Einzelbild herunterladen
 

1886.

Sonnabend, den 3. Juli

Cif .FiUdaer grttunfl' «Iftrint tigli*. von«, und Foiertag« «»«genommen. Werteljährlich-r »bonnemAspreiS^ohne Bringerlohn^und Bch-llgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der ° MteHWAen «och.nb.ilage ,«lerne un» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 7^ Pfg.

Inserate: Di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Juli.

• Der Kaiser wird, wie mehrseitig berichtet wird, aus seiner Reise nach Gastein in München Aufenthalt nehmen, in der dortigen Residenz ab- steigen und mit dem Prinzregenten Luitpold zu­sammenkommen.

* Die Abreise des Reichskanzlers Fürsten Bis- marck nach Kissing en erfolgt Morgen.

* Der Bundesrath beschloß bei der ablehnenden Haltung eines großen Theiles der Industrie gegen­über der projektirten Berliner A u s st e l l u n g für 1838 von der Gewährung des Beitrags von 3 Millionen abzusehen.

* Die Annahme, daß der Bund eSrath nächste Woche seine letzte Sitzung vor den Ferien abhal« ten werde, bestätigt sich dem Vernehmen nach nicht. Vielmehr heißt es, daß der Bundesrath voraussichtlich noch 14 Tage versammelt bleiben werde.

• Das Reichsversicherungsamt erläßt ein Rund­schreiben an die Vorstände der Berufsgenosien- schaften, in welchem die für die Einreichung der Gefahrentarife bis zum 1. Juli 1886 gesetzte Frist bis zum 15. August d. I. verlängert wird.

* Posen, 2. Juli. Der Hochwürdigste Erz­bischof Dinder hat dem Posener Magistrat die in dem Gebäude des in dem Jahre 1874 aufgelösten P ri este r s e m i n a r s befindlichen Localitäten, welche seit mehreren Jahren zu Unterrichtszwecken für städtische Schulen benutz: worden find, zur sofortigen Räumung gekündigt. An einen Kün­digungstermin war der Erzbischof nicht gebunden. Sämmtliche Räume des Pciesterseminacs sollen renovirt und für den Fall der Wiedereröffnung dieses Instituts zur jederzeitigen Benutzung bereit gehalten werden.

* Vom Rhein, 1. Juli. Dis „Rhein­brohler Glockenaffaire", die im Jahre 1882 so viel Aufsehen machte und seitdem oft im Landtage zu Erörterungen führte, ist gestern, wie bereits kurz gemeldet wurde, vor dem Land­gericht in Neuwied, wo der Prozeß seit 1883 anhängig war, zu einem vorläufigen Abschluß ge­kommen, das Gericht erster Instanz erkannte näm­lich, wie der ,Germ.' gemeldet wird, daß die

Nie Tochter des Seigers. 20

Roman von C. Armand.

Schnell versöhnt drückte Edgar die dargebotene Hand. „Ich danke Ihnen," sagte er warm, „wir fahren also zusammen. —"

„Mein Prinz, wenn ich für Sie handeln soll, so kann es nur wirksam geschehen, wenn ich allein gehe — nein, unterbrechen Sie mich nicht," fuhr er die abwehrende Handbewegung des Fürsten gewahrend, in beschwörendem Tone fort, „seien Sie nur dieses eine Mal vernünftig, und hören Sie auf mich. Der Fürst, ihr Durchlauchtiger Vater, — verzeihen Sie mir, wenn ich offen bin — ist ein starrer, eigensinniger Mann, der un­beugsam auf seinem Willen besteht, und darin sind Sie sein getreues Ebenbild; Sie werden gegenseitig in der ersten Viertelstunde den Kon­flikt so auf die Spitze treiben, daß an einen Aus­gleich nicht mehr zu denken ist. — Ich kenne den Fürsten, weiß ihn zu behandeln und glaube, wie Sie selbst sagten, mich einigen Einflußes auf ihn rühmen zu können; glauben Sie mir, wenn eine Verständigung in der Sache möglich ist, wa» ich leider nicht für wahrscheinlich halten kann, so ver­mag nur ich sie herbei zu führen!"

„Um meine» Vater» willen möchte ich sie wünschen," sagte Fürst Edgar, der schweigend mit

Civilgemeinde schuldig sei, das Eigenthum der Kirchengemeinde an der katholischen Kirche anzu­erkennen, daß der ausschließliche Gebrauch der Kirche und des Geläutes zu Kultuszwscken der katholischen Kirchengemeinde zustehe, und daß die Civilgemeinde sich jedes Geb rauche sder Kirche und der Glocken zu evangelischen Begräbnissen oder sonstigen nicht ka­tholischen Kultuszwecken zu enthalten habe bei Meidung einer Strafe von 100 Mark für jeden Fall des Zuwiderhandelns, daß aber der Civilgemeinde das Recht zustehe, zu b e st i m m t e n öffentlichen Gelegenheiten, wie Weinlese, Schul­anfang, Kaisers Geburtstag rc. mit den Glocken läuten zu lassen. Das Läuten zu den letztgenann­ten Anlässen war nämlich altherkömmlich ; weil aber die klagende Kirchengemeinde dies nur als eine der Civilgemeinde gewährte Vergünstigung, nicht aber als ein Recht derselben hatte anerken­nen wollen, so wurden ihr, da sie in diesem Punkte unterlag, ein Drittel der Kosten des Prozesses zur Last gelegt, während die übrigen zwei Drittel die Civilgemeinde zu tragen hat. Das Objekt, welches von dem Vertreter der Civilgemeinde auf 150,000 Mk. angegeben war, wurde vom Gericht auf 10,000 Mk. herabgesetzt, so daß die Kosten, welche die Rheinbrohler ja in jedem Falle tragen mußten, entweder als Civil- oder als Kirchengemeinde, sich ganz erheblich vermindern.

• Das bayerische Ministerium Lutz hat dem ,Münch. Fremdenbl.' zufolge gestern Abend seine Entlassung eingereicht. Es wurde schon früher berichtet, daß der Prinzregent nur die De- Mission der Herrn v. Feilitzsch und v. Crailsheim annehmen, den Ministerpräsidenten v. Lutz und die übrigen Minister aber auffordern werde, im Amte zu bleiben. Dagegen läßt sich die .Kreuzztg.', welche sonst stets das Ministerium Lutz nach ihrer Weise in Schutz nahm, aus München melden: Selbst wenn der Prinzregent wirklich mit den bisherigen Männern noch weiter fortregieren wollte, so dürfte dies, wie man in unterrichteten Kreisen glaubt und wie aus mehrfachen Gründen anzu- nehmen ist, doch nicht mehr allzulange währen.

"Mainz, 4. Juni. Die Konsekration des Bischofs Dr. Haffner findet, wie nunmehr definitiv bestimmt ist, am 25. d. M. - Jakobstag — statt.

gefalteter Stirn zugehöct hatte, „das Glück des Sohnes mag ihn zwar wenig kümmern, aber den Verlust seines Erben würde er doch schwer über­winden." .

Baron Wendelstein hörte mit schmerzlichem Befremden die tiefe Bitterkeit die in Edgars Worten klang. „Sie nrtheilen zu hart, mein Prinz, Seine Durchlaucht liebt Sie, wenn auch auf seine Weise. — Richt wahr, Sie willigen in meinen Vorschlag?" fuhr er bittend fort, als er keine Antwort erhielt.

Der junge Fürst kämpfte sichtlich mit sich, Ver­stand und üeberlegung sagten ihm, daß der Baron recht habe, aber feinem stolzen Herzen widerstrebte es, die Entscheidung seine» Schicksals anderen Händen als den eigenen zu überlassen, auch dünkte seiner energischen Natur die Qual des thatenlosen Wartens, der drückenden Ungewißheit beinahe un­erträglich. — Endlich war er enschieden. „Es sei, sagte er, gehen Sie allein, ich will hier bleiben, der Preis ist des Opfers werth, ich brauche mir dann, wenn der Versuch fehl schlägt, wenigstens nicht den Vorwurf machen, ein Mittel der Ver­ständigung unversucht gelassen zu haben. Aber liebster Wendelstein, lassen Sie mich nicht zu lange warten." Ä _ ,kU

„Ich werde thun, wa» in meinen Kräften steht, lächelte der Baron, dessen seien Eie gewiß."

Ausland.

• Die revolutionäre Bewegung in Belgien sendet ihre Fluthwelle über die Grenzen des Landes hinaus. In Amsterdam wurden in den vergangenen Nächten an den Straßenecken revolutionäre Plakate angeschlagen, in denen zum Sturz des Königsthum» aufgefordert wurde. Es haben deshalb Verhaf­tungen stattgefunden.

* Mons, 2. Juli. Die Strikenden nahmen in drei Kohlenbergwerken die Arbeit wieder auf.

" Antwerpen, 2. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Over", der erste Dampfer der deutschen subventionirten Dampferlinie ist gestern Nachmittag in Antwerpen eingetroffen. Sein Eintreffen wurde festlich begangen.

* Wien, 1. Juli. Se. Majestät unser Kaiser begibt sich am Samstag zu einem Erholungsauf­enthalt nach Bad Gastein, allwo bereits die Kaiserin Elisabeth und Prinzeß Valerie eingetroffen sind. Nach den in Berlin vorgesehenen Dispositionen wird, falls nicht ein störender Zwischenfall eintritt, der Kaiser Wilhelm auch Heuer wieder die Ther­men von Gasiein besuchen, die ihm so außer­ordentlich wohl bekommen, und ist hiebei eine Zusammenkunft mit dem Kaifer von Oester­reich vorgesehen, wie solche in den letzten sieben Jahren regelmäßig alljährlich als sichtbarer Aus­druck der innigen Freundschaft, die Fürsten und Völker Deutschlands und Oesterreichs verbindet, stattfanden.

• Aus Nordböhmen, 1. Juli. Wir haben in Oesterreich keinen Kulturkampf wie in Preußen gehabt und die katholische Kirche erfreute sich aller Freiheit und mannigfacher Förderung seitens der weltlichen Organe, und doch ist der Priester» mangel in vielen Diözesen, vor Allem bei uns im nördlichen Böhmen, ein sehr großer und wird immer fühlbarer, zumal sich auch die B.wohner der wenigen Klöster immer mehr lichten. Die Schematismen der vier böhmen Diözesen weisen zahlreiche Lücken in dem Personalstatus auf und haben in ausgedehnten Pfarreien mit Tausenden von Seelen greife und kränkliche Geistliche keine Hilfspriester und keinen Kaplan. Die Bevölkerung mehrt sich von Jahr zu Jahr; die Ansprüche an die Seelsorger werden immer größer und die Zahl

Der junge Fürst trat an den Tisch und füllte zwei Gläser von dem funkelnden Wein. „Aus glückliches Gelingen!" rief er, indem er sein Glas an das des Barons klingen ließ. Es zersprang! — klirrend fielen die Scherben zu Boden.

Der Baron entfärbte sich; auch Edgar wurde bleich. „Ah, bah, wer wird abergläubisch sein", rief er mit erzwungenem heitern Ton und ein neues Glas füllend trat er zum Fenster und hob es grüßend gegen die ferne Waldlinie.

„Dieses Glas für Lia Rose und ihr Glück!" rief er begeistert an». Wieder klangen die Gläser aneinander und diesmal zog der Ton rein und hell wie ein Silberglöckchen durch'» stille Gemach, ein froher, glückverheißender Klang.

Drei Tage waren vergangen — drei lange Ewigkeiten für Edgar» brennende Ungeduld. Wer je mit ganzer Seele einer Entscheidung entgegen« geharrt, der begreift die Qual, die bas Wörtchen „Warten" in sich schließt.

Die Arme über die Brust verschränkt, durch­maß der junge Fürst hastigen Schritte» die lange Zimmerflucht seiner weitläufigen Wohnung. Die Sonne, die warm auf die bteUen Straßen fiel, wo sie von den glatten Pflastersteinen und den meist Hellen Fronten der langgestreckten Häuser­reihen fast blendend wieder zurückgeworfen wurde,