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Fuldaer
Donnerstag, den 15. Juli
1886
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»i, ^Fuldaer arttung* erscheint t«,lich. Sonn- und Feiertage au»zenommen. Viert-ljährlichsr «bonnem^Spreis o^e BrmMohn und Bestellgeld: L,llettisti!ch«n »ochenbeilage .Sterne und Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk 7o Pfg.
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* Die Ueberbürdrrngs-Frage,
d. h. die Frage, ob und inwiefern die an die Schüler der höheren Lehranstalten, Gymnasien und Realschulen, gestelltenArbeits-Anforderun- gen das Maß ihrer Kräfte nicht über Gebühr in Anspruch nehmen, hat in neuerer Zeit ebenso das Publikum wie die zuständigen Behörden an- gelegentlichst beschäftigt, ohne bis j.tzt zu einem Abschluß, wenngleich zu manchen zweckentsprechenden Anordnungen, geführt zu haben. Jede sachliche Erörterung der Frage wird daher immer noch willkommen geheißen werden müssen und — da die Frage sich den Fachmännern auf Grund der von dem Publikum erhobenen Beschwerden aufgedrängt hat — um so mehr, wenn die Erörterung in populär faßlicher Weise vollzogen wird.
Deshalb hält die ,Nordd. Allgem. Ztg.' es für wohl angezeigt, auf einen Vortrag des Prof. Dr. Hering in Freiburg i. S. aufmerksam zu machen, welcher seitdem auch im Druck erschienen ist. Der Verfasser, welcher auf Seite derjenigen steht, die eine „Wiedervereinigung" der humanistischen und Real-Gymnasien im Auge behalten, anerkennt die Begründung der Klage und erklärt die vorhandene Ueberbürdung, so weit die Schule die Schuld trägt, hauptsächlich aus dem Lehrplan und der Lehrmethode, insofern bei diesen der Zweck der höheren Lehranstalten nicht scharf genug in's Auge gefaßt oder nicht mit der nöthigen Konsequenz verfolgt wird. -Dieselben sollen nach seiner Auffassung eine allgemeine Bildung geben.
„Was aber ist allgemeine Bildung? Was für verschiedene, sich zwar in gewissen Thei- len deckende, in vielen Punkten aber weit auseinander liegende Begriffe werden von den wirklich oder sogenannten „Gebildeten", je nach dem Stande, dem sie angehören, mit dem Worte Bildung verbunden ! Und es ist diese Verschiedenheit mit der immer weitergehenden Theilung der Arbeit und mit der daraus resultirenden Vermehrung der Stände-Arten stetig gewachsen. Richt meine ich hierbei die Bildung, welche als Lebensart, gutes Benehmen, Schliff u. s. w. bezeichnet wird, weil sie zwar auch ein angestrebter Zweck ist, sich im Wesentlichen aber aus der allgemeinen Bildung ergeben muß. Geistige und sittliche Schulung,
Air Tochter des Setsers.
Roman von C. Armand.
„O, daß Du sie tyeilen wolltest . . . ."
Sie schüttelte den Kopf, „Das ist vorbei," sagte sie sanst. „Ich empfinde jetzt nur den Wunsch, Dir Liebe für das Land einzuflößen, dessen Fürstin ich nicht sein darf — es erwartet all sein Heil von Dir; Du wirst manches darin zu bessern finden — schütze ihm seine höchsten Güter; seine Freiheit und seine Religion, ohne die kein Volk bestehen kann, sei ihm ein edler Fürst!"
„Kann ich vergessen, daß ich Dich ihm opfern muß?"
„Doch Edgar, es liegt in unserer Natur, gerade das am meisten zu lieben, wofür wir die schwersten Opfer gebracht. Du sollst Deinen Weg auch nicht allein gehen; Gib Deinem Volke die Herrin, die Dein Vater ihm bestimmt, die bereits seine Sympathien besitzt, reiche Prinzessin Therese Deine Hand — ich bitte Dich darum."
„Das räthst Du mir ... . ?"
„Ja, Edgar, ich möchte keine lieber, als sie auf dem Platze sehen, den selber einzunehmen das Schicksal mir versagt — sie ist edel und Deiner würdig, ich habe sie liebgewonnen in den Tagen, die sie unter unserem Dache geweilt sie wird Dich glücklich machen."
Fertigmachung für das Verständniß der Lebens- Aufgab.n, das geistige und sittliche Können zu entwickeln, das ist der Zweck aller Unterrichtsfächer, aller ohne Ausnahme. Alles Andere, was erreicht wird, insonderheit die Fachbildung, ist entweder nur Mittel zum Zweck, oder als schätzens- werthes, nur, wie schon gesagt, ausnahmsweise direkt erstrebtes „Nebenprodukt" anzusehen. Ich sage mit Bedacht als „schätzenswerthes". Denn gewiß ist die Zeitigung desselben, so weit es ohne Ueberbürdung möglich ist, nicht gering anzuschlagen. Je mehr sich aber alle Zweige des menschlichen Erkennens, Wissens und Könnens erweiterten und vertieften, aber auch theilten, eine desto allgemeinere geistige Ausbildung mußte für die Schüler angestrebt werden, und je höhere Anforderungen das praktische Leben an die Menschen stellte, desto intensiver wurde in vielen Kreisen der Wunsch rege, daß die Söhne beim Verlassen einer höheren Schule mehr als die Gymnasien boten, positives Wissen für das spätere Leben mitnähmen, und die Absicht, diesem Wunsche, der, ich möchte sagen leider, nicht ganz unberücksichtigt bleiben darf, Rechnung zu tragen, führte zur Gründung der Realschulen — wie ich, um nicht immer humanistische und Real - Gymnasien ineinander gegenüberstellen zu müssen, die jetzt Real-Gymnafien genannten Anstalten nennen werde. Je zäher nun die Gymnasien an ihren altehrwürdigen Einrichtungen und Traditionen festhielten, je schwerer man sich entschloß, die veränderten Verhältnisse zu berücksichtigen, je mehr aber anderseits die praktischen Tendenzen der Realschul - Einrichtungen Anklang fanden, desto weiter wurden die Realschuleu nach der andern Seite, nach Betonung praktischer Zwecke gedrängt und ihnen in gewisser Beziehung der Charakter von Fachschulen ausgeprägt."
Mit Rücksicht auf das hiermit bezeichnete Ziel der höher» Lehranstalten will der Verfasser auch die Ziele, welche in den einzelnen Lehrfächern angestrebt werden sollen, beschränken resp. auch erweitern, doch so, daß die Methode oder der modus procedendi die Ausbildung des Schülers erleichtere statt erschwere. Uebrigens weist der Verfasser die Behauptung zurück, daß die Schule allein den Vorwurf verdiene, welcher ihr wohl aus der „Ueber- bürdung" der Schüler gemacht worden ist. Viel-
Er schüttelte heftig abwehrend das Haupt: „Eine liebeleere Ehe ist entsetzlich!" sagte er dumpf.
Ein schönes Lächeln flog über ihre Züge. „Edgar, die Prinzessin wird mir verzeihen, wenn ich Dir ein Geheimniß entdecke, das bisher nur mir allein bekannt, es geschieht ja zu ihrem Glücke, und ich weiß, Prinzessin Therese liebt Dich — sie hat Dich geliebt von ihrer zartesten Jugend an; ein Weib das liebt, kann aber auch beglücken, und ich werde den Tag segnen, der sie an Deine Seite stellt, als Deine edle, Deiner würdige Gefährtin."
Er schwieg einen Augeublick; auf seinen sprechenden Zügen malte sich eine tiefe innere Bewegung.
„Und Du, meine Lia?" fragte er mit verschleierter Stimme.
„O, ich Unglückseliger!" rief er plötzlich leiden- fchaftlich, warum mußte ich in Deinen Kreis treten, um Dein junges, reiches Leben mit dem Fluche meiner Liebe zu belasten?"
Aus des Mädchens Augen brach leuchtend ein sonniger Strahl, der schnell jede Spur von Schmerz aus ihrem Antlitz verwischte.
„Rein Edgar mich darfst Du nicht beklagen, rief sie jetzt fast jubelnd; ich bin im Paradiese gewesen — ich habe der Erde reichstes, vollstes Glück genossen in Deiner Liebe, und die Erinnerung daran bleibt als ein unvertilgbarer Schatz in meinem Herzen. Mein Dasein ist ja auch nicht
mehr trügen die Schüler selbst zum guten Theil die Schuld, wenn ihnen die Ansprüche der Schule als „Ueberbürdung" fühlbar würden. Man übersieht die Verschiedenheit der Anlagen, welche einen Unterschied in der Leistungsfähigkeit der Schüler begründet, und es ist klar, daß dieser Unterschied im Sinne der Ueberbürdung um so fühlbarer werden muß, je größer die Neigung der Eltern geworden ist, ihre Söhne den höheren Lehranstalten zuzuführen, und je schwieriger andererseits die Wahl eines bürgerlichen Berufes wird, wenn die nicht befähigten Schüler bei dem Besuch der höhern Lehraustalten bereits ein reiferes Lebensalter erreicht haben, wie dies zum großen Theil bei denjenigen der Fall ist, welche in die Schule eintreten, lediglich um ein Reifezengi iß für den einjährigen Dienst zu erlangen. Am schlimmsten aber wirken, nach der Meinung des Verfassers, die sozialen Verhältnisse, welche die Schüler bereits mit allen Zerstreuungen des Lebens bekannt machen, auf diese ein, nicht bloß, weil sie die geistige und physische Spannkraft schwächen, sondern namentlich, weil sie in den jungen Leuten eine Stimmung erzeugen, -welche das Lernen demjenigen, der sich nicht gern als Schiller angesehen wissen will, unter allen Umständen als eine Ueberbürdung darstellt.
Am Schluß seiner Schrift richtet der Verfasser folgenden Appell an das Publikum:
„Die Hauptbedingungen aber für diese Beseitigung sind und bleiben: einerseits die Liebe der Lehrer zu ihren Schüler», die in diesen als kostbare Güter anvertraute Ebenbilder Gottes erblicken, welche nicht durch die Fülle des Wissens, sondern durch Anregung und Veredelung der Herzen und Geister zu Gott und den Menschen wohlgefälligen Männern heranzubilden sind, andererseits der Glaube der Eltern und Söhne an diese Liebe und die Bethätigung dieses Glaubens durch ihr Vertrauen."___________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Juli.
** Der gegenwärtig in Berlin -stattfindende Kongreß deutscher Schuhmacherm eiste r beschloß in Bezug ans die Einführung eines Befähigungsnachweises einstimmig: „Der Kongreß
zwecklos; ich darf es meinen Sieben weihen, und das Glück das ich ihnen bereiten kann, wird auch mich dann zufrieden machen."
Sie zog dann die weiße Rose aus ihrem Gürtel und reichte sie ihm dar.
„Die Purpurrose meiner Liebe durfte ich Dir nicht schenken, so nimm denn statt dessen die weiße als Symbol der reinen, schwesterlichen Freundschaft. Sie fei das Band, das uns in Zukunft verbindet, und in diesem Sinne darf ich auch ferner liebend Deinem Lebenswege folgen. Bedenke, daß der Ruhm, der sich an Deinen Namen knüpft, daß der Dank den Du Dir erwirbst in Deines Volkes Herzen die Sonnenstrahlen sind, ans denen Deine arme Waldblume Lebenskraft saugt."
Die mächtigen Augen des Fürsten loderten auf in Begeisterung, während sie fprach. Hoch richtete er sich empor — auf feinet Stirn thronte die Würde eines festen Entschlusses.
„Diese Stunde hat mich zum Fürsten geweiht," sprach er, „mein Volk mag sie Dir danken; von heute an werde ich es lieben um Deinetwillen. Jener Traum erfüllt sich, der mir prophetisch mein
i Schicksal verkündete. Die Waldblume, die an mein ’ Herz zu nehmen ein feindliches Geschick mir ver- i weigert, verwandelt sich in den Stern, der fortan
über meinem Leben schweben und mit reinem Licht mir leuchten soll zu allem Edlen und Schönen.