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Deutsches Reich.
Berlin, 21. Juni.
U* Der Bundesrath hält, da Donnnerstag katholischer Feiertag ijt, seine wöchentliche Plenarsitzung am Mittwoch ab. Auf der Tagesoronung steht u. A. die Entscheidung über den Reichsbei- trag von 3 Millionen zu Der für das Jahr 1888 geplanten Ausstellung in Berlin. Tags darauf wird die Berliner Stadtoerordneten-Versamm- lung sich über den von der Stadl zu gewährenden Zuschuß von 2 Millionen schlüssig machen. Wie die Entscheidung des Bundescaths, von welcher die der städtischen Behörden abhängt, ausfallen wird, gilt noch für sehr zweifelhaft.
• Die Branntweinsteuer.Kommission tritt morgen zusammen, um den Bericht festzustellen. Derselbe wird noch rechtzeitig zur Verrheilung kommen, damit Die zweite Berathung im Plenum Sonnabend siallfinden kann. Man zweifelt nach wie vor nicht daran, daß unmittelbar darauf, vielleicht also am Montag, der Schluß der Reichs- tegSseffion erfolgen wird.
* Der wissenschaftliche Verein polnischer Studenten in Berlin ist aufgelöst worden, indem die Mitglieder derselben vom Universitätsrichter unter Androhung von Disciplinarstrafen zum Austritt aufgefordert wurden.
* Aus Posen, 21. Juni., wird telegraphisch berichtet: „In sämmtlichen katholischen Kirchen wurde gestern der erste Hirtenbrief des Erzbischofs Din der verlesen, in der Franziscanerklrche in deutscher Sprache. In letzterer hielt Nachmittags der Erzbischof gelegentlich eines Ablasies eine deutsche Ansprache, in welcher er hervorhob, daß daß er es für seine Pflicht erachte, zu seinen Diöcesanen in deren Muttersprache zu reden. Dem ,Posener Tageblatt' zufolge ist nunmehr dem Erzbischof das Pallium durch Vermittelung des Cardinal - Erzbischofs Ganglbauer in Wien zugegangen.
* Nürnberg, 21. Juni. Die heutigen Nummern des .Anzeigers' wurden konfiszirt wegen zweier Korrespondenzen aus München und eines dem ,Würzb. Journal' entnommenen Artikels, in
Air Tochter des Geigers. “
vornan von C. Armand.
„O, sagen Sie nicht nein", rief er lebhaft, als der Förster bedenklich zu seiner Frau hinübersah, und schaute dabei die alten Leute mit dem offenen Blicke an, der seine Bitte stets so unwiderstehlich machte. Auch der Förster konnte nicht widerstehen unb willigte ein. Edgar schrieb sofort an seinen Groom und befahl ihm, das Pferd, von dem er dem Förster gesprochen nebst seinem eigenen Pferde und demjenigen, welches Walter benutzt, mit dem nöthigen Sattelzeug unverzüglich herzubringen, aber sein Inkognito aufrecht zu hallen und Sorge zu tragen, daß aus Sattelzeug u. s. w. das fürstliche Wappen entfernt würde. — Zugleich bestellte er für sich und Walter ein paar hübsche passende Festgeschenke; am liebsten hätte er der Geliebten als Geburtstags gäbe seine Fürstenkrone zu Füßen gelegt — doch das konnte ja nicht sein.
Frau Marthas beschäftigende Hände fertigten •c das theure Pflegekind allerlei zierliche Handarbeiten zur Ausschmückung ihres Stübchens. Der junge schmachtende Forsteleve endlich „büffelte" mit wahrem Feuereifer an einem Poem.
Diejenige, der all diese Vorbereitungen galten, ging durch dieselben, scheinbar ohne sie zu bemerken. Ihr ganzes Wesen athmete herzgewinnende
denen angeblich eine Beleidigung |bes Regenten enthalten sei. (Fr. Z.)
* München, 21. Juni. Heute Vormittag fand in der Michaelskirche das erste Requiem für den verstorbenen König statt. Der Münchener Erzbischof celebrirte unter Assistenz dreier Bischöfe und des Domkapitels das Hochamt. Anwesend waren: der Pcinzregent, sämmtliche Prinzen und Prinzcssinen des Königshau es, der Prinz Georg von Sachsen, alle Gesandte, Minister und Hofchargen, Generale, beide Landtagskammern, sowie die Spitzen der Staats - und Stadtbehörden. Stiftsdekan Türk legte seiner Trauerrede den Spruch zu Grunde: „Der Mensch, vom Weib geboren, lebt kurze Zeit und wird mit vielem Kummer gesättigt. Gleich der Blume sproßt er auf und welkt dahin. Ec flieht wie ein Schatten und bleibt nie in seinem Stande". Der Redner hob die Hoffnungen hervor, zu welchen der junge König bei keinem Regierungsantritt berechtigte, wie sich dann der Geist des Königs allmählich durch gigantische Phantasiegebilde verdüsterte und dem Schattenhaften zuwendete. Türk betonte sodann die Initiative des Königs bei den denkwürdigsten Ereignissen der deutschen Geschichte, indem der König durch sein Vorgehen zu der Wiedervereinigung d r getrennten deutschen Stämme zu einer nationalen Einheit und Größe mitgewirkt habe. Die Nation werde dies dem Könige stets gedenken. Der Kirche sei er ein wohlwollender Schirmherr gewesen. Niemals habe die Nachtseite des Lebens ein edleres Opfer gefordert. Die Rede schloß: „Der Hingeschiedene König wurde ein Opfer der düsteren Macht, deren Dasein wir nicht begreifen, der gegenüber wir demüthig die unerforschlichen Rathschlüsse Gottes anbeten müssen. Dieses Opfer verdient unser tiefstes Mitleid; lasset uns das Erbarmen des Allmächtigen für die Seele des geliebten Königs elfte jen."
* Mit der Aufgabe, I. Maj. der Königin- Mutter das tragische Ende Ihres Sohnes mitzutheilen, war I. K. H. Prinzessin Therese betraut. Als Höchstdiefelbe in Eldingenalp ankam, wurde zuerst der Beichtvater der Königin Mutter in's Vertrauen gezogen. Derselbe las nun I. Majestät aus der Bibel vor und wiederholte eine gewisse Stelle dreimal hinter-
Milde und Sanftmuth; sie war gegen ihre Armen womöglich noch hülfreicher als sonst und gegen den Förster und Frau Martha weicher und zärtlicher denn je.
An Walter schloß sie sich mit liebender Innigkeit, wogegen sie gegen den Fürsten jetzt zuweilen eine fast scheue Zurückhaltung zeigte, sie war auffallend still in seiner Gegenwart und wenn er sie anredete wechselte sie jäh die Farbe, einem Alleinsein mit ihm suchte sie so viel als möglich auszuweichen und wenn es sich einmal nicht vermeiden ließ, dann suchte sie mit Eifer irgend eine Beschäftigung die ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, um nur nicht gezwungen zu fein, ihm ins Auge zu sehen. — —
Als der sehnlichst erwartete Festtag endlich an- brach — es war der fünfundzwanzigste Juni — lächelte ein wolkenlos blauer Himmel auf die Erde nieder und Haus, Garten und Wald schmückten sich mit festlichem Sonnenglanze.
Lia Rose erwachte früh, wie gewöhnlich, schlüpfte schnell in ein Morgengewand, verrichtete dann ihr Morgengebet und eilte darauf in den Garten, um sich aus Floras Kindern ihren Festschmuck auszuwählen. Als sie denselben droben in ihrem Kämmerlein angelegt und mit kindlicher Freude ihr Bild im Spiegel beschaut, kniete sie lange an ihrem Betpult: ihr junge« Herz war so voll
einander. Hiedurch stutzig gemacht und von einer düsteren Ahnung erfaßt, fragte I. Maj. ob Dem König etwas zugestoßen sei, worauf Gräfin von von der Mühle erwiderte, daß Se. Maj. sehr krank sei. Hiemit noch nicht beruhigt, drang I. Maj. noch weiter und fragte, ob Ihr Sohn tobt fei, worauf Prinzessin Therese nickte. I. M. fing nun zu weinen an und bat, man möge ihr die volle Wahrheit sagen, und nun theilte Gräfin von der Mühle die einzelnen Details mit. I. M. weinte nun bitterlich über das neue Mißgeschick, doch fügte fie sich mit christlicher Gebuld in das traurige Geschick. Die Königin befindet sich bereits außer.Bett, muß allerdings noch auf einem Sopha ruhen.
* Nach Berichten, welche aus Fürstenried kommen, ist der Zustand des nunmehrigen Königs Otto I. ein äußerst trauriger. Seit einer Woche soll, Berichten des .Pesther Lloyd' zufolge, der bejammernswerthe Fürst ängstlich de» Genuß von Speise und Trank vermeiden und sich scheu in die Ecken feines Appartements drücken. König Otto, der zweite Sohn Maximilians II. und jüngerer Bruder Ludwig's II., galt für einen der geistvollsten und liebenswürdigsten Prinzen der Wittels- bach'schen Dynastie. Zart gebaut, hübsch und von leutseligem Wesen, genoß er die Gunst der Münchener Bevölkerung in hohem Grade. Seine wissenschaftliche Ausbildung war eine sorgfältige und ziemlich allgemeine. 1866 hörte er auf der Münchener Universität die Professoren Giefebrecht und Riehl, bei Ersterm die Geschichte der deutschen Kaiser, bei Riehl die Geschichte der sozialen Theorien. Prinz Otto war einer der eifrigsten Hörer; er wartete Giesebrecht fast nach jeder Vorlesung ab und begleitete denselben bis zur Theatinergasse, sich eifrig mit ihm über den soeben vorgetragenen Stoff unterhaltend, nicht selten wohl auch in polemischer Form. Prinz Otto hörte ferner staatsrechtliche Vorlesungen und besuchte eine Zeit lang auch die Vorlesungen des Professors Moritz Saniere über Aesthetik. In Folge einer Lebensführung, welcher der zarte Körper des Prinzen nicht gewachsen war, verfiel er rapid in seiner Gesundheit. Einst Der lebenslustige junge Mann, verfiel er jetzt in tiefe Melancholie. Stundenlang
frohen Dankes gegen Gott, daß es sie drängte, es im Gebet zu ihm zu erheben. —
Endlich erschien die alte treue Magd, um sie mit strahlender Miene ins Frühstückszimmer hinab- zurufen.
Mit süß verschämtem Lächeln trat fie durch die bekränzte Thüre in das Zimmer in dem, wie der Förster sich ausdrückte, die erste Gratulation im engsten Familienkreise fiattfano.
Als dieser und Frau Martha sie endlich aus den Armen gelassen uno sie auch Walter unbefangen die Stirn zum Kusse bargeboten, nahm sie zuletzt mit tief gesenkten Wimpern auch Ebgars warmen Glückwunsch entgegen, bie Hand, bie sie dabei in die seine legte, zitterte merklich und ihr klarer Teint erschien dabei wie in Rosengluth getaucht. —
Nach Ueberreichung der Festgefchenke fetzte man sich zum Frühstückstisch und that dem von der Försterin gebackenen Geburtstagskuchen alle Ehre an.
Nach beendetem Frühstück sagte der Förster zu Lia, indem er ihr den Arm bot: „So, nun komm einmal mit, es wartet Deiner noch eine kleine Ueberraschung, die wir draußen aufsuchen müssen", und damit führte er die Erstaunte auf den Vorplatz des Hause«.
—Dort stand, gehalten von^ dem Groom des