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Dienstag, den 10. August
1886
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belletristischen Wochenb.ilage .gtettte attO in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts l ix-./!>Psg.
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Deutsches Reich
Berlin, 9. August.
* Zum Besuche unseres Kaisers ist gestern Kaver Franz Joseph in Wildbad Gastein eingetroffen. Die Begrüßung beider Monarchen war besonders bemerkenswerth durch die ungemeine Herzlichkeit, mit der sie erfolgte. Heute Vormittag stattete Kaiser Franz Joseph unserem Kaiser einen selbständigen Besuch ab. Gleichzeitig konserirten Reichskanzler Fürst Bismarck und der österreichische Minister des Auswärtigen, Graf «alnoky, der früh in Gastein eingetroffen "war im Arbeitszimmer des Fürsten Bismarck.
* Der russische Minister des Auswärtigen, Herr v. Giers, hat nun endlich doch feine Reise nach Franzensbad angetreten. Er trifft heute in Berlin ein und reist morgen früh weiter.
* Eine offiziöse Mittheilung bestätigt, daß weitere Verhandlungen mit dem Vatican stattgefunden haben, und es wird versichert, daß dieselben einen glatten und befriedigenden Verlauf genommen haben. Man nimmt Sn, daß wenigstens die allgemeinen Grundzüge für die bevorstehende Revision der Maigesetze zwischen der preußischen Regierung und der Curie vereinbart worden sind.
* Heute Vormittag trat in Berlin der dritte deutsche Tischlertag zusammen. Vertreten sind 28 Innungen mit zusammen 4000 Mitglieder, durch 33 Delegirte, aus Berlin, Köln a. Rh., Leipzig, Magdeburg, Breslau, Halle, Bielefeld, Tilsit, Bremen, Stralsund und durch Stettin u. s. w. Dazu kommen 18 Theilnehmer ohne Mandat. Zunächst wurde beschloffen an den Kaiser und den Fürsten Bismarck Begrüßungstelegramme abzusenden. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verband 52 Städte umfaßt. Beschloffen wurde ferner den Vorstand
Der Domdaumrister von Fulda.
Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.
(7. Fortsetzung.)
„Wo warst Du denn, Kind? Wir suchen Dich," sagte Aron, indem er die Hand seiner Tochter ergriff und sie in die festlich erleuchtete Stube zog, wo die Familie in feierlicher Haltung ihrer harrte.
Aus dem Dunkeln kommend, schloß Lea einen Moment von der strahlenden Lichtfülle geblendete die Augen, dann trat sie hochaufgerichtet vor.
„Lea, mein Kind," sagte Aron feierlich, „heute ist gekommen für Dich ein Freudentag, ein Ehrentag. Der hier steht, hat Dich auserwählt zu seiner Gattin unv Lebensgefährtin! Du sollst ihm angehören durch den Willen Deiner Eltern und ihm dienen und folgen bis an Dein Lebensende. Meine Kinder gebt Euch die Hände!"
Abraham Hirsch Jsaakssohn kam nicht sehr feierlich einige Schritte näher, um mit ausgestreckten Fingern die Hand seiner Auserwählten zu em- pfangen.
Aber, ohre die dargereichte Hand zu beachten, trat Lea zurück und entschieden den Kopf schüttelnd, sagte sie fest: „Vater, ich kann nicht, ich kann Deinem Willen nicht folgen."
Aron prallte zurück. „Bist Du von Gott ver-
zu ermächtigen, die nöthigen Schritte zur Erlangung der Korporationsrechte für den Verband zu thun. Dann wurde eingehend über den Stand der Jnnungsbewegung in den verschiedenen deutschen Landen innerhalb des Tffchlergewerbes verhandelt.
* Für die verwaiste Diözese Culm ist, wie bereits mitgetheilt wurde, vom h. Vater der Domherr Dr. Leo Redner, Domherr und Capitelsvicar in Pelplin, als Bischof designirt worden. Der neue Oberhirt der Diözese Culm ist am 13. September 1828 zu Neuenburg a. W. geboren, am 17. September 1853 zum Priester geweiht und wirkte am Gymnasium in Könitz als Religionslehrer, dann als Administrator und später als Pfarrer an der Königlichen Kapelle zu Danzig. Am 7. August wurde er als Domherr an der Pelpliner Kathedrale installirt, bald darauf zum Geistlichen Rath ernannt und am 4. Juni d. I., nach dem Ableben des greisen Bischofs v. d. Marwitz, vom Domkapitel mit der Administration der Diözese betraut.
Die Heidelberger Jubiläumsfeier hat am Sonnabend Abend mit der Beleuchtung des Schloffes — einem großartigen Schauspiele — ihren offiziellen Abschluß gefunden. Die meisten Festtheilnehmer haben die herrliche Neckarstadt bereits wieder verlassen.
Ausland.
* In Oesterreich concentrirt sich das In« tereffe augenblicklich, wie es ja auch nicht anders sein kann, auf die Gasteiner Kaiser-Entrevue. Man ist einig, in derselben ein neues Unterpfand der Bundesfreundschaft zu erblicken, welche die beiden Nachbarreiche, man darf sagen zum Heile Europa's, verbindet. , ..
* Amsterdam, 9. Aug. Der Kriegsnnmster ordnete an, daß das 7. Infanterie - Regiment an den diesjährigen Manövern nicht theilnehmen, sondern in Amsterdam verbleiben soll.
* Die am Sonntag in Brüssel stattgefundene Arbeiterkundgebung, die mit so großem Eclat angekündigt wurde, ist ziemlich harmlos verlausen. Ungefähr 1600 Demonstranten zogen mit rothen Fahnen durch die Straßen und sangen die Marseillaise. Die Ruhe wurde nicht gestört, was wohl lassen?" schrie er heftig, aber als sein Blick auf den verschmähten Bräutigam fiel, deffen Züge sich grimmig verzogen hatten, suchte er rasch seinen Zorn zu beherrschen. „Wie heißt: „Ich kann nicht", sagte er mit einem Versuch zum Lachen, „Abra- hamchen, die Mädchen denken, es sei schicklich, daß sie sich erst weigern, anzunehmen den Bräutigam. Aber Lea, mein Kind, laß diese Faxen, die bei unseren Leuten nicht sind Sitte — und nun kommt und gebt Euch die Hände!"
Und Aron erfaßte die Hand seines Schwiegersohnes und führte ihn vor Lea, aber wieder übersah diese die ausgestreckte Hand, wieder trat sie einen Schritt zurück.
„Nein, Vater," sagte sie mit klarer, tiefer Stimme, denn eine wunderbare Festigkeit war über sie, die sonsi so Zaghafte, gekommen, „es ist keine Ziererei. Ich kann ihm nicht angehören, — Du wirst er selbst einsehen — weil ich entschlosien bin, — Christin zu werden." f
Wäre ein Blitz in diesem Augenblicke vor der Judenfamilie niedergefahren, er hätte nicht mehr Schrecken und Entsetzen Hervorrufen können, als es die ruhig gesprochenen Worte Lea's thaten.
Die Frauen erhoben die Hände und schrieen laut auf, Aron aber wurde todtenfahl und wankte wie ein Trunkener, der nach einem Halt greifen muß, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
den behördlicherseits getroffenen Vorsichtsm ßregeln zu danken ist.
* Paris, 9. Aug. Eine Meldung des „Figaro" spricht davon, daß von Rom Vanutelli nach Paris gesendet worden, um Aufklärungen über di' Abmachungen des Vatikans mit China zu liefern. (Fx. $Q
* Laut einer Meldung der ,Pol. Korr.' sind die Unterhandlungen zwischen dem Vatikan und Montenegro wegen Ordnung der Rechtsverhält- niffe der katholischen Kirche im letzteren Staate und Etablirung einer katholischen Hierarchie daselbst bis auf einen einzigen Punkt zu einem befriedigenden Ende gediehen. Dieselben werden, nachdem der montenegrinische Bevollmächtigte Sudecic abzureisen genöthigt ist, im nächsten Monate wieder ausgenommen werden.
♦ JnJrlano sind neue Unruhen ausgebrochen. In Belfast kam es in den letzten Tagen zu bedeutenden Ruhestörungen und zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Truppen einerund den Ruhestörern andererseits. Beide Theile bedienten sich der Waffen und die Zahl der Verwundeten ist sehr groß, wie schon daraus hervor- geht, daß sie am Sonnabend Abend allein über 50 betrug. Am Sonntag Abend dürste die Zahl noch erheblich größer gewesen sein.
* Belfast, 9. August. Der Tumult dauert fort, eine zahlreiche Menge ist anwesend. Die Polizei schießt auf die Ruhestörer, deren viele verwundet werden. Die Zahl der seit Sonnabend Verwundeten wird auf 130 angegeben.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 10. August.
* * Zur Eröffnung der Konferenz des preußischen Episkopats fand heute Morgen 8 Uhr in der Bo- nifatiuSgruft des Domes vor ausgesetztem hoch- würdigsten Gute unter Anrufung des hl. Geistes (veni creator) eine halbstündige Andacht statt, welcher die Theilnehmer der Konferenz, sowie mehrere Mitglieder des höheren und niederen Klerus nebst vielen Laien anwohnten. Auch bemerkten wir
„Wehe, wehe, dreimal wehe, Unglückskmd!" schrie er nach Athem ringend. „Bist Du ganz verlaßen von Gott, daß Du ihn lästerst mit solchen wahnsinnigen Worten? Nimm's zurück das Wort, nimm's zurück!"
Aber sie nahm es nicht zurück, und ob er auch mit geballten Fäusten auf sie losging, al» wenn er sie zerschmettern wolle, mit furchtloser Festigkeit blieb sie dabei, daß es ihr unabänderlicher Entschluß und Wille wäre, den Christenglauben anzunehmen. „ t m .
Aron warf sich vor ihr aus den Boden und umklammerte ihre Kniee. „O mein Kmd, mein Kind," ächzte er mit erbarmenflehender Stimme, „Lea, mein ältestes Kind, mein klügstes, mein bestes Kind! Kannst Du es mit ansehen, daß Dein greiser Vater hier liegt zu Deinen Füßen und Dich anfleht, aufzugeben Demen unglückseligen Vorsatz? O Lea, Lea, thue es nicht, schwöre nicht ab dem Glauben Deiner Väter, stoße nicht Deine alten Eltern vor der Zeit in die Gruft. Hast Du denn keinen Funken von Liebe zu Deinen Eltern, denen Du doch Alles hast zu verdanken?"
Ein heftiges Zittern überlief Lea's Gestalt, denn noch einmal war ihr ein harter Kampfs beschieden.
Und schon schwankte sie, wohin sie sich wenden solle, da fiel ihr Blick auf den ihr als Gallen Zu- gedachten, der mit lauernd boshaften Blicken sie betrachtete.