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Mittwoch, den ?8 Juli

1886

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Fuldaer

Die .Fuldaer Zeit»«« «schont täglich, «mm- und Feiertag, ausgenommen, «ierteljithrlicher Abonnementspreis ohne »ring-klohn un^Bestellgeld: 1 Rk. 50 Psg„ «U »er fcgff.fa.iawi ... ■> * **• ttttl RftHttMt4 in Wutha 1 Ml. 70 Pfa.. auswärts 1 Rk. 75 Pfg.

♦ Zur Consekratio« des hochw. Herrn Bischofs Dr. Paul Leopold

Haffner von Mainz.

Auf einer, so kolossalen Fremd en zu fluß zum Feste der Bischofsweihe hatte man kaum gerechnet. Seitens der LudwigSbahn waren von den Nachbar- bahnen Personenwagen geliehen und Güterwagen in Personenwagen verwandelt worden, trotzdem und trotz brr ^ttazüge mußten die überfüllten Züge aus einzelnen Stationen Passagiere zurücklassen, welche kein Unterkommen mehr finden konnten. Ganz Mainz tragt ein Festkleid, fast jedes Haus bis in Vic entlegensten Straßen ist mit Fahnen und Krän- zen geziert. Da» Fest wurde am Vorabend mit feierlichem Glockengeläute und mit Chorälen von den Domthürmen herab eingeleitet. Zwischen dem bischöflichen Hause unv dem Dome ist aus Flag­genstangen, Fahnen, Guirlanden und Kränzen eine via triumphalis erbaut ward n, in welchem sich vier Ehrenpforten mit Inschriften einfügen und die stch um den Marktplatz herum erweitert. Die In­schriften beziehen stch auf da» Lehr-, Priester« und Hirtenamt des Bischof- und find den Psalmen, dem Evangelium und der Apostelgeschichte entnom­men. Vor dem Haupteingange zum Dome ist nach dem Entwürfe ke» au« verschiedenen Preiskonkur­renzen bekannten Archiv kten Becker dahier ein mäch­tiger Triumphbogen in gothischem Stile erbaut worden, welcher am Ab.-nd bei dem Fackel zu g zugleich al» Tribüne für die Bischöfe, dienen wird. Diesm Bogen schmücken das Wappen de« neuen Bischof» (dessen Wahrspruch „fortiter in re, sua- viter in modo“ ist), tin Schild mit seinen Initia­len, da» Mainzer und hessische Wappen, sowie die Wappen sämmtkicher zur oberrheinisch en Kirchenprooinz gehörigen BiSthümer. Den schönsten Schmuck hat die ganz mit persischen Teppichen ausgeschlagene, mit Fahnen drapirte Eingangspforte am Dome selbst erhalten. An den Thürmen sind Fahnen in den hessischen Farben au-gesteckt, außerdem sind dieselben mit Flaggen- leinen unter einander verbunden. Im Innern de» Dome» ist der Chor mit rothen goldbesetzten Dra­perien ausgeschlagen. Von 8 Uhr ab nahmen die Gewerkschaften, die verschiedenen Vereine und was sonst an dem Zuge theilnehmen wollte, längs der oben genannten via triumphalis zu beiden Seiten

-je rechter ta Sei,er». 42

Roman von 6. Armand.

Ein reinere« Bild jungfräulicher Anmuth hat wohl niemal« die Sonne beschienen, al« e» die junge Braut darbot, die jetzt zwischen Walter- Eltern auf der Schwelle erschien. In dem weißen Gewände, da« ohne jeglichen Schmuck glatt an ihr niederfloß, schön wie ein Eugelsbild anzuschauen schritt sie gesenkten Haupte« die Stufen hinab. Wie eine Krone lag auf dem goldbraunen Haar über der klaren Stirn der bräutliche Myrthen» kranz, den sie nun doch, wie sie e« einst gehofft, au« den blühenden Zweigen ihre« Bäumchen« sich selbst gewunden, und von dem der Schleier, in dem ihre ganze Gestalt wie in eine durchsichtige Wolke gehüllt war, lang und duftig hernieder­wallte.

Auf dem süßen von innerer Bewegung blaffen Antlitz lag ernste bräutliche Hoheit; da« mädchen­hafte ihre« ganzen Wesen», jener Hauch echter schüchterner Weiblichkeft, der lieblichste Schmuck einer Braut, verklärte Lia Rose'« Erscheinung zu der poesievollsten Schönheit: so mochte eines Dichter« Phantasie sich eine zum Altäre schreitende Braut vorstellen!

Hinter ihr, ihren blinden Vater sorglich führend,

der Straße Aufstellung, während sich die in großer Zahl erschienenen Diözesangeistlichen mit dem Fest- körnst« im Bischofshause versammelten, um von hier au« im Zuge die Bischöfe nach der Kathedrale zu geleiten. Alle Spitzen der Staats«, städtischen und Militärbehörden hatten sich zur Feier einge­funden. Wenige Minuten nach 9 Uhr langte die Spitze de» Festzuges am Dome an. Den Zug eröffneten die Domschweizer und Fahnenträger, hierauf schritt der Ceremonarius des Kapitels, Dr. Schneider, welchem sich zunächst die Ordensgeist­lichkeit, dann die Weltgeistlichen im Chorrock, die Mainzer Alumnen von Eichstädt, das Domkapitel, die Vertreter der übrigen Diözesen und die Bi­schöfe, sodann die übrigen Festtheilnehmer anschlos­sen. Innerhalb einer Viertelstunde waren alle Räume der weiten Kathedrale vollständig gefüllt, so daß viele Theilnehmer des Festzuges außerhalb des Dome» bleiben mußten. Die Konsekration vollzog Erzbischof Roos von Freiburg unter Assi­stenz der Bischöfe Leonrod-Eichstäd! und Dr. Ko- rum-Trier. Der Weiheakt, der volle 3 Stunden — bis 12 Uhr — währte, wurde mit dem üb« lichen Pomp vollzogen. Nach der Weihe hielt der neue Bischof, angethan mit allen Attributen seiner Würde, eine Ansprache, in welcher er kurz die Geschichte der Mainzer Diözese erzählte und dabei namentlich bei Bischof Ketteler verweilte, dessen Geist in ihm fortlebe und dessen hinterlassene Werke er zu pflegen oder — soweit sie eingestürzt seien — neu aufzubauen trachten werde. Zum Schluß versprach der Bischof, seine volle Schuldigkeit zu thun und erbat sich die Liebe, Einigkeit und dar Gebet seiner Diözesanen. Darauf ging der Zug in derselben Ordnung, wie er gekommen war, wie­der bis zur derzeitigen bischöfllichen Wohnung zu­rück, wo der neue Bischof die Gratulationen der sämmtlichen Behörden, sowie der Deputationen von hier und auswärts entgegennahm.

Nachmittags um 37a Uhr begann das Fest­bankett in der Stadthalle, an welchem 1600 Personen theilnahmen. Der Saal machte in dem reichen Schmuck der Fahnen aller Länder, persi­schen Teppichen, Guirlanden und Pflanzengruppen und bergt einen großartigen Eindruck, lieber dem Ehrentisch, an welchem der Vertreter der Regie­rung, Provinzialdirektor Küchler, die Bischöfe und höheren Geistlichen, die Vertreter der Stadt, des schritt der junge Förster in seiner kleidsamen grünen Uniform, da« männliche Antlitz durch­leuchtet von innerem Glück und strahlenden Auges auf die holde Gestalt vor ihm blickend, die er nun bald fein eigen nennen sollte; ihm folgte da« Forstpersonal, zu dem indeß jener blonde schmach­tende Jüngling von ehedem nicht mehr gehörte.

Um da« Brautpaar, da« von den Anwesenden mit freudigem Zuruf begrüßt wurde, gruppirte sich die weiße Mädchenschaar.

Wie war es so schön ringsum im tiefen Forst! Jasmin und Fliederbüsche durchzogen die köstlich reine Luft, die mit leisem Windhauch durch die thauschimmernden Zweige strich und zuweilen wie neugierig den dichten Schleier vom Antlitz der jungen Braut hob, zu der die hohen Bäume — ihre lieben, ernsten Freunde — leise flüsternd ihre Grüße niederrauschten.

E« war al» ob der Wald sich seinem bräutlich geschmückten Kinde im schönsten Feierkleide zeigen wollte, und Lia Rose meinte fast, au« allen dem Klingen und Rauschen, da« sie umgab, den Mutter­segen zu vernehmen; dankbar lächelte sie zum blauen Himmel hinauf. —

Ihre Hände falteten sich fromm um ;da« kost­bare, ganz au» blühenden Mprthen und Orange- Hüten gebundene Brantbouquet, da» sie trug —

Landtag« und aller öffentlichen Behörden Platz ^ge­nommen haben, sieht man die Wappen von Hessen, de» Papste», der Stadt und des Bischofs, ferner die Worte: „Fortiter in re, suaviter in modo“, sowie „Moguntia aurea ecclesiae romane spe­cialis filia.“ An der gegenüberliegenden Saalseite ist das Bildniß des neuen Bischofs angebracht. Dieser brachte auch den ersten Toast au«. Er ermahnte zur Liebe zum gemeinsamen Vaterlande, verlangte im Falle nicht zu ändernder Glaubens- verschiäienheit Glaubensfreiheit, pries die Friedens­liebe des Großherzogs, Kaisers und Papstes und brachte auf die Fürsten des Friedens ein Hoch aus. Dann sprach al» Vertreter der Regierung der Pro« vinzialdirektor Küchler. Er erblickt in dem Bi­schofsfeste die Morgenröthe eines dauerhaften und ehrlichen Friedens; Staat und Kirche sollten zur Bekämpfung der Jrreligiösität und der destrukttven Elemente zusantü enwirken; auch dar „fortiter“ im Wahlspruche des wissenschaftlich bedeutenden Bischofs fei willkommen, ebenso wie fein „suaviter“. Sodann toastirten der Domdekan Heinrich von Mainz auf die anwesenden Bischöfe oon Freiburg, Eichstädt und Trier, und der Gouverneur von Wopna auf den Frieden und die Eintracht in Denffchland, der Erzbischof Roo» von Freiburg auf die Stadt Mainz, welche ein herzliche» Fann- lienfest gefeiert habe und der Bürgermeister Oechs- ner auf die Regierung und da» Domkapstel; letz­terer bemerkte, daß eine Frieden» Aera ange­brochen sei.

Um 7 Uhr hielt der Bischof von Trier eine jener Predigten, wie sie nur dieser berühmte Kanzelredner zu halten versteht, indem er bald dem neugeweihten Bischof, bald der Kopf an Kopf dichtgedrängten Volksmenge ihre Pflichten an's Herz legte.

Nach beendeter Abendandacht nahm dann bte Fackelserenade ihren Anfang. An derselben betheiligten sich mehr als 3000 Fackelträger auf dem Marktplatz vor der großen Ehrenpforte sich aufstellten. Dieser Triumphbogen war im gothi- schon Stile errichtet, dabei geschmückt mit den ver­schiedensten Wappen und enthielt die Inschrift: Ecce sacerdos magnus, qui in diebus suis placuit Deo et in tempore iracundiae factus est reconciliatio. lieber diesem Triumphbogen befand sich die Bühne, von wo au» die hochwür- es war mit einem warmen Freundesgruße für sie aus der Residenz gekommen. —

Sie vermochte ohne Bitterkeit der Vergangenheit zu gedenken; Gott hatte alles aufs Beste gefügt und ihm dankte sie jetzt au« der Tiefe ihrer Seele.

Der Brautzug hatte das Kirchlein erreicht, das kaum die Schauren der Andächtigen zu fassen ver­mochte. Zwischen den dicht gefüllten Banken hin­durch schritten die Verlobten zum kerzenschimmern- den Altäre, an dessen Stufen der alte Pfarrer im festlichen Ornat sie empfing. Auf seinem milden Antlitz lag freudige Rührung, als er auf die lieb­liche Braut blickte, deren Hand er zum ewigen Bunde in die eines edlen Mannes legen durfte.

Ernst und feierlich ging die heilige Handlung vorüber. Schlicht und einfach, aber dennoch er­greifend klangen die Worte de» Geistlichen, der seiner Rede die schönsten Worte der Schrift zu Grunde gelegt:

„Die Siebe hört nimmer auf." —

Durch die Herzen der Verlobten bebten andachts­volle Schauer, und al» sie endlich die Ringe wech­selten und der Pfarrer ihre Hände in einander fügte, da klang von beider Lippen fest und freudig da« bindende „Ja". —

Der Trauungsakt war zu Ende. Die Neuver­mählten empfingen die zärtlichen Glückwünsche der