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der Oberh. Ztg.': Zu Ehren des heute beginnen­den landwirthschaftlichen Festes ist die Stadt mit sahnen, Guirlanden und Bäumen reich geschmückt. Die Morgenzüge brachten noch zahlreiche Gäste aus den verschieden st en Theilen Hessens. Anwesend sind auch die Herren Regierungspräsi- dent Magdeburg, Geh.-Rath Wendelstadt und Reg.- Jiath Metz. Auch auf dem Festplatz, der in jeder Weise als recht gelungen bezeichnet werden muß, herrscht reges Leben, wenn auch das Wetter nicht günstig ist. _

* Cassel, 16. Juli. Die landgrafliche Fa- milie weilt seit einigen Tagen auf Schloß Schön­feld. Zum Besuch traf vorgestern dcr Fürst von Waldeck ein und reiste Abends nach Pyrmont weiter.

* Neustadt a. S>, 16. Juli. Am Kilianfest war die Rhönbahn sehr staik frequentirt, die Lüge waren gestopft voll. Dementsprechend war auch das Fest auf dem Kreuzberg sehr besucht. An 20 Prozessionen mit über 1000 Personen waren auf dem Kreuzberge erschienen. Doch war das Wetter nicht zum besten, da es einzelne kleine Regenschauer gab und auch die Temperatur sehr kühl, der Boden aber feucht war.

* Eisenach, 16. Juli. Der Großherzog und die Prinzessin Elisabeth treffen laut der ,Eis. Ta­gespost' morgen Nachmittag 4 Uhr 20 Minuten mit Gefolge hier ein und werden sich sogleich zu längerem Aufenthalt nach Wilhelmsthal begeben.

* Frankfurt a. M., 16. Juli. Heute Mor- gen um l/z6Uhr rückte das 11. Artillerie-Re­giment /"welches über Nacht hier und in den umliegenden Ortschaften einquartirt gewesen, mit klingendem Spiele durch die Stadt nach dem Gries- Heimer Lager.

* Limburg, 15. Juli. Ganz unerwartet war gestern Mittag um 1 Uhr Excellenz Windt- horst von Ems aus in unserer Stadt erschienen und stattete dem Hochw. Herrn Bischof, Herrn Domdekan Klein und Herrn Landtagsa'ogeordneten Cahensly einen Besuch ab, worauf er wieder, nachdem ihm noch ein prachtvolles Bouquet ver­ehrt, wie der ,Nasi. B.' meldet, um 6 Uhr nach Ems zurückfuhr. Die „kleine Excellenz" sieht trotz der überlangen Parlamentssession frisch und ge- snnd aus, der Tritt ist fest und sicher. Was die Sehkraft des greisen Cemrumsführers angeht, worüber in letzter Zeit in verschiedenen Zeitungen Artikel zu lesen waren,, so ist Windthorst schon seit Jahren genöthigt, sich die vielen Zeitungen vorlesen zu lassen, alle Briefe jedoch liest er noch heute selbst.

* Wiesbaden, 15. Juli. Unserem Mit­bürger Herrn Geh. Hofrath Dr. Gustav F r e y- tag ist doppelte Ehre jüngst widerfahren. Der hiesige Gememderath beschloß einstimmig in seiner gestern stattgehabten Sitzung, anläßlich des <0. Geburtstages des Dichters, den Theil des Hainer- weg's oder der Blumen- bis zur projektirten Ring­straße, den Namen „Gustav Freytag-Straße" bei- zulezen. Die Steuer-Veranlagungskommission hin­gegen hat den Dichter um fast den dreifachen Betrag der bis jetzt von ihm bezahlten Einkommen­steuer erhöht. Wie wir hören, soll Freitag gegen den letzteren Theil der ihm zugedachten Ehre ener­gisch remonstrirt haben.

— Die vor kurzem in Wiesbaden ver­storbene Frau Generalmusikdirektor Meyerbeer geb. Moffon/ hat laut Testament ein Baaroer­mögen von zehn Millionen Mark hinterlassen. Größere Summen hat die Erblafferin milden Stif­tungen vermacht. Während ihren Enkelkindern die Tantieme von der Oper „Die Afrikanerin" zufällt, erhalten sie außerdem brs zu ihrer Groß­jährigkeit die Zinsen ihres Vermögensantheils.

* Aus dem Rheingau, 15. Juli, erhält die .Franks. Ztg.' folgende Mittheilung: In neuerer Zeit nimmt die Spitzbüberei auf den Eisenbahnen in erschreckender Weise überhand. Selten, erhält man jetzt einen Transport leerer Weinfässer zurück, unter welchen sich nicht viele angebohrte, oft sogar noch mehrfach angebohrte, befinden. Wäh­rend es bei den Spitzbuben früher Sitte war, die Fäffer an der Stelle anzubohren, wo sie von einem Reif bedeckt werden, scheint man sich in letzter Zeit die Mühe des Reifab- und aufschlagens gar nicht mehr zu nehmen, sondern bohrt ohne Weiteres an einer beliebigen freien Stelle an. Da die ange­bohrten Fäffer aus den verschiedensten Rich­tungen kommen, so muß die Dieberei allge­mein gang und gäbe sein. Unter diesen Umstän­den ist es heutzutage geradezu eine gewagte Sache,

einen befferen Wein im Faß ohne Ueberfaß oder sonstige sichernde Umhüllung zu versenden. Wie sehr durch diesen Uebelstand namentlich der Wein- Händler geschädigt wird, liegt auf der Hand, denn in. der Regel dürfte das gestohlene Quantum Wein, um Reklamationen und Nachforschungen zu ver­meiden, durch Wafler ersetzt werden. Eine schär­fere Beaufsichtigung ist daher durchaus geboten. Wenn es in der bisherigen Weise weitergeht, so werden die nicht angebohrten Fäffer bald zur Aus­nahme werden und die Bahnbediensteten nebenbei in den übelsten Ruf kommen. Das ehrliche Bahn- personal sollte daher sorgfältig darauf bedacht sein, die diebischen Kameraden ausfindig zu machen und zur Strafe zu bringen. — Wir hoffen, daß die betreffenden Behörden, die Kenntniß hiervon er­halten, Geeignetes thun werden, um dem gerügten Uebelstande nach Kräften entgegenzuwirken.

* Deutz, 15. Juli. Während Köln sich an­schickt, zur elektrischen Beleuchtung übezugeheu und zu diesem Zwecke in der Stadt verschiedene elektrische Stationen errichtet werden, hat Deutz in seiner letzten Stadtrathssitzung die Offerte der Firma Ehr. Schaurte auf 12jährige Verlängerung des Gaslieferungsvertrags abgelehnt und den Bau und Betrieb einer städtischen Gasfabrik mit einem Anlagekapital von 250,000 Mk. mit schwacher Majorität beschlossen.

Vermischtes.

* Von jetzt ab bis zum 30. September d. I. wird eine direkte Personen- und Gepäckabfertigung nach den Nordsee-Inseln: Borkum über Leer, Norderney übtr Leer und Wilhelmshaven, und Spieteroog, Langeoog und Wangeroog über Wilhelmshaven stattfinden. Hierzu werden Retour- (Saison-) Billets mit 45 tägiger Gültigkeitsdauer auf diesseitigen Stationen Hannover, Braunschweig, Hildesheim, Celle, Göttingen, Caffel, Frankfnrt a. M., Minden und Osnabrück ausgegeben. Das Nähere ist bei den Billet-Expeditionen der vorge­nannten Stationen zu erfahren.

* Der Neid gehört bekanntlich zu den zahl­reichen „Wurzeln alles Nebels". Niemals aber setzt diese Wurzel mehr Fasern an als zur Som­merzeit, wenn ein Theil der Menschheit seinen alten Geschäftspfad weiter traben muß, während die beffer situirte Minderheit i u' s Bad reist. Wer von den Zurückgebliebenen verspürte nicht in seinem Innern etwas von Neid-Bacillus, der mehr und mehr sich auszudehnen, strebt. Alle Augenblicke nimmt ein Freund Abschied, um in die Schweiz, an die See oder sonst wohin auszu­fliegen, und in gelinder Verzweiflung beschließt der Verlassene, am Abend seinen Schmerz in den Gaben des Gambrinus zu ertränken und da­bei durch fröhlichen Spott mit dem Wirth seiner Stammkneipe sich schadlos zu halten. Aber auch der behäbige Wirth ist nicht da; „Fritz", der Kellner, erzählt, er sei mit der Madame nach Wiesbaden gefahren und käme erst in vier Wochen wieder. „Was thut ein Bierwirth in Wiesbaden?" braust der Enttäuschte auf, und in feinem Neide rechnet er aus, wie viel zu dem Reisegelde des Wirthes und seiner umfangreichen Ehehälfte aus seiner eigenen Tasche geflossen sei. Und damit thut Jener nun im Bade groß, spielt den vor- nehmen Mann und schreibt sich vielleicht gar als Rentier, oder, was noch fremdländischer klingt, als Particulier ins Hotelbuch. Der Gast aber muß daheim bleiben, und, von Hitze und Durst ge­zwungen, dem Wirthe weitere Beisteuern leisten, vielleicht schon zum Reisefonds für das nächste Jahr. Da ist der Neid doch eine erklärliche Er­scheinung. Gleichwohl aber soll man sich vor ihm hüten und durch Humor und Zufriedenheit ihm das Feld abgewinnen. Die guten Freunde in Bädern und Sommerfrischen leiden auch unter manchem Ungemach, und wenn Regentage kommen, dann tauschen wir nicht mit ihnen, denn sie leben im Banne der Langeweile ein elend und erbärmlich Leben.

* Die schönste Zeit für die Hausfrauen ist jetzt gekommen; die Zeit der Rathlosigkeit, wenn es'sich darum handelte, was sie morgen für den Tisch bestimmen sollten, ist geschwunden. Gemüse gab es noch wenig, die neuen Möhren schwanden beim Kochen, die alten hatten den Geschmack ver­loren, selbst der sonst so treue Helfer, die Kar­toffel, versagte seine Dienste, die alten liefen blau an und die neuen waren noch nicht gesund. Jetzt

ist mit einem Schlage alles beffer geworden, und während der bisherige Mangel den Hausfrauen Kopfschmerzen verursachte, thut dies jetzt der Ueber- flnß. Junge Gemüse erscheinen in Masse auf den Märkten, Kohlrabi, Schoten, Blumenkohl, Bohnen sind zur Auswahl da, die Möhren werden größer, die neuen Kartoffel von Markttag zu Markttag schmackhafter und was die Hauptsache für Kinder ist, es gibt Obst, reichlich und preiswürdig u. A. große, viele und schöne Erdbeeren u. bergt, mehr.

* Di« häufigen Bisse von Kreuzottern mit tödtlichem Ausgange, welche in diesem Jahre bereits bekannt gewor­den sind, möchten es nicht überflüssig erscheinen lassen, die Aufmerksamkeit auf diese einzige Giftschlange Deutschlands zu lenken. Nach dem Bisse durch eine Kreuzotter ist augenblickliches, aber vorsichtiges Aussaugen der Bißwunde dringend anzurathen. Dann bindet man irgend einen harten Körper, ein Stückchen Holz, Stein, Metall auf die Wunde fest; der erzeugte Druck drängt das Blut in den umliegenden Gefäßen zurück und unterbricht, indem er sie schließt, ihre aufsaugenve Thätigkeit. Natürlich ist schleu­nigst ärztliche Hilfe zu holen. In Gegenden, welche Kreuz­ottern nachgewiesener Maßen beherbergen oder ihrer Be­schaffenheit nach von solchen bevölkert sein könnten, ist es nicht gerathen, mit bloßer Hand in den Höhlungen abge­standener Baumstrünke, unter durchwachsenem Steingerölle, in dichtem Kraut oder dürrem Waldlaub zu stöbern, sich auf bauschige Mooslager oder Reisbüschel niederzulassen, ehe sie nicht mit dem stiefelbewehrten Fuß oder einem Stock geprüft sind.

ZsEinNachtwächter-Abenteuer. Im vorigen Jahrhundert im Winter begab es sich in dem Städtchen Schnitzelfingen, das der dortige Schmied kurze Zeit nach dem Läuten der sogenannten Lumpenglocke, nämlich nach 11 Uhr Nachts, mit einem Freunde eine fröhliche Gesell­schaft verließ und mit unsicheren Schritten die Reise nach seiner Wohnung antrat. Da hatten die Beiden, als sie an einer der Kirchen vorbeikamen, Gelegenheit, die treue Pflichterfüllung der städtischen Nachtwächter zu bewundern, indem zwei derselben, an das Portal gelehnt, fest einge- schlafen dastanden und die Luft mit ihrem Schnarchen erfüllten. Beim Anblick dieser schlafenden Diener der Ortsobrigkeit blitzte plötzlich ein Gedanke im Gehirn des Schmiedes auf. Leise nahm er ihnen die beiden Spieße, welche neben ihnen standen, hinweg, eilte damit in seine Schmiede, schweißte dort die Spitzen der Waffen zusam­men und trug sie eiligst an ihre vorige Stelle zurück, wo ihre Eigenthümer immer noch des süßen Schlummers pflegten. Doch endlich schlug auch ihre Stunde. Der Morgen war bereits angebrochen und mahnte sie an ihre freventlich verletzte Pflicht. Schleunigst wollten sie jetzt das Versäumte einholen, griffen daher nach ihren Spießen, erstaunten aber nicht wenig, als sie dieselben nicht von einander brachten. Erst zerrten sie, dann zankten sie; aber weder Zerren noch Zanken trennten die Spieße von einander. Endlich überzeugten sie sich, daß dieselben zu­sammengefroren sein müßten und eilten hurtig damit auf die Wachtstube, um sie dort aufthauen zu lassen. In­zwischen war der Hochweise Rath der Stadt zusammenge­kommen, dieweil derselbe von dem seltenen Zufall bereits Kunde erhalten hatte. Als nunmehr auch die Spieße am warmen Ofen nicht auseinander gingen, erklärte man das Geheimniß für ein Wunder, trug es in die Stadtchronik ein und hob den Doppelspieß in dem städtischen Archiv als Merkwürdigkeit aus. Daselbst ist er noch heute zu schauen und wenn im Juli die Hitze groß ist, schauen die Schnitzelfinger Rathsleute nach, ob die Spieße nicht aufthauen.

§ [SR e u e Würde.j Bei der table d’hote einer kleinen Residenz erfolgt'beim Eintritt eines distinguirten Fremden allgemeine Vorstellung der wenigen Tischgäste unter einander. Der Fremde selbst stellt sich vor als „Spanischer Konsul", Andere als „Freiherr von Dingsda", „Geheimer Stadtrath" und ähnlich, so daß ein commis voyageur, um in dieser erlauchten Gesellschaft nicht zu l sehr abzustehen, sich schnell gefaßt vorstellt als „Merkün- ! tilischer Gesandter".

j * Aus Ilmenau wird der,H. Z/von einem Sommer- : frischler folgender Stoßseufzer zugesandt

Grau in Grau — nirgends blau Ist es jetzt in Ilmenau.

Husten, Schnupfen, kalte Füße, Strippenhafte Regengüsse, Sturmgeheul aus Ost und West, Fortgesetzter Hausarrest! Blaugefrorne Menschennasen, Naß der Weg und naß der Rasen, Warmbier, Grog und Eierpunsch Nerzpelz stiller Herzenswunsch; Kalt der Braten selbst bei Tische — __________Vivat hoch die Sommerfrische!

Gottesdienst-Ordnung in Fulda.

Sonntag, 18. Juli.

Dom: Um 5, 6, 6»/« und 7i/2 Uhr hl. Messen; um 9 Uhr Amt mit Predigt; um IO3'» U. Christenlehre für die Jünglinge und um 1 U. für die Jungfrauen: Um 4 ! Uhr Predigt und Abendandacht; 7 Uhr Bruderschaft in \ der Marienkapelle. — Stadtpfarrkirche: Um 5 Uhr I hl. Messe mit Predigt; 7 Uhr Schulgottesdienst; 8V, Uhr 1 Hochamt mit Predigt; 11 Uhr hl. Messe; 2 Uhr Andacht.

— Michaelskirche: 10 U. hl. Messe. — Hospitals­kirche: 8 Uhr Hochamt, 5 Uhr Abendandacht; der Gottes­dienst für die Sodalität fällt wegen der Vorstellung des I Stadtpfarrers aus. — J.-S. Titularsest: 6 Uhr Hochamt; I 2i/2 Uhr Andacht in der Marienkapelle. — Frauen- 1 berg: 2 Uhr Bruderschaft mit Predigt.

Dienstag, 20. Juli.

I Hospitalspfarrkirche: am Feste der hl. Jung­frau und Märtyrin Margretha: 8 Uhr Predigt und Hochamt, 5 Uhr Abendandacht.