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J\£ 178.

Montag, den 9, August

1886

Fuldaer

9b »Fuldaer Bettung4 erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Avonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 Mk 50 Dfa — mit der SelletriMchm »ochenbeilage ,Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. '

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

wogten, Heller Kerzenschein glühte und feierliche Orgelklänge rauschten? Empfand sie nichts mehr von jenem sehnenden Heimweh, das sie immer er­griffen, wenn sie am weißen Sonntage aus weiter Ferne die Schaar der weißgekleideten Chrsstenkin- der erblickt, die, seligen Gottesfrieden auf den stillbeglückten Gesichtern, zu einer geheimnißvollen Feier wallten? Fühlte sie davon gar nichts mehr?

Ja, sie fühlte es und mehr wie je! Was ihr Ge- mülh früher unbewußt durchzittert, das brannte jetzt wie ein heißer Durst in ihr.

Und dennoch! Durfte sie sich lossagen von dem Glauben ihrer Väter, durfte sie zur Verrätherin werden, ohne die Strafe Jehovas herabzurufen, Israels Gottes, jenes strengen und furchtbaren Rächers, dessen gewaltige Hand nicht verschont bis in's vierte Glied? —

„Reißet Euch los von den Banden, die Euch an die öden Finsternisse Eures Glaubens ketten, und folget mir zur Sonnenhöhe des Christen- thums, das allein Heil und Gnade in sich birgt!" Ja, das klang wie fernes Rauschen in ihre öde traurige Seele, und dennoch zauderte sie, 11 ö tu mR ettun gstau die Hand auszustrecken. < „O'ucoc um wi unu aucy ne, ote ^uotn,

jyupite sie jetzt nichts mehr von jener geheim- ' vernahm diese Botschaft, die wie ein Hauch des

j zuzuwenden, welche sie selbst durch ihr treues Dul­den im Verein mit dem Centrum gesät und durch opfermüthiges Ausharren endlich zur Reife j gebracht hatten.

| So finden wir denn auch unsere Bischöfe, welche noch in den Augustmonaten der Jahre 1884 und 1885 schwerwiegendes Kulturkampfsmaterial bei ihren Konferenzen zu bewältigen hatten und in ihrem gemeinsamen Hirtenschreiben vom 7. August 1885 Klage führten, daß „ihre Hände noch immer gebunden" seien, bei ihren diesmaligen Berathungen die Lage wesentlich verändert, wir dürfen wohl sagen, besser und günstiger, als man es noch vor Jahresfrist erwartet hätte. Wir sind mittlerweile an dem Zeitpunkt angelangt, wo man von allen Seiten bemüht ist, den Kampf zu beseitigen, aber trotz dieser günstigen Konstellationen stehen wir jetzt wieder vor der Thatsache, daß der preußische Episkopat eine Konferenz auch in diesem Jahre

I für. nothwendig erachtet hat. Wir können nicht l wissen, welche Gegenstände der gemeinsamen Be- | sprechung unterzogen werden, und wollen auch den Boden der bloßen Vermuthungen nicht betreten, auf dem man den Enttäuschungen gar zu leicht ausgesetzt ist. Im klebrigen warten wir die weiteren Thatsachen ab in der ruhigen und festen Ueberzeugung, daß, wie immer auch der böse Geist der Zwietracht darauf sinnen mag, hier oder dort seine unheilvolle Saat auszustreuen, doch der echt katholische Geist, der seit 1800 Jahren groß­artige Triumphe gefeiert, der auch in den Kultur­kampfsjahren Papst, Bischöfe, Priester und Laien mit überirdischer Kraft in Eintracht verbündet und zu den seitherigen Erfolgen geführt hat — daß dieser echt katholische Geist die Oberhirten a,ch diesmal wieder am Grabe des Herl. Bonisatiez in starker, unüberwindlicher Einmüthigkeit zusammen führt und ihren Berathungen den Beistand des hl. Geistes sichert.

Mag die Presse hüben und drüben ihre Kom­binationen ziehen, wie es ihren Bestrebungen ange­messen ist, mag die räthselhaste Situation der europäischen Politik zu diesen ooer jenen Hoffnun­gen oder Befürchtungen Anlaß geben, die Bischöfe, welche sich während der politisch stillen Zeit in unserer friedlich stillen Stadt zusammenfinden,

Feierlich tönten die frommen Glockenklänge durch die stille Aber dluft, wie ein Gruß des Himmels: ..Friede sei mit D-r!" Und auch sie, die Jüdin,

In qualvollster Seelenpein lag sie gebrochen am Boden, als plötzlich das Abendläuten von den ine»

Zur Konferenz der preuß. Bischöfe.

** Fulda, 9. August.

Wiederum richten die Katholiken Preußens und mit ihnen die Katholiken des gesammten deutschen Reiches den Blick auf unsere denkwürdige Stadt, wo sich die preußischen Bischöfe mit dem morgigen Tage am altehrwürdigen Grabe des hl. Bonifatius wieder zusammenfinden werden, um über die gegenwärtige Lage der katholischen Kirche in Preußen gemeinsame Berathung zu pflegen. War Fulda seit mehr als elf Jahrhunderten die durch das Grab des Apostels der Deutschen geheiligte Stätte, von welcher fort und fort Segen ausströmte über das ganze katholische Deutschland, so wurde die Aufmerksamkeit des katholischen Volkes besonders seit den letzten sechszehn Jahren zu wiederholten Malen auf die Bonisatiusstadt hingelenkt.

Es war Ende August des Jahres 1870, als der deutsche Episkopat in Fulda zusammentrat, um die das Unfehlbarkeitsdogma betreffenden Be­schlüsse des Vatikan'schen Coneils in einem gemein­samen Hirtenbrief zu verkünden, der das Todes- urtheil des Altkatholicismus für immer besiegelte und dem hl. Vater Veranlassung gab, Die Bischöfe, welche den Hirtenbrief unterzeichnet hatten, in einem eigenen Sendschreiben zu beloben. Damals war man bereits zu den ersten Anfängen jenes langjährigen Konfliktes zwischen Staat und Kirche gekommen, der den Namen „Kulturkampf" führt und. der schon gleich in .der ersten Zeit seines Entstehens die deutschen Bischöfe abermals zu | gemeinsamer Berathung nach Fulda führte. Von hier aus erließen sie unter dem 20. Sep­tember 1872 eine Denkschrift „über die gegen­wärtige Lage der katholischen Kirche in Deutsch- | land", worin alle bis dorthin gegen die Kirche getroffenen Maßregeln und erhobenen Be­schuldigungen der Reihe nach klar und bündig besprochen und widerlegt wurden. Ferner enthielt jene Denkschschrift eine Auseinandersetzung der­jenigen Grundlehren, an denen die Kirche festhalten werde und müsse, möge kommen was da wolle. Und sie kam sehr rasch, die angedrohte schlimme Lage unserer hl. Kirche, indem schon gegen Mai des folgenden Jahres die Veröffentlichung der

len Thürmen der Stadt durch die geöffneten Fen- fier hereindrang.

Friedens sich auf ihre Seele senkte, und sie aus dem Erdenstaub heimwärts nach oben erhob, wo Sott, ein milder Erbarmer und gütiger Vater thront, dem die Jungfrau das Flehen ihrer Kin­der zu Füßen niederlegt.

Lea richtete sich auf, wie plötzlich erlöst aus ihren schweren Kämpfen. Es war licht in ihr geworden, eine wunderbare Ruhe und Klarheit war über sie gekommen; sie wußte jetzt, w a s sie opfern mußte, um den Frieden ihrer Seele zu retten!

Und als sie ihre Augen durch's Fenster schwei­fen ließ und eine bekannte schlanke Männergestait erblickte, die mit festen Schritten die Gaffe herauf kam und auf das Haus zuschritt, da wußte sie auch, daß die rettende Hande sich ihr schon ent­gegenstreckte.

Fünftes Kapitel.

Verstoßen und verflucht.

„Ich geh' mit Dir, wohin Dein Fuß Dich führt, Dein Gott ist mein Gott, wo Da stirbst, da sterb' Ich auch, da will ich auch begraben sein."

O. Ludwig, die Makkabäer.

Aron und Abraham hatten gerade ihr Geschäft zum Abschluß gebracht, als Johannes Dienzenyofer in das Schreibzimmer eintrat und mit ernster Miene dem alten Juden die Rechnung vorlegte.

„Gott der Gerechte!" schrie Aron, indem er die Schultern in die Höbe zog und sich hin.er den Ohren kraute. „Müßt Ihr gerade heute kommen,

sogenannten vier ersten „Maigesetze" zu erwarten stand. Noch bevor die bett. Gesetzesvorlagen zur Verhandlung kamen, veröffentlichten die wiederum zu Fulda zusammengetretenen Bischöfe einen gemeinsamen Hirtenbrief vom 2. Mai 1873 in welchem sie heroorhoben, daß die nothwendige Wirkung der neuen Gesetze darin bestehen müsse, die Bischöfe vom Oberhaupte der Kirche, die I Gläubigen aber von ihren Bischöfen zu trennen und eine deutsche Nationalkirche an die Stelle der katholischen Kirche in Deutschland zu setzen. Sie erklärten deßhalb, lieber Alles dulden zu wollen, als ihrer Hirtenpflicht untreu zu werden und er­mahnten die Priester und Gläubigen, treu zu ihren rechtmäßigen Bischöfen zu stehen. Nur zu bald sollten die Bischöfe Gelegenheit finden, ihren Opftrmuth für die heilige Sache zu bewähren.

Während unsere Diözese durch den Tod des hochseligen Bischofs Christoph Florentius (gest. | 1-1. Oktober 1873) schon bald darauf verwaist war und die vom Domkapitel behufs Wieder­besetzung des bischöflichen Stuhles aufgestellte Kandidatenliste von der Regierung zurückgewiesen wurde, zeigte sich der volle Ernst des Kultur­kampfes in der Absetzung, Verhaftung und Ein- kerkerung von Bischöfen und Priestern, — Dinge, die wir am heutigen Tage nur des geschichtlichen Rückblickes halber kurz erwähnen und im Uebrigen gern mit dem grauen Schleier der Vergangenheit bedecken. Die Möglichkeit, abermals Trost und Stärke in der liebgewonuenen Bonisatiusstadt zu suchen, war in Folge dessen auf mehrere Jahre geschwunden, und so sahen wir den preußischen Episkopat erst wieder im Jahre 1884 in Fulda sich versammeln. Inzwischen hatte der Kulturkampf den Höhepunkt längst überschritten; mehrere Diözesen hatten auf Grund von Verhandlungen zwischen der preuß. Regierung und dem hl. Stuhl wiederum recht- mäßige Bischöfe erhalten, und auch unsererDiözese war Ende Dezember 1881 das Glück zu Theil geworden, in I unserem jetzigen Oberhirten einen neuen Bischof zu begrüßen, dessen erfolgreichen Bestrebungen es vorbehalten blieb, die ihm vom hl. Vater zuge­dachte Friedensvermittlung zwischen Rom und Berlin zu einem günstigen Resultate zu führen und auf diese Weise den Katholiken jene Früchte nißvollen Macht, die sie als Kind so oft an die geöffneten Kirchenthüren gezogen, um mit scheuer Neugierde da hinein zu schauen, wo Weihrauchswolken wundersame Bilder um-

Der Aourdalmeister von Fulda.

Eine Geschichte aus Fulda's Vergangenheit.

(6. Fortsetzung.)

Arme Lea! Wie hatte sie still gekämpft und gerungen, bis sich ihre Seele ganz gebeugt unter das schwere Joch des Gesetzes, das den Kindern ihres Volkes blinden Gehorsam gegen den Willen der Eltern auferlegte!

Und nun mit einem Male war es doch vorbei mit der demüthigen Unterwerfung, und in wildem, leidenschaftlichem Schmerze wallte ihr Herz jetzt auf. Denn sie sah ein Leben vor sich liegen, das wie eine trostlose Oede vor ihrem inneren Auge sich dehnte, von keinem Strahl durchlench- tet, von keinem Quell durchrauscht.

Und gab es denn keine Rettung vor dem lang­samen Verschmachten in dieser schwülen Dürre, nirgends einen Gnadenbach, der belebende Frische bot?