Gesinnungsgenossen war nach Spandau voraus- gefahren, um sich dort von Singer zu verabschieden. Seitens der Behörden waren umfassende Maßnahmen getroffen, um Unruhen vorzubeugen. In Berlin ist es denn auch zu solchen nicht gekommen.
* Einer süddeutschen Korrespondenz zufolge ist dre Reichsregierung mit der Ausarbeitung eines Arbeiterschutzqesetzes beschäftigt, dessen Vor- legung in der nächsten R-ichstagssesston erfolgen würde.
* Der Verband deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine wird seine diesjährige Wanderversammlung und Abgeordneten-Versammlung in Frankfurt a. M., und zwar letztere am 14. August, erstere vom 16. bis 19. August abhalten.
'München, 4. Juli. Der Prinz-Regent, Prinz Luitpold, empfing gestern Mittag in seinem Privatvalais sämmtliche hier beglaubigten Gesandten sowie deren Sekretäre und Attaches in einer Privat-Audienz, um deren Glückwünsche zu der ihm nunmehr gesetzlich übertragenen Regentenwürde durch den Doyen des diplomatischen Korps, den päpstlichen Nuntius A. di Pietro, entgegenzunehmen. Der Prinz dankte und wird nunmehr die einzelnen Gesandten in besonderen Staats- Audienzen zur Ueberreichung ihrer neuen Beglaubigungsschreiben empfangen.
Darmstadt, 3. Juli. Gestern fand zur Jubelfeier der Technischen Hochschule ein Festakt im Saalbau statt, welchem der Großherzog, die Prinzen, die Spitzen der Behörden, sowie zahlreiche Deputationen und von auswärts erschienene Festgäste beiwohnten. Die Stadt war reich beflaggt.
* Eisenach, 2. Juli. In der hier versammelten „deutschen evangelischen Kirchenkonferenz" wurde wie man der ,Germ.' mittheilt, u. A. auch Bericht erstattet über den Fortgang und den gegen- Bärtigen Stand der Arbeiten zur Revision der Lutherischen Bibelübersetzung, wo- nach ein Abschluß dieses Werkes nicht früher als im Jahre 1889 zu erwarten ist. Die Konferenz nahm davon Abstand, in eine Diskussion über die Sache selbst einzutreten, und beschränkte sich auf Antrag des Referenten darauf, den auch vor zwei Jahren gefaßten Beschluß zu erneuern, nämlich: „ihr Präsidium von Neuem zu beauftragen, bei dem Evangelischen Oberkirchenrathe in Berlin behufs vollständiger Information ihrer Referenten die Zuziehung derselben zu der abschließenden Plenarfitzung der Hallenser Kommission in Anre- guug zu bringen."
Ausland.
* Die Pforte hat dem Andringen Rußlands nachgegeben und in S o f i a wegen gewisser
Als nun aber das liebe kleine Haus wieder vor ihm lag und er die Stufen herausstieg, da wurde ihm doch das Herz wieder weit und die trüben Gedanken verflüchteten sich wie Nachtgespenster vor der Sonne. Was bedeutete denn im Grunde auch das alles gegen das Glück, daß der Freund ihm erhalten blieb und er die Geliebte wiedersehen sollte? —
Drinnen schlugen laut die Hunde an und ver- kündeten den Gast. Die Zimmerthür öffnete sich und Lia Rose trat heraus, nach der Ursache zu sehen. Er stand vor ihr — war es wirklich nur das Abendroth, das schräg durch das offene Hausthor einfallend, sie in purpurnen Schleier hüllte, was so rosenroth ihr Antlitz verklärte?
Er ergriff die kleine, bebende Hand, die sich ihm entgegenstreckte; gewaltsam mußte er den Strom von stürmischen Liebesworten zurückhalten, der sich auf seine Lippen drängen wollte, und nur mit Anstrengung vermochte er seiner Stimme Festigkeit zu geben, als er leise fragte:
„Wie geht es, Walter?"
„Dem Himmel sei Dank, daß ich diese Frage so günstig beantworten kann," erwiderte sie bewegt, „er hat gnädig ein furchtbares Unglück von uns abgewendet. — Aber nun kommen Sie herein, wie wird sich Walter Ihrer Ankunft freuen!" und weit die Thüre zum Familienzimmer vor ihm zuruckschlagend, ließ sie ihn eintreten.
Wie wohlthuend war der herzliche Empfang, der ibm drinnen bereitet wurde! Mit lautem Freuden- gebell sprangen Waldmann und „die beiden Dios- kuren" an ihm herauf, der Förster und Frau Matthä streckten ihm unter freudigen Ausrufen die
Stellen in der Thronrede und der Adresse der Sobranje, welche mit der zwischen der Türkei und Bulgarien abgeschlossenen Konvention nicht im Einklänge ständen, telegraphisch um Aufklärungen ersucht. Das Verlangen dürfte indeß mehr Form^ fache sein. In Macedonien machen sich wieder russische Umtriebe geltend. Um Versuchen, einen l Aufstand anzuzetteln, vorzubeugen, soll die Pforte beschlossen haben, verschanzte Lager in Unskub und Adrianopel zu errichten.
'Rom, 3. Juli. Am 15. Juli, dem Fest des Camillus von Zellis, erwartet man die feierliche Verkündigung des päpstlichen Dekrets, wodurch der erwähnte heilige Gründer des Ordens der Krankenbrüder und der hl. Johannes von Gott, der Gründer des Hospital-Ordens zu Patronen der Hospitäter und der Kranken proklamirt werden. Bereits am 15. Mai wurde dieses Dekret von der Kongregation der Riten beschlossen und am 27. Mai vom Papste bestätigt. Der Kardinalerzbischof von Neapel, der bei dem Unglück in Casamicciola und während der Cholerazeit in Neapel selbst soviel im Krankendienste geleistet hat, war der erste, der den hl. Vater um Erlassung dieses Dekretes anging; seine Bitte wurde unterstützt von 376 anderen Würdenträgern der Kirche, von 25 Kardinälen, 62 Erzbischöfen und 218 Bischöfen und vielen Vorstehern und Vorsteherinnen religiöser Orden. Kardinal Ledochowskt war von der Riten-Kongregation zum Referenten über die Angelegenheit gewählt worden. Es ist auch bestimmt worden, daß die Namen der beiden Heiligen in Zukunft in der Litanei der Sterbenden erwähnt werden sollen, und zwar nach dem Namen des hl. Franziskus. In der Kirche der Magdalena, in welcher der Körper des hl. Camillus ruht, bereitet man sich darum vor, das Fest des Heiligen dieses Jahr mit außergewöhnlichem Glanz szu begehen. Kardinal Parochi wird das Pontifikal-Amt halten und während desselben das päpstliche Breve verlesen.
* London, 4. Juli. Bis jetzt sind gewählt: 148 Konservative, 26 disientirende Liberale, 54 Anhänger Gladstone's und 17 Parnelliten. Die Konservativen haben 16 Sitze, die Anhänger Gladstone's 9 Sitze und die dissentirenden Liberalen durch die Wahl Collings in Birmingham einen Sitz gewonnen. Harcourt ist in Derby wiedergewählt, der Admiralitätssekretär Hibbert ist bei der Wahl in Oldham unterlegen.
Aus Stadt, proDtnj und Nachbargebiet.
Fulda, 5. Juli.
— Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Sachsen-Weimar hat der katholischen Gemeinde zu Hände und „Edgar, Du bist's!" klang es ihm warm von Walters Lippen entgegen, der im Hintergründe des Zimmers in einem tiefen Lehnsessel lag und den rechten Arm in der Binde trug.
Der Fürst umarmte ihn stürmisch. „Die Sorge um Dich hat mich hergeführt, Walter," sagte er in innigem Ton.
„Also hast Du die Nachricht doch erhalten? Du solltest nichts eher von dem Vorgang erfahren, als bis ich selbst Dir darüber schreiben konnte."
„Nun, die Sache hat doch ihr Gutes," meinte der Förster: „sie bringt unfern lieben Ausreißer zurück, ohne den wir nicht mehr recht heiter fein konnten.
„Wie steht's mit Deiner Wunde, thenrer Freund," fragte Edgar innig, „sie wird doch hoffentlich keine bösen folgen nach sich ziehen?"
„Meinst Du?" es war ein eigenes Lächeln, das über Walters Züge ging. „Sorge nur nicht um mich; wen der Wald groß gezogen, der erliegt so leicht keinem Sturm."
Die Worte wurden ruhig gesprochen, und Edgar war weit entfernt, ihren Doppelsinn zu ahnen. Sie waren auch eigentlich für Frau Martha's Ohr bestimmt. Walters Augen hatten dabei zu der Mutter hinübergesehen, deren bange Sorge um ihn er in der letzten Zeit sehr wohl herausgefühlt. — er hatte sie beruhigen wollen.
XV.
Der folgende Tag war ein Sonntag.
Leuchtend, umgeben von rosigem Gewölk, kam wie auf purpurnem Siegeswagen die Königin des Tages im Osten heraufgezogen.
Sonnenaufgang im Walde! — Wer dem er«
Eisenach zum Bau der Elisabethkirche ein Geschenk von 600 Mk. allergnädigst zustellen lassen.
* Die im August vorigen Jahres hierselbst statt- gehabte Bischofs-Konferenz war beim Kul- tuSminifterium dahin vorstellig geworden, daß bei Besetzung der Stellen von katholischen An- staltsgeistlichen und geistlichen Lehrern an höheren Lehranstalten nicht, wie seit einiger Zeit geschehen, von den Staatsbehörden mit dem für die Stelle in Aussicht genommenen Geistlichen unmittelbar, sondern mit dem zuständigen Diözesan-Oberen in Verhandlung getreten werde. Diese Vorstellung wurde durch den Hinweis motivirt, daß die Geistlichen dieser Kategorie dem betreffenden Diözesan-Bifchof unterstehen und ohne dessen Erlaubniß nicht berechtigt sind, ein Amt der in Rede stehenden Art zu übernehmen. Im Einverständniß mit dem königlichen Staatsministerium haben daraufhin, wie man der.Köln. Vztg.' mittheilt, vor einiger Zeit die Minister des Innern, der Justiz und der geistlichen Angelegenheiten den Mitgliedern der Bischofs-Konferenz die Mittheilung zugehen lassen, „daß es in der Regel kein Bedenken finden wird, dem ausgesprochenen Wunsche Folge zu geben, und daß wir die beteiligten Behörden in diesem Sinne mit Instruktion versehen haben."
* Unser verehrter Landtagsabgeordneter Herr Amtsrichter Gößmann ist in vergangener Woche von Berlin wieder nach Bergen zurückgekehrt. Während seiner Abwesenheit versah Herr Assessor Weber dessen Posten. Letzterem Herrn wurde am 1. d. Mts. von Seiten seiner Freunde ein hübscher Abschied bereitet. Bei Gastwirth Haas in Bergen war ein flottes Gastmahl bestellt, an welchem Herr Abgeordneter Gößmann, die Gerichtsherren, ferner Freunde des Herrn Assessors Theil nahmen. Das Abschiedsfeft nahm einen sehr munteren Verlauf, wozu außer den gediegenen Toasten, die ausgebracht wurden, die ausgezeichnete Küche und besonders der gute Wein des Herrn Gastwirth Haas viel beitrug.
** Zu dem gestern in Giesel's Brauerei abgehaltenen Delegirtentag des Hessischen Kriegerverbandes waren Vorstandsmitglieder und Abgeordnete per Bahn bezw. Wagen recht zahlreich eingetroffen. Nach Begrüßung durch den hiesigen Kriegerverein wurden dieselben nach dem Vereinslokal geleitet, wo kurz nach 10 Uhr die Verhandlungen mit einem Hoch auf S. M. den Kaiser ihren Anfang nahmen. Einstimmig wurde beschlossen, das nächste Verbandsfest in den Mauern Fuldu's zu begehen. Nach dreistündiger Berathung war die der Versammlung vorgelegte Tagesordnung erledigt, und wurde nunmehr das durch verschiedene Toaste gewürzte Mittagsmahl eingenommen, an dem 36
habenen schönen Schauspiel nicht beigewohnt, der vermag feinen Zauber nicht zu ahnen.
Langsam, ganz allmälich beginnen mit dem ersten schwachen Schein am Horizont die schwärzlichen Schatten sich zu senken, die das weite Waldrevier in tiefes Dunkel begruben. Wie Schleier fallen die Dämmerungsnebel von den hohen Baumkronen : es ist, als ob Aeste und Sträucher sich beeilten, ihre nächtliche Hülle abzuwerfen, um die neue Sonne würdig zu begrüßen. Wipfel um Wipfel zeichnet sich nach und nach in die immer heller werdende Lust und endlich ragt dann der ganze weite Wald klar und in majestätischer Schöne in das Licht des jungen Tages hinein.
Droben am Himmel vollzieht sich währenddem ein noch fesselnderes Schauspiel: im entzückenden Farbenspiel wechseln dort violette und rosige Tinten, die sich wiederum allmählich zum saftigen Dunkelroth vertiefen, bis sich zuletzt über das ganze Firmament ein strahlender, goldumsäumter Purpurmantel breitet, ans dem die Sonne fliegend ihr flammendes Antlitz hebt.
Wie eine ihrer Schönheit frohe Jungfrau spiegelt sie es in den Myriaden blitzenden Thautropsen, die drunten im Walde gleich einer schimmernden Demantfluth verschwenderisch über Baum und Strauch ausgestreut sind. Die Lust scheint erfüllt von dem Strahlengespinnst, das von jedem der buntschimmernden Tropfen einen leuchtenden Faden bis zum Horizonte spannt, auf dem man rote auf einer Himmelsleiter direkt in den blauen Aether hinaufsteigen zu können meint.
(Fortsetzung folgt.)