1886.
Fuldaer
Di, .Fulda« Stitung' «icheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne BrinM 1 W1 "" ?t8” mtt bir
bellÄistischen W-chenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Ptg., auswärts 1 M. 7o Pfg.
Inserate: Die einspaltig« Zeile oder d«en Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
" met Bestellungen auf unser Blatt werden fort- wäbrend von allen Poftanstalten und Landbriefträgern, Isowie in unserer Expedition (Buttermarkt) entgegen genommen Bereits erschienene Nummern werden uachgeliefert.
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Juli.
* Der Kaiser empfing gestern in Coblenz den Bischof von Limburg Dr. Roos, sowie den deutschen Botschafter in London Grafen Hatzfeld. Heute Abend erfolgte die Abreise des Kaisers nach der Mainau, wo der Ankunft des hohen Herrn morgen Vormittag 9 Uhr entgegengesehen wird.
* Ter ,Voss.' Ztg.' wird aus München gemeldet, daß der Reichskanzler Ende Juli dem Punzen Luitpold in München einen Besuch abstatten wird. Wre nachträglich bestimmt verlautet, soll Fürst Bismarck aus Grund directen Briefwechsels mit König Ludwig lange Zeit von entscheidenden Maßnahmen abgerathen haben, bis endlich auch er sich von der Unerläßlichkeit der Regentschaftseinsetzung überzeugte.
* Der Bundesrath wird sich morgen noch nicht vertagen, da zunächst noch über die Ausführungsbestimmungen zum Zuckersteuergesetz Beschluß zu fasten ist. Die Vorarbeiten für diese Aussüh- rungsbestimmungen sind aber augenblicklich noch nicht abgeschlossen.
* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht eine Bekanntmachung des Finanzministeriums, wonach der. aus dem Ertrage der Getreide- und Viehzölle für 1885/86 ~ auf Preußen emfalleiM Antheil auf die Summe von 1900,2116 Mk. ermittelt ist und der nach Abzug des der Staatskaste verbleibenden Betrags von 15 Mill. Mark auf Grund des Gesetzes vom 15. Mai 1885 den Ko m m u n al v e r b ä n d en zu überweisende Betrag aus 4002116 Mk. festgesetzt wird. Die Bekannt- machung gibt dann die auf die einzelnen Kreise entfallenden Summen an.
• In den Landestheilen mit polnischer Bevölkerung soll sich herausgestellt haben, daß mehrere Lehrer, welche innerhalb der letzten Jahre vom Seminar entlasten worden, der d e u t- scheu Sprache nur ungenügend mächtig und deshalb nicht im Stande seien, mit Erfolg zu
unterrichten. Der Kultusminister hat daraus Ver- anlastung genommen, in einem Erlöste darauf hinzuweisen, daß die in den (Falk'sch en) allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 für die Aufnahme in das Seminar, für den Lehrgang und für die Prüfung der Volksschullehrer getroffenen Anordnungen hinsichtlich des deutschen Unterrichtes und des erforderlichen Maßes der Kenntniß sowie der Sprachfertigkeit im deutschen auf das strengste zu beachten, und alle etwa gestatteten Abweichungen von diesen Vorschriften in denLehr- plänen bezw. bei den Prüfungen unverzüglich zu beseitigen seien. Insbesondere soll auch in die Präparanden-Anstalten nur solchen Zöglingen Aufnahme gewährt werden, welche das in § 23 der allgemeinen Prüfung vom 15. Oktober 1872 als Ziel der Volksschule im Deutschen bezeichnete Maß von Kenntnisten und von Gewandtheit im mündlichen Ausdruck voll und ganz sich angeeignet haben und dadurch Gewähr bieten, daß sie den Vorschrif- ten über die Aufnahme-Prüfung an den königlichen Schullehrer-Seminaren rechtzeitig genügen werden. Auch sollen die Lehrpläne darauf geprüft werden, ob diesen Vorschriften überall entsprochen ist. Der i Minister erwartet, „daß kein Lehrer definitiv an- ' gestellt wird, welcher nicht die deutsche Sprache i in Wort und Schrift vollkommen beiherrscht". Tas ist viel verlangt. Schon Heine meinte, es sei sehr schwer, das Deutsche zu beherrschen.
* Die ,Köl. Vztg.' erhält aus Rom vom 12. ds. folgendes Privattelegramm:
i -Sie Worte im Erlasse des Prinz Regenten von । Baiern, welche von der vollkommenen Befriedigung des hl. Stuhles über die Lage der kirchlichen An-
। gelegenheiten in Baiern sprechen, haben hier sehr ; befremdet. Vergeblich fragt man sich, auf welche ; Erklärungen des hl. Vaters diese Worte sich stützen i sollen, während doch Erklärungen im gegentheili- i gen Sinne vorhanden sind. Der Vatikan dürste ' jenen Satz zum Gegensatz weiterer Erörterungen machen."
* Detmold, 12. Juli. Als vor einigen Monaten bei der preußischen Regierung um Erlaub- i niß zum Vertriebe der Loose zur landwirthschaft-
Are Tochter des Setsers.
Roman von C. Armand.
Im fortwährenden Kampfe mit dem Vorurtheile der Menge, die nun einmal nicht ihres Gleichen auf der Höhe sehen will, und die mich und meinen Vater stets als unberechtigte Eindringlinge betrachten würden, müßte das Herz von Bitterkeit und Unmuth gegen sie erfüllt werden. — Die Menschheit ist nun einmal geneigt, am leichtesten das Schlechte zu glauben: man würde mir niedrigen Eigennutz vorwerfen — und Edgar, es ist bitter, dem Ausdruck der Verachtung in eines Menschen Auge zu begegnen." Sie erschauerte leicht in dem Gedanken an das Anerbieten, das Baron Wendelstein ihr gemacht.
,Davor würde ich Dich zu schützen wißen" — brauste Edgar auf. — „Wer könnte es wagen, das Weib des Fürsten zu beleidigen?
„Offen beleidigen würde mich niemand — aber den Ausdruck der Abneigung und Mißachtung würde ich auch von den stummen Lippen zu lesen misten, und Dein Weib müßte die Stirn senken vor den anklagenden Blicken, denn der Platz, den ich einnähme gebührt mir nicht —"
„Meine Liebe gibt Dir ein unantastbares Recht auf" diesen Platz —"
„Aber Deines Vater» Fruch und das heilige
Recht einer Andern verbannt mich davon. Bedenke auch, daß ein Volk von denen, denen es die höchste Macht und zahllose Vorrechte einräumt, auch dafür die Hingabe ihres ganzen Selbst fordern darf; ich denke sehr hoch von den Pflichten einer Fürstin, aber ich könnte dieser Pflichten nicht ge- recht werden, wenn ich zugleich meine erste und heiligste Pflicht erfüllen wollte, mich meinem blinden Vater zu weihen. Und dann, Edgar, wenn ich auch die Mißachtung die mich selber träfe um Deinetwillen auf mich nehmen wollte, den Blick, der meinen Vater verletzte, könnte ich nicht verzeihen, das ist eben der Punkt, wo auch ich stolz bin. Würde man nicht sagen, er habe aus niederer Spekulation einen Fürsten in die Netze seiner Tochter gelockt, um sich den Ruhm zu verschaffen, den seine Kunst ihm nicht zu geben vermocht? Den Flecken auf dem reinen Namen meine« Vaters ertrüge ich nicht, der Gedanke daran würde mich elend machen."
Sie hatte mit steigernder Erregung gesprochen, jetzt athmete sie tief auf und legte die Hände auf den Arm des Fürsten, der sich finster von ihr abgewendet. „Edgar", sagte sie mit bebender Stimme, „aller ist gegen uns, das Schicksal will unsere Verbindung nicht, so laß uns denn seinen Spruch mit Würde ertragen."
Er wandte ihr jäh sein Antlitz zu, es schien in
lichen Ausstellung angefragt wurde, wurde dieselbe verweigert. Jetzt hat nun unsere Regierung den Verkauf der Loose für die Jubiläurns^Kunstaus- stellung zu Berlin verboten. „Wurst wieder Wurst," denkt wohl die Regierung von Lippe.
Ausland.
* Paris, 13. Juli. Das Dekret, welches die Ausweisung des Herzogs von Auma le anordnet, ist im heurigen Ministerrath unterzeichnet worden. Man glaubt, der Herzog von Chartres werde ebenfalls die Ausweifung provoziren. (Fr. Z )
* Dem verstorbenen Kardinal-Erzbischof Gui- b ert von Paris werden auch in der deutschen nichtkatholischen Preste ehrenvolle Nachrufe gewidmet. So heißt es in einer Pariser Korrespondenz der ,Kreuzzeitung', man könne von Guibert sagen: „er flößte keinen Enthusiasmus ein; aber er erzwang sich selbst von den Feinden der Kirche hohe Achtung." In einer Korrespondenz der ,Voss Ztg.' heißt es u. a.: „Sein Privatleben war musterhaft, buchstäblich das eines Heiligen. Er lebte arm- sich, von geradezu dürftiger Kost, in geringer Kleidung.... Sein Bischofsgehalt, seine Kardinals- zutage, die ansehnlichen Geldbeträge, welche Gläubige ihm zur Verfügung stellten, gingen zur Erhaltung der kirchlichen Anstalten und für die Armen weg, welche bei ihm immer em offenes Herz und eine offene Hand fanden." In dem zuletzt aufgeführten Blatte wird darauf hingewiesen, daß Kardinal Guibert der erste Erzbischof von Paris seit einem halben Jahrhundert war, der eines natürlichen Todes in seinem Bette starb. Seine drei "Vorgänger erlagen gewaltsamem Tode. Erzbischof d'Affre wurde in den Jumtagen 1848 von Soldaten, welche ein Zeichen des Abg. Baslep mißverstanden, durch einen Schuß in den Rücken getödtet, als er, nur von einem Diener begleitet, mit hochgetragenem Kreuz in der Hand, den armen verzweifelten Arbeitern hinter den Barrikaden des Fauburg St. Antoine Versöhnung predigte. Sein Nachfolger, Erzbischof Sibour, fiel 1857 am Hochaltar seiner Metropolitan-Kirche unter dem Mordstahl eines an Verfolgungswahnsinn leidenden Priesters; Sibour's Nachfolger, Erzbischof D a r b o y, rourne in der „blutigen Woche", im Mai 1871, von den Kommunards als einer der Geiseln nieder
wenigen Minuten um Jahre gealtert, so herbe Linien hatte der Schmerz darin gezeichnet. „Du verlangst also wirklich, daß ich Dich aufgebe !" rief er in einem Tone, als ob er erst jetzt an die grausame Wirklichkeit des Wortes zu glauben vermöge.
„Ich muß es, Edgar," entgegnete sie leise aber fest.
„Ist das Dein letztes Wort?"
„Sie nickte stumm mit mühsam behaupteter Fassung.
„So lebe wohl." Das Wort klang hart und schneidend. Er bot ihr nicht einmal die Hand zum Abschied, kurz wandte er sich zum Gehen.
„Edgar!" Wie ein Schrei namenloser Qual klang der Name von den bleichen Mädchenlippen. Lia Rose stürzte vorwärts, ihre Kraft, die sie während der ganzen Unterredung so heroisch bewahrt war zu Ende — aufschluchzend brach sie neben ihm in die Kniee. — „O, nicht so, Edgar, nicht so" flehte sie mit brechender Stimme; „soll ich den Kelch bis auf die Neige leeren, weil ich unsere Liebe frei von Vorwurf, Deinen Namen rein von Makel erhalten will? — Kannst Du im Zorne von mir scheiden — von mir, die freudig jeden Blutstropfen für Dich opferte?"
Er sah auf sie nieder, sah die weiße, zarte Gestalt, die wie gebrochen zu seinen Füßen lag,