bezeichnet die gesetzliche Einführung des Befähigungsnachweises für alle diejenigen, die selbstständig ein Handwerk betreiben wollen, als eins der noch« wendigsten und dringendsten Forderungen des deutschen Handwerks. Der Kongreß gibt sich der festen Hoffnung hin, daß Regierung und Volksvertretung sich der Erfüllung dieser gerechten Forderung nicht verschließen werden. Ferner wurde über die Reform der Gewerbesteuer verhandelt. Es wurde darüber Klage geführt, daß die Handwerksmeister nach der Zahl der von demselben beschäftigten Gesellen besteuert werden, daß man aber nicht daran denke, die Maschienen, die oftmals 10 Gesellen ersetzen, in diesem Verhältniß zu besteuern. Diese Einrichtung habe eine große Ungerechtigkeit gegenüber den Handwerksmeistern und eine Bevorzugung des Großkapitals zur Folge. Endlich kam man zu folgender Resolution: „Der Kongreß gibt sich der Hoffnung hin, daß in der beregten Angelegenheit sobald als möglich Wandel geschaffen werde." Schließlich wurde noch beschloßen: um Verleihung von Korporationsrechten für den deutschen Schuhmacher-Jnnungsbund zu petitioniren.
* Der nach der lex Huene den Kommunalverbänden zu überweisende Antheil an den Mehrbeträgen der Getreide- und Viehzölle pro 1885/86 vertheilt sich auf die einzelnen Provinzen wie folgt:
die Provinz Ostpreußen
226 469 Mark
ff
Westpreußen
167 999
ff
Stadt Berlin
284 322
ff
Provinz Brandenburg
319 901
ff
ft
Pommern
217 082
u
ft
Posen
200 250
ft
ft
Schlesien
510 654
ft
ff
Sachsen
297 235
ft
ff
Schleswig-Holstein 227 837
ff
Hannover
345 699
ft
tf
Westfalen
279 235
ff
ff
Hessen-Nassau
234 382
ft
Rhernprovinz
582 351
»„
Hohenzollern sch-n Lande
8 800
ff
— 4002 116 Mark.
Ursprünglich schätzte man den Betrag auf 10 Millionen Mark unv noch im Januar d. I. bei den Etatsberathungen im Abgeordnetenhause wurde derselbe von dem Finanzminister v. Scholz auf 7 Millionen angegeben. Die gleiche Enttäuschung wird den Kreisen voraussichtlich auch im nächsten Jahre zu Theil werden. In dem Staatshaushalts-Etat ist der für 1886/87 zur Vertheilung zu bringende Mehrertrag der landwirthschastlichen Zölle zu rund 20 Millionen veranschlagt; nach den Er- gebniffen der Getreide- und Vieheinfuhr in den e sten beiden Monaten des Etatsjahres läßt sich ! jedoch, wie die ,Voss. Ztg/ bemerkt, schon jetzt : voraussehen, daß die Kommunalverbände erheblich , weniger als die angegebene Summe erhalten werden, j
* Der Verein Berliner Künstler hat gestern bcschlosien, von einem zweiten griechischen Feste in
diesem Jahre abzusehen. Bei dem letzten griechischen Feste ist ein Ueberschuß von 15,000 Mark erzielt worden. Die Gesammteinnahme belief sich auf 70,000 Mark.
• Die Ausweisungen dauern im Posen'schen fort. Aus Ostrowo läßt sich der .Orendownik' berichten, daß die Polizeiverwaltung vor den jetzigen Schulferien alle Schüler des dortigen Gymnasiums, welche in Ruffisch-Polen heimathberechtigt sind, zu sich beschieden und denselben eröffnet habe, es sei ihnen nur gestattet, die genannte Schulanstalt bis zu Michaelis d. I. besuchen zu dürfen.
* Paderborn, 13. Juli. Wie die,W. V.' „aus durchaus zuverlässiger Quelle" erfahren haben will, hat unser hochw. Hr. Bischof schon vor längerer Zeit beim hl. Stuhle die Ernennung eines zweiten Weihbischofes für die Diöcese Paderborn beantragt und sich sogar erboten, für denselben das Gehalt aus eigenen Mitteln zu zahlen. Aus Rom ist eine Entscheidung in dieser hochwichtigen Angelegenheit bisher noch nicht eingetroffen.
* München, 13. Juli. Die Königin- Mutter hat angeordnet, daß bei Schloß Berg an der Stelle des Seeusers, in deren Nähe weiland Se. Majestät König Ludwig II. und Profeffor Dr. v. Gudden aufgefunden worden, eine G e- dächtnißkapelle errichtet werde, und zwar so, daß dieselbe in den See hineinragt.
* Mainz, 13. Juli. Im hessischen Kulturkampf ist eine neue Friedenskundgebung zu ver- zeichnen. Vor einiger Zeit hatte das Gr. Mmi- sterium den in den verwaisten Gemeinden Bechtheim, Bürstadt, Dietersheim, Herrnsheim und Horchheim fungirenden Hilfsgeistlichen, welche dem Gesetz über die Vorbildung der Geistlichen nicht entsprochen, die Ertheilung des katholischen Religionsunterrichts in der Volksschule unter Strafandrohung untersagt. Auf Ersuchen der betreffenden Gemeinden hatte dann Reichstagsabgeordneter Racks bei dem Ministerium in dieser Sache inter- vsnirt. Letzteres hat jetzt, wie das ,Mz. Journ/ mittheilt, seine frühere Verfügung zurückgenommen und den in Frage stehenden Geistlichen die Ertheilung des Religionsunterrichts gestattet.
— 13. Juli. Bischof Dr. Haffner stattete gestern den Spitz-n der Civil- und Militair- Behörden officiellen Besuch ab. An demselben Tage hat auch ein Besuch des Hrn. Slaatsministers Finger bei dem Hrn. Bischof stattgefunden.
Ausland.
* Die Franzosen haben gestern ihr Rational- fest begangen. In Paris fanden vor der Statue der Stadt Straßburg die üblichen Manifestationen
Der Stern aus dessen heiligem Strahl ich die Kraft schöpfen werde ein echter Fürst zu werden. Lege Deine reinen Hände auf meine Stirn und segne Du mich zu meinem Berufe."
Er kniete vor ihr nieder. Durch das rothe Laub des mächtigen Baumes, der sie beschattete, brach ein Sonnenstrahl und streute Lichtfunken auf sein Haupt, als ob er es mit einer Krone schmücken wollte. Lias weiße Hände senkten sich auf seinen Scheitel. „Geh' zu Deinem Volke, : Fürst", sprach sie mit bewegter, feierlich hallender ' Stimme, „m in Segen begleitet Dich."
Er sprang auf, noch einmal riß er die Heiß- j geliebte an sein starkes Herz, noch einmal, zum letzten Mal hielten seine Arme ihre Gestalt um- i fangen, sie sprachen beide nicht, unser tiefstes Em- pfinden hat feine Worte! Dann gab er sie frei und ging festen Schrittes den Weg zurück den er gekommen. Drüben am andern Ufer wandte er ’ den Blick noch einmal nach der Stelle, wo er sein Alles zurückgelassen.
Lia Rosa stand noch aufrecht, umflossen vom Sonnenlicht, das rosig gefärbt durch die dunklen Zweige der Blutbuchs siel. Weiß und licht roi.' em Seraph hob sich die zarte Erscheinung von dem dunklen Laubhintergrund, die Arme streckte sie wie grüßend zu ihm hinüber. Er hob die Rose, die sie ihm gegeben empor, und drückte sie an seine Sippen, gleich darauf war er verschwunden. Das Dickicht hatte ihn ausgenommen.
Es war vorbei, alles vorbei"— ein Zittern durchlief Lias Gestalt, langsam glitt sie neben dem Schlummernden in die Knie, ein leiser Wehelaut Strang si h ihrer Brust.
„Cecilia inia", flüsterte der Blinde im Traume und haschte tastend nach ihrer Hand. Sie überließ sie ihm.
„Ich bleibe bei Dir mein Vater", hauchte sie über ihn hin. Eine tiefe körperliche und geistige Erschöpfung kam plötzlich über sie. Tiefer und tiefer neigte sie sich vornüber, bis zuletzt ihre Stirn auf die Brust des Vaters sank: Ein Zustand halber Bewußtlosigkeit umfing ihre Sinne und milderte wohlthätig den ersten h:rben Schmerz, mit dem die frisch blutende Wunde ihre Seele marterte.
Sie litt nicht allein: nicht weit von ihr rang ein anderes junges Herz im bittern Weh um sein verlorenes Hoffen. — Prinzessin Therese hatte fich bei einem Abschiedsspaziergang, den sie vor ihrer Morgen bevorstehenden Abreise im Walde machte, dem Weiher genähert und war ungesehen Zeuge des letzten Abschieds der Liebenden geworden. Sie hatte den Fürsten erkannt, hatte Lia Rose in seinen Arm gesehen und begriff sofort den Zusammenhang der Ereignisse. Sie weinte heiße, Bittere Thränen, aber diese Thränen galten weniger dem eigenen Leid, als dem Unglück desj nigen, dem jeder Schlag ihres jungen, hoffenden Herzens gehörte.
Wie im Traume schritt Fürst Edgar durch den Wald. An seinem inner« Auge zogen noch einmal die letzten Wochen vorüber von dem ersten Tage an, wo er an des Freundes Seite das Haus betreten, das ihm so theuer geworden. So manches, worauf er in ihr freien Hoffnung, die ihn ganz erfüllte, nicht geachtet, trat fitzt klar vor seine Seele; der Schmerz machte ihn h-llsehend, aus
der Patriotenliga und anderer Vereine statt, wozu dis Marseillaise gespielt wurde. Die Feier ging unter strömendem Regen vor sich, der indessen das „Feuer des Patriotismus" nicht zu löschen vermochte.
* Aus Irland werden neue blutige Tumulte gemeldet. Am Dienstag Abend veranstalteten dis Orangisten in Belfast einen Umzug, bei welcher Gelegenheit sie mit Steinwürsen angegriffen wurden. Sie erwiderten das Bombardement, welches nahe-' zu eine Stunde dauerte. Der Polizei gelang es erst, nachdem sie ansehnlich verstärkt worden war, die Menge zu zerstreuen. In einem anderen DHeile der Stadt fanden gleichzeitig ähnliche Ruhestörungen statt. Es wurden dabei" sogar Gewehr- schüsse gewechselt. Mehrere Häuser sind fast vollständig zerstört, zwei Gensdarme und Unruhestifter wurden getödtst und 12 Personen schwer verwundet. Auch in Limerik kam es zu ernsten Ruhestörungen, die Polizei mußte mit den Waffen ein« schreiten, wobei mehrere Personen verwundet wurden.
* Das englische Ministerium tritt am Sonnabend zu einem Cabinetsrath zusammen, worauf Gladstone voraussichtlich zurücktreten wird. Sobald dies geschehen, wird auf Hartingtons Rath Salisbury mit der Bildung der neuen Regierung betraut werden.
Aus Stadt, prooirtj und Nachbargebisl.
Fulda, 15. Juli.
-S. Nächsten Sonntag, den 18. d. M., wird der neue Herr Stadtpfarrer Rhiel durch den. Bischöfl. Kommissar, den hochw. Herrn Geistl. Rach Engel feierlichst in sein Amt eingeführt werden. Die Feier wird nach den kirchlichen Bestimmungen vor sich gehen. Da eine derartige Feier seit vielen Jahren hier in Fulda nicht stattgefundsn, so dürfte es namentlich die Angehörigen der Stadtpfarrei interessicen, vorher schon zu erfahren, rote die betreffende Feierlichkeit sich in etwa gestalten wird. Deshalb kurz folgende Mittheilung: Gegen 81/$ Uhr wird der neuemannts Stadtpfarrer in Gegenwart seiner Kapläne im Pfarrhause vor dem Bischöfl. Kommissar das Tcidsntinische Glaubens- bekenntniß und den Pfarreid ablegen. Danach wird der einzuführende Stadtpfarrer in feierlicher Prozession, an welcher die 4 obersten Klaffen der städtischen Knaben- und Mädchenschulen und eine Anzahl weißgekleideter Mädchen theilnehmen werden, unter Absingung eines entsprechenden kirchlichen Liedes vom Bischöfl. Kommissar in die Pfarrkirche geleitet. Im Presbyterium angekommen, woselbst den Herren des Kirchenvorstandes, sowie auch den Herren vom Stadtrathe ihre besonderen Plätze refetöirt gehalten werden, wird dann die eigentliche Feier gegen 9 Uhr beginnen mit dem Hymnus: „Veni Creator Spiritust“ Darauf wird der hochw. Herr Geilll. Rath Engel als Bischöflicher Kommissar dem neuen Stabtpfarrer die Insignien seiner pfarramtlichen Pflichten, nämlich: Stola, Eoangelienbuch, Agende, Kirchen- und Tabernakelschlüssel, mit einigen entsprechenden Worten begleitet, überreichen. Unmittelbar daran schließt sich die Festpredigt, die ebenfalls vom Hrn. Geistl. Rath Engel gehalten wird. Rach beendigter Predigt wird alsdann der neue Stadtpfarrer das feierliche Hochamt mit Diakonium halten. Zum Schluß wird das „Te Deum“ gesungen, und die Gemeinde begleitet ihren neuen Herrn Pfarrer in feierlicher Prozession wieder zum Pfarrhause zurück. (Daß die Angehörigen der Stadtpfarrei, namentlich in der Nähe der Pfarrkirche, diese innere kirchliche Feier auch äußerlich durch Flaggenschmuck zum Ausdruck bringen werden, darf wohl als selbstverständlich betrachtet werden und bedarf keiner weiteren Ausführung. D. R.)
Esgars Herzm verwischte er urplötzlich den Egoismus des Glückes, der ihn bisher blind gegen des Freundes Empfinden gemacht. Er errietI) die Liebe die Walter ihm bisher verborgen, und die Wünsche, di.> die alten Leute an diese Siebe geknüpft und mit ganzer Erkenntniß erwachte auch der ganze Evelmuth seiner großmüthigen Natur. Er mußte den Raub gut machen, den er ahnungslos an den Bewohnern des Forsthauses begangen, so viel es in seinen Kräften stand. — Er beschleunigte feine Schrckte es zog ihn übermächtig an des Freundes Brust.
(Fortsetzung folgt.)