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Dienstag, den 13. Juli

1886.

Fuldm

mit b«

•te ,Fulda« Setten«' «scheint täglich, Sonn- und Retorte« aulgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohn. ------——

belletristischen «ochenbeilage ,Sterne mtl Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg.. auswärts 1 ®H 75 Pf. Inserate: Die einspaltige Zeile ob« beten Staunt 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

t Eine Broschüre «der König Ludwig II. von Baiern.

Mit ziemlicher Enttäuschung haben wir soeben eine Broschüre durchgelesen, welche als „Sensation erregend" über den Baiemkönig Ludwig II. an­gekündigt worden war und den Titel führt: „Von Hohenschwangau nach Berg". Wir hofften, darin nähere Enthüllungen zu finden über da» mysteriöse Leben, die phantastischen Schloßbauten und da» tragische Ende dieses könig­lichen Sonderlings, allein wir fanden darin nichts wesentlich Neues, was nicht schon in den öffent­lichen Blättern gestanden wäre. Der Verfaffer ist ein ganz überschwänglicher Bewunderer >e6 Baiernkönigs und — kein Freund der bösen Ultra­montanen und Jesuiten. Obwohl er ihm aus seiner langen Regierungszeit (mit Ausnahme der sehr fraglichen Jnitiativergreifung bei der Kaiserprokla­mation) keine einzige landesoäterliche Thal nach­zurühmen weiß, und sein absonderliches, luxuriöses, unthätiges, menschenscheues und tyrannisches Trei­ben an vielen Beispielen illustrirt, so nennt er ihn doch „den liebenswürdigsten und begabtestenFürstm", „den eigentlichen Begründer des deutschen Reiche»", „den festesten Pfeller de» Reichsgedankens" (!), „einen schnellen und sicheren Arbeiter", „einen wahrhaft nationalen Fürsten, der groß dachte und groß empfand", „einen edlen und umsichtigen Regenten, deflen Herrscherthum seinem Lande eine Wohlthat war" u. s. w. Aus Widersvrüche kommt'» dem Weihrauchstreuer nicht an: An einem Ort nennt er den König „den gekrönten Beschützer und Förderer der deutschen nationalen Kunst, dem allein e» zu verdanken ist, wenn der deutsche Kunstge- danke nach schwerem Ringen in feste Gestalt qe- ) bracht werden konnte", und an einem andern Ort sagt er, „die Richtung des Königs habe auf die Münchener Kunst nicht den mindesten Einfluß ausgeübt, weil zwischen dem König und den Künstlern gar kein Verkehr bestanden und letz­tere die vielen Bestrebungen de» König» als Ausflüffe einer Sonderlingsnatur betrachteten." An einer Stelle nennt er ihn den „populärsten Fürsten seiner Zeit", und an einer andern Stelle sagt er wieder, „die Menschenscheu hätte sich bei ihm all­mählich zum Menschenhaß und zur Verfolgungs­sucht gegen alle Personen gesteigert, die ihm nicht

Air Lichter der Scher«.

Roman von C. Armand.

Er drückte ihren Kopf gegen sein stürmisch klopfen­des Herz. „Meine süße Waldblume," flüsterte er über sie hin, „meine arme weiße Taube, nach der sich schon die Geierkrallen ausstreckten — hier — ist Dein Platz und keine Welt soll Dich von dort vertreiben."

Sie wandte sich sanft aus seinen Armen und blickte ihm innig, aber fest in's Auge. „Edgar," fragte sie — hast Du die Botschaft Deines Vater« — des Fürsten erhalten?"

„Ich habe sie erhalten, mein Lieb, sie hat mich schwer getroffen, aber trennen kann sie uns nicht; mein Vater hat jetzt droben längst seinen Jrrthum eingesehen und sendet von dort den Segen zu uns nieder, den er von irdischem Vorurthelle befangen, un» im Leben versagt, und in diesem Bewußtsein frage ich Dich noch einmal, „willst Du dem Für­sten angehören, wie Du Edgar Norden angehören wolltest, für Zrit und Ewigkeit als sein geliebte«, theure» Weib?"

Die Entscheidung war da, jetzt mußte e» ge­sprochen werden, da» verhängnißvolle Wort, das zwei Menschen, die sich über Alles liebten, vonein­ander schied. — Lia Rose raffte jetzt all' ihren Muth zusammen, einen Augenblick preßte sie die

zu Willen waren," wie er ja auch einen sehr aus- j giebigen Gebrauch von seiner Reitpeitsche machte ’ und seinen Launen sogar zwei Menschenleben opferte. I Er rechnet es dem liberalen König zum großen l Verdienst an, daß er dem altkatholischen Profeffor Döllinger und seinen Glaubensgenoffen ein so war­mer Beschützer war und der Jesuitenausweisung zustimmte. Ganz neu ist bei dem Versasser die Entdeckung, wer den König zur Bezweiflung ge­trieben hat. „Es ist nickt gelungen, die in ihrer Mehrheit klerikal gesinnte Landesvertretung für eine Deckung des Defizits zu begeistern. . . . Auf der ultramontanen Partei lastet die Verantwor­tung, den König seinem Elend überlaffen zu haben." Stoch merkwürdiger und grausenerregender aber ist die näckste Veranlaffung des Selbstmordes geschil­dert. Man höre und staune:

,,D« Todesgenoffe beS Königs, Dr. v. Gudden, ent­stammt einet streng ultramontanen Familie. Bei dem Widerwillen des Königs gegen die Ultramontanen, deren Haß er genügend kennen gelernt, muß es fraglich «scheinen, ob man wohl daran that, dem König einen Leibarzt aufzuzwingen, der ihm schon wegen feiner Verbin­dung mit den Ultramontanen unsympathisch sein mußte. Der König sah sich in die Hand eines Mannes gegeben, dessen Herkunft ihn stets daran erinnern mußte, daß « in dem Kampfe gegen die Ultramontanen «legen war. Für das Selbftbewußtsein des Königs eine Krän­kung ohne Ende!"

Vielleicht macht der Broschürenschreiber auch noch die Entdeckung, daß Dr. Gudden ein „ver­kappter Jesutt" war und im Auftrag de» ver­triebenen Jesuitenorden«" dem König den Tiüies- stoß gegeben hat. Ein neuer Beweis, wie gewiffe Kulturkämpfer gar keine Gelegenheit vorübergeben taffen können, ohne die kirchentreuen Katholiken zu verläumden! In seinem Schlußgedanken wollen wir den Jesuitenriecher nicht stören, wenn er leichtern Herzens ausathmet: „Nach Beilegung des Kultur­kampfes kann eine Veränderung in der Besetzung der Ministerstühle zu Gunsten der Ultramontanen nicht mehr eine ernstliche Gefährdung bes Reichs­gedankens in sich schließen. Die Reichstreue de» Prinzregenten steht über jedem Zweifel erhaben da." — Gottlob, daß es in Bayern dann wenig- stens noch einen „reichsireuen Ultramontanen" gibt und zwar auf dem Regententhron.

Hände auf die Brust und dann hob sie sie gefal­tet, wie um Verzeihung bittend, zu dem geliebten Manne empor.

„Edgar," sagte sie mit leise vibrirender Stimme, „Du weißt, wie ich Dich liebe, Edgar Norden an­zugehören, war mein Traum, meine Seligkeit, die Braut de» Fürsten sein, kann ich nicht, zwischen ihm und mir steht eine granit'ne Scheidewand, die Pflicht, die heilige, unverletzliche gegen einen Todten und Lebenden. Dein Vater und der meine fordern unsere Trennung, der eine durch seinen Fluch, der andere durch sein Unglück, laß uns in Frieden scheiden."

Sein starrer Blick glitt an ihr vorüber auf den Schlummernden. „Der Mann dort —" stieß er hervor.

„Ist mein Vater, Edgar, mein armer, unglück­licher Vater, die stolze Künstlerseele ist von ihrem Fluge, der sie zur Sonne tragen sollte, müde und mit gebrochenen Schwingen zurückgekehrt. Er ist blind, Edgar, blind, o können wir Beide, vor deren sehenden Augen die Welt sich breitet in all' ihrer Pracht, können wir den unaussprechlichen Jammer diese» Worte» ermessen? Wir sehen den Frühling seine Gaben ausstreuen, wir sehen das Grün, die Blumen, die Sonne, den Himmel, und wenn wir auch scheiden müssen, wir sehen doch die Liebe, die durch das Auge von Herz zu Herzen

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Juli.

• Der Kaiser hat seine Kur in Bad Ems beendet und sich gestern von Ems zum Besuch I. M. der Kaiserin nach Coblenz begeben. Von Coblenz begiebt sich der Kaiser morgen (Dienstag) über Mannheim, Karlsruhe und Offen­burg nach der Mainau, woselbst er bis zum 18. Juli zu verweilen gedenkt. Rach der Abreise de« Kaisers von Coblenz wird auch I. M. die Kaiserin Coblenz verlassen.

* Hoffentlich gilt von den Arbeiten der Com­mission für Ausarbeitung eines Reich-civil- gesetzbuchs das Wort: was lange währt, wird gut. Es heißt, daß die Eommifsion binnen Iah. resfrist ihre Arbeit zum Abschluß bringen werde. Noch harrt der da» Erbrecht betreffende Theil der Ausarbeitung.

• Am Sonntag wurde in Berlin die erste deutsche Ausstellung von Schuhmacherlehrlings-Ar- beiten und Schuhmacher-Bedarfsarti­keln, welche von dem Bunde deutscher Schuh­macher-Innungen veranstaltet worden ist, eröffnet. Dem Bunde gehören bereit« 300 Innungen an.

— Am 9. und 10. August findet in Berlin der dritte deutsche Tischlertag statt. Auf der Tagesordnung stehen u. A.: Ausdehnung derUn« fallversicherunas-Pflickt avf hie gesamten Inter, effenten des deutschen Tischlergewerbes, Herbeifüh­rung des fakultativen Zutritts von Tischlermeistern mit Kleinbetrieben zur Unfallversicherung. Begrün­dung einer Verbandskrankenkasse für Meister, Ge­sellen und Lehrlinge, Lehrplan für Verband-Fach­schulen, Führung einheitlicher Meisterbriefe, Lehr­briefe, Lehrverträge u. s. w.

* Nach der .Germania' ist eine Verständigung bezüglich der Person de» zukünftigen Bifchofs von Kulm zwischen der Regierung und dem aposto­lischen Stuhle erzielt worden. Es handelt sich jetzt nur noch darum, ob das Domkapitel von dem ihm zustehenden Rechte der Wahl des Bischofs in diesem Falle Abstand nehmen wird.

* In der .Kreuzztg.' erklärt eine Reihe eoan- gelischer Pastoren der Synode Prenzlau II. sowie Mitglieder der altmärkischen lutherischen Conferenz mit dem Antrag Hammerstein sich

spricht, und ihm ist alle Schönheit der Natur ver­schlossen. er kann nicht einmal in seines Kindes Blick die Liebe lesen, die mit ihm klagt um seinen Verlust, o sage selbst: muß ich ihm nicht Trost und Licht fein in seiner Nacht? Mir bleibt keine Wahl. Du bist jung und reich, bist ein kraftvol­ler Mann, der zu überwinden vermag; er ist arm, alt und elend, ein müder, gebrochener Greis; mein Platz ist an seiner Seite, und der Deine, Edgar, ist bei Deinem Volke. Noch einmal: wir müssen scheiden.

Er hatte sie angehört, stumm, erschüttert, jetzt ober flammte ein Strahl sieghafter Begeisterung über fein schönes Gesicht.

„Nie, nimmermehr!" rief er aus, „meinst Du, ich könnte Dich lassen um Deines Vaters Unglück willen? Zusammen wollen wir es ihn vergessen machen; er soll mit uns an meinem Hofe wohnen, denn Du hast Recht, mein Platz ist bei meinem Volke, und ich weiß, mein Vater, wehrt mir jetzt diesen Platz nicht mehr, er wird mir’« danken, jetzt, wenn- er auf uns niedersieht, daß ich meinem Lande in seiner jungen Fürstin einen Engel gebe, für dessen reine Stirn eine Fürstenkrone noch als ein viel zu armer Schmuck erscheint. — Und nun komm an mein Herz — laß Deine Zweifel schwin­den und sei mein — fei glücklich. Du darfst es, glaube mir."*