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JV 183.
Sonnabend, den 14. August
Fuldaer Hl Jeitung.
1886
Ste »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn« und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilag« ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserat«: Di« einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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3M6* Bestellungen auf unser Blatt pro August und September werden noch fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie in unserer Expedition entgegengenommen. Bereits erschienenen Nummer werden nachgeliefert.
-H- Die Tage der Kaiserbegegnung in dem schönen Alpenbade Gastein sind nun vorüber; aber den Theilnehmern und Zeugen des doit erneuerten Freundschaftsbundes zwischen den Herrschern zweier mächtigen Staaten werden diese Tage nicht so leicht aus dem Gedächtnisse schwinden; denn es knüpft sich an diese Entrevue eine große politische Bedeutung; ja man kann kühn sargen, daß die Geschicke ganz Europas an denselben interessirt sind. Was in Kissingen durch die Konferenzen der beiden leitenden Staatsmänner Oesterreichs und Deutschlands besprochen und eingeleitet wurde, das erhielt in Gastein Bekräftigung und Legalisirung durch die Monarchen selbst und so war denn die Entrevue kein bloßer dynastischer Höflichkeitsakt, sondern der äußere Abschluß eines noch weit intimer sich gestaltenden Freundschasts« bündniffes zwischen Deutschland und Oesterreich und damit eines für alle Staaten Europas hochbedeutsamen Ereignisses. Wir glauben nicht fehl zu gehen in der Annahme, daß e» sich bei den Konferenzen zwischen Bismarck und Kalnocky in ; Bad Kissingen und bei der unter so außergewöhn- , lichen Auspicien und der Theilnahme der leitenden Staatsmänner und ihres diplomatischen Stabes stattgehabten Kaiserbegegnung in Gastein und die Erneuerung des deutsch-österreichischen Bünd- nisies gehandelt hat und daß diese Erneuerung . diesmal in viel konkreterer und auf bestimmte poli- ' tische Verhältnisse Bezug nehmender Form erfolgt ist. Wir haben diesmal nicht blos einen mündlichen Ideenaustausch der leitenden Staatsmänner und eine sichtbare Bekräftigung der intimen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich durch die herzliche Begrüßung ihrer Herrscher vor uns, sondern d n Abschluß gegenseitig bindender Abmachungen, die sich auf die politische Lage in der nächsten Zeit beziehen und die auch die \
Der Dombanmeister m Islds.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(11. Fortsetzung.)
Endlich trat sie vor ihn hin.
„Nun, Johannes, bist Du zu einem Entschlüsse gekommen?" Er schrak zusammen und schüttelte mit dem Kopf.
„Nein Leonora, Du hast so Vieles für mich hingegeben — ich kann nicht dieses Opfer auch noch von Dir annehmen."
„Hörtest Du eben die Glocken vom Dome?" fragte sie, indem sie sanft seine Hand ergriff. Klang es nicht, als ob die Heinrichs- und Kuni- gundisglocke nur eine Stimme hätten? — Einst war das anders, Johannes. Da ruhte da» hl. Kaiserpaar, von dem die Glocken ihren Namen tragen, dort oben auf jenem Plätzchen, das heute noch Kunigundenruh heißt, und al» sie zu ihnen hinüberläuteten, tönte Kunigundens Glocke wohl hell und rein, doch dumpf und hohl die Glocke Heinrich"«. Die hl. Frau aber ward tief betrübt, daß ihre Glocke von befferem Klange war, al« die ihres erhabenen Gemahles vor dem sie doch so demüthig sich neigte und in Allem zurück trat. Und der Himmel gab ihr einen Einfall. Entschlossen streifte sie den Ring von klarem Golde ab,
Unterschrift der beiden Monarchen tragen. In welcher Weise sich diese Abmachungen erstrecken, entzieht sich unserer Beurteilung, aber wir erblicken in derselben jedenfalls eine noch engere Annäherung Deutschlands und Oesterreichs und ihrer Politik, die bisher vorzugsweise auf Erhaltung des Friedens in Europa gerichtet war und auch in Zukunft sich darauf erstreckt. Darin liegt aber auch das Erfreuliche für die Völker des Habsburger Reiches wie Deutschlands und deshalb begrüßten sie auch die jüngste Entrevue mit solcher aufrichtiger Freude und Sympathie, weil sie in derselben ein Sympol des Friedens erblicken. Nicht ohne Bedeutung ist es auch, daß in derselben Zeit, während Oesterreichs allgütiger Monarch dem greifen Kaiser Deutschlands als seinem Freunde und Alliirten so herzlich die Hand drückte und sie die Erneuerung des Freundschasts- bündniffes ihrer Staaten feierten, der Bruder des österr. Kaisers, Erzherzogs Carl Ludwig, zum Besuche beim russischen Czarenweilte und dort den herzlichsten Empfang fand. Schon diese That- sache genügt, jede Besorgniß zu zerstreuen, als ob etwa die Gasteiner Monarchenbegegnung ihre Spitze gegen Rußland richten würde. Das ist so wenig der Fall, als das deutsch-österreichische Bündniß überhaupt aggressiver Natur ist. Derlei Tendenzen sind dem Bündniffe vollständig ferne und was das erfeulichste ist, es wird dasselbe nicht bloß von den Monarchen, sondern anch von den Völkern ratificirt. Wie auch immer sonst die politischen Ansichten der einzelnen Nationalftäten und Parteien beider Staaten auseinandergehen möchten, in der Anerkennung und Werthschätzung des auftro-deutschen Bündnisses sind sie alle einig und man hat anläßlich der jüngsten hochbedeutsamen Kaiserbegegnung nur einen Wunsch vernommen: Gott erhalte und schütze dieses Bündniß zum Heile der Völker und ihrer Fürsten I
Deutsches Reich.
Berlin, 12. August.
• lieber die gerichtlichen Untersuchungen gegen eine Anzahl Zahlmeister lesen wir in der ,Nat.-Ztg.': Eine Reihe von Zahlmeistern, gegen welche die Untersuchung schwebte, ist durch eine
der ihre weiße Hand schmückte, und mit einem vertrauensvollen Blick nach oben schleuderte sie ihn — der Glocke zu. Und der Ring erreichte sein fernes Ziel, er drang tief in das Metall ein, uud siehe, beide Glocken tönen von der Stund' an mit gleichem Klange. —
„Du kennst die Sage, Johanne, Du weißt, daß man noch heute die Oeffnung an der Glocke, al» Denkmal jenes Wunders sieht," — fuhr die junge Frau nach einer kleinen Weile fort — „nun so lasse Du mich auch jetzt dem Beispiele folgen, welche» unsere kaiserliche Heilige mir gegeben hat. Warum nicht soll auch ich ein wenig Gold opfern dürfen, wenn Deine Seele dadurch erhalten kann, was ihr bis jetzt so schmerzlich gefehlt, wa« sie einzig verstimmt hat? — Johanne», ich bitte Dich, laß mich da« kleine Opfer bringen, es wird ja unser Glück und unsere Harmonie erst fest begründen, wenn unsere Seelen beide hell und freudig zusammen tönen. Willst Du Johanne»?"
Sie sah ihm so bfttend in die Augen, und Johanne» beugte sich herab und küßte ihr süße« Antlitz, seine Lippen aber flüsterten bewegt:
„O Leonora, wie gut bist Du — und wie groß! E« sei, ich will auch diese« Opfer von Dir nehmen."
Zustellung von den Behörden in Kenntniß gesetzt, daß gegen sie das Verfahren wieder eingestellt worden sei. Zu diesen gehört inslesondere der eine Zahlmeister, in dessen Sache es bisher allein zu einer mündlichen Verhandlung vor dem Kriegsgerichte gekommen ist. Das Urtheil lautete zwar freisprechend, war jedoch durch die Entscheidung des obersten Kriegsherrn wieder aufgehoben worden. Nunmehr ist auch gegen diesen Zahlmeister das Verfahren eingestellt. Die Voruntersuchung gegen die Armeelieferanten Wollank und Hagemann ruht während der Ferien, ohne indeß zum Abschluß gelangt zu sein. Der Untersuchungsrichter, welcher in die Sache eingearbeitet ist, hat gegenwärtig Urlaub.
* Der in den Tagen vom 14. bis 16. August in Berlin statt findende dritte Bundestag de» deutschen Radfahrerbundes verspricht einen großartigen Verlauf zu nehmen. An dem großen Corso, der am Sonntag vom Lustgarten in Berlin nach dem Floraetabliffement zu Charlottenburg stattfindet, werden sich über 500 auswärtige Gäste betheiligen.
* Stettin, 12. Aug. Die 17. Versammlung der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft ist heute geschloffen worden; zum Vororte für den nächsten Kongreß wurde Nürnberg, zum Vorsitzenden wurde Pr. Dr. Virchow gewäblt. Die Theilnehmer an der Versammlung begaben sich heute, um der Bloßlegung von Kistengräbern beizuwohnen und um die Burgwälle von Löcknitz und Stolzenburg zu besichtigen, mittelst Extrazuges nach Blumenhagen. Für morgen ist ein Ausflug nach der Insel Rügen und nach Stralsund in Aussicht genommen.
* Auf die Gesuche des Lokalkomitös für die XXXIII. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Breslau an die Eisenbahn- Direktionen um Fahrpreisermäßigung und Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Billet« sind bisher von der Direktion der Main-Neckar-Bahn und von der Großherzogl. Direktion der ober» hessischen Eisenbahn Bescheide eingelaufen. Erstere läßt für die Besucher der Kathaliken-Versammlung die ihr zu Gebote stehende Fahrpreisermäßigung wie früher auch in diesem Jahre eintreten. Dieselbe besteht in der Verlängerung der Giltigkeit«-
Neuntes Kapitel.
In Rom.
„Kennst Du das Land wo die Citronen blüh'n — dahin, dahin!" — Goethe.
„Und ein zweiter Himmel in den Himmel Steigt Sanct Peter's wunderbarer Dom."
S chiller.
Es war in der That kein geringes Opfer für Leonora, ihren Gatten und Beschützer, den Vater ihres Kindes, hinweg ziehen zu lassen in's Unge- gewiffe, einer unbekannten Zukunft entgegen auf unbestimmte Zeitdauer.
Aber sie brachte das Opfer mit edler Selbst- verläugnung; ihre Liebe war so groß und tief, daß sie an sich nicht dachte, sie dachte nur daran, wie sie ihn ganz glücklich machen könne.
Auch für Johannes war es ein schwerer Kampf von Weib und Kind sich loszureißen, und mit mächtig streitenden Empfindungen rüstete er sich zur Wanderschaft. Auf der einen Seite lockte und zog die Ferne mit ihrer märchenhaften Wuu- derpracht, sein Herz schlug rascher schon bei dem Gedanken, daß das Land seiner heißesten Sehnsucht nun wirklich bald allen Farbenzauber seiner Natur, allen Formenreichthum seiner Kunstwelt vor ihm erschließen sollte; — doch auf der anderen Seite da war es das tiefe, innige Heimathsgeftihl, die Macht der Gewohnheit, und mehr als diese«