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v 159.

Freitag, den 16. Juli

1886

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Wenige Minuten später sprengten zwei Retter

Vei?Sett Sie mit Gott", erwiderte Frau Martha i, „wir werden Ihnen ein treues Andenken

möglich halten?

Unsere kirchlichen und Schulverhältmsie verbie« ten die Auflösung des Centrums; aber sie sind er nicht allein, die den Fortbestand des Centrums zu einer Nothwendigkeit machen.

Das Centrum, seinem Namen und fernen Grund­sätzen nach die Mitte einnehmend zwischen der rech­ten und dec linken Seite unserer Parlamente, ver­tritt die bedeutsamsten politischen Prinzipien. Zu seinem Programm gehört z. B. die Aufrecht­erhaltung der Selbstständigkeit der einzel­nen Staaten, die das deutsche Reich bilden, mit den ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rech­ten und Befugniffen, die Schonung der Steuer- kraft der Reichs- und Staatsangehörigen ohne Beeinträchtigung der nothwendigen Interessen von Reich und Staat, die Sicherung der persönlichen

Kulturkämpfe sich gesteckt hätte, nämlich den deut­schen Geist vom römischen Einfluß zu befreien. Natürlich, was zur Zeit unmöglich ist, kann über kurz oder lang wieder als möglich erscheinen. Wer bürgt uns also dafür, daß nicht ähnliche Dinge, wie wir sie jetzt erlebt, auf's Neue kom­men, wenn andere Männer an der Spitze des Staates stehen und die Erreichung des Zieles für

werbthätigkeit gegenüber dem Wettbewerb des Aus­landes, die Fürsorge für die Arbeiter und das Handwerk — Alles Forderungen von unschätzbarem Werthe, die aber unzweifelhaft theils gar nicht, theils viel schwerer stch würden verwirklichen la,,en, wenn nicht eine starke Fraktion, wie das Centrum, stets nachdrucksvoll für dieselben einträte oder em«

Hoffnungen ich Ihnen zerstört", schloß er endlich, „weiß, daß ich Walters Glück und den Frieden des Hauses geraubt, dar mir eine theure Heiinath geworden, kann Walter, können Sie mir oer- geben?" , ,

„Wir haben Ihnen nichts zu vergeben - Edgar", - sagte die Försterin, in deren Auge Thränen der Theilnahme schimmerten, „Gott hat alles so gefügt - Sie tragen durchaus kerne Schuld." . n.

Er drückte stürmisch ihre Hände an seine Lippen. „Ich danke Ihnen, o, ich danke Ihnen", flüsterte er dann bewegt, „bringen Sie Walter meine Grüße, es ist mir unendlich hart, ihn so verlassen zu muffen, aber mich ruft die Sohnespflicht au den Sarg des Vaters, vielleicht vermag ich einst doch noch zu sühnen, was ich unwissentlich an Ihnen

und seine Entsagung.

$ Wir geben uns der Hoffnung hm, daß die Ver­handlungen, die zur weiteren Regelung der kirch« lichen Verhältnisse in unserem Vaterlande zwischen der Regierung und dem Oberhaupte der Kirche stattsinden, uns ein großes Maß kirchlicher Frei- beit gewähren werden. Daß sie uns alles ge­währen werden, was wir verlangen muffen, ist nicht zu erwarten, sollte die Regierung auch zu einem noch so weitgehenden Entgegenkommen ge­neigt sein. Um eines hervorzuheben, wir können

nicht auf das Recht verzichten, daß Personen, die Neigung und Beruf zum klösterlichen Leben haben, innerhalb de» Vaterlandes zu einem gemein­samen Leben sich vereinigen, daß Personen, welche al» Mitglieder einer religiösen Genossenschaft ihren Mitmenschen zu dienen wünschen, innerhalb des Vaterlandes eine solche Genossenschaft bilden; daß aber diese Freiheit im vollen Umfange so bald un» wird gewährt werden, scheint im hohen Grade zweifelhaft; sie zu erringen, bleibt noch immer eine groß« und wichtige Aufgabe des Centrums.

In noch höherem Grade dürfte es zweifelhaft sein, ob durch die Verhandlungen, die geführt werden, die Kirche den Einfluß auf das Schul- wesen erlangen wird, ohne welchen sie in vollem Maße ihre Aufgabe in der Menschheit nicht erfüllen kann. Wie es scheint, werden die Verhandlungen auf diese Frage sich nicht einmal erstrecken. Es bleibt also die Sache unserer Vertreter in den Parlamenten, auf dem Gebiete der Schule die

I Thätigkeit fortzusetzen, die sie so rühmlich und mit Erfolg auf dem streng kirchenpolitischen Ge­biete geübt haben.

Jndeß, sollte auch Alles gewährt werden, was sWSSWL I s, tion im Reichstage und im Landtage nicht mehr bestehen sollte. Der preußische Staat hat durch die

I Erfahrungen, die er der katholischen Kirche gegen­über am Ende der dreißiger Jahre (in b-n söge»

I nannten Kölner Wirren) gemacht, sich nicht abhal«

hervor.

Wer hätte dem sorglosen, stürmischen jungen Erbprinzen diese Festigkeit, dieses staatsmännische Genie zugetraut? - Jenes vornehmste Talent der Herrscher, den richtigen Mann auf den richtigen Platz zu stellen, er besaß es in hohem Maße und bald wehte durch alle Zweige der Verwaltung ein neuer, frischerer Geist. Der schwerfällige Regie- rungsapparat wurde bedeutend vereinfacht: der Staat besoldete ein für feine Größenverhältnisse viel zu zahlreiches Heer von Beamten, von denen gleich ein großer Theil als überflüssig entlassen wurde; der junge Fürst entwickelte selbst eine enorme Arbeitskraft; verlangte aber von feinen

getreten wäre.

Wohl hat das Centrum die eine oder dre an­dere Forderung mit dieser oder jener andern Pa^ tei gemeinsam und so sehen wir dasselbe denn auch bald in Uebereinstimmung mit der Rechten, bald mit der Linken; in der Gesammtheit seiner For- derungen aber ist es eine durchaus selbstständige Partei, die sich eben so sehr fern hält von einer Uebertreibung der Macht und des Einflusses der staatlichen Behörden, wie von einer Uebertreibung der Freiheit und der Selbstständigkeit des einzelnen Bürgers. Wolle man das Centrum auflösen und statt der Centrumsmitglieder Konservative oder dem der Almansor seinen Herrn in windesschnel« [em Laufe hinwegtrug einem neuen, ernster Pflicht geweihten Leben entgegen^--

Ein Jahr war über die letzten Ereignisse da« hingerauscht. — Mit kräftiger Hand hatte Fürst Edgar die Zügel der Regierung ergriffen; man hatte zwar im Lande große Hoffnungen an feinen i Regierungsantritt geknüpft, aber die glänzende Art und Weise, in der dieselben sich erfüllten rief doch die allgemeinste und freudigste Ueberraschung

♦ Die Zukunft der Centrumspartei. I

Es würde ein großer Fehler sein", sagte vor einigen Wochen der berühmte Führer der Cen- -rums, Herr Dr. Windthorst in seiner Rede auf dem 6. katholischen Verbandrfeste zu Dort- muud, „wenn die Centrumspartei, nachdem dieser erhebliche Schritt zum Besseren (es ist das neueste Kirchengrsetz gemeint) geschehen ist, die Hande in dm Schooß legen wollte." „Die Organisation, die bis jetzt bestanden hat, muß (auch nach Anbahnung des kirchenpolitischen Friedens) fortdauern." I der gouvernementalen und liberalen Preße iü feit dem Erlaß des neuesten Kirchengesetzes viel und lebhaft die Frage erörtert worden, war nun« mehr aus dem Centrum werde, ob er nach Wiederherstellung des kirchlichen Friedens zusammen« bleiben oder ob es nach verschiedenen Setten hm auseinanderfallen werde. Die angeführten Worte des Centrurnrführers sind die Antwort auf diese Frage und das ,Wests. Vbl.' sagt deßhalb, inbem rt dieselben weiter ausführt, mit Recht: Die Centrumsfraktion in unseren Parlamenten, die Centrumspartei im preußischen Staate und Reiche darf sich nicht auflösen. Durch das treue Zu« fammenhalten der Katholiken ist vieles erreicht worden, aber es ist noch lange nicht alles erreicht. Er ist der Friede auf kirchlichem Ge­biete angebahnt, aber noch nicht völlig hergestellt; wollte man die Organisation, welcher die sett« beriqen Erfolge zu danken sind, auflösen, es konnte alles in Frage gestellt sein. Kein Heer tm selbe geht auseinander ein voller und ganzer . —Kultürkampf dir'siebenziger Jahre Sieg errungen und die suchte muhsamen Sieges f will dafür bürgen, daß

m Sicheret ^r Ln nicht nichts nach Beseitigung der.jetzigen Wn

Äampfe um 9 Soldat im Wirren neue K.ämpfe wieder einmal susbrechen.

weniger klug und weise fein, ais oer 0010 | @in {önig[t$ preußischer Geheimrath, hervorragen­

de» Mitglied der freikonservativen Partei des Ab- geordnetenhauses, der Freiherr v. Zedlitz-Neukirch, der zu der Zeit, wo der Kulturkampf entbrannte, Mitglied derjenigen Partei im Reichstage war, welcher die Söhne und die Vertrauten des Fürsten Bismarck angehörten bezw. angehören, hat vor wenigen Wochen in einem öffentlichen Vortrage zu Halle a. d. S. gesagt, man habe Frieden geschlos­sen, weil man erkannt habe, daß es zur Zelt unmöglich fei, das Ziel zu erreichen, das man im

^m Forsthaufe angekommen, begab er sich un« gesäumt in Walters Zimmer aber in Mem Schrecken blieb er auf der Schwelle stehen. Wal- ter laa aus seinem Lager, Fiebergluth auf den Wangen, aus feinen gläsernen Augen siel ein irrer Blick auf den Eintretenden.

Er war krank; ein heftiges Nervenfieber, eine Folge der letzten Erschütterungen, für die feine Wunden ihn doppelt empfänglich gemacht, hatte ibn ergriffen. Seine Mutter saß vor ihm und hielt seine Hände in den ihren, auf ihrem mil- den Antlitz lagen Angst und Sorge. Ueberrascht blickte sie bei des Fürsten sehr hastigein Eintritt in dessen bleiche, entstellte Züge. „Was fehlt Ihnen, Edgar?" fragte sie freundlich.

Der weiche, liebevolle Ton drang dem Fürsten in's Herz wie einer Mutter Stimme, er eilte zu we.ch „ 's; K Ä Mm-.« W-r Mi »te

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Die Tochter des Seigers.

Roman von C. Armand.