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Mittwoch, den 23. Juni

1886.

Di« ,Fuldaer Rtihtna* erscheint tätlich, Lorrn» und Feiertag« auigenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der relletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen^ in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 Mk. 75 Pfg. Inserate: Di» einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

<MT Die geehrten auswärtigen Abonnenten werden freundlichst gebeten, die Bestellung der »Fuldaer Zeitung" für das

III. 6initial ds. Is. thunlichst bald bewirken zu wollen, da­mit in der regelmäßigen Zusendung keine Unterbrechung eintritt.

Der neue Telegraphentarif.

Der bevorstehende 1 Juli bringt den deutschen Staatsbürgern eine eigenthümliche und wenig dan- kenswerthe Beschcerung. Der am 1. Juli in Kraft tretende neue Telegraphentarif ist sozusagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit an's Licht der Welt getreten, denn während sonst Neuerungen von weit geringerer Tragweite und von weniger einschneidender Bedeutung Wochen und Monate lang die öffentliche Meinung in Spannung halten und eine ganze Literatur hervorzaubern, vollzieht sich der bedeutsame Umschwung im Depeschentarif fast sang» und klanglos. Freilich handelt es sich dabei in erster Linie um die Jntereffen des Groß­handels» und Börsenverkehrs, und wie die all­mächtige Börse, wenn ihr auch nur die geringste Schmälerung droht, alle Himmel in Bewegung zu setzen weiß und in allen ihr unmittelbar oder mittelbar dienstbaren Zeitungen einen Heioenläcm veranstaltet, so scheint dieselbe Börse auch die Kunst zu verstehen, beruhigendes Oel in die Flu- then der öffentlichen Meinung zu gießen, Alles in ihrem näheren oder entfernteren Bereiche zu rücksichtsvoller Reserve zu veranlaffen, sobald ihr selbstsüchtiges Jntereffe es erheischt. Anders können wir uns die auffällige Stille, welche die Festsetzung des neuen Telegraphentarifs begleitet hat, nicht erklären. Für uns muß das indeffen eine Mahn­ung sein, uns um so gründlicher diesen neuen Telegraphentarif anzusehen.

Die vorigjährige Berliner internationale Tele- graphen-Konferenz beabsichtigte eine Erleichterung des internationalen Telegraphen-Verkehrs, und zwar durch die Herabsetzung der Gebühren und durch die Vereinfachung ihrer Berechnung. Nach den Beschlüssen dieser Konferenz wird im

Nie Tochter des Geigers. 15

Roman von C. Armand.

Mit kraftvoller Bewegung hob der Fürst ihre leichte Gestalt in den Sattel. Die Zügel in ihre Hand legend, gab er ihr die nöthigen Instruk­tionen. Walter faß bereits zu Pferde, indeß der Rapphengst des Fürsten sich aufbäumte, doch Edgar bezwang alsbald seinen Widerstand. —

Die Reitstunde ging glücklich von Statten. Bayard erwies sich nach Lia's Ausspruch als „das Ideal eines Pferdes" und sie selbst als eine talent­volle, gelehrige und furchtlose Reiterin, wie der Fürst und Walter einstimmig versicherten.

Im Forsthause beschloß auf des Försters Vor­schlag ein improvisirter „Ball" den festlichen Tag. —

Als der Vollmond am Abend seinen Silber­schein über die grüne Waldwiese ausgoß, beleuchtete er ein seltsames Bild, das an die sagenhafte Elfen- künigin erinnerte.

Zu den Klängen eines Lanner'schen Walzers schwebte Lia Rosa's zarte Gestalt in den Armen ihrer wechselnden Tänzer über die rasene Fläche dahin, deren Halme sich kaum zu biegen schienen unter ihren Tritten.

War sie empfand, wenn der Fürsten Arme sie umfingen, wenn ihr Haupt sich seiner Brust zu- »eigte und sie seinen Athem über ihre ©time hin­

europäischen Verkehr die Grundtaxe, wo sie noch bestanden hat, aufgehoben, die reine Wort­taxe kommt zur Anwendung und der Normal­gebührensatz erfährt eine einheitliche Gestaltung. Nur für den Verkehr mit Großbritannien und Irland bleibt die Grundtaxe von 40 Pfg. neben der Wortgebühr von 20 Pfg. noch bis 1888 be­stehen, weil erst dann die Koncession der Kabel­gesellschaft abläuft. Auch für den Telegraphen­verkehr mit außereuropäischen Ländern treten we­sentliche Erleichterungen ein. Diese Maßregel ergibt für Depeschen von Deutschland nach säst allen Staaten, welche dem Telegraphen-Verein angehören, eine Verbilligung. Diese internatio­nale Vereinbarung bezieht sich aber selbstredend nur auf den Verkehr zwischen den Vertraasstaaten, auf den internationalen Verkehr, die Festsetzung des Tarifs für den inneren Verkehr ist und bleibt Sache der einzelnen Staaten. Für Deutsch­land lag also an sich keine zwingende Nothwen- digkeit vor, mit Rücksicht auf die Beschlüsse der Konferenz für den inländischen Verkehr die Ärund- toxe aufzuheben und Die Worttaxe zu erhöhen. Wenn es dennoch geschehen ist, so läßt es sich nur erklären aus dem Bestreben, den durch die Verbilligung der Auslandsdepeschen für die Staats­kasse entstehenden Ausfall durch eine theilweise Vertheuerung der inländischen Depeschen auszu­gleichen, und auch — wie das ja ein beliebtes Steckenpferd des Herrn Firku» ist — noch einen angenehmen Profit für den Staatssäckel heraus­zuschlagen.

Sehen wir uns die Sache etwas näher an. Bisher gilt sie uns für den Depeschenverkehr im Inland der Worttarif von 5 Pf. mit einer Grund­taxe von 20 Pf. für jedes Telegramm. Vom 1. Juli ab soll die Grundtaxe von 20 Pf. ganz wegfallen, dafür aber die Worttaxe von 5 auf 6 Pf. erhöht werden. Bei der Zusamm nrechnung wird der Betrag stets auf die nächsten 5 oder 10 abgerundet, außerdem soll auch die kürzeste tele­graphische Depesche mindestens 60 Pf. kosten. Die Einwirkung des neuen Tarifs auf die Preisstellung der Depeschen im Vergleich zum bisherigen Tarif läßt sich am besten an konkreten Beispielen nach­weisen.

wehen fühlte? Wir wollen es nicht zu beschreiben versuchen. Ihr war zu Muthe wie in einem Märchentraum, aus dem sie jeden Augenblick er­wachen könne. In diesen Armen, an dieser Brust hätte sie ruhen mögen ihr ganzes Leben

In den folgenden Tagen wurde der Reitunter­richt fortgesetzt. Lia Rose machte unglaublich rasche Fortschritte, so daß schon nach verhälniß- mäßig kurzer Zeit ein weiterer Spazierritt in den Wald unternommen werden konnte.

Es war ihnen endlich gelungen, den zahllosen Ermahnungen zur Vorsicht von Frau Martha's Seite zu entschlüpfen, und in leichtem Trabe ritten nun die Drei, Lia Rose zwischen den beiden Herren in den Forst hinein.

Der Morgen war wunderbar schön und recht geeignet zu einem solchen Ausflug.

Fast aus jedem Zweig begrüßten Helle Vogel­stimmen die Reiter; das war ein melodisches Zwitschern und Jubiliren um sie her, das kein Ende nehmen zu wollen schien. Ein kräftiger Harz­geruch, das würzige Parfüm des Waldes, wehte erfrischend um sie her, und ein wohlig, kühler Wind spielte neckisch mit Lia's langem Schleier.

Je weiter sie in den Wald eindrangen, desto schöner, großartiger wurde er um sie her, auch stiller und einsamer; fast unhörbar versanken die

Es kostet eine Depesche

bisher:

in,

Zukunft:

bei 3 Worten —.35 Mk.

bei 3 Worten —.60 Mk.

„ 4 „ —.40 „

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„ 1000 „ 50.20 „

u. s.

„ 1000 w.

„ 60.- ,,

Hieraus ergibt sich Folgendes : Kleine Depeschen bis zu 7 Worten werden in Zukunft vertheuert, und zwar um 25 bis zu 5 Pfg., Depeschen von 8 Worten bleiben auf gleicher Höhe, Depeschen von 9 bis 15 Worten werden in Zukunft billi­ger, und zwar bei 10 Worten um 10 Pfg., bei 9, 11, 12, 13, 14, 15 Worten um 5 Pfg., so» dann bleiben Depeschen von 16 bis 20 Worten incl. in Zukunft auf der bisherigen Kostenhöhe, während endlich von 21 Worten an wieder eine Vertheuerung eintritt, welche sich bei Depeschen von 50, 100, 200, 300, 400, 500, 1000 Worten auf 30 Pfg., 80 Pfg., 1.80 Mk., 2.80 Mk., 3.80 Mk., 4.80 Mk., 9.80 Mk. rc. berechnet, also bei wortreichen Depeschen sehr erheblich wird, denn bei Depeschen von über 100 Worten beträgt die Steig er üng des Aufschlags bei jedem wei­teren Hundert 1 Mk., bei Depeschen von über 1000 Worten und jedem weiteren Teufend 10 Mk.

(Schluß folgt.)

Hufe der Rosse in dem üppigen Moosteppich des Bodens. Die blühenden Ziersträucher verschwan­den hier gänzlich, nur Ginster und wildwuchernde Brombeerstauden begrenzten den schmalen Weg; zuweilen tauchten aus dem Dickicht seltsam bizarre Formen auf, die theils langsam durch die Macht der Jahrhunderte, theils in einem Augenblick durch einen herniederfahrenden Blitz geschaffen worden.

Plötzlich lief ein Reh über den Pfad, aber seine Bewegungen waren matt und eine breite Blutspur bezeichnete seinen Weg. —

„Ein Reh, — ach es ist verwundet," rief Lia in klagendem Tone. —

Wenige Schritte vor den Reitern sank das arme Thier verendend zu Boden; in dem brechen­den Blick, den es dabei zum Himmel richtete, schien eine stumme, ergreifende Anklage gegen seinen Mörder zu liegen.

Lia's Augen standen voll Thränen. Den Blick werde ich nie vergessen, sagte sie mit zuckender Lippe, „hätte der unbarmherzige Schütze ihn ge­sehen, ich glaube er würde seinen Schuß bereut haben."

„Armes Thier! Du ahntest auch vor Kurzem noch nicht, wie bald die tödtliche Kugel dich ereilen würde," kam es säst düster von Walters Lippen, „wie weise ist die Vorsehung, fuhr ersinnend fort, daß sie uns die Zukunft verhüllt, wir würden kei-