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N 176.

Freitag, den 6 August

1886

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«t ,Fuldaer ßtitung' «scheint t»,lich, Sonn- und Feiertage autgeuomm-n. Bi-rreljährlicher Abonnementspreis> ohne drin^rlohn und 1 W- M m,t ber

bellListischen Wochenb.ilage ,Sterne an» Blumen- m Fulda IM. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Psg.

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SMK* Bestellungen auf unser Blatt pro August und September werden noch fortwährend von allen Postanstalten und Landbriefträgern, sowie in unserer Expedition entgegengenommen. Bereits er­schienenen Nummer werden n a ch g e l i e f e r t.

Deutsches Reich

Berlin, 5. August.

* Die ,Hamb. Nachr.' erfahren, daß der preuß. Gesandte beim Vatikan, Herr v. Sch lözer, An­fang August Rom mit Urlaub verlassen werde. Dadurch widerlegt stb die in nationalliberalen Blättern «»gestellte Kombination, daß der Ge­sandte diesen Sommer in Rom bleibe, um in direkte Verhandlungen mit der Kurie die weitere Revision der Maigesetze vorzuberathen. Es wäre auch schwer einzufihen, meint hiezu die „Frkf. Ztg." weßhalb diese Unterhandlungen die Anwesenheit des Gesandten während des ganzen Sommers in Rom nothwendig machen sollten. Daß dem preußischen Landtage in der nächsten Session eine Vorlage zur definitiven Revision derMai- gesetze zugehen wird, unterliege keinem Zweifel.

* Der Sekretär der römischen Loge, Castellazzo, sprach sich kürzlich über die drei Hauptziele der Freimaurerei in nachstehend bündiger Welle aus: Die Civilehe em zieht der Kirche die Familie; der Laien , rtsp. kvnf'cssivnslose Unterricht wird ihr in Kurzem die Heranwach­sende Generation entzogen haben und das Civil- begräbniß und die Feuerbestattung nehmen ihr dann auch noch das letzte Anrecht auf den Tod.

* Aus Apothekerkreisen wird der,Germ.' geschrieben: „Wie gegenwärtig bei vielen Ständen, so herrscht auch bei dem Äpothekerstande eine Ueberfüllung derart, daß viele, selbst vermö­gende Apotheker, ihren Beruf nicht ausüben kön- und sich dem Droguenfach zuwenden muffen, um selbständig zu werden. Da bei dem Apotheker­stande keine Gewerbefreiheit besteht, aber jährlich eine große Zahl sich dem Aporhekersach widmet, dagegen roemg neue Apotheken errichtet werden, so ist diese Ueberfüllung weit empfindlicher, als

Der Dombaumister ooa Fulda.

Eine Geschichte aus Fuldas Vergangenheit.

(4. Fortsetzung.)

Aber wie er so emsig arbeitete, von Stille und Abgeschiedenheit umgeben, in die nur in gleich­mäßigem Tacte die Hammerschläge, die seine Hand auf den Meißel führte, tönten, da suchten ihn dennoch wieder die Gedanken heim, die er vorher zu verscheuchen versucht hatte.

Und wie ein wehmüthiges Gefühl kam es jetzt über ihn, daß nun bald sein Bleiben hier ein Ende haben werde. Dann mußte er zurückkehren in das Alltagsleben, dieser holve Traum seines Lebens war für immer vorüber und nichts blieb ihm als die stille Erinnerung daran.

Für immer vorüber! Es ward ihm schwer zu Sinnen bei dem Gedanken.

Da aber stand plötzlich der Auftritt vor seiner Seele, den er heute Morgen mit seinem ältesten Bruder gehabt, und der vielleicht Folgen von inhaltschwerer Tragweite haben konnte. Es ist wahr, sein Bruder hatte sein Wohl im Auge, nur Widerspruch konnte der herrische Sinn des­selben einmal nicht ertragen. Aber konnte er sich dem Willen desselben fügen? Nein und abermals nein! — Und wenn des Zimmermeisters Töchter­lein noch viel schöner und wenn sie dazu noch

bei jedem anderen Stande. Die Nachfrage nach verkäuflichen Apotheken ist deshalb so groß, daß sich selbst um kleine verkäufliche Geschäfte 30— 40 Käufer bewerben, trotz der Preise, die als wucherhaft bezeichnet werden könnten. Der Um­satz in fast allen Apotheken ist allerdings oft weit über das Doppelte gestiegen als der des Vaters Privileg oder Concession. Wenn deshalb die Preise sich nach dem Umsatz so fort steigern wer­den, dann wird die Zeit nicht mehr ferne sein, daß Apothckerprivilege, die vor Jahren 100,000 werth waren, für eine Million verkauft werden, wenn nicht Einhalt geschieht. Der thut deshalb jetzt nicht gut, sich dem Apothekerstande zu wid- men, der nicht ein großes Vermögen besitzt. Die Regelung des Apothekergewerbes, welches Reichs­sache ist, wäre dringendes Bedücfniß, um den Apothekerstand aus seiner Zwitterstellung zwischen Beamten und Kaufleuten herauszuheben. _ Mit Recht sagt daher ein Einsender in Nr. 55 der „Pharmaceutischen Zeitung": Verstaatlichung [?] der Apotheken würde im Uebrigen das Vollkom­menste, Personalconcession etwas Erträgliches sein, corrumpirend aber wirkt die Zeit die Verkäuflich' keit ohne Niederlassungsfreiheic. Da ist fast ein jeder Apotheker „Specialgeschäftsinhaber" und die kaufmännische Buchführung zeigt stets steigende Umsatzposten."

* Die Zahl der Studenten an den 20 deutschen Universitäten beträgt im laufen­den Sommersemesker 28,021, und zwar studirten in Berlin 4434, in Leipzig 3060, München 3035, Halle 1518, Breslau 1425, Tübingen 1403, Würzburg 1369, Freiburg, 1319, Bonn 1293, Göttingen 1076, Heidelberg 1036, Greifswald 1016, Marburg 939, Erlangen 909, Königsberg 871, Straßburg 846, Jena 655, Kiel 542, Gießen 513 und Rostock 313. Im Vergleich zum Sommer 1880 hat die Zahl der Studirenden um 7033 oder 33,4 pCt. zugenommen. Die ein­zelnen Fakultäten sind an dieser Zunahme sehr ungleich betheiligt. Am größten war der Zuwachs bei den evangelischen Theologen, deren Zahl in 5 Jahren von 2315 auf 4683 oder um 102,3 pCt. gestiegenist; die katholischen Theologen sind von viel reicher wäre, er wollte sie nicht heirathen; — diese nicht und keine Andere! —

Und mochte es selbst darüber zu einem Bruche mit seinem Bruder kommen! — —

Zornig fast schlug er mit dem Schlägel darauf los, aber mit einem Male schoß ihm das Blut in's Angesicht, und das Athemholen schien ihm schwer zu werden, denn was schon lange durch seinen Sinnen und Träumen im Verborgenen ge­glimmt, das war plötzlich wie ein Heller Funke zündend in seine Seele gefahren, ein Gedanke war es, der sein Herz erbeben machte, und dieser Ge­danke lautete: „Wenn Lea es wäre! —"

Johannes erschrak davor wie vor der Lockung zu einer schweren Sünde. Denn durfte er so an sie denken an sie, die Jüdin, die ihm ja ewig fern stehen mußte?

Er preßte die Lippen fest auf einander, plötz­lich aber hob er den auf die Brust gesenkten Kopf, um zu horchen.

Aus den geöffneten Fenstern unter ihm waren schon seit einer Weile Stimmen gedrungen, er hatte sie nicht beachtet, nun aber war es ihre klare sanfte Stimme, die er vernahm und — seltsamer Widerspruch! — vor einem Augen­blicke noch war er entschloffen, ihr Bild für immer aus seinen Gedanken zu verbannen und jetzt horchte er athemlos auf das, was aus ihrem Munde ertönte.

638 auf 1197, also um 87,6 pCt., die Philo­sophen dagegen von 8816 nur auf 8919, also um 1,2 pCt. gestiegen, und bei den Juristen zeigt sich sogar eine Abnahme von 5,5 pCt., indem deren Zahl von 5201 auf 4914 zurückzegangen ist.

* Karlsruhe, 4. August. Es ist doch über alles Maß skandalös, in welcher Weise die liberale P reffe gleich zu fruktifiziren sucht, was der Papst spricht und was er thut. Zur Theilnahme an der Jubelfeier der Heidelberger Universität eingeladen, hat er einen eigenen Vertreter dahin gesandt. Nun wird von liberaler Seite der Versuch gemacht, auch das wieder gegen das Centrum auszubeuten. Der „ausgeprägt protestantische" und „kulturkämpferische" Geist, der an der Universität herrscht, wird besonders hervor­gehoben und die Antheilnahme des heiligen Vaters so gedeutet, als ob er diesem dreifachen Geiste Entgegenkommen zeigen wolle. Eine gröbere Takt­losigkeit läßt sich kaum denken und können wir nicht annehmen, sagt der ,Bad. Beob.', daß solche Leistungen in den Kreisen Anklang finden, die bei dieser Gelegenheit vor allem in Betracht kommen. Man kann aber auch daraus wieder ersehen, wie schwer, ja unmöglich es gewissen Elementen ist, auch bei den feierlichsten Anlässen ihre kleinlichen und gehässigen Sonderbestrebungen zu verbergen.

* Heidelberg, 4. August. Die sämmtlichen studentischen Korporationen unter Theilnahme vieler alten Herren brachten heute Abend um 9 Uhr dem Großherzog als Rector magnificentis- simus einen großartigen Fackelzug mit allem studentischen Pomp, lieber 2000 Fackeln und sechs Musikkorps befanden sich in dem Zuge. Auf dem Balkon und in den Fenstern des Rathhauses waren der Großherzog, die Großherzogin, der Kronprinz und die anderen Fürstlichkeiten, ferner der Prorektor und die Notabilrtäten versammelt. Beim Vorbei­ziehen wurden den Allerhöchsten Herrschaften enthu­siastische Huldigungen dargebracht. Der Großherzog dankte dem Ausschuß in den wärmsten Worten. Der Kronprinz ist um 10 Uhr 10 Minuten ab­gereist; der Großherzog, die Großherzogin, die Prinzen und zahlreiche Notabilitäten gaben dem­selben bis zum Bahnhof das Geleit. Als der Zug

„In dieser Woche noch werden die Bauarbeiten eingestellt?"

„Ja, Leachen", entgegnete die Stimme ihres Vaters, „in dieser Woche noch, wie mir gesagt hat der Baumeister. Und es ist Zeit, denn lange genug hat es gedauert, und was hat es mich ge­kostet für eine schwere Summe Geldes! Ich hätte ja immer noch verschieben können die Ausgabe, denn noch ein paar Jährchen hätte sich auch so gehalten das Haus, aber man soll nicht sagen, daß der alte Aron feiert ein Freudenfest und sei­nem Hause dazu anthue kein würdiges Gewand."

Er schwieg eine kleine Weile, dann fuhr er fort: „Nun, Leachen, bist nicht neugierig zu erfahren, was ich meine für ein Freudenfest? Wirst aber errathen können, was es ist, das ja Dich angeht am allermeisten."

„Mich, Vater? —" tönte Lea's Stimme, und eine geheime Ängst schien aus derselben zu klingen.

„Tochterleben, stell' Dich nicht so verwundert," sagte Aron. „Bist doch sonst nicht gefallen auf den Kopf und solltest noch nicht daran gedacht haben, daß Dein Vater, dem der Herr versagt hat leider einen Sohn, sich einmal umsehen müsse nach einem Schwiegersöhne, der ihm werde eine Stütze für's Geschäft?"

Es war, als ob ein leiser Schrei von Lea's Lippen gefahren sei.

„Nun, was brauchst du zu erschrecken und bleich zu werden?" erklang jetzt wieder des Vaters