Einzelbild herunterladen
 

J\g 163.

Mittwoch, den 21. Juli

1886

WWU-

*L. SSCF-&' A v

»’» ,Fuldaer gtttxng' «scheint t«,lich. Sonn- und Feiertage aulgenommen. Vierteljährlicher «bonnementSprels ohne Brmgerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der beüetristtsch«, Wochenbeilag« ,Sterne utt» Blttwett* in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg.

Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

-rm ;kitungslesku-ell Publik«« der Stabt «ab Diözese Mda zur gest. Seachtoug!

Wir gestatten uns hiermit die verehrlichen Zeitungs-Leser und Leserinnen der Stadt und Mistes« Fulda auf eine mit Beginn des Monats August dieses Jahres in der »Ful­daer Zeitung' erscheinende seuiRetSNistische Arbeit von autzergewöhnlichem Interesse aufmerksam zu machen.

Die betreffende, aus berufener Feder stammende, von edlem, christkatholischem Geiste getragene, vortreffliche Arbeit ist betitelt

Der Dombaumeister von Fulda und zeichnet sich aus durch geschickte Behandlung eines an dramatischen Zügen reichen historischen Stoffes, so daß sie mit dem lokalen Interesse, das sie in hohem Grade erregt, zugleich die Eigenschaften einer guten Roman-Lektüre verbindet.

MB* Mit Rücksicht auf den Anfangs August beginnen- den Abdruck empfiehlt es sich für alle Diejenigen, welche nicht schon Quartals-Abonnenten der ,Fuldaer Zeitung' sind und sich diese hochinteressante Lektüre nicht entgehen laffen wollen, von dem üblichen

ME* Zwei-Monats Abonnement *W> Gebrauch zu machen, welches

pro August und September mit dem 1. August eröffnet wird.

Der Abonnementspreis beträgt für zwei Monate M. 1.— (nebst Bestellgeld). Bestellungen nehmen alle Post­anstalten und Landbriefträger sowie die Zeitungsexpedition (Buttermarkt 112) entgegen.

M Neu hinzutretenden Abonnenten wird die Zeitung bis Ende Juli gratis geliefert.

iqj Zur Strikebewegung.

Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß bei einem normalen Stande von Industrie, Handel und Verkehr auch die Zufriedenheit der Arbeiterklasse weit mehr vorzufinden ist, als wenn Handel und Industrie zu einer schwindelhaften Blüthe emporgetrieben werden, oder unter dem Drucke böser Zeitverhältnisse gänzlich darnieder- liegen — sich also in Externen bewegen. Als der Milliardensegen von 1871 Deutschland in einen Taumel von Glück und Wohlstand versetzte und die Industrie auf allen Gebieten eine überstürzte, geradezu Haussebewegung durchmachte, da wurde

Die Tochter des Geigers. 37

Roman von C. Armand.

Walter hatte die Arme über die Brust gekreuzt und blickte, den Kopf gegen den breiten Stamm der Linde gelehnt, träumerisch in die von der scheidenden Sonne röthlich angestrahlten Fenster seines einsamen Hauses, das seine Phantasie mit den lieben Gestalten bevölkerte, die es ihm früher zu einer trauten Heimstätte gemacht.

Neben ihm lehnte sein Rohr, jene selbe Jagd­flinte, die er damals von der Forstakademie mit heim gebracht, und die ihm als ein Abschiedsge­schenk seiner einstigen Komilitonen, eine liebe Erinnerung an die goldene, frohe Studentenzeit geblieben.

Nur selten gönnte der junge Förster seinen Ge­danken den Flug, den sie heute genommen. Die Vergangenheit sollte tobt für ihn sein, er suchte jede Erinnerung daran, durch angestrengte Arbeit zu betäuben; vielleicht fühlte er, daß seine Kraft einem steten Kampfe mit dem Schmerz, der heim­lich in ihm wühlte, nicht gewachsen sei und fürch­tete sich, den Dämon zu wecken, der ihn dahin bringen könnte, die Last eines Lebens von sich zu werfen, das keine Hoffnung auf die Zukunft besaß. —

Auch heute hatte er die Tagesstunden vollstän-

auch die Arbeiterwelt von jenem Taumel ergriffen und es war soweit gekommen, daß die Arbeiter mit Goldstücken spielen konnten, während der Be­amte mit seiner Silbermünze vor wie nach sehr ökonomisch zu Werke gehen mußte. Aber wie der Mensch nie zufrieden wird — am allerwenigsten, wenn es ihm recht gut geht und er sich allzuwohl fühlt, — so schraubten auch die Arbeiter ihre Ansprüche immer höher und wir erinnern uns sehr gut, wie auf verschiedenen Werken mit so­fortiger Arbeitseinstellung gedroht wurde, wenn nicht der Lohn erhöht werde. Die Ge­schäfte gingen brillant, es wurden koloffale Sum­men Geld verdient, und so konnten die Fabri­kanten dem Verlangen der Arbeiter auch leichter nachgeben, und sie mußten es, wenn sie die Glanzperiode überhaupt ausbeuten wollten.

Näher liegt das Bestreben durch einen Strike höhere Löhne zu erzwingen, wenn dieselben durch traurige Zeitverhältnisie, wie gegenwärtig, auf ein äußerst niedriges Niveau herabgesunken sind. Da steigert sich die Unzufriedenheit der Arbeiter in demselben Maße, als das Verdienst knapper wird, bis sie endlich in eine offene Reni­tenz ausbricht und sich durch die hartnäckige Weigerung, die Arbeit zu den bisherigen Löhnen fortzusetzen, Luft macht.

Im Allgemeinen muß man dem deut­schen Arbeiter das Attribut der Besonnenheit, Ruhe und Duldsamkeit zutheilen, wodurch er Ge­waltakte und Zwangsmittel perhorrescirt und sich von seinem ausländischen Kollegen vortheilhaft unterscheidet. Wir glauben auch nicht, daß es deshalb bei uns so leicht zu Scenen kommen würde, wie man sie vor einiger Zeit in Belgien erlebt hat, wo das lebhafte sanguinische Tempera- ment des Volkscharakters solche Ausschreitungen begünstigt. Doch man soll niemals sagen, „Nie­mals", wie einst Herr Dr. Windthorst dem Kul­tusminister treffend bemerkte. Auch in Deutsch­land können Zeiten und Umstände eintreten, wo die Strikelust wächst und über die Gutmüthigkeit des deutschen Michels hinwegschreitet.

Es gährt in der That unter den Maurern verschiedener Städte Deutschlands schon lange Zeit — besonders in Berlin. Hie und da hat man die Arbeit eingestellt und bestimmte Minimal -

dig den Pflichten seines Berufes gewidmet, und vielleicht war es eben die physische Erschöpfung, die ihm die sonst streng geübte Widerstandskraft gegen die Erinnerung an die jüngste Vergangen­heit raubte, die ihn nun urplötzlich mit all' ihrem Schmerz und all' ihrer Bitterkeit über- fluthete. —

Bild um Bild stieg auf vor dem nach innen gekehrten Blick. Er sah sie vor sich stehen in all' ihrer zauberhaften Anmuth und Lieblichkeit, die süße Blume, die an sein Herz zu nehmen der Traum seines Lebens gewesen. Hätte er sie nur glücklich gewußt! Dem Glücke hätte er sie abge­treten, auch wenn es sie an die Seite eines Andern geführt hätte — aber so! Ec athmete schwer, wild preßte er die geballte Hand gegen die Stirn, und mit einem Tone fast leidenschaftlichen Vorwurfs rang sich ein Laut über seine Lippen, ein Name — „Edgar." —

Doch nein — er schämte sich der zormgen Regung gegen den Freund — nicht ihn durfte er anklagen, auch er war ja unglücklich, nur das eigene Herz, das den Menschen stets das heißeste Begehren läßt, was ihm am unerreichbarsten ist. Warum war er nicht gestorben, der Tod war ihm ja schon zweimal so nahe gewesen. —

Wie ein Taumel kam es über ihn. Da war er, der Dämon, den er gefürchtet, — er drückte

Lohnsätze vorgeschrieben — etwa 4—5 Mark pro Tag — und theils mit, theils ohne Erfolg. Zu großen allgemeinen Striken, die längere Zeit anhielten, ist es jedoch bisher nicht gekommen.

Die Fra^e, ob man den Arbeitern das Recht einräumen müsse, durch Arbeitseinstellung höhere Löhne zu erzielen, müssen wir entschieden be­jahen, so lange sich diese Bestrebungen auf ge­setzlich em Boden bewegen. Der Arbeiter hat sich und seiner Familie gegenüber nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, seine Arbeitskraft so gut und lukrativ als möglich auszubeuten — ebenso wie der Börsenmann die Konjunktur in seinem Interesse verwerthen, seine Effekten losschlagen oder zurückhalten darf. Die Arbeitskraft bildet ja das einzige Kapital, womit der Arbeiter operiren kann. Ihm für dieses Kapital einen bestimmten Zinsfuß, d.h. Lohn vorschreiben wollen, über den er nicht hinausgehen dürfe, hieße seinen freien Willen, seine Freiheit und Selbstständigkeit unter­graben. Dem Arbeiter muß es unbenommen blei­ben, eine Forderung für seine Leistung zu stellen, oder das zu geringe Angebot zurückzuweisen. Eine Berechtigung, durch Arbeitseinstellung höhere Löhne zu erzielen, läßt sich also dem Arbeiter durchaus nicht abstreiten.

Aber Kraft, Fleiß, Geschicklichkeit und dis aus diesen Faktoren resultirenden Leistungen sind sehr verschieden, und deshalb erscheint es gewagt und nicht recht mit der Vernunft vereinbar, allgemein giltigeMinimal-Löhne aufzustellen. Wie kann man dem Arbeitgeber zumuthen, daß er dem fau­len, ungeschickten Arbeiter denselben äußersten Lohn zahlen soll, wie dem talentvollen, leistungsfähigen Manne! Anders ließe sich die Sache schon hören, wenn für bestimmte Arbeiten derselben Gattung gut und nach allen Regeln der Kunst ausgeführt, der gleiche Lohn fixirt ist. Aber die Minimal- Löhne en bloc streifen doch sehr an sozialdemo­kratische Gleichheit und Brüderlichkeit, wobei kein Arbeitgeber bestehen könnte.________(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juli.

* Der Kaiser ist heute Abend in Gastein eingetroffen.

* Es heißt, der französische Botschafter am

ihm die Büchse in die Hand, die noch geladen neben ihm lehnte, — „Du brauchst nur den Finger zu bewegen, um Ruhe zn haben", flüsterte er in sein Ohr, — Ruhe! — er schloß die Augen, seine Hand glitt an den Flintenlauf hinunter — da — hastige Schritte — sein erhobener Arm wurde herabgezogen, er fühlte ein paar heiße zuckende Lippen auf seiner Hand und die Augen öffnend, sah er auf Fürst Edgars stolze Gestalt, der gesenkten Hauptes vor ihm auf dem Boden kniete. — .

Wenn wirklich ein Groll gegen den Freund rn Walters Seele gelebt, vor diesem Antlitz schmolz er dahin: er riß den Fürsten empor in seine Arme — sprechen konnte er nicht, die stumme Abbitte des stolzen Mannes, dessen Stirn sich noch vor Niemand gebeugt, erschütterte ihn bis ins tiefste Herz. _ -

Welch' ein Wiedersehen! Wortlos Brust an Brust geschloffen, standen die Freunde und gaben und empfingen von Auge zu Auge aufs Neue die Bestätigung der alten Treue, die das Leid über­dauert, dessen Spuren einer in des andern Zü­gen las. z

„Sieh, ich mußte Dich sehen, Deine Verzeihung von Deinen eigenen Lippen hören", sagte der Fürst als der erste Gefühlssturm sich gelegt und er nun den Arm in den Walters geschoben, mit