Auffassung von den Aufgaben des deutschen Staates hat, trägt dazu bei, daß die Katholiken jeder von den Nationalliberalen gepriesenen Staatsleitung und mehr noch den Nationalliberalen selber das lebhafte Mißtrauen überall entgegenbringen." So ist es und so wird es bleiben.
♦ Die ,Freis. Ztg.' hatte gemeldet, daß Landrath v. Quast zum Landesdirektor von Waldeck ansersehen sei. Die .Kreuzztg.' ver- fichert jetzt, daß die Absicht vorliege, Hm. v. Quast nach Waldeck zu schicken, noch auf Seiten des Genannten der Wunsch obwalte, seinen gegenwärtigen Posten mit einem anderen zu vertauschen.
* München, 30. Juni. Die Abgeordnetenkammer nahm heute gemäß dem Beschluß des Ausschuffes in namentlicher Abstimmung ohne Debatte und einstimmig den Antrag an, den Finanz-Minister zu ermächtigen, die dem Prinz- Regenten zur eigenen Verfügung anzuweisende Summe von jährlich 200,000 Fl. vorläufig aus den verfügbaren Mehreinnahinen des Verwaltungs- Jahres 1884 zu entnehmen. — Der Antrag der Regierung, betreffend die definitive Anstellung von Beamten während der Regentschaft, ist inzwischen vom Ministerium zurückgezogen worden. — Beim Schluß dieser letzten Sitzung der 1881 gewählten Kammer hielt der Präsident eine Schlußrede, welche mit einem dreifachen, begeistert aufgenommenen Hoch auf den Prinz-Regenten schloß. Der Abg. Freiherr von Stauffenberg sprach dem Präsidenten den Dank des Hauses aus. Heute Abend findet eine Sitzung der Kammer der Reichsräthe statt. Morgen wird der Landtag durch den Prinz- Regenten im Ständehaufe feierlich geschlossen.
* Der Sektionsbefund am Gehirn Ludwig's II. wird von einem Fachmann als mangelhaft erklärt. Im Hörsaale des Zootomischen Instituts in Wien hielt Professor Brühl einen populären Vortrag über das Gehirn König Lud- wigs II. Auf den Sektionsbefund übergehend, hebt Professor Brühl hervor, daß ein Fachmann aus demselben ohne Kenntniß des Vorlebens Desjenigen, der ein solches Gehirn befeffen, nicht mit apodiktischer Gewißheit auf langjährigen Irrsinn und Verrücktheit diagnosticiren könne. Uebrigens können auch im Gefolge von Krankheiten binnen wenigen Wochen solche Veränderungen im Gehirn eintreten, ohne daß eine wesentliche Geistesstörung hiemit Hand in Hand gehe. Nachdem weiter die im Sektionsbefunde angegebenen Einzelheiten, die auf wesentliche Theile im Gehirn keinen Bezug nehmen, unmöglich die Verirrung der Handlungsweise des Königs erklären können, so ergebe sich die „Mangelhaftigkeit des Sektionibefundes von selbst."
'Mainz, 28. Juni. Das vorbereitende Sonnte zur Verherrlichung der Consecrations- feier erläßt einen Aufruf an das Volk zur Mitwirkung. Unterzeichnet ist an erster Stelle das Ehrenpräsidium: Dr. Heinrich, Domdekan und päpstlicher Hausprälat, Dr. Moufang, Domkapitular und Regens des bischöstichen Seminars
Lia betrachtete sie voll tiefer Theilnahme. — Sie hatte in diesen Tagen einen Blick in die Seele der Prinzessin gethan und mit dem Instinkt des liebenden Herzens darin gelesen, was Prinzeß Therese bisher vor Jedem, selbst vor der Mutter verborgen. Aus den Phantasien derselben hatte ja geklungen, was sie selbst so beseligend durchströmte: Liebeslust und einen Namen hatte sie wieder und wieder genannt, bei dem ihr eigenes Herz bis in seine tiefsten Tiesen erzitterte: Edgar!
Freilich ahnte sie nicht, daß nicht nur der "Name, daß der Gegenstand ihrer Neigung identisch sei; der Gedanke, daß der Fürst Edgar und Edgar Norden ein und dieselbe Person sei, lag ihr zu fern, als daß selbst die Annahme der Prinzessin, von dem Fürsten gerettet worden zu sein, sie aus denselben gebracht hätte.
Lia Rose hatte in Sinnen verloren nicht bemerkt, daß der Blick der Prinzessin schon eine ganze Weile mit fast zärtlich innigem Ausdruck auf ihr ruhte. Die kurze Zeit hatte genügt, um auch Prinzeß Therese dem Zauber zu unterwerfen, den Lia un- bewußt auf Alle, die mit ihr in Berührung kamen, ausübte. Jetzt streckte sie ihr die Hand entgegen:
„Lia Rose."
„Hoheit."
„Nicht wahr, Sie gestatten mir, daß ich Sie einfach bei Ihrem Namen nenne? er ist so schön, und ich meine fast, man könnte sie gar nicht anders anreden. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein,"
sowie Dr. Oechsner, Bürgermeister der Stadt Mainz.
Ausland.
• Mons (in Belgien), 30. Juni. In mehreren Kohlengruben in Patuvages, Puaregnon und Was- mes§ ist wiederum Arbeitseinstellung eingetreten. Die Sinkenden verhalten sich ruhig.
'Paris, 30. Juni. Frankreich zeigte Eng- : land die Uebernahme des Protektorates über die , Gruppe der Comoren-Inseln an.
'Rom, 30. Juni. Vom 29. bis 30. Juni ! Mittags erkrankten resp. starben an Cholera in Brindisi 5/11, in Latiano 67/24, in Francavilla 27/15, in San Vito 13/11 Personen.
• Londou, 30. Juni. Lord Salisbury demen- tirt kategorisch die Behauptung Parnell's, daß das konservative Kabinet einen Plan zur Herstellung eines irischen Parlaments erwogen oder gar begünstigt habe, ebenso die Behauptungen Parnell's in Betreff seiner Unterredungen mit Lord Carnarvon.
* Rangun, 29. Juni. Laut Berichten aus Tumu (Dberbirnta) vom 19. Juni griffen englische Truppen unter Major Halles 1500 Birmanen an, welche hinter Pallisaden stark verschanzt waren. Obgleich bie Engländer zwei Batterien Artillerie hatten, gelang es ihnen doch nicht, den Feind zu vertreiben, sie mußten sich vielmehr nach heftigem fünfstündigen Kampfe zurückziehen. Hailes selbst wurde verwundet.
* Chicago, 30. Juni. Die Güterzüge der Lake Shore-Bahn verkehren wieder regelmäßig; dieselben werden von der Polizei beschützt.
Aus Stabt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 1. Juli.
* Wir können unseren Lesern heute die erfreuliche Nachricht zugehen laffen, daß der hochwürd. Herr Stadtkaplan Franz Rhiel, welcher sich bereits durch mehrjähriges verdienstvolles Wirken als Verweser unserer Stadtpfarrei die Achtung und Liebe seiner Pfarrkinder in hohem Grade erworben hat, auf erfolgte Präsentation Seiner Exzellenz des Herrn Oberpräsidenten Grasen zu Eulenburg in Cassel durch Dekret vom 28. vor. Mts. vom 1. Juli ab zum Stadtpfarrer von Fulda ernannt worden ist. — Ferner wurde vom 1. Juli d. I. ab ernannt der bisherige Hilfspfarrer Albert Trapp zum katholischen Pfarrer von Rotenburg an der Fulda. Sonstige Ernennungen und Veränderungen, welche im Seel- sorgeklerus unserer Diözese noch zu erwarten sind, werden wir mittheilen, sobald sie perfekt geworden sind.
— Das Lehrer-Jubiläum scheint einer recht zahlreichen Betheilrgung sich erfreuen zu sollen. Als Ehrengäste find die H-rren Provinzialschulrath Kannegießer und Regllrungsschulrath Hasse von Caffel, Bezirksschulinspektor Kögler
von Dermbach (Großherzogthum Sachsen-Weimar) bereits eingetroffen; sodann die Herren Seminarlehrer Müller, Schäfer und Seminarhilfsleh- rer Schneider von Montabaur, die Herren Seminardirektor Schultz und Seminarlehrer Breitenstein von Heiligenstadt. — Folgende Herren: Regierungsschulrath Dr. vonFricken van Wiesbaden, der frühere Seminarlehrer zu Montabaur, Pfarrer Dr. Keller zu Weißkirchen und Seminarlehrer Leimbach, welche sich bereits angemei- det haben, werden heute noch erwartet. Bei der gemüthlichen Unterhaltung, welche gestern Abend in der „Bellevue" stattfand, sind 222 Festkarten ausgegeben worden. Herr Seminarlehrer Dietrich begrüßte Namens des Seminarkollegiums die Anwesenden. Diese Vorfeier nahm einen recht guten Verlauf. Weiterer Bericht folgt.
□ In der gestern Abend abgehaltenen General- Versammlung des Vorschuß-Vereins wurde bezüglich der 4 Punkte der Tagesordnung Kenntniß genommen und Zustimmung ertheilt. Zu 2 „Beschlußfaffung über Gewinnvertheilung und Dividende" wurde der Vorschlag des Ausfichtsrathes einstimmig angenommen. Es werden danach 5% Dividende vro 1885 gezahlt. ZuPunk4Beschlußfas- sung über Ergänzung des § 61 der Statuten wurde >er seitherige Nachsatz gestrichen und wie folgt einstimmig festgesetzt: „Derselbe dient in erster Linie zu Kours- und etwaigen anderen Verlusten." Der Gesammtumsatz pro 1885 betrug 4,399,673 Mk.
* Der übliche Landrathstag der Land- räthe der Provinz Hessen -Naffau wird dieses Mal in Homburg vor der Höhe abgehalten werden.
* Die diesjährige Wander - Versammlung des landwirthschäftlichen Zentral-Vereins ür den Regierungsbezirk Cassel wird am 16., 17. und 18. Juli d. Jrs. in Kirchhain abgehalten werden. Dem reichhaltigen Programm entnehmen wir Nachstehendes:
Ausstellungsbedingungen für die Viehausstellung: 1) Alle Viehzüchter des Centralvereins-Bezirks, sowie die landwirthschaftlichen Veremsmitglieder sind zur Ausstellung berechtigt und werden hiermit zn deren Beschickung eingeladen. Auch Viehzüchter, welche diesem Bezirk nicht angehören, werden zur Ausstellung zugelassen, sind jedoch von der Preisbewerbung ausgeschlossen. 2) Die zur Ausstellung geschickten Thiere müssen gesund sein; entstammen sie Bezirken, wo Viehseuchen herrschen, so bleiben ft- von der Ausstellung ausgeschlossen. 3) Die Prämiirung der vorzüglichsten Thier erfolgt, mit Ausnahme der Pferde und Bienen, durch ein Preisrichter-Kollegium, welches aus 6 Mitgliedern besteht. 4) An Prämien kommen zur Verthei- lunq • A. Aus Mitteln des landwirthschaftlichen Centralvereins zusammen 2050 Mark, 2 silberne und 4 bronzene Medaillen und 8 Ehrendiplome, und zwar: 1) für Pferde 300 Mark und Ehrendiplome. Nur für weibliches preisgeeignetes Zuchtmaterial werden Preise bewilligt. Die näheren Bestimmungen bleiben dem Herrn Landstallmeister v. d. Marwitz überlassen. 2) Für Rindvieh des gesummten Centralvereins-Bezirks 1300 Mark. — Bei Prämiirung des Rindviehes kommen die Vorschriften über die Verwendung der aus Staatsbeihülfe gewährten Mittel zur Hebung der Rindviehzucht vom 1§. April 1867 in Anwendung. Es sind hiernach festgesetzt: 1 Preis von 150 Mk. für das vorzüglichste Thier ohne Rücksicht auf Kategorie, 1
fuhr sie rasch und lebhaft sprechend fort, „wenn Sie auch mich ohne meinen Titel einfach Therese nennen wollten, es klingt so lieb und vertraut und ich möchte so gern Ihnen schwesterlich nahe stehen. Laffen Sie uns Freundinnen sein, Lia Rose, wenigstens für die kurze Zeit, die ich hier bei Ihnen in dieser friedlichen Umgebung verleben darf."
Sie hielt ausathmend einen Augenblick inne, während Lia sich niederbeugte und mit warmer Innigkeit die Stirn der Kranken küßte.
„Ich glaube," hob diese an, „ich habe Ihnen in meinen Phantasien ein Geheimniß verrathen, das ich bisher vor der ganzen Welt verborgen. Es ist mir nicht leid, daß Sie es wissen," fuhr sie heiß erröthend fort, als Lia verwirrt nach einer Antwort suchte, „aus Ihnen spricht eine Seele, die das Höchste und Tiefste, was eine Menschen- brüst bewegt, begreifen kann; „ach und es ist süß," beide Arme um Lia's Hals legend und sie tief zu sich niederziehend, „einer solchen Seele das Wort mitzutheilen, welches das eigene Herz zu sprengen droht mit seiner Ueberfülle an Glück und Seligkeit — das Wort: ich liebe!"
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Wir müssen zu dem Tage zurückkehren, an dem Fürst Edgar die Försterwohnung verlaffen.
In dem eleganten Quartier, das der junge Fürst während seines Aufenthaltes auf der Forstakademie
in X innegehabt, saß am Nachmittag des folgen« den Tages Baron v. Wendelstein und blies, in eine Sovhaecke zurückgelehnt, nachdenklich die Dampfwolken, die zugleich mit einem aromatischen Duft seiner feinen Havanna entströmten, tri blauen Ringeln vor sich her.
Der Baron war ein starker Fünfziger, ©ein kurz geschnittenes Haupt- und Barthaar, einst vom dunkelsten Braun, war bereits stark mehrt und umgab ein Gesicht, dessen gutgeschnittene, geistvolle Züge den Ausdruck liebenswürdiger Gutmüthigkeit zeigten. Derselbe ließ ihn jünger erscheinen, als er in der Thal war und verlieh seiner Erscheinung etwas ungemein Sympathisches.
Sein reger, lebhafter Geist, sowie ein gutes Theil jugendlicher Frische, das er sich zu bewahren gewußt, befähigten ihn vorzüglich für seinen Posten als Reisebegleiter des feurigen jungen Fürsten, dessen eindrucksfähige, allem Schönen und Wissens- werthen zustrebende Natur für ihn selbst wieder eine Quelle steten Gennffes bot. Der Baron hatte seinen Zögling aufrichtig lieb gewonnen, ja seine Nachgiebigkeit gegen denselben ging bis zur Schwache, wovon die augenblickliche Situation ein beredtes Zeugniß ablegte. Er philosophirte aber im Stil* len über dieselbe und konnte nicht umhin, sich einige Vorwürfe zu machen.
(Fortsetzung folgt.)