Einzelbild herunterladen
 

Ausland.

• Paris, 10. Aug. Eine kleine Zahl von Kellnern, etwa 50, setzte heute ihre Spazier­gänge durch die Straßen mit einer dreifarbigen Fahne fort und klatschte grüßend Beifall vor den Redaktionen der Blätter, die sich gegen die Stel- lenvermittelungsbureaux ausgesprochen haben. Die Polizei nahm ihnen wiederum die Fahne weg und verhaftete 5 Theilnehmer, die sich den Weisungen nicht fügen wollten. Bon den vorgestern Verhaf- teten sind vom Zuchtpolizeigericht bereits heute Vormittag 13 zu Gefängnißstrafen von 8 Tagen bis zu 3 Monaten verurtheilt worden. 7 dersel­ben hatten bereits Vorbestrafungen wegen Dieb- stahl, Betrug rc. erlitten. Von den gestern Ver- hafteten 16 sind einige gar keine Kellner, sondern Stadtreisende, Schneider rc. Auch die Schaar der heute über die Boulevards Gezogenen sah keineswegs kellnermäßig aus. Die großen und »ermöglichen Vereine der Kellner, die schon lange auf dem Wege der Selbsthilfe gegen, die Stellen- bureaux ankämpfen, weisen übrigens in Zuschriften an die Blätter jede Gemeinschaft mit den Straßen- kundgebungen zurück, deren Urheberschaft sie den Bureaux selbst zuschreiben, und haben auf mor­gen Abend eine Versammlung anberaumt.

* Die Petersburger .Neue Zeit' begleitet die Reise des Herrn von Giers nach dem Auslande mit Bemerkungen, die wenigstens für die Stim­mung in gewissen russischen Kreisen bezeichnend sind, wenn sie vielleicht auch den Intentionen der gegen- wärtigenLeitung der russischen Politik nicht ganz entsprechen mögen. Das Blatt glaubt schlie­ßen zu dürfen, Rußland werde sich künftig so ein­richten, daß für den Fall eines deutsch.französischen Konflikts weder Frankreich noch Deutschland wißen könne, auf welche Seite Rußland trete. Letzteres habe dann Zeit, zu erwägen, welche Freundschaft ihm vortheilhaft sei. Was Gladstone anlangt, so plaidirt die.Neue Zeit' für ein Bündniß Rußlands mit Japan gegen China und England, ein Bünd­niß, dem sich leicht auch Frankreich werde anschli-- ßen können. Letzter s läßt erkennen, daß die Sym­pathie der .Neuen Zeit' auch für den Fall eines deutsch-französischen Konflikts für Frankreich vor- Händen sein würde, denn das Blatt wird doch nicht annehmen wollen, daß Rußland gleichzeitig in Europa als Frankreichs Feind, in Ostasien aber als Rußlands Verbündeter auftreten könne.

* In der Türkei herrscht infolge der von der Pforte ergriffenen militärischen Maßnahmen fortgesetzt lebhafte Besorgniß. Die Pforte setzt die Rüstungen lebhaft fort und beschleunigt nament- die Zusammenziehung ihrer europäischen Truppen. Dieselben werden 3.Armeecorps mit etwa 6000 Mann bilden. Gleichzeitig verhandelt die türkische Regierung über die Aufnahme verschiedener An­leihen zur Deckung der Kosten, welche die mili­tärischen Maßnahmen versuchen. Neuerdings wer-

„Ich werde Dich beim Wort nehmen," entgeg- nete Lothar Franz rasch. „Höre an, warum ich Dich hierher befchied. Aron, Du hast eine Tochter."

„Ja, hochfürstliche Gnaden, ein einziges Kind," versetzte der Jude, indem er verwundert den Blick erhob, „und was für ein Kind! Ein schönes Kind, ein braves Kind, das seine alten Eltern ehrt und nach dem Willen derselben heirathen wird in diesen Tagen."

„Diese meine ich nicht; ich spreche von Deiner andern Tochter," entgegnete der Fürstbischof mit Nachdruck, sein Auge streng auf Aron heftend.

„Gott meiner Väter!" rief dieser erschrocken zurückprallend, „habe ich doch nur Judith, meine einzige Tochter, welche ist die Freude ihrer alten Eltern."

„Jude sprich die Wahrheit! Willst Du Deine älteste Tochter verleugnen, die Du mit Haß und Groll aus Deinem Hause gestoßen hast?"

„O Herr der Barmherzigkeit! Hochfürstliche Gnaden was wollt Ihr mit dieser?" fuhr der Jude mit einer leidenschaftlichen Geberde auf, und in seinen Augen funkelte das Feuer ungezähmten Grolles. „Die ist nicht mehr mein Kind. „O, hätte ich sie doch sehen liegen tobt zu meinen Füßen, ehe sie gebracht solche Schmach über mein graues Haupt."

„Aron," Hub jetzt wieder der Fürst in ruhrgem Tone an, „willst Du nicht endlich Deinem un­menschlichen Hasse entsagen? Deine Tochter liebt und ehrt Dich noch immer und wünscht sehnlichst

den weitere russische Truppenbewegungen nach der . asiatischen Grenze zu, sowie eine von russischen Emiffären genährte Bewegung in der armenischen Bevölkerung gemeldet.

* Die Reorganisation der kirchlichen Hierarchie in Indien, auf Grund der in dieser Hinsicht zwischen dem apostolischen Stuhle und Por­tugal getroffenen bekannten Vereinbarungen wird erst in Kraft treten, nachdem die portugiesische Deputirtenkammer den von der Regierung mit dem Papste abgeschloffenen Vertrag ratificirt ha­ben wird.

* Das englische Parlament hat sich nach Er­ledigung der geschäftlichen Formalien bis zum 19. August vertagt. In Belfast in Irland ist Dank der getroffenen militärischen Vorkehrungen die Ruhe vorläufig wiederhergestellt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 12. August.

** Während wir den hiesigen Theaterfreunden bereits vor mehreren Wochen mittheilen konnten, daß die noch in bestem und frischestem Andenken stehende Theaterdirektion Herrmann kom­menden Herbst wiederum einen Cyclus von Vor­stellungen im Pult'schen Saale veranstalten werde, steht es nunmehr definitiv fest, daß diese Vorstel­lungen am 1. Oktober ihren Anfang nehmen. Dem Wunsche der Direktion entsprechend fügen wir noch bei, daß bereits mehrere interessante Novi­täten von ihr angekauft und wiederum neue gute Kräfte gewonnen worden sind. Auch wird die bis dahin bewerkstelligte Renovation des Pult'schen Saales in Verbindung mit neuen Dekorationen auf die Vorstellungen von vortheilhaftestem Ein- fluffe sein. Da unser Sommertheater in diesem Jahre leer steht, dürfte diesen Herbstvorstellungen der Erfolg nicht fehlen.

• Im Treibhaus der Kunst- und Handels- gärtneret von Fr. Ries ist heute Abend wiederum Gelegenheit geboten, die „Königin der Nacht" in Blüte zu sehen.

* Wie Herr Kapellmeister Olbrich aus Mei­ningen der ,Hersfelder Zeitung' mittheilt, kommt das für nächsten Montag zu Hersfeld in Aussicht genommene Concert leider nicht zustande, da der kleinen Tournee, Friedrichroda—Hersfeld—Fulda sich in letzterer Stadt Schwierigkeiten entgegen­stellten, welche das Unternehmen scheitern ließen. Herr Olbrich stellt uns dagegen, fügt genanntes Blatt bei, rin Konzert im November in Aussicht, 1 und müssen wir uns also bis dahin gedulden.

* Der ,Rh. K.' schreibt: „In Altona ist in der Person des Dr. Thadewald ein neuer Wetterprophet erstanden, der uns Prog­nosen für die Monate Juli und August eingeschickt hat. Wir haben von denselben, wie wir einmal

Deine Versöhnung. Willst Du Dich aussöhnen mit ihr?"

„Nimmermehr!" schrie leidenschaftlich der Jude. „Es strafe mich der Herr, der Gott meiner Väter, und sein Zorn vernichte mich, wenn ich ihr je vergebe!"

„Fanatischer Jude!" sagte finster der Fürst­bischof, indem er streng die Brauen schürzte. „Gilt Dir mein fürstlicher Wille nichts? Man sagt," fuhr er dann langsamer fort, „zu den besten Vorzügen Eures Volkes gehöre der Familien­sinn , tief wurzele derselbe in einem Jeden van Euch, und dach tilgt keim Erbarmen den un­menschlichen Groll gegen Dem eigenes Fleisch und Blut."

„Und soll ich haben Erbarmen für die, die auch kein Erbarmen hatte für mich und zerrissen hat die heiligsten Bande? O gnädigster Herr, Ihr könnt mit einem armen Juden machen, was Ihr wollt. Aber werft mich in Ketten, nehmt mir Alles, — es soll lieber geschehen, als daß unsere Leut' mit Fingern auf mich deuten und sagen: „Der Aron ist geworden ein schwacher Gimpel, denn er hat nachgegeben und verziehen jener Ab­trünnigen, die abgeschworen den Glauben ihrer Väter!"

„Ich habe keine gesetzlichen Mittel, um in diesem Falle Deinen halsstarrigen Sinn zu beugen," sagte nach einer Weile der Fürstbischof, ein­sehend, daß solcher fanatischen Hartnäckigkeit gegen­über weitere Worte vergeblich seien, „nur das

sind, keinen Gebrauch gemacht, müffen nun aber einräumen, daß die Voraussagungen sowohl für den Juli, als auch für den Anfang des Monats August genau eingetroffen sind. Wir wollen daher unseren Lesern die Mittheilung nicht länger vorenthalten, daß unser Gewährsmann die am 8. August eingeiretene große Hitze nur noch bis gegen Ende dieser Woche andauern, dann aber ein 14 Tage lang anhaltendes Regenwetter be­ginnen läßt, auf welches erst gegen Ende August wieder Aufheiterung folgen soll. Wenn auch diese Berechnungen sich bestätigen sollten, so bitten wir alle, denen der Regen ihre Reisepläne stören sollte, im Voraus um Verzeihung."

* Die XI. Wanverversammlung des Vereins zur Förderung der Bienenzucht im Regierungs­bezirk Cassel tagt am 23. September d. I. zu Treysa a. d. Main-Weser-Bahn.

• Für den Verkehr mit den kombinirten Rundreise-Billets ist eine dankenswecthe Ein­richtung getroffen. Bisher mußten die einzelnen Rundreifestrecken abgefahren werden und für eine andere als die ursprünglich gewählte Strecke, die in den Koupons vorgesehen war, mußte man ein ein Billet kaufen. Jetzt sind die Stationsbeamten auf den zum deutschen Eisenbahnverbande gehören­den Stationen angewiesen worden, den Inhabern von kombinirten Rundreise-Billets, welche eine kür­zere Linie zu wählen willens sind, die Koupons zu kasstren und das Billet für die erwähnte Strecke giltig zu machen.

* Den Maßen und Gewichten wird im Publikum häufig der männliche Artikel „der" vor­gesetzt. Das ist aber unrichtig. Die erst vor einem Jahr wieder reoibirte Maß- und Gewichtsordnung des Reiches schreibt vor, daß alle Maße und Ge­wichte sächlichen Geschlechtes sind. Es muß also heißen: „das" Liter, „das" Ar, „das" Meter.

* Die Unzulässigkeit der Stacheldrahtzäune an öffentlichen Wegen ist durch ein Erkenntniß des Oberverwaltungsgerichts ausgesprochen wor­den, wonach die Befugmß des Eigenthüme'.s eines an einen öffentlichen Weg grenzenden Grundstücks bezüglich der Wahl der Schutzmittel nicht ledig­lich dadurch bedingt sei, daß diese den Verkehr auf dem Wege selbst nicht gefährden, vielmehr diese Beschränkung so weit reiche, daß die Schutz­mittel nicht auch Leben, Gesundheit und E:gen- thum derer in Gefahr bringen dürfen, welche vom Wege abkommen, ohne diese Gefahr bewußt ober leichtsinnig herausfordern. Daß diese Stachel- drahtzäune dazu geeignet sind, erhebliche körper­liche Beschädigungen herbeizuführen, sei zweifellos, und darum könne ihr anbringen polizeilich aus dem gleichen Grunde verboten werden, wie das Auslegen von mit Nägeln beschlagenen Brettern, von Schlageisen ober Fußangeln zur Verhütung unbefugten Betretens eines Privatplatz s.

(Personal-Chronik.) Ernannt: der geheime Re­gierungsrath Alt Haus zum landesherrlichen Kommissar

Gesetz unb Recht soll w .llten, wie es in unserem Lande besteht unb Kraft beffeu befehle ich Dir, Deiner Tochter, die Du arm und bloß aus Deinem Hause gestoßen, den ihr gebührenden Antheil Deines Vermögens auszuzahlen!"

Des Juden Gesicht wurde erdfahl.

„Gnädigster Herr, hochfürstliche Gnaden, wollt Ihr einem armen Jub' entziehen sein Blut bei lebenbigetn Leibe?" jammerte er. „O gnäbigster Herr, es sinb so schlechte Zeiten und so wenig bringt ein das Geschäft, das ich kümmerlich be­treibe —"

„Wieviel gibst Du Deiner jüngsten Tochter als Mitgift?" unterbrach kalt der Fürstbischof die kläglichen Reden. „Aber fürchte meinen Zorn, wenn Du die Unwahrheit sprichst," fügte er drohend bei.

„Taufend Goldgülden, gnäbigster Herr, sollte sie erhalten, aber ach, ich bin ein —"

„Gut! Dieselbe Summe wirst Du an Deine ältere Tochter, die Gattin von Johannes Dienzen­hofer auszahlen. Du hast Deine beiben Töchter vollkommen gleich zu halten, unb ebensowenig — merk' es wohl, Jude — wird es Dir helfen, Deine Tochter Leonora enterben zu wollen; für null und nichtig wird dann Dein Testament er­klärt werden, weil die Taufe und der Uebertritt zum Christenthum nicht als Grund zur Enterbung nach unseren Gesetzen gilt. — Und nun geh und bringe sogleich eigenhändig Deiner Tochter die Mckgabe, die Du ihr lange vorenthalten hast."

^(Fortsetzung folgt.)