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Volksandranges ohne jede Störung und bei gün­stigem Wetter. Der Festzug, welcher den Bischof vormittags 9 Uhr in seiner Wohnung abholte und denselben nach dem Schluffe der kirchlichen Feier wieder dahin zurückgeleitete, war äußerst glänzend. Um 3V2 Uhr findet ein großes Fest­mahl in der festlich geschmückten Stadthalle statt, zu welchem gegen 1500 Theilnehmer angemeldet sind. Heute Abend wird dem neuen Bischof und den hier anwesenden auswärtigen Bischöfen durch einen Fackelzug, verbunden mit Musik und Ge­sangsvorträgen, eine Huldigung gebracht werden. Mehrere Sonderzüge brachten zahlreiche Auswärtige, welche on den Festlichkeiten theilnehmen.

Ausland.

* Der österreichische Ministerpräsident Graf Taaffe und der Finanzminister v. Dunajewski sind in Hollenegg beim Fürsten Alfred Liechten stein zu Besuch gewesen, und nun gibt es ein allgemeines Kopfzerbrechen darüber, was sie dort wohl gethan haben mögen. Das ,Grazer Volks­blatt' sagt, die Zusammenkünfte der Staatsmänner hätten wie jene der Monarchen nicht viel zu be­deuten.

* London, 26. Juli. Lord Salisbury ist heute zurückgekehrt und hat die Kabinetsbil- dung übernommen. Das Parlament tritt am 5. August zur Sprecherwahl zusammen und vertagt sich nach einer etwa neuntägigen Session bis zum Oktober.

* Im nördlichen Schottland ist es zu agra­rischen Ruhestörungen gekommen. Zur Wieder­herstellung der Ruhe wurde ein Kanonenboot mit einer Abtheilung Seesoldaten ausgesendet.

Aus Ltadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 27. Juli.

** Die geräuschvollen Tage des Kreisturn­festes, welche in grellem Kontraste zu der ge­wohnten Alltagsstille unserer soliden ruhigen Stadt auf recht angenehme festfreudige Weise zur vollen Wirkung gelangten, liegen bereits hinter uns, und bei der Fülle des Gebotenen ist es nunmehr Sache des Berichterstatters, den Gesammt-Festverlauf in einem möglichst umfaffenden Rückblick übersichtlich zu schildern und die Glanzpunkte gebührend hervor-

ein Schatten die EingangSthür der Veranda ver­dunkelte und der Besitzer deffelben vor ihr stand. Es war fast, als ob alle ihre Gedanken ihn her­beigezogen, wenigstens dachte sie so, sie sah zu ihm auf; auf seinem männlichen Antlitz lag eine tiefe Bewegung.

„Du hast die frohe Nachricht wohl auch schon erhalten?" sprach er leise: „wie glücklich wird Edgar sein."

Lia Rose streckte ihm beide Hände entgegen, sie sprach kein Wort, aber in ihren Augen schimmerte etwas, was den Mann erzittern machte. Er zog ihre Hände gegen seine heftig arbeitende Brust, sein Blick hing in banger, heißer Frage an ihrem bewegten Antlitz. — Lia Rose verstand diesen Blick, in den sich des Mannes ganze Seele drängte, sie nickte leise und sich zu ihm neigend, lehnte sie still ihren Kopf an seine Schulter.

Ueber Walters Lippen brach ein Laut tiefster Seligkeit; er breitete die Arme aus, wie wenn er die süße Gestalt an sich pressen wollte in stürmi­schem Umfangen, aber er bezwang sich selbst dies­mal: sanft, als berührte er etwa» Heiliges, legte er die Hände um ihr Haupt und drückte ihr den Brautkuß auf die reine Stirn.

„Du hast lange gehofft und geharrt, willst Du

zuheben. Da ist nun vor Allem desjenigen Um­standes gedenken, der von Menschenhand unab- hängig doch das belebende Element solcher Feste, der zu dem ganzen Bilde gleichsam den gefälligen Rahmen bildet, wir meinen den milden Sonnen­schein, der zwischen Wolken hindurch verklärend auf das Ganze wirkt, die Wärme, welche von außen kommend die innere entzündet, das herrliche Festwetter, welches um so angenehmer em­pfunden wurde, je bedenklicher die Situation noch kurz zuvor, ja selbst am Sonnabend noch gewesen, und das sich während des Hauptfesttages zu einem schönen Festgruße von oben, zu einem „Gut Heil" aus höheren Regionen Lestaltete, während die Wit- terung am gestrigen Montag eine zwar weniger günstige, aber immerhin recht leidliche war. Alle Vorbedingungen zur erfolgreichen Durchfüh­rung eines großen Turnfestes waren, wie schon im Voraus erwähnt, seitens des Festausschusses glänzend erfüllt, und so fanden denn auch die Turner Alles trefflich vorbereitet, eine prächtig geschmückte, freundliche Stadt, die herzlichste Auf­nahme bei ihren Bewohnern und Dank der Be­reitwilligkeit Sr. Königl. Hoheit des Landgrafen von Heffen in den Räumlichkeiten des Schloß­gartens einen Festplatz von seltener Schönheit. Dem Festprogramm entsprechend trat am Sonn­abend des Nachmittags 2 Uhr der Kreisturnaus- schuß des 7. Turnkr'ises zu einer Sitzung zusam­men, der sich 4 Uhr der Kreisturntag im Saale der „Harmonie" anschloß. Kreisturnwart I än e ck e - Fulda bewillkommnete die 60 Abgeordneten in herzlichen Worten. Hamman-Fulda begrüßte ebenfalls die fremden Gäste und wünschte dem Fest einen glücklichen Verlauf. Der Kreisvertreter Al- born-Göttingen gab den Jahresbericht und hob die gedeihliche Entwicklung der Turner im 7. Turn­kreise hervor. Derselbe zählt 60 Vereine mit 6000 Mitgliedern. Der Berichterstatter ermahnte, ferner­hin das Zöglingsturnen noch mehr zu pflegen, da­mit ein gesunder Nachwuchs heranreife. Aus dem Kaffenberichte sei erwähnt, daß in diesem Jahre ein Ueberschuß von 531 Mk. 94 Pf. sich heraus- stellt, der aber wegen der deutschen Turntage im nächsten Jahre Verwendung findet. Die ernannten Revisoren konnten während der Sitzung die Prü­fung der Rechnung nicht vollenden und wird der bezügliche Bericht nachträglich erstattet werden. Um jedoch solche Verzögerungen künftig zu verhindern,

mich nun hinnehmen wie ich bin, als Dein treues Weib?" fragte sie leise.

„Du mein — mein Weib? o, sage es noch einmal, daß ich's fassen kann," klang es bebend zurück. „Du all' mein Glück — wie will ich Dich lieben und tragen-"

Es war eine stille, aber darum nicht minder freudige Verlobungsfeier, als der junge Förster die endlich errungene Braut seinen beglückten Eltern zuführte. Wenn Lia Rose ein Opfer brachte, so wurde es ihr reich gelohnt durch die rührend dank­bare Zärtlichkeit der Ihren: Frau Martha's sanf­tes Antlitz leuchtete von innerer Seligkeit und über des Oberförsters wetterbraune Züge rann eine Helle Thräne in den grauen Bart, als er „sein Wald- prinzeßchen" in die Arme schloß und sanft ihre Locken streichelnd, leise flüsterte: „Das hast Du gut gemacht, kleine Else."

Zuletzt traten dann die Verlobten vor den Ses­sel des Blinden. „Wollen Sie mir Ihr Kind an­vertrauen, Vater?" fragte Walter mit bewegter Stimme.

Giulio Goldini fügte mit frohem Lächeln ihre Hände ineinander. „Von Herzen gern nehmen Sie hin meine Cecilia und machen Sie sie so glücklich, wie sie es verdient."

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Sb ,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis oh... —«... belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.' Inserate: Di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Juli.

** Die aus Pariser und Londoner Blättern von Berliner Zeitungen übernommene Nachricht von bevorstehenden wichtigen Umwandlun­gen im diplomatischen Personal wird in der .Kölnischen Zeitunq' als eine Unwahrheit be­zeichnet. Die Nachricht ging bekanntlich dahin, der deutsche Botschafter in Paris, Graf Münster, werde zurücktreten, durch den deutschen Botschafter in London, Grafen Hatzfe d, ersetzt werden und Staatssekretär Graf Herbert Bismarck als Bot­schafter nach London gehen.

* Der Redacteur der .Germania', Herr Adolf Körnig, sollte sich vorgestern vor der Ferien­strafkammer des Landgerichts I. wegen Beleidigung des Eisenbahnministers verantworten. Der Ter­min mußte vertagt werden, da der Angeklagte, der sich augenblicklich auf einer Ferienreise in der Schweiz befindet, nicht erschienen war. Es wurde beschlossen, ihn in Haft zu nehm.n.

* Köln, 25. Juli. Heute Morgen wurde das kürzlich vollendete neue Gesellenhaus an der Breitenstraße, das mit seiner vornehmen, einfachen Architektur eine Zierde unserer Stadt bildet, unter Theilnahme der Spitzen der Behör­den, vom Erzbischöfe feierlich eingeweiht. Das­selbe ist ziemlich umfangreich, in gothischem Stil in Blendstein mit reicher Verwendung von Hau­steinen aufgeführt; es ist darauf eingerichtet, 200 Personen Unterkunft und leibliche Verpflegung, Unterricht und Unterhaltung zu gewähren. Etwa hundert Gesellen wohnen ständig im Hause.

* Mit Sonntag, dem 25. Juli, ging die Lan­destrauer in Baiern zu Ende und wurde das Trauergeläute für den verstorbenen König ein­gestellt.

* Kissingen, 25. Juli. Der österreichisch- ungarische Minister des Auswärtigen, Graf Kal- noky, ist gestern Abend wieder abgereist.

* Mainz, 25. Juli. Heute fand im Dome die Consecration des Bischofs Dr. Paulus Leopold Haffner durch den zum Erzbischof gewählten Bischof Voß von Limburg, unter Assistenz der Bischöfe von Eichstädt und Trier statt. Als Kom­missar der Regierung wohnte der Provinzial­direktor Geheimrath Küchler der F-ier bei. Die­selbe verlief würdig und trotz des ungeheuren

Die Tochtkr -es Seigers. 41

Roman von C. Armand.

Dort oben über den Sternen, die er stet» so sehr geliebt, und die er auf Erden nicht mehr sehen sollte, wartete seiner ja ewiges Licht und Lia Rose liebte ihren Vater mit zu selbstloser Liebe um ihm dieses heiß verlangte Glück zu miß­gönnen. Sie bekämpfte muthig die Trauer über den unabwendbaren Verlust, der ihr drohte und nahm dankbar froh die schöne Zeit hin, die sie durch ihre Liebe ihm noch verschönern durfte, und die so leicht verklärt wurde durch den Ruhmesglanz, der nun endlich die leuchtende Strahlenkrone auf sein geliebtes Haupt gedrückt und seinen Namen als hellen Stern an den Himmel der Kunst geheftet.

In Lia's Seele wurde es hell und heller, freund­liche Bilder stiegen vor ihr auf. Sie sah das kleine traute Forsthaus und sich selbst als junge Hausfrau darin walten zum Glück und Segen zweier theueren Menschen. Sie gedachte auch ihres lieben Dörfchens und all' ihrer lieben Schützlinge darin, für die sie dann wieder sorgen durste wie einst, und ein fast kinderfrohes Lächeln umspielte ihren feingeschnittenen Mund.

Die Erinnerung an das Forsthaus nahm sie so sehr gefangen, daß sie nicht erstaunte, als plötzlich

1886

— mit der