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J\§ 18?.

Freitag, den 13, August

1886

®i* ,Fuldaer Zrttung' erscheint tätlich, Sonn, mW Fnerlage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der SelletrMchen W-chenbeil-ge .Sterne an» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. August.

* Der Kaiser ist heute Vormittag auf Schloß Babelsberg eingetroffen und wurde bei seiner An­kunft von den Kronprinzlichen Herrschaften, sowie den übrigen in Potsdam anwesenden Mitgliedern der Königlichen Familie begrüßt. Se. Majestät sah recht frisch und gesund aus. Am Sonnabend Abend trifft die Kaiserin in Potsdam ein. Wie aus Metz berichtet wird, rüstet man sich dort be­reits zu einem festlichen Empfange des Kaisers.

* Der Reichskanzler Fürst Bismarck trifft gegen Ende dieses Monats in Berlin ein. Die Minister Maybach und Dr. Friedberg kehren in diesen Tagen, der Staatsminister von Bötticher voraussichtlich am 22. d. M. wieder von ihren Sommerreisen zurück.

* Die Nachrichten über das Befinden des schwer­erkrankten Fürstbischofs von Breslau lauten fortdauernd sehr ungünstig und laffen das Schlimmste befürchten.

* Auf dem Umwege über London läßt sich die .Vosfische Ztg/ melden, es sei zwischen Ber« lin und dem Vatican ein Abkommen getroffen, welches, um für die Zukunft allen untergeordneten Streitigkeiten ein Ende zu setzen, das Verfahren betreffs der Präsentation der Pfarrgeistlichen und der geistlichen Seminarien regelt. Da eine ge- sitzliche Regelung auch dieser Punkte zu der Re­vision der Maigesetze gehört, mit welcher der nächste Landtag sich zu beschäftigen haben wird, so wird dieses Abkommen sich wohl nur auf die Zeit bis zum Zustandekommen jener Revision be­ziehen.

* Während ein großer Theil der auswärtigen Blätter eine Trennung Rußlands von der Triple-Allianz behauptet, äußert sich das russische officiöse Blatt,Le Nord' folgendermaßen: „Wenn durch die Entrevue von Kissingen auch keine neue Combination auf dem politischen Gebiete geschaffen wurde und auch nicht geschaffen werden konnte, hatte dieselbe dennoch ein positives Resul­tat, indem die Theilnehmer an derselben Ge­legenheit hatten, sich wechselseitig von ihren fried­lichen Absichten zu überzeugen, und da zugleich auch die Absichten der russischen Negierung nicht

Arr Aombaumeister m Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(10. Fortsetzung.)

Achtes Kapitel.

Ein opfermuthiges Weib.

„Fast langt es," sprach gerührt der Mann, „Und dennoch kann es schmählich enden; Willst du dein Leben denn fortan, Geplündert, fristen mit den Händen?" Sie sah ihn an — nur Liebe weiß An liebem Blicke so zu hangen — ,Jn Gottes Namen," sprach sie leis, Und weinend hielt er sie umfangen.

A. v. Droste-Hülshoff.

Leonora war in die Stadt gegangen, um Ein­käufe zu besorgen und Johanr es Dienzenhofer saß allein in dem Häuschen auf der Höhe und bewachte seinen kleinen Knaben. Er zeichnete dabei fleißig, denn er unterließ es nie, feine vielen unfreiwilli­gen Mußestunden zur eigenen Weiterbildung seines Talentes auszubeuten. Auch eben wieder entwarf er mit stillem Eifer den Aufriß zu einer Kirche, als mit einem Male tappende Schritte in dem Hausflur und der schwer keuchende Athem eines Mannes an sein Ohr schlugen.

„Wer ist draußen?" rief er, sein Gesicht nach der halb offenen Stubenthüre wendend.

Ein ächzender Ton antwortete, und als er nun rasch aufstand, um ganz die Thür zu öffnen, da

verdächtigt werden können, so folgt daraus, daß die Triple-Allianz neu gekräftigt, stärker als je­mals dasteht, um ihre friedenerhalt« nde Action fortzusetzen, welche sie eben während der orien­talischen Krisis mit Erfolg geübt hat."

* Paderborn, 11. Aug. Das hochwürdigste bischöfliche Generalvikariat fordert in der neuesten Nummer des .Amtlichen Kirchenblattes' diejenigen Aspiranten des geistlichen Standes auf, welche im laufenden Semester den dritten Jahres- Kursus ihrer akademischen Studien vollenden und mit Beginn des Wintersemesters in das Prie­sterseminar einzutreten wünschen, sich bis zum 1. September unter Vorlage a) des Geburts- und Taufzeugnisses, b) des Zeugnisses über die bestan­dene Maturitätsprüfung, c) der akademischen Zeug­nisse bei dem bischöflichen General-Vikariat in Pa­derborn behufs Zulassung zu der für den Eintritt in das Priesterseminar vorgeschriebenen Prüfung zu melden. Gleichzeitig werden die Herren Pfar­rer ersucht, die Studierenden ihrer Pfarreien, welche obige Aufforderung betrifft, davon schleu­nigst in Kenntniß zu setzen.

* Kösen a. S., 10. Aug. Bekanntlich findet der diesjährige (IV.) allgemeine deutsche Handwerkertag vom 5. bis 8. September hier statt. Bom Centralvorstand des Handwerker­bundes zu München ist sowohl die provisorische Tagesordnung als auch das Programm bereits veröffentlicht worden, und beides von demselben kostenfrei zu beziehen. Der Münchener Central­vorstand hat an etwa 8300 Innungen und Ver­eine in ganz Deutschland Einladungen ergehen lassen, so daß der Handwerkertag voraussichtlich sehr lebhaft beschickt werden wird. Der Beitrag zum Handwerkerbund beträgt pro Jahr und Kopf nur 10 Pfg., der Preis einer Delegirtenkarte, welche zur Vertretung von 50 Mandaten berechtigt, 3 Mark. Karten wie Quartier sind anzumelden bei Herrn Buchbindermeister Wolf in Kissen.

* München, 11. August. Künstlerkreise ver­sichern, Fritz August Kaulbach sei zum Nach­folger PilotyS im Akademie-Direktorium vor- geschlagen.

• Freiburg, 11. Aug. Das Comito für die Festlichkeiten aus Anlaß der Jntronifation des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs (20. und

I erblickte er zu seinem maßlosen Erstaunen Leono- ren's Vater, der mit tief geröthetem Gesichte, einen kleinen Sack auf der Schulter tragend, vor ihm stand.

„Aron — Ihr seid es?" rief Dienzenhofer voll freudigster Bewegung aus. „Ihr überschreitet un­sere Schwelle? Gesegnet sei Euer Eintritt!"

Aber was der Jude auf diesen freundlichen Willkommgrußdumpf in den Bart murmelte, war nur ein haßerfüllter Fluch aus das Haupt dessen, der ihm sein Kind geraubt. Mit grimmig verzerr- ten Zügen trat et über die Schwelle und setzte klirrend den Sack zu Boden nieder.

„Und könnt Ihr auch Euren Groll gegen mich noch nicht verwinden, so bin ich doch glücklich, wenn Ihr endlich gekommen seid, um Eurer Tochter Verge­bung und Versöhnung zu bringen," sagte Johan­nes sanft. „Leonora ist ausgegangen, wie wird sie es preisen, daß Ihr —"

„Verflucht mag sie bleiben in alle Ewigkeit!" unterbrach ihn Aron in wildem Zorn.

Johannes trat erbleichend einen Schritt zurück.

„Roch immer die alte, feindselige Gesinnung auch gegen Euer Kind! Und warum seid Ihr doch zu uns gekommen?"

„Um Euch zu bringen das Geld," ächzte Aron, indem «r das blinkende Gold auf den Tisch auf­zuzählen begann.L„Baare tausend Goldgulden,

. 21. September) ist in voller Thätigkeit. Dom Capellmeister Schweitzer hat eine besondere Fest cantate componirt.

Ausland.

* Wien, 12. Aug. Im Markte Silleine (Trensciner Comitat), dem Vereinigungspunkte der Waagthalbahn und der Kaschau-Oderberger Bahn, sind 400 Häuser abgebrannt. Der Schaden beträgt eine halbe Million. — Gerüchtweise ver­lautet, Giers werde am 19. August Bismarck in Gastein besuchen. (Fr. Z.)

" Mons, 11. August. In dem Prozeß wegen Zerstörung der Baudoux'schen Glasfabrik bei den jüngsten Ruhestörungen ist heute das Ur- theil gefällt worden. Fünf der Angeschuldigten wurden freigesprochen, zwei wurden zu20Jahren Zwangsarbeit verurtheilt, die übrigen Strafen varriiren zwischen 3 Monat Gefänguiß und 15 Jahre Zwangsarbeit. Ein überaus zahlreiches Publikum wohnte der Verhandlung bei, doch unterblieb jede Kunddebung.

* Aus der Schweiz, 10. August. Das ,Nidw. Volksbl.' schreibt: Der Heumonat brachte dem Schweizervolke drei großartige Feste: Sem­pach, St. Galler. und Basel; in Sempach die Schlachtfeier; in St. Gallen die Sänger der ganzen Schweiz; in Basel die Turner. Schlag auf Schlag, jede Woche folgte sich ein Fest. Nach St. Gallen beförderte die Eisenbahn allein 42,000 Personen; acht Tausende werden wohl zu Fuß gekommen sein und wenn jeder dieser froher Fest- besuchet nur 20 Fr. verthan oder gekostet hat (52,000 Flaschen Ehrenwein wurden bis auf den letzten Tropfen geleert), so macht das schon eine Mi llion. Schlechte Zeiten! Aber es kommt noch besser. In St. Gallen gab es Unglück oder Miß­geschick in der Festhütte oder Festwirthschaft; ein Brutofen sei durchgebrannt (sonst brennen nur ungetreue Kassiers durch), die hungrigen Sänger warteten umsonst aus's Essen, es sei vieles ver­dorben, das heißt nicht gehörig gekocht worden; die Sänger wollten aber nicht warten, rannten vom Rosenberg in die Stadt und die Wirthschaften und ließen austragen, was an Schüblingen und anderen guten Sachen noch zu haben war. Jetzt gebet Acht, liebe Leser und Erdäpfeleffer, quorum

voll und richtig, kein Heller fehlt daran. Zählet es nach und bescheinigt mir den Empfang," stieß er mühsam zwischen den Zähnen hervor.

„Und was soll es mit dem Gelbe?"

„Die Mitgift für Euer Weib. Ach meine schönen Gülden, meine so sauer erworben Gülden. Mögen sie in Euren Händen werden zu Stein und Asche!" jammerte Aron, immer weiter zählend.

„Behaltet Euer Geld. Wir wollen es nicht," sagte Johannes kalt. „Nicht der Mitgift wegen habe ich mein Weib geheirathet, und wenn Ihr die Versöhnung, um die wir Euch schon so oft angefleht, verweigern wollt, dann behaltet auch Euer Geld."

„Ihr wollt es nicht?" stöhnt Aron. „Weil Ihre mich ganz zu Grunde richten wollt, damit sie mir nehmen sollen Alles und mich verweisen des Lan­des mit Staupenschlägen, Alles um der Gesetze willen, die da gemacht sind zu verderben einen alten, armen Jud'. Aber Ihr müßt das Geld nehmen, zählt es nach, es ist richtig — Ihr müßt, der Fürstbischof hat es befohlen."

„Der Fürstbisckof?" fragte Johannes, der noch immer nicht recht den Zusammenhang den wirren, abgerissenen Worten des Juden entnehmen konnte. Aber der Letztere bestand lamentirend darauf, ihn nicht ganz zu verderben sondern das Geld anzunehmen, wie es der hohe Befehl erheische,