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Donnerstag, den 12 August
1886
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gewandt haben, ich werde Euerer Bitte nicht vergessen und für Euch thun, was ich immer kann."
Mit diesen huldvoll gesprochenen Worten war Leonora entlassen und von frohem Muthe erfüllt, verließ sie den bischöflichen Palast und kehrte in ihre Wohnung zurück, ohne jedoch ihrem Manne etwas von dem Schritte, den sie gethan, zu enthüllen.
selben einen tiefen Eindruck. Fürst Bismarck und Graf Kalnoky unternahmen am Nachmittag gemeinschaftlich einen zweistündigen Ausflug. Abends verabschiedete sich Graf Kalnoky vom Fürsten Bismarck und heute früh verließ der österreichische M.nister gleichfalls Gastein.
Es ist nicht zu verkennen, daß ein guter Anfang zur Umgestaltung der unhaltbaren Verhält- niffe schon gemacht ist, und von allen Seiten die Nothwendigkeit eirgesehen wird, in der Lehrlings- frage endlich die Schäden abzustellen, welche das Handwerk in seiner Entwickelung so störend beeinflußen. Der Meister muß durch den angestrebten Befähigungsnachweis sich die Qualifikation, einen Lehrling zu seinem Stande vorzubereiten, erwerben. Das R-cht, Lehrlinge zu halten, darf nur den ordnungsmäßigen Meistern zugeftanden werden, und auch die Maximalzahl der Lehrlinge müßte normirt sein. Die Lehrprüfung sollte end- lich von erlangten Fähigkeiten Zeugniß ablegen, und das Verhältniß des Lehrlings zum Meister in bestimmtere Form gebracht werden. Die St.ö- mung zur Umgestaltung der Lehrlingsverhältnisse ist ja vorhanden, und im Jntereffe des Handwerks, welches seine Kräftigung in der fortschreitenden Ausbildung des Jnnungswesens sucht, wäre es dringend zu wünschen, daß die damit verknüpfte Lehrlingsfrage eben so bald gelöst und entschieden werde, wie die für die Familie und die geistige und körperliche Entwickelung des Arbeiterstandes wichtige Frage der Frauenarbeit in der Industrie.
* Der König von Portugal wird dem Ver- I nehmen nach am 26. d. Mts. hier eintreffen.
* Die diesjährige Uebungsreise des großen Generalstabes wird, wie verlautet, in Schle- I sten abgehalten werden und am 18. August in I Oels beginnen. Geleitet wird dieselbe wie in | den letzten Jahren durch den Generaladjutanten und General-Quartiermeister Grafen v. Waldersee.
* Der deutsche Tischlertag hat gestern seine Arbeiten abgeschlossen. Der Centralvorstand wurde beauftragt, betreffs Abschaffung der Zuchthausarbeit eine Resolution an die Staatsregierung ab- zufaffen und derselben vorzuschlagen, die Zuchthäusler eventuell in Bleiweisfabriken zü beschäftigen. Zum Oct des nächsten Verbandstags wurde Wiesbaden bestimmt.
* Die 33. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wird am 30. Aug. dis 2. Sept. d. Js. in Breslau stattfinden. Der Vorstand des Localcomites besteht aus den Herren: Franz Graf Ballestrem, Canonicus Dr- Lorinser, Dr. Porsch, Nechtsanwalt Werner, Kaufmann Teichgreeber, Kaufmann Oscar Joseph Kaiser, Kunsttischlermeister Buhl, Landes ältester Croce, fürstbischöflicher Baurath Ebers, Major a. D. Ed. v. Fehrentheil, Canonicus Dr. Franz, Chefredacteur Dr. Garthaus, Fleischermeister Hartrampf, Forstmeister V. Graf Matuschka, Präfect Meer, Kaufmann Rockel, Canonicus Seltmann. Außer den Ausschußsitzungen werden 4 geschloffene und 4 öffentliche Versammlungen abgehalten. Nebenher tagen: das Comite zur Vorbereitung der Secundizfeier des Papstes, der Breslauer Diöcesan-Cäcilienverein, der katholische Juristenverein, der Palästinaverein, der Raphael- verein und der Sammelverein für Schlesien.
- -v-, —■— —- o—i* »•*“»♦ „Ich kann Euch zwar darüber keine bestimmte Zusage geben —
6,90 5,80 5,20 0,50
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3,50
7,90 9,80
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0,60 7,80 5,10 9,90 t,70 0,70 9,30 5,60
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5,60 6,15 9,r»
Schrecken und Unruhe erfaßten Aron, als denselben plötzlich ein hoher Befehl des Fürstbischofes in die alte Hofhaltung zu Bamberg rief. Mit banger Scheu schritt er durch die hohen Gemächer über glänzende, spiegelglatte Parketböden, während seine staunenden Augen sich doch nicht versagen konnten mit Kennerblicken die schweren Seidenstoffe zu streifen, womit die schnörkelhaft geschnitzten reichvergoldeten Seffel bezogen waren.
Endlich stand er vor dem Fürsten, zitternd und gebückt, als wolle er vor Demuth in sich selbst versinken.
„Nun Aron, was denkst Du, warum ich Dich rufen ließ?" fragte der Fürstbischof gelaffen.
„Was soll ich denken, hochfürstliche Gnaden? Em armer Jud> hat nicht das Recht, etwas zu denken. Was sein gnädigster Herr von ihm verlangt, das thut er."
Deutsches Reich.
Berlin, 11. August.
Der Kaiser hat gestern Mittag mit dem
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Der Fürstbischof schüttelte den Kopf.
„Der Trotzkopf I Ihr bringt auf seine F milie keine Schmach und ich will dafür sorgen, daß er Euch als seine Schwägerin achte und ehre, wie Ihr es verdient. Aber wie ist es mit Euren Eltern?" sprang er rasch zu der Frage über. „Ich habe seiner Zeit von der Sache gehört, und zwar daß sie Euch verflucht und verstoßen hätten. Wie ist es, haben sie sich wieder mit Euch aus- gesöhnt?"
„Fürstliche Gnaden," sagte Leonora erbleichend, „rch habe Alles aufgeboten, sie zu versöhnen, doch memes Vaters starren, unbeugsamen Sinn ver- mag nichts zu schmelzen. Ach, er wird mir nie verzeihen."
Der tieftraurige Ton, mit dem Leonora diese Worte gesprochen, hatte den Fürstbischof eigen ergriffen.
„Wie wäre es," fragte er wohlwollend, „wenn ich cs einmal versuchte, Euren Vater zu einer Versöhnung mit Euch umzustimmen?"
„O, gnädigster Herr," stammelte Leonora, mit flehender Geberde die Hände über die Brust kreuzend. „Wenn Ihr so viel Gnade üben wolltet."
„Ich will sehen, wie weit hier meine Macht
. kann es nicht verwinden daß Johannes reicht/^nickt^ derHst gütig.
so t,ef herabgestiegen, eine gewesene Jüdin heim- zwar leine bestimmre imaae aeoen - fett"' ”erfe6te 8e0tt°re' ^lUhig das Haupt aber Ihr sollt Euch nicht ve?gebeas an mich
Der DombaumriKer vo« Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(9. Fortsetzung.) Siebentes Capitel.
Der Fürstbischof.
Verflucht mein Stamm, Wenn ich ihm je vergebe!
Shakespeare, Kaufm. v. Venedig.
Vergebens hatte Lea darüber nachgesonnen, wie sie ihren Mann aus den schwer drückenden Hand- werksbanden lösen und sein Wirken einer höheren Richtung zuwenden könne, als plötzlich ein Ge- danke sie durchblitzte, den sie sofort mit der ihr eigenen Entschlossenheit erfaßte. Wenn Einer hier helfen konnte, so war es der Fürstbischof' Mit klopfendem Herzen schritt sie durch das prächtige Portal der sog. „alten Hofhaltung," in welcher der Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn residirte und in bewegten Worten schilderte sie demselben die Lage ihres Mannes, bittend, daß er ihm eine seinem Talente würdige und entsprechendere Beschäftigung verleihen möge.
Mit wohlwollender Theilnahme hörte der hohe Herr die beredte Darstellung der jungen Frau an.
„Und mein Oberbaumeister, der Bruder Eures Mannes hat diesen ganz verlassen?" fragte der Fürst mit leiser Mißbilligung im Tone.
Bestellungen auf unser Blatt pro August und September werden noch fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie in unserer Expedition entgegengenommen. Bereits erschienenen Nummer werden nachgeliefert,
Frauenarbeit n. Lehrlingsfrage in Industrie und Handwerk.
(Schluß.)
Die Lehrlingsfrage bildet schon seit Jahr und Tag eine wunde Stelle und den Gegenstand beständiger Klagen im Handwerk, und es wäre dringend zu wünschen, daß in dieser Beziehung gesetzliche Abhilfe geschafft werde. Die Bestrebungen, diesem Krebsschaden endlich beizukommen, werden schon seit geraumer Zeit eifrig verfolgt, ohne daß bisher ein zufriedenstellendes Ergebniß erzielt worden wäre. Was lernt der Lehrling bei seinem Prinzipal? Wird von ihm auf feine Ausbildung allein Bedacht genommen? Oder dient er blos dazu, alle Nebenarbeiten zu verrichten, und der Frau Meisterin die Hausarbeiten sogar zu besorgen? Ist sein Prinzipal selbst in der Lage, den jungen Mann zu einem tüchtigen Handwerker auszubilden? Wer leistet hierfür Garantie, wenn der Meister selbst den Nachweis der Fähigkeit, Meister zu sein, nicht zu erbringen vermocht hat, oder zü erbringen verpflichtet ist? Diese und viele andere Fragen lassen sich hier aufwerfen, und keine von ihnen ist für alle Zeit und für alle Zweige endgiltig entschieden.
Es ist leider allzu wahr, daß die Mehrzahl der Handwerker sich ihrer Pflichten gegen den jungen Lehrling gar nicht bewußt, nur bestrebt ist, ihn im eigenen Interesse nach Möglichkeit auszubeuten. Ob der Lehrling etwas lernt, ob er später als tüchtiger Meister selbständig in der Welt bestehen kann — nun, das kümmert den Meister nicht, wenn er nur möglichst viel aus dem Lehrjungen „herausschlagen" kann. Bei vielen Meistern herrscht eine unbeschreibliche Lehrlingswirthschaft. Manche schlagen sich bloß mit einer Kompagnie von Lehrlingen durch und verstehen sich gar nicht
dazu, auch nur einen besoldeten Gesellen zu Prinzen Wilhelm im besten Wohlsein Bad Gastein
halten. Daß die jungen Leute in solcher Lehr- verlassen. Der Abschied des Kaisers Wilhelm
lingsherberge nichts Vernünftiges lernen, liegt auf von dem Kaiser Franz Joseph war wieder
der Hand und die Eltern sollten von vornherein ungemein herzlich und machte auf die Zeugen der-
schon Mißtrauen haben, und ihren Sohn nicht zu r"rt—' ‘ ~ ■
einem solchen Meister in die Lehre thun.
Solange für die gründliche Durchbildung der Lehrlinge keine Garantie vorhanden ist und das Stromerthum ohne Behelligung wuchern darf, daß Verhältniß zwischen Meister, Lehrling und Gesellen nicht geregelt wird, ist auch an ein Aufblühen des Handwerks nicht zu denken. Das Lehrlingswesen in heutiger Gestalt bildet den Krebsschaden im Handwerke, und Alle, die für das Gebrechen des Handwerks Herz und Verständ- niß haben, richten gerade auf die Lehrlingsfrage ihr ganzes Interesse.
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