165.
Freitag, den 23. Juli
1886
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Die Tochter des Seigers.
Roman von C. Armand.
Das Konzert begann.
Wie ein breiter stolzer Strom flutheten machtvolle Tonwellen durch den weiten Marmorsaal, an besten schimmernde Wänden noch niemals solche erhabene Klänge geschlagen. Die Chöre fielen ein: ernst und klagend stiegen die Gebete des Volkes Israel zum Himmel empor, das seinen Herrn um Rettung anfleht aus der Begrängniß, in die seine Sünden es wiederum gestürzt.
Allmählich wird die Musik Heller und freudiger. Der Herr erhört das Flehen seines Volkes und erweckt ihm einen Retter in Jephia dem mächtigen Richter.
Wie hinreißend klangen von des Sängers metall« reicher Stimme die muth- und feuerdurchglühten Worte des biblischen Helden, mit denen er die Seinen zum Kampfe auffordert!
Giuilio Goldini beherrschte von^ seinem Pulte aus wie ein König die gewaltigen Tonmasten, die ihn umwogten; seine Brust hob ein tiefer Äthern« zug; so und gar nicht anders hatte er sich feinen Jeptha gedacht!
Wilder, kriegerischer erklingt die Mupk. Das Volk zieht hinaus zum Kampfe mit den stolzen Feinden, und feierlich hallen die verhängnißvollen
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli.
♦ Der Kaiser reist am 10. August von Gastein ab. Am 8. August trifft das österreichische Kaiserpaar in Gastein ein und wird dort bis nach der Abreise des deutschen Kaisers verbleiben. Am 2. Aug. treffen Fürst und Fürstin Bismarck einer Wiener Meldung zufolge in Gastein ein.
• Der .Reichsanzeiger' publicirt die preußischen Gesetze betr. die Heranziehung vonMilitär- personen zu Abgaben für Gemeindezwecke, da- tirt Bad Ems 29. Juni 1886, und betr. den Beitrag des Staates zu den durch den Anschluß der Stadt Altona an das deutsche Zollgebiet veranlaßten Kosten, datirt Bad Ems 30. Juni 1886. , ,
• Der .Moniteur de Rome' schreibt: „Die .Rordd. Allgem. Ztg.' stellt lange Betrachtungen über „die ultramontane Presse" an,welche den Streit fortsetzen wolle, obgleich die Autoritäten Frieden gemacht hätten. Sie glaubt, daß die Bischöfe den jungen Klerus, der Geschmack an den kirchenpolitischen Kämpfen gewonnen, nicht in Disziplin werde halten können. Die.Norddeutsche' scheint zu vergessen, daß die Katholiken stets die über ihnen stehende Autorität respek- tirt haben und daß der Gehorsam gegen kirchliche Obere immer ihre Stärke gewesen ist." Der Moniteur' spricht hier eine fundamentale Wahrheit aus, auf welcher die Stärke des Katholizismus ruht.
* Für die Unverfrorenheit, mit welcher die Nationalliberalen desCentrums und der Konservativen Verdienste sich anzueignen wissen, bietet die in Frankfurt a. M. erscheinende .Süddeutsche Allgemeine Korrespondenz' einen vorzüglichen Beleg. Bei Gelegenheit einer kurzen Besprechung der am 12. Juli d. I. stattgehabten ersten Sitzung des Reichsversicherungsamtes wird auf die erfolgte Vollendung des Unfall-Ver- sicherungsgesetzes hingewiesen, und dann heißt es weiter: „Die nationalliberale Partei kann mit Stolz auf den großen Antheil Hinweisen, der ihr an dem Zustandekommen des Gesetzes zukommt. Nun ist das Unfall-Versicherungsgesetz vom 6. Juli 1884 gegen den Willen der Nationalliberalen zu
Stande gekommen, wenn es schließlich auch deren formelle Zustimmung erlangt hat. In der ersten Lesung erklärten sich die Abgeordneten Oechelhau- ser und Buhl im Namen der Partei so entschieden als möglich gegen die Vorlage, und dieselbe hatte die Kommission" nicht erlebt, wenn es nicht gelungen wäre, außerhalb derselben eine Vereinbarung zwischen der Regierung, den Konservativen und dem E e n t r u m zu Stande zu bringen, an welcher die Nationalliberalen trotz des gleichzeitigen „Heidelberger Aufschwunges" nicht betheiligt waren. Selbst Herr v. Bennigsen, der gerade damals (18. Mai) in Berlin eine mit großem Lärm in Scene gesetzte Parteioersammlung abhielt, muß ahnungslos gewesen sein, da sich die völlige Ueberraschung seiner im Reichstage sitzenden Freunde sonst nicht erklären ließe. Der mit dieser Ueberraschung verbundene Aerger war so groß, daß die nationalliberalen Kommissionsmitglieder, wenn wir uns recht erinnern, an den Verhandlungen keinen ferneren Antheil nahmen, sondern die Reichshaupt- stadt verließen. Hinterdrein haben sie und die Ihren allerdings gute Miene zum bösen Spiel gemacht, und diese bescheidene Leistung ist er, die jetzt als „großer Antheil" an dem Zustandekommen des Unfallversicherungs-Gesetzes bezeichnet wird.
* Der Andrang von solchen Personen, welche sich zu den in Folge der Vermehrung der Zahl der Loose der königlich preußischen Klaffen-Lotterie zu vermehrenden Kollekteurstellen bei der General-Lotterie-Direktion gemeldet Haben, ist em so enormer gewesen, daß die Zahl derselben sich auf mehrere Tausend belief. Für die betreffenden Beamten, welchen diese Aufgabe zusiel, war es keine leichte Arbeit, aus dieser großen Menge von Bewerbern, welche alle die möglichst besten finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Garantien boten und Empfehlungen der mannigfachsten Art beigelegt hatten, die geeignetsten Personen heraus- zusinden, und ob dies gelungen ist, dürste auch erst die Folge erweisen. Jetzt ist die Wahl der betreffenden Kollekteure beendet und wer von den Bewerbern bis jetzt noch keinen definitiven Bescheid betreffs seiner Anstellung erhalten hat, darf keine weiteren Hoffnungen hegen und kann immer nut Sicherheit annehmen, daß sein Gesuch nicht berücksichtigt ist, da den abgelehnten Bewerbern wegen
Worte durch ~den todtenstillen Raum, mit denen Jephta das Erste, was ihm nach gewonnener Schlacht aus seinem Hause entgegentreten wird, dem Herrn zum Opfer gelobt. ,
Der Kampf beginnt: das Orchester erbraust in betäubendem Lärm der Schlacht. Sie wird gewonnen, zum Himmel schwingt sich der jauchzende Triumphgesang der heimkehrenden Sieger.
Da — die lauten Klänge verstummen; — den Kriegern entgegen wallt eine Jungfrauenschaar, allen voran im festlichen Schmucke Jephtas Tochter, die jugendschöne Achsa.
Sanfte Instrumente beginnen eine weiche, jubel« volle Melodie, Lia Rose öffnete die Lippen; glockenhell und rein wie Lerchenschlag schwang ihre Stimme sich wie auf Engelflügeln empor, in preisendem Lobgesang, mit dem Achsa den geliebten Vater be- gE. , .
Doch Jephtas Lippen entringt sich em Schrei unaussprechlichen Jammers, der grausamste Kamp zwischen Pflicht und Liebe zerreißt sein Herz, und sein Gesang durchläuft in erschütternden Lauten eine ganze Skala von Schmerz und Verzweiflung, begleitet von den Klagen seines Volkes, das mit seinem Helden trauert.
Dazwischen klingen . mild und versöhnend die tröstenden Worte der zarten Tochter, dir in hel« denhaftem Opfermnth ihr furchtbares Schicksal auf
ihrer großen Zahl eine direkte Antwort nicht zu- geht. Im Uebrigen ist, wie die ,Voff. Ztg.' hört, bei Besetzung der neu errichteten Kollekturen nicht, wie man glaubt, die Zahl der Kollekteure einfach verdoppelt worden, sondern die General-Lotterie- Direktion hat die sich ihr darbietende Gelegenheit benutzt und Veranlassung genommen, die bisher bei der Vertheilung der Loose an die Kollekteure bestehenden Ungleichheiten, welche dem einen Kollek« eur mehr Loo>e zuwiesen, als dem andern, auszugleichen. Hierbei ist ihr namentlich der neue Modus der Achtelloose wesentlich zu Hilfe ge- kommen, welche am 16. August d. I. zum ersten Male zur Ausgabe gelangen werden.
* In Kissingen ist heute Mittag 12'^ Uhr der österreichische Minister des Auswärtigen Graf Kalnoky zum Besuch des Reichskanzlers emge- troffen. Wie es heißt, wird Graf Kalnoky 8 Tage n Kissingen verweilen, dort ist gegenwärtig auch der russische Botschafter in Paris. Baron Mohren- jeimb anwesend, welcher mit dem Fürsten Bismarck sich in lebhaftem Verkehr befindet. Vor der Abreise des Herrn Grafen Kalnoky von Kissingen dürfte auch der ruffische Minister des Auswärtigen, Herr von Giers, dort eintreffen.
* Freiburg, 20. Juli. Gestern bildete sich hier ein Komitö, um die Festlichkeiten zu be« rathen und vorzubereiten, welche in Stadt und Land bei Empfang, Einzug und Inthronisation Seiner Excellenz des neuerwählten Hochwürdigsten Herrn. Erzbischofs Dr. I. Ehr. Roos stattfinden sollen. Den Vorsitz führt der hochwürdige Herr Dompfarr-Rektor, Domkapitular Rudolf, an den auch etwaige Anfragen und Anträge gerichtet werden wollen. , ,
* Aus Hessen, 21. Juli schreibt man der ,Frkf. Ztg.': Der Großherzog von Heffen hat im 2. Quartal d. I. 41 Stiftungen und Vermächtnissen im Gesammtbetrage von M. 48,027 die landesherrliche Bestätigung ertheilt. Es entfallen hiervon 19 Stiftungen mit zusammen M. 16,»05 Kapital auf katholische Kirchen und Anstalten, 7 Stiftungen mit M. 4966 auf evangelische und 2 Stiftungen mit zusammen M. 1100 auf israelitische Kultusanstalten. Städte und Ge- meinden erhielten 8 Schenkungen mit zusammen M. 11,600, öffentliche Kranken«, Armen- und sich nimmt und durch ihre Ergebung den gebeug' ten Vater aufzurichten sucht.
Als Lia Rose's weiche Stimme in frommen, sphärenhaften Tönen die Worte sang:
„Laß beten uns Vater um Kraft von oben „Nicht verlassen wird uns der ewige Gott „Ich sühle mein Herz von Muth erhoben „Für Dich will ich freudig erleiden den Tod.
Da blieb kein Auge trocken im Saale.
Ja, sie bedurfte der Kraft von Oben, die fromme Jungfrau. Nicht nur dem Leben muß sie entsagen, auch der Liebe die mit all ihrer berauschenden Seligkeit in ihrem jungen Herzen aufgekeimt.
In heißem Flehen vereint sie ihr Gebet nut dem des Vaters: was der jungen Sängerm Stimme mit so ergreifender Wahrheit zum Ausdruck brachte, — sie hatte es ja selbst empfunden: auch sie hatte ihrer Siebe entsagt um ihres Vaters willen, sie die wie keine befähigt Jephtas Tochter zu singen.
Die Handlung schreitet fort. Von ihren Jungfrauen begleitet, zieht Achsa hinauf ins Gebirge, dort in der Einsamkeit sich zum Tode zu bereiten. Mit jeder Nummer steigert die Schönheit der Musik, die Stelle, wo Achsa von dem Geliebten Abschied nimmt, gehört zu den Perlen des Werkes.
Endlich ist die Zeit gekommen, wo das Gelübde sich erfüllen soll und Achsa kehrt zu ihrem Vater zurück. — Jephtas starke Seele hat sich in furcht«
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