatsregierung im kulturkämpfenschen Sinne be-

Hand eine abwehrende Bewegung, als wolle er sagen: „Esset nur heute ohne mich."

Base Annjoseph erhob sprachlos die Hände. Auf ihrem magern Gesichte, das sich durch ein sehr fpitzes Kinn und eine Menge kleiner Fältchen aus- zeichnete, malte sich ein grenzenloses Staunen, und weit geöffnet stierten die gutmüthigen blauen Aeug- lein den Kammerrath an.

Aber so etwas war ja auch zum Starrwerden; der Vetter, der pünktliche, ordnungsliebende Mann, der auch nie um Haaresbreite vom Pfade der herge­brachten Gewohnheiten abwich, der regelmäßig und genau wie ein Uhrwerk war, er wollte sich nicht an den Tisch setzen, auf dem bereits die Suppe stand. Das war noch nie dagewesen.

Und schon wellte die gekränkte Wirthschafterin das Schleußenwerk ihrer Lippen ii Bewegung setzen, aber da winkte ihr Tilchen, dies gewahrend, so bedeutungsvoll zu, daß die redselige Zunge dies- mal stecken blieb. Kopfschüttelnd und schweigend ließ sich die Base von dem jungen Mädchen in's Nebenzimmer, wo der sauber gedeckte Tisch stand, drängen, dort aber schlug si' mit maßloser Ver­wunderung die Hände zusammen.

„Jesus, Maria, Joseph! - Tilchen, was hat er denn?"

„Laßt den Voier, Base," entgegnete Tilchen.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. August.

** Die Kaiserin ist am Sonnabend wohlbe­halten in Potsdam eingetroffen. Ein officieller Empfang fand nicht statt. Das Befinden der hohen Frau war augenscheinlich ein befriedigendes.

— Der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz nebst Familie, sowie die übrigen anwesenden Mit­glieder des Königshauses werden morgen zur Feier des hundertjährigen Sterbetages Fried­richs des Großen mit dem versammrlieu Hos-^ staat, den anwesenden Ministern, den General- adjutanten, Generalen ä la suite in der Garni­sonkirche zu Potsdam versammelt sein. Nach Be­endigung des Gottesdienstes findet im Lustgarten eine Kirche nparad; der Garnison statt, die erste wieder nach 14 Jahren.

♦* Herr von Giers hat dem englischen Minister des Auswärtigen, Lord Jddesleigh ange- zeigt, daß, da die übrigen Signaturmächte des Berliner Vertrags gegen die letzte Erklärung Rußlands in Bezug auf Saturn keinen Wider- spruch erhoben haben, ihr Stillschweigen von der russischen Regierung als eine stillschweigende Aner- kennung der vollzogenen Thatsache angesehen werde.

— „Er wird nichts essen wollen — der Tod des Fürsten hat ihn gar so traurig gestimmt."

„Ach, Tilchen, das verstehst Du nicht. Wenn er zum wenigsten nur einen Teller voll Suppe essen wollte," klagte die Alte, der die Sache un- faßbar war — „er kann ja immerhin dabei trau­rig sein. Aber den ganzen Tag hindurch fast nichts genossen, und jetzt dem Magen gar nichts anzubieten,' Tilchen, das geht meiner Seel' nicht, da muß er krank werden. Ach, und was wird das dann geben! Tilchen, gülden Herzkind, ruf' ihn doch noch einmal."

Nein, Base, quält den Vater jetzt nicht, lieber« laßt ihn seinem Schmerze, es ist ihm zu nahe ge­gangen. Ach, es ist ja auch sehr traurig. Der gute Fürst Placidus, der immer so gnädig und freund­lich war; auch mir thut es gar so leid. Gelt, Base Annjoseph, einen solchen Fürsten bekommen wir nicht wieder?"

Die Bas; nickte mit betrübter Miene. „Ja, Kind, es wird alle Tage schlechter auf der Welt. „Wer weiß, was uns noch Alles bevorsteht, ach, da ist es gut wenn man alt ist, — und heute Morgen ist mir eine groß; Spinne Der den Weg gelaufen, denke Dir — eine Spinne am Morgen —"

„Ach, Base, mit Eurem Aberglauben," fiel ihr Tllchen halb schnippisch, halb ärgerlich in die Rede