147. Freitag, den 2. Juli 1886.
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XXXIII. General-Bersammlung der Katholiken Deutschlands zu Breslau.
Dar Programm der XXXIII. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Breslau vom 29. August bis 2. September 1886 ist nunmehr definitiv und zwar, wie folgt, festgestellt worden: Sonntag, den 29. August:
Empfang der Gäste.
Abends halb 8 Uhr: Begrüßungsfeier in dem Saalbau des St. Vinzenzhauses.
Im Garten des St. Vinzenzhauses wird voraussichtlich die Ressource zur Gesellschaft zu Ehren der Generalversammlung ein Gartenfest mit Illumination des Gartens veranstalten.
Montag, den 30. August:
Morgens 8 Uhr: Pontifikalamt im hohen Dome.
Darauf: Zug zum Saalbau des St. Vinzenz
hauses.
Dann: I. geschlossene Generalversammlung
daselbst.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse in den verschiedenen Räumen des St. Vinzenzhauses ; das Genauere über diese und die weiteren Ausschußsitzungen wird das Tageblatt der Generalversammlung regelmäßig berichten.
Abends 7 Uhr: II. öffentliche Generalversammlung in
dem großen Saale des Schießwerder.
Dienstag, den 31. August:
: Morgens 8 Uhr: Requiem in der Sandkirche für die verstorbenen Mitglieder der Generalversammlungen.
’ Morgens 9 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse (Lokale wie oben).
Morgens IO1/2 Uhr: II. geschlossene Generalversammlung im Saalbau des St. Vinzenzhauses.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse (Lokale wie oben).
Abends 7 Uhr: II. öffentliche Generalversammlung im
großen Saale des Schießwerder.
Mittwoch, den 1. September:
Morgens 8 Uhr: Hochamt in der St. Vinzenzkirche: Intention des Heil. Vaters.
Morgens 9 Uhr : Sitzungen der Ausschüsse (Lokale wie oben).
Morgens 101/» Uhr: III. geschloffe Generalversammlung im Saalbau des St. Vinzenzhauses.
Nachmittags 3 Uhr: Sitzungen der Ausschüsse (Lokale wie oben).
Abends 7 Uhr: III. Oeffentl. Generalversammlung
im großen Saale des Schießwerder.
Um den Mitgliedern der Generalversammlung Gelegenheit zu geselligem Verkehr zu geben, werden Montag, Dienstag und Mittwoch nachmittags von 5 bis 7 Uhr im Schiehwerder-Garten Promenaden-Konzerte stattfinden.
Die Tochter des Seigers.
Roman von C. Armand.
„Eine schöne Geschichte, in der That," lieh er unwillkürlich seinen Gedanken Worte. „Prinz Sogar schwärmt nun schon seit vier Wochen, Gott weiß wo, im Walde herum und ich, der ich für ihn verantwortlich bin, sitze hier einsam und allein und muß warten, bis es ihm gefällt, zurückzukehren. Wenn man das in der Residenz wüßte!"
„Nun, es ist ein Glück, daß die Sache ein Ende nimmt," fuhr er in seinem Selbstgespräche fort. „In acht Tagen kehren wir an den Hof zurück." — Er blickte dabei sichtlich befriedigt auf ein Schreiben mit fürstlichem Siegel, das geöffnet vor ihm lag und worin seine Durchlaucht ihn dringend zu rechtzeitigem Eintreffen aufforderte.
Dabei konnte er aber doch nicht umhin, mit Bedauern an das Ende seines intimen Umganges mit seinem so bestrickend liebenswürdigen, jungen Gefährten zu denken. — Gleichsam zum Trost füllte er einen vor ihm stehenden Krystallkelch bis zum Rande mit duftendem Rheinwein und das Glas legen das Licht erhebend murmelte er mit einem Seufzer: „schade — es war doch eine genußreiche Zeit!"
In diesem Augenblicke wurde die Thür aufge- riffen und Derjenige, mit dem er sich in Gedanken
Donnerstag, den 2. Sptember: Morgens 8 Uhr: Heilige Messen am Grabe des heil. Ceslaus in der St. Adalbertkirche und in der St. Michaelskirche; Intention des Bonifaziusvereins.
Morgens 9 Uhr: IV. geschlossene Generalversammlung im großen Saale des Schießwerder.
Vormittags 11 Uhr: IV. öffentliche Generalversammlung ebenda.
Nachmittags 3 Uhr: Festmahl ebenda.
Von 4 Uhr ab beginnt im Garten des Schietzwerder ein Gartenfest mit Doppel-Konzert, zum Schluß Beleuchtung der Anlagen und Feuerwerk.
Gleichzeitig mit der allgemeinen Generalversammlung der Katholiken pflegen Generalversamm- lnngen spezieller katholischer Vereinsgruppen ^oder Vereine abgehalten zu werden, welche zum Theil mit in das Programm ausgenommen werden, so der deutschen Vinzenzoereine, des Arbeiterwohl, des Raphaelvrreins, des katholischen Juristenvereins. Von einzelnen dieser Verbände stehen die Wünsche über ihre Betheiligung noch aus. Sobald diese eingegangen sind, und spätestens in 10 bis 14 Tagen, wird der offizielle Ausruf des Lokal- komitör mit dem Programm veröffentlicht werden.
Erfreulicherweise scheint die Betheiligung an der Generalversammlung von auswärts, auch von Nichtschlesiern, eine sehr zahlreiche werden zu sollen.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Juli.
• Wie das ,B. T.' wissen will, werden Graf Kolnaky und Fürst Bismarck im Lause des Sommers zusammenkommen; wo, ist zur Zeit noch nicht entschieden.
* Einer Münchener Meldung zufolge werden die bayerischen Minister v. Lutz und v. Emils- heim den Fürsten Bismarck dieser Tage in Kissingen besuchen.
* In den nächsten Tagen begiebt sich der,Nat. Ztg.' zufolge eine Kommiffion bestehend aus Geh. Rath Jordan, Profeffor C. Becker, Professor A. v. Werner, Baurath Ende u. A. nach Hildesheim, um behuss künstlerischer Ausschmückung des großen Saales des dortigen alten Rathhauses, welche auf Staatskosten erfolgen soll, dem Minister Vorschläge zu machen.
* In Kamerun stockt, wie offiziös gemeldet wird, augenblicklich der Handel in Folge der lebhaft beschäftigt, erschien auf der Schwelle. Dem Baron entsank fast das Glas vor Ueberraschung.
„Ach, mein Prinz, das nenne ich pünktlich sein!" rief er erfreut, indem er dem Eintretenden lebhaft entgegeneilte.
Der junge Fürst drückte herzlich die ihm gebotenen Hände, warf dann Hut und Handschuhe auf den nächsten Stuhl und sich selbst in einen der umherstehenden Fauteuils: „Ja, da bin ich liebster Wendelstein", sagte er aufathmend, während er wie in nervöser Erregung die Hände in ein- anderschlang.
„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie angenehm Sie mich überrascht haben," entgegnete der Baron, „Sie nehmen eine Berglast von meinem Herzen, sehen Sie, vor einer Stunde erhielt ich diesen Brief." Er reichte Edgar das Schreiben des Fürsten, welches derselbe hastig überflog, während eine Wolke des Unmuths seine Stirn verdüsterte. — Plötzlich sprang er auf und schritt hastig auf und ab. —
Der Baron hatte ihm ganz erstaunt zugesehen; er bemerkte jetzt auch, daß das schöne Gesicht des jungen Fürsten entschieden männlicher geworden, seit er ihn zuletzt gesehen, und daß um seinen Mund ein scharf hervortretender Zug von Ent- schlofienheit lagerte. „Was ist Ihnen, mein Prinz," srug er beunruhigt, Sie scheinen aufgeregt."
niedrigen Preise für Palmöl und Palmkerne un des Widerstrebens der Eingeborenen, ihre Waaren zu einem billigeren Preise als früher üblich, den Faktoreien zu verkaufen.
* Neuwred, 1. Juli. Der vielbesprochene Prozeß der Rheinbrohler Kirchen-Gemeinde wider die Rheinbrohler Ciosi-Gemeinde, welcher im Jahre 1882 in Folge der Glockmikandale eingeleitet wurde und vier Jahre am hiesigen Landgericht gespielt hat, erreichte heute dadurch seinen Abschluß, daß die Kirchen-Gemeinde ein obsiegendes Urtheil erstritt.
* München, 1.Juli. Der bayerische Landtag ist heute geschloffen worden. In dem Land« tagsabschiede hecht es u. A.: Die allgemeine Theil- nahme sei dem Regenten ein Trost gewesen, die Veifaffung werde ihm die Richtschnur sein. Die enge Verbindung zwischen Volk und Herrscherhaus biete die Gewähr, daß mit Gottes Hülfe unter der Regentschaft dein bayerischen Staate im festen Verbände mit dem Reiche Zeilen des Glücks und Segens beschieden sein werden.
* lieber das Redaktions-Geheirnniß schreibt Wilhelm Koch in der .Kölnischen Volkszeitung' :
Die Wahrung des Redaktions-Geheimnisses von Seiten der Leiter und Verleger periodischer Zeitschriften und Zeitungen galt bisher nicht blos als eine Ehrensache, sondern wurde als selbstverständlich erachtet. Wenn ich diesen für unsere Presse so überaus wichtigen Punkt berühre, so veranlassen mich dazu Vorkommniffe, die von prinzipieller und weittragender Bedeutung sind. Wie der Beamte verpflichtet wird, das Amts-Geheimniß zu wahren und die Verletzung desselben ihn unfähig macht, das Amt ferner zu bekleiden, so hat der verantwortliche Redakteur das Redaktions-Geheimniß zu wahren, wenn auch kein Eid, keine Dienst-Instruktion und kein Gesetzesparagraph ihn dazu verpflichtet. Jeder Stand vom Minister bis zum Kaufmann, vom Richter bis zum Handwerker, vom Diplomaten bis zum Postboten, hat gewisse Geheimkabinete, die vor den Blicken der Außenwelt gehütet werden und gehütet werden müssen, und daß das Zeitungswesen unmöglich wäre, wenn in jedem Redaktionszimmer dem Staatsanwalt und der übrigen Welt die Liste der Mitarbeiter vorgelegt würde, versteht sich von selbst. Die Redakteure können nicht alles selbst schreiben; sie sind auf ihre Mitarbeiter' angewiesen und haben genug zu thun, wenn sie den Inhalt der Zeitungen prüfen und sichten; aber Schriftsteller, die ihre Feder in den Dienst politischer Zeitungen stellen, sind, wenn sie nicht stets im jeweiligen Strome der Regierung treiben, unmöglich, wenn sie der Gefahr ausgesetzt sind, daß jedes einzelne Blatt, das ihre
U„Jch bin es, weil ich fürchte, Ihre Ueberraschung in eine unangenehme zu verwandeln, wenn ich Ihnen den Grund meiner verfrühten Rückkehr mittheile."
„Sie machen mich besorgt, mein Prinz."
Der junge Fürst warf mit einer energischen Bewegung Die schwarzen Locken zurück; er trat dicht vor Den Baron und fragte, ihm tief in die Augen sehend, während er beide Hände auf seine Schultern legte: „Herr von Wendelstein, darf ich glauben, daß Ihnen mein Glück am Herzen liegt?"--
Der Baron legte betheuernd die Hand auf die Brust. „Mehr als mein eigenes, Prinz! aber ich denke," versuchte er seine Bewegung hinwegzuscherzen, „wir gehen Ihrem Glücke entgegen, es erwartet Sie in den Armen einer lieblichen Braut."
lieber des Fürsten belebte Züge flog ein Leuchten. „Wenn es so wäre!" rief er enthusiastisch, und zog den Baron mit sich zum Fenster. „Dort", sprach er, auf eine dunkle Linie zeigend, die sich scharf vom Horizonte abhob, dort im grünen Walde liegt mein Glück, dort ist es mir aufgegangen in ein paar süßen, märchenblauen Augensternen. Ich ließ es hinter mir zurück, aber ich bin gekommen es mir zu erkämpfen, zu ewigem Besitz." — Er schwieg tief athmend, ein weicher Schmelz dämpfte wie ein Schleier die strahlende